Sie versuchte sich zu beruhigen, ihre Atmung zu regulieren. War es vielleicht doch ein Fehler gewesen ihn mit hier her zu bringen? Verstohlen schaute sie zu ihrer rechten, wo er auf dem hellen Rattanstuhl saß, die Augen voller Aufmerksamkeit auf Violas Tante gerichtet, die gerade im Kreise der familiären Geburtstagsgesellschaft eine Anekdote aus dem letzten Urlaub zum besten gab. Welch banales Geschehen - wäre da nicht... Sie schloss in diesem vollkommen unbeobachteten Moment die Augen und versuchte so schnell wie möglich wieder zu sich selbst zu finden, ehe sie ihm sein Gesicht zuwandte. Ihre Begleitung saß da, nickte schmunzelnd, über was auch immer, hatte die trainierten Beine übereinander geschlagen und die Arme unter hochgekrempelten Hemdärmeln locker auf dem Tisch liegen. Keiner bemerkte diese Spannung. Zur Hölle, war sie wirklich die einzige?
In genau diesem Moment wandte Marlon sein Gesicht zu ihr und seine braunen Augen zogen ihren Blick mit ungeheurer Intensität in ihren Bann.
"Entschuldigst du mich kurz? Ich geh nur schnell zur Toilette." Das sanfte Lächeln bildete einen Kontrast zu seinem leicht verschleierten Blick, auch wenn es nur ein paar wenige Sekunden währte.
"Klar", sie nickte ebenfalls lächelnd und streifte mit der Hand seinen Arm, als er sich erhob.
Er ließ ihr Raum, um sich zu beruhigen, wurde ihr im selben Moment bewusst. Er hatte sehr wohl gemerkt, was los war. Und vor allem warum.
Sie zwang sich erneut ruhig zu atmen, ihr Herz schien einige Etagen tiefer in seine eigentliche Position in ihre Brust zurück zu rutschen. Sie wusste, dass diese ganze Situation in naher Zukunft ihren Preis einfordern würde. Das war ihr klar. Das war ihm klar, welcher gerade wieder das Zimmer betrat. Seine linke Hand ballte eine Faust, wobei seine Sehnen sich deutlich von von der Haut abzeichneten. Mein Gott...
Seine Faust stieß wie zufällig gegen ihren Oberschenkel und ließ etwas in ihren Schoß fallen.
Sie wollte hier weg...


"Ist alles okay bei dir?" Er hielt ihr die Beifahrertür auf und lächelte mit schief gelegtem Kopf.
Sie schon sich auf den Sitz und schloss ohne ein Wort die Tür. Als er neben ihr Platz nahm und anfuhr, schwieg er ebenfalls.
Sie wusste, dass er immer noch auf eine Antwort wartete und ihrem aktuellen Verhalten keine weitere Beachtung schenkte. Weil ihm nicht leid tat, was dieses ausgelöst hatte. Was er getan hatte. Und es musste ihm auch nicht leid tun, dessen war er sich leider auch viel zu bewusst.
"Ja", in knüpfte sie an und sah sturr geradeaus, während sie auf die Autobahn auffuhren.
"Dann ist gut." Ein erneutes Lächeln. Umwerfend.
Beiläufig strich er sich die braunen Haare aus der Stirn, während er die Spur wechselte und aufs Gas trat. Irgendwas trieb ihn.

Keine zehn Minuten später kam der VW vor der Tür eines Mehraparteieinhauses in verblichenem Beige zum Stehen und sie stiegen aus. Wie immer nahm Marlon die zwei Stufen am Eingang auf einmal, nur diesmal schien es Viola, als gäbe es noch einen anderen Grund. Sie schloss die Tür zur Wohnung im Erdgeschoss auf und tat einen Schritt in die Wohnung, legte den Schlüssel ins Wandregal unter der Gaderobe, ehe sie sich langsam umdrehte.
Sie traf auf seinen sich erneut verschleiernden Blick, bevor er mit einem einzigen Schritt bei ihr war. Er umfing ihre Mitte mit beiden Armen, nur um im nächsten Moment seine Hände über ihren Oberkörper bis zu ihrem Gesicht wandern zu lassen. Als er Viola gegen die Tür stemmte, schloss sich diese mit leisem Klick, was jedoch in ihrer erhöhten Atmung unter ging. Sie streifte mithilfe ihrer Füße die Schuhe ab und zog sich die Jacke aus. Marlon trat seine eigenen zur Seite und nahm sie auf den Arm, wobei sie seine Lippen öffnete und sich an ihn drängte. Sie spürte, wie sehr sie ihn wollte und wusste, dass es ihm ebenso erging.
Erst als ihr Rücken statt der Tür die weiche Matratze berührte, realisierte sie durch die allmähliche Verneblung ihrer Sinne hindurch, dass er sie ins Schlafzimmer getragen hatte. Er stützte sich rechts und links von ihr ab, seine Beine hielten ihre umschlossen.
"Sag jetzt kein Wort, Baby", er war heiser. "Bitte nicht. Ich weiß, dass ich dich heute provoziert habe und es tut mir leid. Lass es mich wieder gut machen, dich erlösen."
Sie schnappte nach Luft. Außer Stande ihr Verlangen noch weiter zu ignorieren, fuhr sie mit beiden Händen unter den Stoff seines Hemds, öffnete ungeduldig die Knöpfe. Vom Shirt befreite er sich selbst, so dass sie ihn endlich berühren konnte. Endlich.
Es dauerte keine drei Minuten mehr, bis sie kein Stoff mehr voneinander trennte, sie sich einander hingaben. Langsam fasste er zwischen ihre Beine, suchte den Punkt und versenkte seinen Finger. Ein erster Aufschrei entfuhr ihr, während sie sich ihm entgegen hob. Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ab jetzt zählte nur noch, ihre Grenzen verschmelzen zu lassen...


© MajaBerg


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