Die Möbel stehen dicht beieinander, schwarz, minimalistisch, funktionell. Die Luft ist kalt. Glatt gemauerte Steinwänden begrenzen den unbekannten Kellerraum. Der hintere Teil ist höher, zwei Stufen wie ein flaches Podest. An der Wand hängt eine digitale Anzeige, welche auf 11:11 stehen geblieben ist. Die Zeit scheint unmessbar. Entspannt liegt sie, meine Herrin auf einem breiten Ecksofa, die nackten Beine leicht übereinander geschlagen. Ich gehe einige Schritte auf sie zu.
„Guten Abend meine Herrin.“, sage ich nervös. Die schwere Kette, welche eng um meinen Hals liegt, beschließt gerade in diesem Atemzug noch eindrücklicher spürbar zu sein. Ich stehe wie ein Idiot mitten im Raum. Wie jemand, der an dieser Stelle keine gute Figur macht, noch sich wohlfühlt. Die Mitte ist zu hell. Und ich scheine nicht.
Sie sagt nichts, den Kopf bequem zurückgelegt, ihr Kinn etwas erhoben, als sonnt sie sich. Etwas daran bringt mich völlig durcheinander. „Darf ich näher treten, meine Herrin?“, frage ich heiser.
Ich warte angespannt. Sie schweigt weiter und sieht mich auch nicht an. Doch ich schaue sie an, mache das ganz bewusst. Ich will genießen hinsehen zu dürfen, so lange wie möglich. Sie zeigt sich, wie sie ist. Voller Selbstbewusstsein und Stolz. Es wirkt elegant. Ein allumfassendes Bild scheint unmöglich. Lässt sich das Innere denn vernünftig in Worte fassen? Andererseits ist es zu viel wertvoll dafür. Ich würde es gern behalten
Mein Blick streift über ihre Augenlider, über ihr Kinn, zeichnet ihre Lippen, vorsichtig, als hätte ich noch einen Pinsel in der Hand. So als könnte ich sie malen. Ihre Wimpern sind schwarz. Instinktiv gucke ich sprunghaft zu den anderen magnetischen Stellen ihres Körpers. Dabei begebe ich mich jedes Mal gedanklich in ein Dilemma. Das Verhalten kommt auf Dauer dezent dreckig rüber. Als kann ich meinen Trieben nicht ganz Einhalt gebieten. Es zeigt auch auf wie anziehend sie ist. Was würde es aussagen, wenn ich nicht hinsehe, sie nicht beschreibe. Schlussendlich, weiß ich nicht, ob und inwieweit ihre Wirkung von ihr beabsichtigt ist.
Meine Herrin antwortet weiter nicht, und ich bin zunehmend unruhig was los ist. Ein Leerzeichen breitet sich in meinem Kopf aus. Es nimmt gute Worte, die ich ersonnen hatte weg und gibt oberflächliche zurück. Anmerken lassen will ich mir das nicht. Mir ist auch bewusst, das sie mich nicht eingeladen hat. Vielmehr wirkt es, als hätte sie es offen gelassen. Daraus schließe ich schematisch, das sie kein großes Interesse hat und keine hohen Erwartungen an meine Leistung. Drei schwarze Fichten. Auf emotionaler Seite denke ich erfahrungsgemäß schwarz, das sie erwartet, das ich es wieder nicht schaffe. Nicht unbedingt negativ konnotiert, sondern gleichgültig, denn das kam schon öfter vor. Daher ist es nachvollziehbar. Doch mich zieht sehr runter, wenn sie so denkt… Es wirkt ein, als bin ich ein Versager, noch bevor ich es versucht habe.
