Mein Bekannter, der Witzbold

Wenn man meinen Bekannten sucht, dann muss man nur nach einer größeren Ansammlung von Menschen Ausschau halten. Dort findet man ihn meistens. Aber nicht als Zuhörer, sondern mittendrin. Als Mittelpunkt sozusagen.

Er kennt unzählige Witze, Anekdoten und Geschichten, die er immer gern unter die Leute bringt. Und die Leute hören ihm gern zu und lieben ihn dafür. Also, was man in diesen Fan-Kreisen so unter Liebe versteht. Er hat eine große Fangemeinde und kommt sich selbst so vor, als sei er der unwiderstehliche Sonnenkönig vom Lebelustig-Land.

Wenn ihn jemand um Rat fragt zu einem bestimmten Problem, dann antwortet er meistens mit einer Anek­dote oder einem Witz. Alle lachen dann meistens, außer derjenige, der sich mit diesem Problem herum­schla­gen muss. Denn mit dieser Art von Antwort kann er leider gar nichts anfangen.

So ist mein Bekannter eben. Immer gut gelaunt und immer unterwegs. Mal hier mal da. Dafür hat er sich sogar einen tollen Schlitten angeschafft. Mit ich-weiß-nicht-wieviel PS/kwH oder sonst was. Natürlich als Cabrio-Ausführung, damit ihn jeder sieht und begrüßt.

Neulich stand er allerdings ziemlich ratlos am Rand einer Landstraße, weil sein Super-Schlitten plötzlich einen platten Reifen hatte. Er musste eigentlich dringend zu einer Veranstaltung, deren Mittelpunkt er sein sollte. Aber jetzt stand er hier mit seinem tollen Schlitten mit ich-weiß-nicht-wieviel PS/kwH und kam nicht weiter.

Natürlich standen sofort wieder viele seiner Fans um ihn herum, aber genauso, wie er selbst, hatten die noch nie ein Werkzeug in der Hand gehabt und wussten nur, wo es eine Werkstatt geben könnte, wo er dann....usw. Aber eigentlich hatten sie sich um ihn versammelt, um weitere Witze von ihm zu hören. Aber meinem Bekannten war in diesem Moment nicht nach Witzen zumute.

Und eine Werkstatt konnte meinem Bekannten jetzt auch nicht weiterhelfen, denn er hatte, wie meistens, kein Geld bei sich und sein Konto bei der Bank war längst überzogen.

Als ich an diesem Tag zufällig in dieselbe Richtung fuhr und langsam und vorsichtig die Menschenmenge am Straßenrand passieren wollte, winkte er mir aufgeregt und kam gleich freudestrahlend auf mich zu. Denn er erhoffte sich natürlich, dass ich ihm wieder mal aus der Patsche helfen würde, wie schon etliche Male zuvor.

Aber diesmal hatte ich wirklich keine Zeit für ihn, denn ich war mit meinem Werkzeugkoffer auf dem Weg zu einem dringenden Termin bei einem sehr guten Stamm-Kunden, den ich nicht enttäuschen wollte.

Denn dieser Kunde vertraute mir und meiner Arbeit schon seit vielen Jahren. Schließlich hatte ich mit mei­nem Werkzeugkoffer und meiner Handwerker-Ausbildung meine Familie zu ernähren und meine Miete zu zahlen.

Leider habe ich nicht das geringste Talent, mein Geld mit Witzen zu verdienen.


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© (C) ChrisKrönig


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