Ich weiss, dass meine Mutter einen Liebhaber im Putzschrank hat. Neulich habe ich gesehen, wie er dort kurz herausschaute und die Türe wieder schloss. Ich getraue mich nicht, den Putzschrank zu öffnen. Manchmal frage ich mich, was meine Mutter im grossen Stubenschrank aufbewahrt. Er ist immer verschlossen, und nur Mutter weiss, wo der Schlüssel ist.
Auch Vater hat in seinem Geschäft so grosse Schränke. In einen habe ich mich neulich verkrochen und bin nicht mehr herausgekommen. Als ich wieder erwachte, lag ich in meinem Bett. Ich sei bewusstlos geworden, sagte man mir.
Später werde ich keine Schränke in meiner Wohnung haben. Alles wird herumstehen, damit alle Menschen sehen, was ich habe und was ich nicht habe.
Die Luft hängt schwer,
ein dichter Mantel über Raum und Sein,
Lavendel, Patschuli, Bier – ein Duft, der Schichten trägt,
der sich in Körper mischt, in jede Pore [ ... ]
Ich sitze im Bett! Trinke Tee. Und finde
keine Idee. Ich sehe mich im Zimmer
um. Sehe den Tisch. Mit Tabletten und
Kram. Die Thermoskanne. Den Rollstuhl.
Das Sofa. Den Sessel. Die Lampe. [ ... ]
Sie wollte…,
Sie konnte …,
Sie durfte …,
Und sie wollte immer wieder!
Doch sie konnte nicht!
Durfte sie nicht?
Nein, sie konnte nicht!
Wollte sie nicht?
Doch sie [ ... ]
Ja, ich projiziere.
Ich projiziere auf Menschen,
Die so sind,
Wie ich gerne wäre.
Dann denke ich,
Dass ich so sein würde,
Wenn ich Teil ihres Lebens sein könnte.
Aber was würde das [ ... ]