...und das quasi noch vom letzten Mal. Das spornt nicht an, die Denkweise, jetzt besser zu sein. Ich bin schwarz. Nicht nur meine Kleidung, mein Geist. Allgemein verstehe ich nicht, wie Negatives jemanden anspornen kann, im Gegenteil. Es raubt die Kraft. Man muss dazu wohl genug positiv sein. Bei einem halbwegs gesunden Maß sein. Und gleichzeitig noch ausreichend Kraft haben, das wird es sein. Ich schäme mich vor ihr für diese unpraktische Funktionsweise meinerseits. Das ist nicht so kämpferisch. Und es stört offensichtlich. Nur, ist das zu verurteilen, wenn man nichts dafür kann
Es gibt etwas, das mich unentwegt kämpfen lässt. Auch dann, wenn ich nichts mehr halte, kann ich nicht aufgeben. Kann sehr qualvoll sein. Wer mag nicht wenn alles pechschwarz ist. Doch ich kann mir selber kein positiv bauen. Da ist… einfach nichts
Kein Wort von dem ist tatsächlich gefallen. Das gelangt nicht in die wörtliche Rede. Jedoch schon solch ein Gedankengang kann weitreichend mein Handeln in einer Situation beeinflussen. Oft hoffe ich dann wortlos, das sie das alles negativ sieht und mich bestraft. Dafür von ihr gedemütigt zu werden, ist die wundervolle Seite an diesem, sonst bitteren Sachverhalt.
Alles was ich gerade tun kann, um ihre Aufmerksamkeit zu verdienen, ist meine Herrin vom Gegenteil überzeugen. Das ich nicht versage. Sie positiv überraschen. Es braucht einen ungewöhnlichen Weg. Vielleicht ist das genau das, was sie erwartet. Als würde sie sagen: Zeig mir, warum ich dir erlauben könnte zu bleiben.

„Wie lange genau, stehst du da noch dumm rum!?!“
„Bitte verzeih mir, meine Herrin… “, zucke ich zusammen, und knie mich sofort hin. Mitten im Raum. Ich hätte zuerst knien müssen. Dann denken. Oder auch dann besser nicht denken? Immerhin, kam ich schon nach einer Ewigkeit bereits zum Fazit. Tolle Leistung. Der Fehler erscheint mir jetzt fatal.
Ich glaube schon nicht mehr daran, diesmal wesentlich besser zu sein. Nicht, weil ich für sie kein Kampfgeist hätte, sondern weil es einfach niemand glaubt. Die Wahrscheinlichkeit steht auch dagegen, und der Fehler. Soetwas gleich zu Anfang ist besonders deplatziert. Sie bräuchte wahrhaftig nicht viel um mich jetzt zu zerquetschen. Nur das sag ich nicht laut.
Ist Kraft nicht es trotz solcher Gedanken jedes Mal zu versuchen. Immer wieder. So zu tun als wäre nichts. Als geht es mir gut. Für sie
- Zu ehrlich sein, ist wohl nicht gut. Das hinterlässt schlechten Eindruck. Wenn es alle wären, würden niemals zwei Menschen zusammenbleiben -
Ihr Blick verändert sich nicht, sie starrt mich nieder. Es ist als könnte sie Gedanken lesen manchmal.
„Darf ich vor dir liegen, bitte?“, frage ich vorsichtig.
Es kommt mir vor, als passt nur das an diese Stelle. Meine spontanen Ideen sind nicht gut genug, um sie zu nennen. Das hab ich versucht. Meine Stärke ist nur, dennoch vor ihr zu knien, und niemals aufzuhören.
Sie ignoriert mich. Womöglich kann man halb im Boden versinken, zumindest sehe ich jetzt dorthin. Das schlechteste Urteil mache ich selber. Wenn dieses von ihr käme, würde das dennoch mehr entlasten als meines; oder als das leere Schweigen, in dem ich einfach nicht weiß
Ihr Schweigen tut weh. Lässt Fragen explodieren und generiert schwärzeste Vermutungen, bis es zu viel wird. Ich wünschte, das sie mich anschreit und beschimpft, schlägt und körperlich quält.
Sie macht es gerade schwer diese Anspannung zu lösen. Und ich weiß nicht, was ich ihr sagen könnte.
„Nun mach schon.“, meint sie unvermittelt.
Ich krieg keine Antwort raus.
Daher krieche ich stumm zu ihr und lege mich vor sie auf den Boden. Die Leine schleift dabei rasselnd. Die Spannung ist nicht hundert Prozent weg, aber es erleichtert sehr.

