In tiefer Stille, an einem schattigen kleinen Teich in der feuchtwarmen Luft des Urwald sitzt ein kleiner blauer Frosch mit seitlichen roten Streifen unter einem großen Blatt und denkt:
"Wenn alle korrupt sind und scheinheilige Verbrecher, die ihre widerrechtlichen Machenschaften hinter seriösen Fassaden verstecken. Welchem ist dann noch zu trauen? Dann ist wohl jeder auf sich allein gestellt, nach seinem Gutdünken zu erkennen, wofür die meisten blind sind oder gehorsam in diesem Trugbild von Ordnung und Rechtschaffenheit zu leben."

Das freche Flughörnchen einige Äste weiter droben überlegt sich indessen schon einen neuen Plan, wie sich einer große Beute zu bemächtigen ist.
Der dicke Marienkäfer sagt sich, "dass doch alles gut wäre, solange es noch dem Wohl des gemeinen Volkes diene."

Den Paradiesvogel kümmert nur, ob er sich aus jeder Sache herauswinden kann, ohne seinen Status und Reichtum zu verlieren. "Solange es der Creme gutgeht sind mir die Ameisen egal."
Auch das Pfauenauge gefällt nur sich selbst: "Wenn nur der warme Sonnenschein meine Flügel glitzern lässt."

Die pummelige Hummel brummt nur und kümmert sich lediglich um ihre eigenen Angelegenheiten. "Nur das Wohl eines Selbst ist von Bedeutung. Jeder hat für sich selbst zu sorgen. Was kümmern mich da die anderen."
Während die fleißige Biene, die längst bestochen worden ist, nun ihrerseits jemanden besticht.
Ein Makaken-Äffchen, listig und gerissen, täuscht jeden, wenn es nur einen Nutzen daraus ziehen kann. "Ich weiß wie man dieses Spiel spielt. Ich habe es mir nur eben abgeschaut und nun spiele ich es besser als sie."

Die lange hellgrüne Mamba windet sich an einem dicken Baumstamm entlang und zischelt leise in den Sonnenuntergang: "Wer mir nur das Rechte bietet, dem vergifte ich jeden, der ihm im Pfad der Trümpfe steht."

In der Abenddämmerung blinzelt der herrschaftliche Uhu durch seine großen Augen weise zu den Tieren herab und denkt sich, das "der kleine blaue Frosch Recht hat und unter ihnen noch der Klügste ist, auch wenn wir ihn oft oder gerade deshalb gerne zur Ernährung unserer Herrschaft verwenden."

In tiefer Stille, an einem schattigen kleinen Teich in der feuchtwarmen Luft des Urwald sitzt ein kleiner blauer Frosch mit seitlichen roten Streifen unter einem großen Blatt und denkt:
"Wenn alle korrupt sind und scheinheilige Verbrecher, selbst der Staat ist mit ihnen gespickt, die ihre widerrechtlichen Machenschaften hinter seriösen Fassaden verstecken. Welchem ist dann noch zu trauen? Dann ist wohl jeder auf sich allein gestellt, nach seinem Gutdünken zu erkennen, wofür die meisten blind sind oder gehorsam in diesem Trugbild der Herrschaft von Ordnung und Rechtschaffenheit zu leben."

Und dem kleinen Frosch wird klar, dass er nur noch an seinem kleinen Teich einigermaßen sicher ist.


© Robert Lier.scripts


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Beschreibung des Autors zu "In tiefer Stille (short version)"

Die Systeme der Gesellschaften zur Herrschaft, die Staatsformen zum politischen Management solcher, waren noch nie fair (für den einfachen Durchschnittsbürger). Aber welches Staatssystem, welche Herrschaftsform ist das schon und kann das schon sein?

Was in so einer staatlich systematisierten Gesellschaft heute und zukünftig alles so laufen könnte und dies auch tut: hin und herlaufen, unterlaufen, überlaufen, schieflaufen und weglaufen, möchte ich anhand dieser kleinen Geschichte bildlich und interpretatorisch übertragbar darstellen.


Kommentar:
Es existiert auch eine lange Version mit leicht ausschweifenden politischen Erklärungen zur Geschichte, vor der Geschichte, welche ich hier aus stilistischen Gründen zunächst weggelassen habe: Schließlich soll die Geschichte an sich in ihrer vollen Exotik zur Wirkung kommen. Wer sich diese "lange Version" antun will, möge sich entsprechend äußern.

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