Peter-und-Paul

Ich stehe inmitten dieser Kirchenmauern.
Die Ehrfurcht lässt mich hier erschauern.
Es zeigt sich in der ganzen Pracht
der orthodoxen Kirche Macht.

Es fällt mein Blick auf den Altar,
verziert mit goldener Engelsschar.
Ein Marmorboden mit edelstem Raster,
überall Gold und Alabaster.

Es ist Petersburg heiligster Ort.
Nicht mit der Tat, gleichwohl im Wort.
In diesem ganzen goldenen Scheine
liegen der Romanows Gebeine.

Es ist ein Ort voll Prunk und Protz.
Aller Armut draußen zum Trotz.
Von überall ein gülden Schimmern,
bedeckt es fast das leise Wimmern

der Bettlerin auf den Kirchenstufen
und sogar des Volkes verzweifeltes Rufen,
denn auch in der allergrößten Not
verteilt kein Geistlicher hier Brot.

Ist das Volk auch bitterarm,
im Schoß der Kirche ist es warm
und so kann man leicht vergessen:
All das Gold kann man nicht essen!


© Verdichter


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Beschreibung des Autors zu "Peter-und-Paul"

Meiner Überwältigung angesichts so viel Gold folgte recht bald die Erschütterung und sogar Wut, denn als all diese Pracht geschaffen wurde, lebten Menschen in Erdlöchern, weil sie nichts anderes hatten und erfroren im Winter, wenn sie nicht schon vorher verhungert sind.
Ja, es ist den Russen wichtig, den Schein zu wahren, aber ein Heiligenschein ist das nicht.

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Kommentare zu "Peter-und-Paul"

Re: Peter-und-Paul

Autor: agnes29   Datum: 11.12.2018 23:35 Uhr

Kommentar: Liebe Verdichter dein Gedicht finde ich sehr schön beschrieben
ich weiß das du recht hast. Wir haben das Glück um es zu bewundern. Ich denke an den Kölner und den Aachener Dom.
Da haben sich die armen Menschen auch kaputt geschuftet.
Es ist schon spät, liebe Grüße fliegen zu dir wo du auch bist. Agnes

Re: Peter-und-Paul

Autor: possum   Datum: 12.12.2018 23:57 Uhr

Kommentar: Liebe Verdichter, mir geht es genauso, ich mag es einfach nicht, wie übertrieben diese Prachtpaläste sich ins Licht rücken ohne Rücksicht auf menschliche Verluste, ein nachdenkliches Werk steht hier, sei lieb gegrüßt!

Re: Peter-und-Paul

Autor: Soléa   Datum: 13.12.2018 17:20 Uhr

Kommentar: Manches schreit schon zum Himmel, liebe Verdichter. Die Reichtümer der Kirchen sind enorm. Aber seltsamerweise, nimmt man es hin, käme nicht auf die Idee, darüber groß zu reden, gar anzuprangern. Der Glaube ist heilig … der Respekt groß!

Liebe Grüße
Soléa

Re: Peter-und-Paul

Autor: Dieter Geißler   Datum: 24.12.2018 9:59 Uhr

Kommentar: Ich hatte die Gelegenheit mir vier Mal diese Pracht in Leningrad (heute St.Petersburg), Moskau, Wladimir und Sudal anzuschauen. Aber auch in vielen unserer Kirchen. Die Schätze sind wunderbar. Aber wie auch schon gesagt, sie wurden von den Kleinen und Armen bezahlt. In welcher Form auch immer.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass das Leben der Sinn ist, sondern der Sinn des Lebens darin besteht - Macht der wenigen zu schaffen.
Ich liebe Weihnachten, aber ich hasse es auch.
Weihnachten ist die schönste Jahreszeit, aber auch der mit den meisten Lügen.
Jeder möge seinen Glauben haben, aber er sollte stets dabei ehrlich sein.

LG Dieter

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