Mein Kopf befindet sich neben ihren Beinen. Es ist kühl am linken Ohr. Ich höre ihren Atem und meinen. Das Brummen der Leuchtstoffröhren an der Wand. Der rote Lichteinfluss scheint ruhig auf die dunklen Möbel. Sie stellt ihren Fuß im schwarzen kniehohen Stiefel direkt vor mein Gesicht. Ich weiß nicht, ob sie gerade auf mich herabsieht, aber meine Wange fängt an zu brennen. Still stelle ich mir vor, das sie jetzt meine Leine halten würde, spürbar. Die Sehnsucht, das das Realität würde, verschwindet sich nicht. Sie schmerzt heftig. Auch nach langer Zeit, ist da etwas, das ich nicht benennen kann. Doch nur ich bin vernarrt in sie. Hinter dem Sofa erstreckt sich leergefegter Betonboden. Tausende Korrekturen lassen die Zeit schwer, wie Lava fließen. Es ist nicht möglich die Gedanken exakt wiedergebend aufzuschreiben.
„Bitte kannst du mir verzeihen, meine Herrin?“
Ich hab gerade nichts mehr. Keine Waffen. Nur eine Bitte, und doch ist sie schwarz.
Zwei Minuten vergehen.
Sie sagt nichts, als erwartet sie mehr, dennoch wirkt es friedlich. Ich überlege, und versuche einzuschätzen was hier angemessen wäre, aber ein Plan gibt es nicht. Es kommt alles dennoch so roh heraus. Am besten ist es wohl immer noch, direkt und einsehend zu sein. - Absolutismus kann ebenso verderben wie helfen.
„Ich bin ein dreckiger Köter, meine Herrin. Und gerade, vermutlich nicht wert deine Schuhe sauber zu lecken.“, rede ich weiter, aber merke bereits, das es nicht allzu gut ist.
Sie schweigt darauf. Ich lasse mich nicht irritieren, vielleicht wird es noch besser.
- hat das je funktioniert? Zumindest, dachte ich das. Wenn ich erst mal eingetaucht bin… das es dann eine kompatible Form annimmt -
Schnell versuche ich noch mehr hervorzuholen: „Du hast mich erst zu einem braven Hund gemacht, so wie du…“ streng? Nein das trifft es nicht richtig. Dominat? Das hat sie sicher schon oft gehört. „- bist, meine Herrin.“
Was hab ich da für schlappes Zeug geredet… Es kommt nur ein geringer Abklatsch dessen raus, was innen ist. Die Kabel sind schlicht fehlerhaft. Und ich weiß in solchen Situationen auch oft nicht wie. Wie sie es hören will. ...oder, ob sie das überhaupt noch will
Spontan kommen im Grundsatz mittelmäßige Worte. Oder schlechte. Selten entstehen auf die Art solche, die alles schweben lassen. Und wenn es passiert, weiß ich im Nachhinein nicht mehr, wie ich es angestellt habe. Im Kopf konstruiere ich derweil wie so oft das Gespräch:
Ich weiß schließlich nicht was du denkst, meine Herrin, versuche ich mich zu rechtfertigen.
Doch mittlerweile solltest du wissen was ich will, oder zumindest die Stimmung einschätzen können, du dummer Hund, erwidert sie.
Das würde vielleicht funktionieren, wenn du etwas sagst meine Herrin. Mut und Frechheit, liegen wohl zu nah beieinander, füge ich bitter hinzu, deswegen sag ich das ja nich.
Na da siehst du ja, das es besser ist dein Kötermaul zu halten, erwidert sie.

Es hat nicht viel gebracht das auszumalen. Und aus der Ruhe entwickelt sich schwerwiegende Anspannung, so stark, dass diese mich zum weiterreden bringt: „Die Masse an Worten überzeugt dich wohl nicht.“ Ich bin direkt auf mich selber wütend. Wie dumm muss das klingen für sie. Und definitiv anders, als ich meine. Es wird qualitativ nur immer schlechter, was ich von mir gebe.
„Ich weiß nicht was ich äußern oder machen kann um dir meine Hingabe zu beweisen, meine Herrin.“, ziehe ich blank.
