Fünfzehn Minuten


... Fünfzehn Minuten ...

nicht mehr verstrichen
zwischen Leben und Tod,
als mein Vater sich ausruhte
mit unserem geliebten Hund an seiner Seite

... Schlaganfall ...

Ich war soeben
im Tanzlokal angekommen
und frohen Mutes, als meine Cousine plötzlich
aus dem Nichts hinter mir stand.

Zuerst freute ich mich noch riesig,
doch ihr Gesicht hatte einen sonderbaren Ausdruck,
ausserdem war sie nicht gerade fein gekleidet und
bestand darauf, dass ich auf der Stelle mitkomme.
Zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, irgend etwas
stimmte nicht. Mit meinen siebzehn Jahren war total
aufgewühlt und durcheinander, bekam jedoch keine
konkrete Aussage.

Als ich aus dem Auto stieg,
lief die Stufen der Treppe hoch, so schnell ich konnte,
da lag mein Papa am Sofa, so wie zuvor als ob er schlief,
doch alle sagten

... er ist Tod ...

ich wollte es nicht hören, die Stimmen hielt ich
gekonnt weit von mir entfernt, nein ich bleib nun hier
dies wird schon wieder redete ich mir selber ein.

Früher wurden
die Körper noch im Wohnzimmer
aufgebahrt und ich erinnere mich, immer wieder
stand ich daneben und dachte er hat sich bewegt.
Falls ich einschlief und aufwachte, war es anfangs
als sei es ein Traum und ich fand mich erneut neben ihm
um auf ein Zeichen zu warten. So ging es Nächte lang.

Doch dann
nur drei Tage später zogen wir oder sollte sagen,
schleppten wir uns auf geschwächten Füssen durchs ganze Dorf,
total aufgelöst hinter dem Sarg her, der auf einer Karre von Pferden
gezogen wurde. Es war ein mühseliger von argen Schmerzen durchzogener
Weg, der nicht zu enden schien.

Jemand spielte das Lied

... es ist Feierabend ...

als der Sarg mit ihm in diese Tiefe entwich ohne mich,
wie sollte ich Abschied nehmen von einem Menschen
den ich über alles liebte, davon hatte ich keine Ahnung.

Als später

... beim Leichenschmaus ...

sich alle lebhaft unterhielten
in diesem Verwandtentreffen, da lief ich einfach
davon konnte es nicht aushalten, dass Menschen
bei ihren Unterhaltungen gelacht haben. Einige fanden es
total nicht akzeptabel und machten meiner armen Mama
auch noch Vorwürfe, keinen Anstand hat sie, es gehört sich nicht.

Aber mir verblieb nur Papas Lieblingssessel auf dem ich mich
zusammengekauert in meiner Leere niederließ und bitterlich
weinte,

denn diese

... fünfzehn Minuten zwischen Leben und Tod ...

sie reichten mir nicht aus...

Ich brauchte Monate
bevor ich begriff er kommt nicht wieder.











Alle Rechte bei der Autorin!


© possum


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Beschreibung des Autors zu "Fünfzehn Minuten"

Ich hab nun auch mal eine Geschichte ganz spontan versucht ... LG! Weiß jedoch nicht ob ich dies kann ...

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Kommentare zu "Fünfzehn Minuten"

Re: Fünfzehn Minuten

Autor: Lisi Schuur   Datum: 31.10.2014 6:58 Uhr

Kommentar: Ich möchte dich nicht beurteilen. Mich hast du sehr berührt !

Re: Fünfzehn Minuten

Autor: axel c. englert   Datum: 31.10.2014 8:59 Uhr

Kommentar: Liebe Possum!

Schön sind stets Deine Gedichte –
Doch gelang auch die Geschichte.

LG Axel

Re: Fünfzehn Minuten

Autor: noé   Datum: 31.10.2014 9:08 Uhr

Kommentar: Possum, ich bin ganz ergriffen und habe Tränen in den Augen. Welch' schreckliches Erleben für dich mit deinen 17 Jahren! So ganz unvermutet, aus dem Leben heraus!
Aber genau hier liegt doch die Tröstung: Er hat nicht leiden müssen, er hat aus dem Leben heraus gehen dürfen!
Trotzdem: Es sind immer die Hinterbliebenen, die leiden.
Arme Possum, auch jetzt noch: Ich knuddel dich.
Und Deine Geschichte ist super erzählt. Mich hast du damit sehr berührt.
noé

Re: Fünfzehn Minuten

Autor: possum   Datum: 31.10.2014 9:17 Uhr

Kommentar: Hallo danke euch herzlich, liebe Lisi, lieber Axel und liebe Noe. Ja liebe Noe, es war schrecklich, bis heute drücke ich mich wo es nur geht von Beerdigungen und falls ich muß habe ich die Bilder noch vor mir. Aber mein Vater wollte immer so sterben sagte immer hoffetlich muß ich nicht mal an einer langen Krankheit leiden usw., hatte auch panische Angst vor solchen Dingern. Wir haben uns daran getröstet, dass es für ihn selber genau der Tod war, den er wollte ... ich weiß nicht heute plötzlich kam dies alles über mich und ich schrieb es einfach nieder ... Lieben Dank und noch viele Grüße an euch alle.

