Mitwirkende: Ein etwas exaltierter Prinz und ein Bote

PRINZ:
Ich kann es nicht ergründen, s’treibt mich an,
ob ich gleich einem Blatt im Herbst mein Schicksal
in fremder Mächte Hände legen muss?
Ob ich’s durch meine eignen Hände formen kann?
Ob’s mir entwischt und dann, so freigelassen,
mich wie ein ungebundener Kobold narrt?
Ich denke, forsche, frage mich und schaudre,
die letzte Grenze lässt sich nicht ergründen.
Ob ich den Kern im Pudel werde finden?

(es klopft, ein Bote tritt ein)

PRINZ:
Was gibt es Pudel? Oh, ich meinte Bote,
Du scheinst ermüdet, doch von echtem Schrote.

BOTE:
Ermattet bin ich in der Tat, denn dieser Ritt
durch Wetter, Nacht und räuberisches Diebsvolk
war sehr beschwerlich, doch ich will nicht klagen.

PRINZ:
So sprich, ich warte, was hast du zu sagen?

BOTE:
Ihr wisst, o Prinz, dass Eure tapferen Ritter
bei Bielefeld sich schlagen mit den Preußen.

PRINZ:
Oh, das vergaß ich fast, weil Generäle
von Schlachten mehr versteh’n als edle Geister,
die – so wie ich’s wohl tu – ihre Gedanken
mit Höherem beschäft’gen, also sprich!
Wie stand die Schlacht, als du die blut’ge Stätte
verließest, drehte sich das Glück, das, ach!,
so unberechenbar uns narrt, wenn wir’s
am wenigsten erwarten – war’n wir siegreich?

BOTE:
Lasst mich berichten, Prinz, von Anfang an,
denn nur ein Ausschnitt, ganz verkürzt und karg,
kann nicht verwob’ne Schicksalsmacht erhellen.
Was dort geschah? Erst stürmten Eure Ritter
geharnischt von den Sohlen bis zum Scheitel
klirrend und lärmend ein auf Feindes Reihen;
doch der – gut vorbereitet – griff die Bögen
und goss ein Meer von Pfeilen auf die Häupter
der Ritter aus, die mutig attackierten.
So mancher Pfeil fuhr in die edle Brust,
die ihm ein Ritter Eures Heers entgegenstreckte –
was eher aber deren Mut noch weckte!
Sie rasten, Roland gleich, das Schwert in ihrer Hand
und manches Feindes Haupt rollte im Sand.
So tobt’ die Schlacht, verzeiht, es war ein Schlachten,
ein Wüten, hin und wider, wie die Wogen
des Ozeans, die Löwen gleichen können,
wenn sie ans Ufer rollen, Unheil bringend.

Ich stand auf einem Hügel leicht erhoben
und konnt’ von oben schau’n des Kampfes Toben.

PRINZ:
Nun komm zur Sache, wie hat es geendet?
Jetzt sagt’s schon, reiß’ dich mal am Bändel,
wer war der Sieger wohl in diesem Händel?

BOTE:
S’war eine Jungfrau, ich will’s nicht verschweigen.

PRINZ:
Wie? Eine Jungfrau? Bote, täusch mich nicht!
Wer mir erlog’ne Zeitung bringt, wird schnell
durch Henkershand dafür die Quittung kriegen.

BOTE:
Wie könnt’ ich’s wagen, frech Euch anzulügen?!
Es war ein Fräulein, zart von Haupt und Gliedern,
das nackt im nahen Weiher fröhlich plantschte,
dann nackt, wie unser Gott es hatt’ erschaffen,
ans Ufer stieg. Und die erschöpften Kämpfer –
nicht fähig eines einzigen Gedankens –
glaubten, den Wassergeist zu sehen, fielen
rings auf die Knie, begannen laut zu beten.
Die Jungfrau deckte ihre Scham betreten.
Dass hier ein Kampf getobt, sie hatte
es nicht gewusst, sie fiel aus allen Wolken.
Als sie so stand, rief plötzlich laut ein Ritter:
„Maria ist’s, des Gottessohnes Mutter!
Sie will den heiligen Frieden zwischen uns,
die heilige Einigkeit uns wieder schenken.
So lasst uns nun das schnöde Kriegsgerät
in diesem Teich, aus dem sie stieg, versenken“.
So kam’s, die Schwerter lagen jetzt am Grund
und Singen drang aus rauher Ritter Mund.
Man schloss – soweit die Rüstung’s möglich machte,
zärtlich gerührt sich in die starken Arme,
drückte sich Küsse liebevoll auf das Visier.
Mancher vermocht’ sogar mit seinen Lippen
kühn eines Preußen Lippenpaar zu schnappen,
sofern sein rostiges Visier ging noch zu klappen.

PRINZ:
Was soll’n wir tun, das dies Ereignis würdigt?
Nun Bote, sprich, du bist des Volkes Stimme.

BOTE:
Oh Prinz, so hängt ein Kreuz in jedes Amt,
es soll den abendländischen Geist verkünden,
den – ohne Söder – wir ja nie verstünden.
Er zeigt uns, wie die Heimat wir erretten
wenn wir allhier noch was zu retten hätten.
Der Söder hat’s uns vorgemacht, der edle Frank’,
und darum sei ihm ewig Lob und Dank.
Lasst die Beamten nun die Dübel setzen,
dass keine Portraitierten uns ergötzen.
Ich muss Euch, edler Prinz, ergeben drängen,
keine Politiker mehr aufzuhängen.
Nicht Bilder! Nein!! Oh Prinz, lasst es verkünden:
Ein Kreuz soll uns, die Bayern, stolz verbinden!
Das Kreuz, es muss aus vielen Gründen bleiben,
Erstens könnt’ mancher sonst nicht unterschreiben,
Zweitens, das Kreuz, das wir hier täglich tragen
heißt Dobrinth und liegt uns wie Blei im Magen.
Und drittens hofft die CSU verstohlen,
sich Kreuze von der AfD zu holen.
Soweit zum Kreuz, und hiermit will ich schließen,
um weit’ren Spott nicht vor Euch auszugießen.

PRINZ:
So sei es Bote! Du machst uns betroffen,
der Vorhang fällt, die Fragen bleiben offen.


© Peter Heinrichs


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Beschreibung des Autors zu "Der Frontbericht (eine satirische Theaterparodie)"

Mit dem fünffüßigen Jambus ist es so eine Sache, er strukturiert den Text, nähert ihn aber auch der normalen Sprechweise an. Das ist einer der Gründe, warum beispielsweise Shakespeare ihn grundsätzlich wählt.

Wenn man eine Weile Dramen in fünffüßigen Jamben gelesen hat, fängt man selber an, so zu sprechen. Und deshalb habe ich dieses Metrum auch für meinen Beitrag gewählt.


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Kommentare zu "Der Frontbericht (eine satirische Theaterparodie)"

Re: Der Frontbericht (eine satirische Theaterparodie)

Autor: mychrissie   Datum: 09.06.2018 0:51 Uhr

Kommentar: Danke Jasmin! Es hat mir auch diebischen Spaß gemacht, das zu schreiben, und ich werde es in fünf Tagen beim Poetry Slam vortragen. Grüße, Peter

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