Kurz und schmerzlos wird das nicht. Im Gegenteil. Dennoch mache ich es, und gebe mich ihrem Urteil hin. Auch wenn es sehr demütigend werden könnte.
Minuten verstreichen. Doch meine Herrin sagt weiterhin nichts. Es kommt kein Urteil oder Antwort.
Hier läuft etwas falsch, warum antwortet sie nicht? Will sie diesmal das ich schweige, oder wäre genau das jetzt falsch? Ich weiß es einfach nicht. Und ich komme nicht darauf.
„Wahrscheinlich willst du mich bestrafen?“, frage ich ratlos, innerlich verzweifelnd.
Es bleibt ruhig. Ich habe keine Ahnung was sie denkt. Oder was sie erwartet. Woher… soll ich etwas wissen
Sie schlägt die Beine andersherum übereinander.

Auf mich wirkt so ein Verhalten kalt, mit einem Schulterzucken verletzend. Aber es ist egal wie es auf mich wirkt. Egal welche Nebenwirkungen es hat. Ich sollte alles einstecken können, mit großem, mit riesigem Selbstbewusstsein. Beziehungsweise es ist einfach egal. Diese Gleichgültigkeit, verstehe ich nicht, auch wenn man einiges herausrechnet. - Bin ich nicht selber kalt… nein, nur schwarz -
Doch wenn ich diese Dinge äußern würde, kämen sie zornig an, würden die falsche Richtung und Bedeutung vermitteln. Es hört sich an, als hätte ich gesagt sie wäre kalt. Zudem kämen sie rüber wie von jedem, den sie abblitzen ließ. Der kein Einsehen hat. Als würde ich etwas verlangen. Wörtlich habe ich das nicht gesagt, und nicht gemeint. Ich werd es vermutlich nie so sanft sagen können, wie ich die Worte setze.
Wenn ich stumm bleibe, wird es niemals geklärt

Nicht nur Flimmern vom Bildschirm einfach, sondern abgehacktes Rauschen

Wenn ich darüber rede, reiße ich meine eigenen Wunden auf, aber erreiche nichts. Somit schleppe ich wie ein Packesel die angehäuften Materialien, tonnenschwer mit mir. Es ist sehr lange nun. Ich bin, sehr müde... und doch so klärt sich nichts. Es ist kein Dilemma, denn, die Option aufzugeben gibt es nicht. Es ist, wie ein essentielles Bedürfnis geworden und Teil von mir. Durch und durch ihr Hund.
Auch bei mir ist manchmal Wut dabei, heftig widerstreitende Emotionen unter der Oberfläche, nur sie kann solch eine Achterbahn erst auslösen. Nicht Wut im Sinne von Aggression… es ist Verletzung… dann Traurigkeit. Und schließlich, schwarz.
- Wahrscheinlich, befasst sie sich gedanklich gar nicht mit dir, du selbstbezogener Idiot. Du bist keineswegs wichtig. Noch ihr Punkt. Denkst du etwa sie kümmert irgendetwas davon? Du nervst einfach nur. Bedrängst. Und bist nur schwarz. Wie kann das anziehend sein?! komme ich zurück. - So eine Stimme im Kopf ist stets nett und lehrreich.

Still bleibe ich liegen. Etwas anderes hat sie nicht wörtlich erlaubt. Ich stehe unter Strom, weiß nicht wo sie hinsieht oder wie sie dazu steht.
Meine Herrin hat ein verborgenes Herz, aber ein sichtbares Feuer um sich. An dem man sich verbrennt.
„Ich habe ein schlechtes Gewissen, wie das alles bei dir ankam, meine Herrin.“, versuche ich zum Wesentlichen zu gelangen.
Ich horche. Mein Puls schlägt mir um die Ohren. Sie sagt nichts. Ihr Schweigen knebelt, als hätte sie mir ihre Nylonstrümpfe in den Mund gestopft. Aber es ist nicht die Unfähigkeit zu reden, sondern meine Unfähigkeit zu überbrücken. Oder ihre Art zu blocken. Also demnach irgendwie doch Unfähigkeit zu reden. Nur halt nicht die, welche für beide Seiten schön ist.
