Heute möchte ich Euch von den gedanklichen Umtrieben des Professors Dr. Dr. Anatol Blublu berichten, der als außerordentlicher Professor an einer bekannten Universität auf einer Insel nahe des Polarkreises lehrt.

Professor Blublu ist dort beliebt wegen seiner oft verblüffenden Ideen und Thesen. Zwar haben einige seiner Kollegen immer mal wieder über seine Einweisung in eine geschlossene Anstalt nachgedacht, diese Überlegungen jedoch aus Respekt und Ehrfurcht vor seinem Genie nie weiter verfolgt.

Auch nicht, als er eine sehr skurrile Fastenkur begann, indem er Bandnudeln an beiden Enden mit einem Scheinloch aus Lebensmittelfarbe bedruckte, weil er dann ja die Bandnudeln für Makkaroni halten würde. Er würde dann denken, er sei satt, obwohl er keine Nudelröhren zu sich genommen hatte, sondern nur Nudelbänder, die seinen stattlichen Körper rein rechnerisch nur mit dem 3,1415926ten also Pi-ten Teil der Kalorien belasteten, die er glaubte, zu seiner Sättigung zu benötigen.

Über diese Aktion konnten die Kollegen des Universitätslehrkörpers nur die Köpfe schütteln, was ihr eigenes Gewicht freilich nur unwesentlich reduzierte.

Es folgt jetzt eine der letzten Vorlesungen des Professors, die von den anwesenden Studierenden mit großem Klopfbeifall bedacht wurde. Ich verlese die Mitschrift eines fleißigen Zuhörers, der heute als Taxifahrer arbeitet und sie deshalb selber nicht mehr benötigt:

„Liebe Kommiliton-Sternchen-innen,

in meiner heutige Vorlesung möchte ich mich mit der Entstehung des Universums befassen. Ich hoffe, es wird den einen oder anderen von Ihnen nicht verunsichern, wenn er manche lieb gewonnene Vorstellung über Bord werfen muss.

Nun! – stellen Sie sich vor, Sie haben zwei gerade Linien, die sich durchkreuzen. Ihr Schnittpunkt wird nichts anderes sein, als der Name bereits besagt – ein Punkt. Somit ist das Schnittgebilde zweier eindimensionaler Gebilde logischerweise nulldimensional.

Schneiden sich zwei Flächen, die, wie wir wissen, zweidimensional sind, so entsteht eine Gerade, also ein eindimensionales Schnittgebilde.

Durchdringen sich jedoch zwei dreidimensionale Körper, so bildet sich in ihrem Durchdringungsbereich eine zweidimensionale Schnittfläche.

Ich fasse zusammen: Das Schnittgebilde hat immer eine Dimension weniger als die beiden sich schneidenden Gebilde. Wer könnte also widerlegen, dass unser dreidimensionales Universum das Schnittgebilde zweier vierdimensionaler Universen sein könnte?

Wenn diese sich berühren, ereignet sich der sogenannte Urknall. Je mehr sich die beiden vierdimensionalen Universen durchdringen, desto größer wird auch das entstehende dreidimensionale Universum, was seine nachgewiesene Ausdehnung ja auch belegt. Aber das Universum schrumpft natürlich auch wieder, wenn die Durchdringung auf ihr Ende zugeht. Lösen sich die beiden vierdimensionalen Universen wieder voneinander, so ereignet sich ein negativer Big Bang und unser dreidimensionales Universum verschwindet. Auf Nimmerwiedersehen!

Sie werden jetzt einwenden, dass man sich das nicht so greifbar vorstellen darf, die derzeitigen Hypothesen der Entstehung der Welt seien schließlich weitaus komplexer. Aber muss das so sein?

Lassen Sie uns im morgigen Seminar weiter darüber diskutieren.

Aber wie immer, und wie es Ihnen – so wurde mir berichtet – auch viel Spaß bereitet, möchte ich meine Vorlesung mit einem amüsanten Gedankengang aus dem simplen Alltag beschließen, in dem ja auch Sie als Student-Sternchen-innen sich bewegen müssen.

Sie haben heute morgen sicher vor einem Spiegel gestanden, als Sie sich ankleideten.

Ist Ihnen aufgefallen, dass rechts und links vertauscht waren, als Sie sich betrachteten?

Und haben Sie sich auch überlegt, warum der Spiegel zwar rechts und links vertauscht hat, aber nicht oben und unten? Warum haben Sie Ihren Kopf nicht unten und Ihre Füße oben gesehen?

Und wenn Sie sich spaßeshalber mal quer vor den Spiegel gelegt hätten, wären rechts und links, also Kopf und Füße erstaunlicherweise nicht vertauscht gewesen, obwohl es Ihre Hände soeben waren. Liegt das an den Füßen oder am Kopf? Oder anders gefragt, befinden wir uns bereits in einem viel-dimensionalen Universum, das sich uns nur vor Spiegeln offenbart?

Denken Sie bis zur nächsten Vorlesung einmal darüber nach!

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit“.


© Peter Heinrichs


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