Morgengrauen

Sein Fell durchläuft ein angespanntes Zittern.
Reglos steht das Reh im ersten Morgengrau.
Immer wachsam, stetes Wittern,
so trinkt es vom kühlen Tau.

Ich wage nicht zu atmen oder mich zu rühren,
liege im Gras ganz in der Nähe,
doch scheint es meinen Liegeplatz zu spüren.
Es schaut herüber, als ob's mich sähe.

Es blickt zu mir, dann weg, dann wieder hin.
Beide sind wir wie gebannt.
Das Reh entscheidet, dass ich nicht gefährlich bin,
es hat den Freund in mir erkannt.





Ein Knall, ein Satz, das Tier liegt still.
Kaum sickert Blut aus seiner Wunde.
Brechendes Auge, das nicht verstehen will.
Ein fremder Jäger nutzte die Gunst der Stunde.


© Verdichter

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Beschreibung des Autors zu "Morgengrauen"

Beide sind wir im Herzen getroffen.
Das Reh ist tot, ich jedoch lebe
und es ist auf ewig offen,
ob ich mir diese Schuld jemals vergebe.

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Kommentare zu "Morgengrauen"

Re: Morgengrauen

Autor: Wolfgang Sonntag   Datum: 15.04.2019 7:20 Uhr

Kommentar: Liebe Verdichter,
je öfter ich mir das herrliche Bild anschaue und je öfter ich dein ergreifendes Gedicht lese, um so weniger verstehe ich die Menschen, die aus irgendeinem krankhaften Trieb dieser Situation ein Ende machen. Ich möchte das Tier mit dem Menschen austauschen ... aber dann wäre ich nicht besser als dieser Abschaum der Menschheit ...
Liebe Grüße Wolfgang

Re: Morgengrauen

Autor: Ezra Ypsilon   Datum: 15.04.2019 22:30 Uhr

Kommentar: Da bekommt das Wort Morgengrauen eine ganz andere Bedeutung. Mehr Grauen als Morgen. Sicherlich beabsichtigt. Ein leider sehr passender Titel.
E.Y.

Re: Morgengrauen

Autor: Ezra Ypsilon   Datum: 15.04.2019 22:30 Uhr

Kommentar: Da bekommt das Wort Morgengrauen eine ganz andere Bedeutung. Mehr Grauen als Morgen. Sicherlich beabsichtigt. Ein leider sehr passender Titel.
E.Y.

Re: Morgengrauen

Autor: possum   Datum: 16.04.2019 2:54 Uhr

Kommentar: Liebe Verdichter,
dies ist so traurig, ein wundervoller Moment und dann mit dem Schicksal. Aber bedenke, dieses Tier war wenigstens in Freiheit so lange es leben durfte, aber was wir mit Hühnern oder Schweinen machen usw dies ist unverzeihlich und doch geht es weiter mit Profit und Nachfrage ... leider!
Ich kann dir es sehr gut nachfühlen, wir übernahmen mal Rehe, welche hier ein Riesengehege hatten von einem alten Mann und irgendwer meinte wir sollten sie doch züchten, natürlich konnten wir sie weder züchten und schon gar nicht schlachten, alle neun starben langsam an Alterschwäche und wurden zugefüttert mit feinen Schmankerl, wir ließen oft die Pforte offen um ihnen mehr Freiraum zu geben aber am Abend kamen sie gerne zurück.
Es war eine herrliche Zeit noch dazu übertrumpften sie unseren sogenannten Wachhund, denn ich erst aufmerksam machen mußte, dass jemand kommt. Die Rehe aber, legten mit ihren Bellton los, sobald etwas Anderes hier Im Wald war, was nicht in die Gewohnheit passte,
Viele liebe Grüße an dich!

Re: Morgengrauen

Autor: possum   Datum: 16.04.2019 2:56 Uhr

Kommentar: Wachhund, den ich erst ... sollte es oben heißen ... sorry zwei n ... autsch!

Re: Morgengrauen

Autor: humbalum   Datum: 18.04.2019 8:47 Uhr

Kommentar: Hier gibt es Leute die veröffentlichen 10-15 Texte in einem Stück! Verstehst Du was das soll! Und meistens taugen da keiner was! WEr schreibt will doch sagen das er was begriffen hat! Und so irgendwie klug ist! Aber das ganze Verhalten passt da nicht! Ein gutes Gedicht! Die Natur voll im Blick! Ein berührender lebendig geschriebener Text! Spitze! Klaus

Re: Morgengrauen

Autor: Soléa   Datum: 19.04.2019 14:21 Uhr

Kommentar: Da hatten wir das gleiche Wild vor der Linse mit verschiedenen Gegebenheiten... meine ist mir jedoch lieber und deine mir, hier, wo ich wohne absolut nicht fremd.

Liebe Grüße
Soléa

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