Und ich denke, das du nicht siehst, wie ich es meine, füge ich in Gedanken zum ersten Satz hinzu.
Wenn ich das aussprechen würde, wäre es laut und vorwurfsvoll. Mit einem Unterton Eigensinnigkeit. Ich sehe das… jetzt, beim analysieren. Sie würde darauf gar nicht erst antworten. Bezogen auf eine Situation kommt solche Erkenntnis zu spät. In einem Gespräch das Schlag auf Schlag geht, dauert zeitgleiches Reflektieren zu lang. Dennoch verstehe ich absolut nicht, warum es so wirkt. Die Formulierung ist aus meiner Sicht einwandfrei höflich, überlegt und sehr ruhig.
- Es ist nicht ihre Aufgabe zu wissen oder fragen, wie etwas gemeint ist, du Genie. Es ist Dein Pech, wenn du nicht verständlich reden kannst. -
Ehe ich etwas erklären kann, ist es leider meist zu spät, und es ist zu lang. Wenn ich mich kurz fasse, dann fehlt etwas massiv. Es ist traurig das es an der Schriftlichkeit liegt. Ausführlichkeit ist für mich die einzige Option inhaltlich so genau und definierend wie möglich zu sein. Um Missverständnisse zu vermeiden. Zu dem kann die Formulierung unangemessen wirken. Meine Worte sind trotz aller Mühe schlicht nicht gut genug.
Es erscheint nur noch selbstsüchtig. Aber ich quäle mich noch weiter, habe Ehrgeiz damit, immer weiter dafür es zu schaffen. Immer wieder versuche ich mit Schlussfolgerungen zu zeigen, wie ich es meine, um Klarheit zu finden. Doch auf dem Weg dahin… verlieren sie die Bedeutung, noch vor dem Ziel.
Dann habe ich es zu weit getrieben. Und dennoch den sicheren Eindruck, das ich ihr mein Anliegen nicht korrekt erklären konnte… eher es schlimmer gemacht habe.
Wie geht eine Kommunikation, wenn wir nicht analysieren… Wenn das warum egal ist, oder egal wird. Hier ist kein Ton der aufzeigt, wie entgegen der Wirkung er oft ist. Ich hab selten ruhiger geklungen und man hört nichts davon. Nachdenklich aus dem Fenster sehen - dieser Ton ist es.
Liegt das vielleicht an meiner Behinderung? Merke ich kein bisschen vom „realen“ Ton, wenn ich rede? (Fraglich, ob es ein realen Ton gibt. Jeder hört anders.) Und liegt es an der Behinderung, das ich absolut korrekt verstanden werden möchte. Ursachenanalyse ist mir auch wichtig. Es spaltet sich alles immer weiter auf, bis man nicht mehr weiß, wo der Faden war.
Mir ist es wichtig Dinge direkt zu sagen, so wie sie wahr sind. Auch oft dann wenn man es aus Höflichkeit vermutlich lassen sollte. - Hat ja viel gebracht, diese Art. Wirkt die Hälfte der Zeit arschig. -
Ab einem Zeitpunkt stapelt mein schlechtes Gewissen stets so hoch, das ich denke nicht mehr über das sprechen zu dürfen, worum es doch geht. Der eigentliche Inhalt bleibt zurück. Er gräbt sich tief ins Fleisch.
Ich stelle mir ihren Blickwinkel vor. Wie sieht die Umgebung aus, welche sie sieht. Wie hört sie sich an. Und ich versinke in ihrer Fantasie. Am Ende bleibt nur, das ich sie nicht verlieren darf.
„Ich bereue sehr was ich getan hab, meine Herrin. Du weißt das ich alles tun würde…“ Damit gerate ich wohl eher auf den Holzweg. Und es ist das, was jeder an der Stelle sagen würde. Demnach schwach. „Bitte antworte mir meine Herrin.“, schließe ich, frustriert über meine schlechte Leistung. Besser halte ich jetzt die Klappe.

Die Stille drückt rauschend auf meine Ohren. Es gibt kein Ticken der Uhr. Das könnte bereits ein Selbstgespräch sein und ich hätte kein Mittel, das zu erfahren. Aber wenn es das ist, will ich nicht mehr reden

„Peitsch dich aus! Jetzt sofort.“, befiehlt sie plötzlich.
