Es geht schon morgens entmutigend los. Als ich aufwache und meine Frau frage, ob sie manchmal auch träumte, sie wäre ein Mann, kommt die knappe Gegenfrage: „Du?“.

Während etwas später mein Tee in der Kanne zieht, lese ich im Internet, dass die englische Königin bestimmte Pillen vor wichtigen Empfängen einnimmt, damit sie nicht zwischendurch aufs Klo gehen muss. Ich stelle mir vor, dass die hochbetagte Queen Elisabeth ihre Pillen vergessen hat und in vollem Ornat auf’s Dixi-Klo rennt. Ich muss laut lachen.

Dann gehe ich in die Uni und zeige in einem Seminar über Vortragstechnik einen Youtube-Clip über Paul Pods und seinen Sieg bei einer englischen Castingshow.

Ich erwähne, dass die Arie, die er singt, aus Turandot stammt. Da meldet sich ein Student mit der Frage: „Ist die Musik für die VW-Werbung geschrieben worden, für den VW Touran? Und find ich die auf touran.dot.com? Es gibt Wissenslücken, die sind so groß wie der Marianengraben.

Mittags höre ich Nachrichten. Es geht um den Stimmenverlust bei den beiden sogenannten Volksparteien, und dabei kommt mir eine weitere Assoziation. Ich stelle mir vor, dass vor dem nächsten SPD-Parteitag Söder zu Olaf Scholz geht und ihm den Rat gibt, sich einfach ein bisschen bayerischer zu geben, das sei ein sicherer Weg zum Erfolg. „Kein Problem“, sagt Scholz, „bayerisch zu sein fällt mir als Hamburger ja s-tets leicht“. Und dann fragt er beim Parteitag die Basis: „Ja, wos wollt’s ‘n ihr Bazis eigentlich?“ und alle schreien: „Maoam!“ Scholz ist indigniert: „Was?! Ihr wollt Mao ha’m? Nee, ihr müsst Euch schon mit der Nahles zufrieden geben“.

Ich verlasse die Uni. Auf der anderen Straßenseite hat eine kleine Reparaturwerkstatt aufgemacht. Groß steht auf einem Schild das Wort „Unfallinstandsetzung“. So ein Quatsch, ich bin froh, dass mein Auffahrunfall vor einem halben Jahr vorbei und geregelt ist. Warum sollte ich meinen Unfall wieder instandsetzen lassen? Muss ich ihn dann noch mal erleben?

Nachdem ich unter ein Schild mit der Aufschrift „Die Tauben nicht füttern“ im Vorbeigehen noch schnell mit Filzer geschrieben habe „und was ist mit den Blinden?“, betrete ich die S-Bahn Station. Dort klingt aus den Lautsprechern eine quäkige Ansage: „Auf Gleis 1 fährt ein die S8 nach Herrsching, der Zug hält im Abschnitt von B bis C“. Was denkt sich wohl ein teilintegrierter, des Deutschen nur lückenhaft mächtiger Asylant bei einer solchen Durchsage? Die Deutschen sind ein brutales Volk, die lassen einen Zug über einen Abschnitt von Babies Zeh fahren. Schreckliche Vorstellung!

Mittags gehe ich zu MacDonalds und bestelle mir zum Big Mac ein Bier im Styroporbecher, ich kenne die Marke nicht, aber nach dem Geschmack zu urteilen, müsste das Bier eigentlich „Urinator“ heißen. Und das Essen in dem etwas anderen „Restaurant“? Da könnte man auch gleich Hundefutter essen. Aber warum sollte ich dann nicht gleich den Hund essen, da ist das Hundefutter ja bereits drin? Gefüllter Hund, dafür würde MacDonalds sicher einen Stern kriegen.

Ich steige aus, nachdem ich eine Reihe von überlaut geführten Geschäftsgesprächen mithören musste. Industriespion in der S-Bahn! Das wäre doch noch ein aussichtsreiches Berufsfeld. Vielleicht sollte ich umsatteln. Die Chinesen zahlen sicher nicht schlecht. Vielleicht schenken sie mir sogar ein neues Huawei, dann hätte ich sogar künstliche Intelligenz in der Tasche. Aber Vorsicht, die Strahlung! Neulich habe ich eine Anzeige gesehen, in der für Unterhosen geworben wurde, bei denen die Baumwolle mit Metallfäden durchwebt war. Zum Strahlenschutz der Kronjuwelen. Ich stelle mir vor, was passieren würde, wenn ein Blitz in einen Menschen mit so einer Metallunterhose einschlagen würde, was wäre dann wohl von seinen Kronjuwelen übrig?

Am Nachmittag hole ich noch das Kind meiner Nachbarin aus der Mittagsbetreuung für sie ab. Der kleine Maxi kommt mir entgegengerannt und in diesem Moment läuft ein über und über tätowierter Mann vorbei, Maxi winkt mir, dass ich mich zu ihm hinunterbeugen soll. Er flüstert mir ins Ohr: „Peter, ob der Onkel mich die Bilder ausmalen lässt?“ Vielleicht hätte er ja auch fragen können, ob der Onkel ihm den Ring in der Nase zum Spielen überlässt.

Es gibt immer zwei Möglichkeiten, welche ist aber besser? In solchen Fällen sollte man sich an Lukas Podolski halten und seinen Spruch: „Ich weiß nicht, was in dieser Situationen besser ist. Es überwiegt eigentlich beides“.


© Peter Heinrichs


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Kommentare zu "Ein Spaziergang durch Absurdistan"

Re: Ein Spaziergang durch Absurdistan

Autor: mychrissie   Datum: 09.12.2018 11:13 Uhr

Kommentar: Kleine Anmerkung vom Autor: dieser Text wurde für einen 5-minütigen Poetry Slam geschrieben.

Re: Ein Spaziergang durch Absurdistan

Autor: mychrissie   Datum: 09.12.2018 11:13 Uhr

Kommentar: Kleine Anmerkung vom Autor: dieser Text wurde für einen 5-minütigen Poetry Slam geschrieben.

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