Re: Fünfzehn Minuten

Autor: noé   Datum: 31.10.2014 9:35 Uhr

Kommentar: Es ist gut, dass du es Dir von der Seele geschrieben hast. Dein Papa hätte das sicher nicht gewollt, dass Du dich so viele Jahre damit dermaßen rumquälst.
Ich denke immer, dass die Toten erst wirklich "gehen" können, wenn man sie loslässt. Das ist wichtig für sie. Sie können nicht gehen, wenn wir sie SCHMERZVOLL trauernd hier festhalten.
noé

Re: Fünfzehn Minuten

Autor: possum   Datum: 31.10.2014 11:21 Uhr

Kommentar: Ja man muß sie loslassen ganz gleich wie es schmerzt und oftmals habe ich das Gefühl sie sind näher als man denkt liebe Noe, fällt mir gerade ein, meine Mama war oftmals hier bei uns, als sie starb, sprachen wir über all unsere netten Erlebnisse mit ihr, warteten immer auf ein Zeichen, dann gingen wir spazieren und genau all die Tiere zeigten sich wovon wir zuvor sprachen, sogar ein Reh war aus dem Gehege, wo sie weil sie an Demenz litt oftmals vergaß das Tor zu schließen ... das Tor war zu, aber ein Reh frei, wie wissen wir nicht der große Guana, wo sie beim Erstenmal sich wunderte ob es vielleicht ein Krokodil war und die Riesenschlange die sie voller Angst trotzdem um den Hals sich hängen ließ um ihre Urenkel damit zu beeindrucken, dies inerhalb von 10 Minuten, was eigentlch nie vorkommt ... aber dann brachte der Hibiscus, denn sie mir mehrmals täglich zeigte weil ihr Kurzzeitgedächtnis nicht funktionierte ... zu einer völlig anderen Zeit als sonst vier Blüten hervor ... und als wir dies auch noch sahen fühlten wir eine eigenartige Wärme! So als wollte sie jeden von uns zeigen ich bin ok ... LG!

Re: Fünfzehn Minuten

Autor: noé   Datum: 31.10.2014 11:40 Uhr

Kommentar: Das war bestimmt so, Possum, da bin ich ganz sicher!
Wie schön!!!
noé

Re: Fünfzehn Minuten

Autor: possum   Datum: 31.10.2014 21:13 Uhr

Kommentar: ...ich auch liebe Noe... danke dir lieb! LG!

Re: Fünfzehn Minuten

Autor: Hans Finke   Datum: 07.12.2014 12:39 Uhr

Kommentar: …ich fühle es mit dir. LG Hans

Re: Fünfzehn Minuten

Autor: possum   Datum: 07.12.2014 21:04 Uhr

Kommentar: Herzlichen Dank lieber Hans! LG!

Re: Fünfzehn Minuten

Autor: Daniel   Datum: 07.01.2017 1:49 Uhr

Kommentar: Liebe Possum,

ersteinmal ein Text der mich tief in meinem Herzen berührt hat.
Ich selbst bin erst 16 Jahre alt und habe vor ncoh wenigen Monaten meinen Opa den letzten meiner Großeltern verloren somit fühle ich den gleichen Schmerz.
Großen Respekt an deine Schreibweise wie du diese Gefühle in einen Text verwandeln kannst der eine wahnsinnige Wirkung hat.

LG Daniel

Re: Fünfzehn Minuten

Autor: possum   Datum: 10.01.2017 1:25 Uhr

Kommentar: Hallo lieber Daniel,
och dies mit deinem Opa tut mir sehr leid, es ist immer eine große Lücke in unseren Herzen wenn wir hier zurück bleiben, aber zugleich bin ich überzeugt dass unsere Lieben in einer anderen uns unbekannten Form neben uns bleiben.
Es freut mich das dir meine Weise gefällt, aber jetzt wo ich es so lese, denke mir, ich hätte es etwas besser schreiben können ... aber wenns dich berührt hat bin ich dankbar, meine Gefühle weiterzugeben! Alles Liebe und vielen Dank, denke immer daran dein Opa wacht auch jetzt noch über dich! Liebste Grüße!

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