„Ich mich selbst?“, bin ich verwirrt.
„Hörst du auch noch schlecht? Warum sollte Ich mir die Hände schmutzig machen?!“
„ja meine Herrin“
Befehl ist Befehl. Ich stütze mich schnell hoch und knie vor ihr. Streife den Hoodie runter. Dann ziehe ich den Gürtel aus meiner Hose. Ihre Peitsche bekomme ich natürlich nicht.
„Wie viele Male, meine Herrin?“, frage ich neutral.
„Kannst du dummer Hund bis hundertfünfzig zählen?“
„Ja meine Herrin.“
„Da hast du die Antwort. Und dreh dich, ich will sehen, ob du es anständig machst.“
Der Anweisung folgend nehme eine zu ihr seitlich kniende Haltung ein. Den Gürtel halb gefaltet in der Hand, hole ich von vorne über die Schulter aus und schlage mit einigem Schwung zu.
„Was für ein armseliger Schlag.“, kommentiert sie. „Da musst du aber noch einiges nachlegen, damit ich es zählen lasse.“
„Ja meine Herrin“
Ich fahre fort. Die Schläge, welche auf Knochen treffen, sind besonders gemein. Nach ein paar Malen brennt mein Gesicht so sehr wie der Rücken. Es ist schwer, kostet Überwindung, und noch mehr an Selbstdisziplin.
„Du bist ein dreckiger Köter! Und respektlos, - Mir gegenüber!“, beschimpft sie mich.
„Ja meine Herrin.“ Ich muss schlucken.
Sowohl der Widerspruch, das es nicht meine Absicht war, als auch die Entschuldigung finden nicht statt. Ich gebe es einfach zu.
Der Boden wird härter, je länger ich knie. Mir wird zunehmend heiß und schwitzig. Ich schlage recht schnell und fest. Sehe runter. Komme mir dreckig vor. Es tut verdammt weh. Ich beiße die Zähne eisern aufeinander. Lasse das nicht raus. Ein Laut sollte mir nicht mehr entwischen.
Ich würde sie so gerne sehen jetzt, ihren Blick. Dann schleicht sich der Gedanke ein, das sie womöglich nicht hinsieht.
„Fester.“, befiehlt sie. „Du müsstest wissen, wie hart ich zuschlagen würde!“
„Ja meine Herrin.“, antworte ich gequält.
Auch dieser Schmerz macht auf Dauer süchtig. Und so darin gefangen, fängt mein Zeitgefühl an zu schwinden.

Die Hundertzwölf sind erreicht. Ich kann kaum noch knien. Vermutlich ist viel weniger Zeit vergangen, als ich schätze. Meine Hand hat sich um den Gürtel verkrampft. Der zugehörige Arm ist lahm geworden. Ich lasse ihn unwillentlich sinken, zittere vor Schmerz.
„Nicht annähernd genug.“, meint sie abschätzig, „Und Das sollte mich beeindrucken?! Das ist nichts!“
Ich löse einen Finger nach dem anderen vom Gürtel und wechsle den Arm. Dann fange ich nochmal an.
„Los, immer weiter! Bis du zusammenbrichst!“, befiehlt sie streng.

Früher als gedacht werden auch meine Beine lahm. Die Knie rutschen unter Schweiß auf dem Boden weg, sodass ich immer wieder meine Haltung korrigieren muss.
„Du Schwächling! Nur die Starken dürfen vor mir knien, erinnerst du dich?!“
„Du hast es ausgelöst meine Herrin…“, muss ich matt lächeln. Die Schmerzen sind verdammt schön.
„Hab ich dir erlaubt zu sprechen? Komisch. Ich erinnere mich gar nicht daran!“
„Entschuldige bitte meine Herrin.“, krächze ich.
Ich quäle mich durch die Schläge. Die Abstände zwischen den Einzelnen werden immer größer.
„Na klar, wie kann ich deine tausendste Entschuldigung noch ernst nehmen.“, merkt sie an.
