Einfacher Mord mit Todesfolge

© UKa

Einfacher Mord mit Todesfolge

„Ja, ja da ist er aber platt, aber platt!“, meinte Frau Capra und sah zu Boden. Sie trippelte ein wenig hin und her. „Haben Sie uns verständigt?, wollte Kommissar Hahn wissen während er seinen Kopf ein wenig schräg hielt und nach unten schielte auf das Etwas, dass dort lag. „Um wen handelt es sich?“ stellte er eine weitere Frage ohne auf die Antwort der Ersten zu warten. „Ja, ja, ich habe Sie verständigt, verständigt. Ja, ja, da liegt er nun der dicke Schulz, Schulz! Ja, ja so geht das, wenn man sich immer so aufbläst, aufbläst.“ Bedenklich schüttelte sie ihren Kopf, ihr helles Haar wirkte wie angeklebt.
„Sie notieren alles Frau Duck?“, versicherte sich der Kommissar und blickte zu seiner Assistentin.
„Natürlich!“, empörte sich die gefragte.
„Was soll das heißen, sich so aufblasen?“ Versonnen sah er in die Ferne, über die grünen Koppeln, die Gänseblümchen, der laue Wind der über das Gras strich. Eine trügerische Idylle.

„Nja, Nja der mit seinen Frauengeschichten….!
„Und Sie sind?“, fragte der Kommissar.
„Nja, Nja. Gestatten, Capra mein Name.“ Er wirkte als würde er kauen, zottelig fiel sein Haar an beiden Seiten an ihm herab. „ Nja, nja da hat der dicke Schulz aber ganz schöne Stielaugen gemacht.“ Herr Capra sah auf die hervorquellenden Augen des Toten. Frau Duck sah ihn entgeistert an, Herr Hahn überging das Ganze fachmännisch. So standen sie zu viert in der riesigen Toreinfahrt, durch die man einen Blick auf das mächtige Gutshaus werfen konnte.

„So, Sie sind also der Ehemann dieser Dame“, stellte Hahn fest, „und Sie meinen es könnte aus Eifersucht geschehen sein?“
„Ja, ja, vielleicht aber auch die Kinder, Kinder. Er hat immer behauptet, er hätte mehr Kinder als August der Starke, der Starke. Wer auch immer das ist, ist“, meldete sich Frau Capra zu Wort. Herr Capra kratzte sich am Hinterkopf.
„August der Starke war ein König!“, echauffierte sich Frau Duck, die wie immer ein weißes Kleid trug, ihre kleinen dunklen Knopfaugen funkelten böse. Herr Capra der weiterhin diesen kauenden Eindruck vermittelte meinte dann: „Nja, nja die da oben können ja immer machen was sie wollen. Ich tippe eher auf einen Affen als Täter.“ Wieder diese Kaubewegungen, ein lautes Geräusch nebst einem unangenehmen Geruch erfüllte die Luft. Frau Duck wurde blass.

Der Kommissar sah ihn an. „Einen Affen?! Wie kommen Sie denn darauf? Soll der ihn tot getreten haben?“ Frau Capra stierte unterdessen auf einen Brotkorb der auf den Stufen zum Haus stand.
Denken die nur ans Essen?, ging es dem Kommissar durch den Kopf.
„Nja, Nja der Gärtner war es nicht. Soviel steht fest! Nja, nja. Der hatte frei! In dem Fall in Paris, bei dem Doppelmord in der Rue Morgue, da war es auch ein Affe!“
„Das war ein Gorilla!“, regte sich Frau Duck auf, die noch immer das Einatmen unterdrückte, „und das ist nur eine Geschichte!“
„Nja, nja da haben Sie es, noch schlimmer. Ein Gorilla! Und das hier auf dem Gut!“
„Eine Geschichte! Es ist nie geschehen! Hat sich einer ausgedacht!“ Frau Duck wirkte als wolle sie mit dem Fuß aufstampfen, holte tief Luft und schüttelte sich.