Sie hat recht… denke ich resignierend. Dann ist das meine Strafe. Diesen Punkt würde ich wohl selbst so sehen. Worte verlieren an Gewicht, wenn man sie wiederholt. Oft werden sie sogar unglaubwürdig.
Nur warum? Es macht maximal zur Hälfte Sinn. Meint jemand der sich wiederholt, es mit jeder Wiederholung tatsächlich weniger ernst? Weil er sich wiederholt? Es gibt nur eine begrenzte Anzahl Worte und Wortkombinationen. Und jeder hat zudem welche, die für ihn typisch sind. Macht es nicht besser. Den direkten Zusammenhang zur Glaubwürdigkeit oder Tiefe sehe ich nicht. Wenn es um Logik geht. Solange man sich nicht gerade in fünf Minuten regelmäßig wiederholt. Es erscheint daher ein emotionaler Eindruck zu sein, der eine Wiederholung als lahm oder fragwürdig einstuft. Maschinen haben das nicht.
Vermutlich ist das ganze in der Regel unbewusst, und wir spüren nur diese Wirkung. Dennoch, meine ich immer ernst.
- Der Ton oder Blick sollte der nicht ausschlaggebender sein? -

„Es reicht.“, erlöst sie.
Ich falle hin, lasse den Gürtel los.
„Danke meine Herrin.“, bedanke ich mich erschöpft für die Strafe. Der Boden ist bequem.
„Du bist armselig.“, stellt sie fest.
„ja meine Herrin“
Vom vorigen inneren Monolog sag ich nichts. Er würde auch nicht glaubhaft wirken - welche Ironie angesichts des Inhalts.
Ruhiges Schweigen tritt ein. Ich bin dankbar für die Schmerzen, die Nachwirkungen der Schläge jetzt. Das etwas taube und doch brennende Gefühl im Rücken ist wundervoll. Diese Wirkung beruhigt. Auch wenn ich das selbst ausgeführt habe, so hat sie es verursacht. Wie schön, wäre es erst gewesen wenn sie das getan hätte.

„Bitte verzeih mir meine Herrin“, bitte ich, lächerlich kraftlos, in Richtung ihrer Füße.
Meine Fehler vergesse ich nicht, viele nie, ebenso wie offene Fragen. Ich brauche das vorige Thema einfach geklärt. Ihr Blick von oben herab ist so stark, das ich ein fetten Stein im Hals hab.
„Mir fällt direkt ein wie du meine Antwort zerfetzten würdest. Meine Herrin. Es tut mir Leid wie untertrieben das erscheint, wo ich jetzt nur liege.“
Ich möchte mehr machen, besser werden und entschuldige mich. Der Teil indem ich um Antworten bitte ist vorbei... ich habe aufgegeben. Sie ist mir wichtiger.
Dabei ist es recht essentiel für mich alles nachvollziehen zu können. Ich funktioniere so, viel besser. Und so quält es eben. Wenn sie mir überhaupt verzeiht… Schon nur dafür kann ich mich glücklich schätzen. Ohne ihre Vergebung stagniere ich. Es gibt kein weiterkommen im Text. So als friert er ein
Sie sagt weiter nichts. Aber wozu ein Haufen am Boden beachten, der an den Füßen liegt. Das kann jeder verstehen. Ich frage mich was sie denkt. Woran sie gerade wohl denkt. Und ich möchte wissen, welche Farben sie sieht.
Was ich davor sagte, zählt nach der Entschuldigung, nicht mehr. Auch wenn es offen klafft. Denn das scheint... dann nicht mehr wichtig? Einen rationalen Grund sehe ich nicht. Ein grauer Tag mit tiefliegendem schwarzem Himmel. Mir ging es nie um Vorwürfe. Es würde eher regnen.