Der Kommissar kniete am Boden um sich die Spuren genauer anzusehen. Vorsichtig strich er über die tief in den Boden ein gefurchten Rillen.
„Nja, nja ich denke er gehörte so einer Sekte an.“
„Aha?“, fragte Herr Hahn, „wie kommen Sie jetzt darauf. Frau Duck rollte mit den Augen.
„Ja, ja du hast Recht, Recht!“, aufgeregt trat sie von einem Bein auf das Andere, „jedes Jahr im Frühling, an den Tag erinnere ich mich nicht mehr, mehr, lief er mit seiner ganzen Familie hier herum, herum.“
„Nja, nja was heißt hier herum? Immer in diese Richtung!“, er deutete mit dem Kopf in Richtung Wald, „nja, nja und groß ist diese Familie! Die reinste Prozession war das immer!“
„Ja, ja und dieser Krach, Krach! Kaum zu ertragen! Kaum zu ertragen!“
Kommissar Hahn sah von einem zum Anderen. „Interessant. Wann war die letzte Prozession?“
Das Paar blickte sich an. „Ja, ja.“ Nja, nja.“ Frau Duck rollte wieder mit den Augen.
„Nja, nja vor drei Tagen.“

Frau Duck machte einen Schritt nach vorn um den Toten in Augenschein zu nehmen. „Ich denke es passt. So lange ist er wohl schon tot.“
„Da haben Sie wohl Recht Frau Duck!“, bestätigte Herr Hahn. Wieder ließ er seinen Blick schweifen.
Zum Haus, zur Scheune über die Weiden zum Wald. Er lief nachdenklich hin und her, wobei sein Kopf immer ein wenig vor und zurück wippte. Unvermittelt blieb er stehen und drehte sich herum. Ein grollendes Geräusch drang aus der Scheune.
„Kombiniere!“ Er sah in den Himmel. „Es handelt sich um einen Unfall! Also ein einfacher Mord mit Todesfolge!“ Alle blickten ihn an. Herr Hahn schritt das Terrain um den Toten ab.
„Wie wir zugeben müssen war der Schulz nicht mehr der Jüngste. In Folge dessen war er der Letzte dieser Prozession.“
„Nja, nja und?“
„Abwarten! Diese Prozession zog sich bis zum Morgengrauen hin, richtig?“ Er blieb kurz stehen, dann setzte er seinen Gang fort.
„Ja, ja hin, hin!“
„In den frühen Morgenstunden, als es noch schummrig war rollte dieser Trecker durch die Hofeinfahrt.“ Kommissar Hahn wies zur Scheune hinüber, „und überfuhr Herrn Schulz! Weil er ihn nicht sehen konnte fuhr er einfach weiter. Seine Familie hat seine Abwesenheit auch nicht bemerkt
und daher wie jedes Jahr, die Krötenwanderung weitergeführt bis zu dem Biotop. Fall geklärt!“
Frau Duck sah zu ihm auf. „Sie sind so genial!“

Er nickte mit dem Kopf, legte ihn dann in den Nacken und rief dreimal: „Kikeriki!“
Die Gesellschaft löste sich auf und der große Trecker fuhr durch das Tor. Die beiden Ziegen trabten zu dem Brotkorb und Frau Duck machte es sich auf der Wiese gemütlich.


© IDee


0 Lesern gefällt dieser Text.


Beschreibung des Autors zu "Einfacher Mord mit Todesfolge"

Keine Idylle auf dem Land, es wartet Mord und Totschlag.

Diesen Text als PDF downloaden



Kommentare zu "Einfacher Mord mit Todesfolge"

Es sind noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar schreiben zu "Einfacher Mord mit Todesfolge"

Möchten Sie dem Autor einen Kommentar hinterlassen? Dann Loggen Sie sich ein oder Registrieren Sie sich in unserem Netzwerk.