Übrig bleibt, das ich etwas falsch gemacht habe. Ich habe mich unverschämt verhalten, gegenüber meiner Herrin. Fühle mich schuldig. Ich habe eine ungeschriebene Regel gebrochen, verliere an Wohlwollen und Zuneigung. Es kommt mir vor dabei als wären das physikalische Maßeinheiten. Gleichzeitig sind sie so substanzlos, das sie zurück bekommen voller Bitterkeit unwahrscheinlich ist. Ich möchte sie zurück. Es ist das Schwerste. Und dafür gibt es erst recht kein Grundsatz
- Es wäre allgemein gut Regeln stünden irgendwo schwarz auf weiß, fest. Zum Beispiel gesellschaftliche Konventionen. Viele sind nicht klar und genau definiert. Und ändern sich zudem uneinsehbar. Ich wüsste einfach nur gern, wie es geht. -
Mein Gewissen ist schwarz wie flüssiger Teer. Es plättet mich vor Reue. …Schlechtigkeit. Ich liege tief unter ihr. Da wo ich hingehöre. Mir steht keine Verteidigung zu. Letztlich würde ich mir auch selbst keine zugestehen. In vielen Fällen hat dieser Zustand eine Schönheit, die mit nichts zu vergleichen ist. Nur nicht dann, wenn sie geht. Wenn so viel ungesagt bleibt.
Hunde können nicht reden. Ich bin runter, komplett fertig. Null Kraft. Aber es ist egal. Im Gegenteil, ich sollte besser welche aus dem Nichts haben. Wenn, führt das zu Selbsthass.
Inzwischen lieg ich als ein penetranter Haufen zu ihren Füßen, der vermutlich auch vor Schweiß stinkt.
„Was faselst du da für ein unverständlichen Mist?!“, blafft sie und stellt sich plötzlich hin, die Arme in ihre Hüften gestemmt. Es versetzt mir ein Schock. Da spießt sie mich mit ihrem Stiefel auf, indem sie den hohen Absatz fest in meinen Rücken und Nacken bohrt.
„Entschuldige bitte, meine Herrin“, winsele ich am Boden.
„Aha. Und warum sollte ich gnädig sein?!“, fragt sie, mäßig interessiert.
Ein sinnvolles Argument finde ich unter den Umständen nicht. Als sie den Fuß schließlich wieder anhebt, rolle mich vor Schmerz auf die Seite.
„Du dummer Köter weißt es also nicht mal. Krümmst dich wie ein Wurm. Und sowas soll gut genug für Mich sein?!“
Ich weiß keine Antwort, will nicht nein sagen, trotz allem. Aber mein Wert ist sichtbar gleich null.
Sie verpasst mir einen gesalzenen Tritt. Instinktiv hebe ich die Arme wie zum Schutz vors Gesicht. Auf halbem Weg fällt mir ein, das ich mich nicht verteidigen will und lasse sie wieder sinken. Mit Hilfe weiterer Tritte treibt mich in eine Ecke. Ich robbe rückwärts, krieche, falle hin. Gerade stütze ich mich wieder hoch, als sie brutal an der Leine reißt.
„Es ist dezent spät für Entschuldigungen, nicht wahr, mein Hund!?“, herrscht sie mich an, das Wort Hund sehr betonend. „Sieh mich an!“
Ich liege auf dem Rücken vor ihr, die Arme aufgestützt und sehe an der Leine entlang, die von der Hundekette an meinem Hals zu ihrer Hand führt, hoch zu ihr. Sie schaut gebieterisch zurück. Unsere Augen treffen sich in einem Moment, heften aneinander. Ein Loslassen ist unmöglich. Ihre wirken schwarz.
Dann schiebt sie mir den Absatz ihres Stiefels in den Mund. Gerade tief genug, das ich keine Luft mehr bekomme. Meine Leine zieht sie dabei noch stärker auf Spannung.
Ich bettle lautlos um Gnade, doch ihr Blick stellt ebenso klar, das sie unbarmherzig bleiben wird. Sie spuckt mir ins Gesicht. „Du bist ein Haufen Dreck. Der zerschmettert vor mir liegt.“
Von mir kommt nur ein Würgen.
„Mach das ordentlich sauber!“, befiehlt sie.
Gründlich lecke ich den dünnen Absatz ab.
„Du bist mir schon so ein Hund.“, stellt sie fest.
Mir versetzt es einen Schauer.

„Meine Meinung ist mir lange egal, meine Herrin“, sage ich schmerzerfüllt, als ich wieder sprechen kann. Der entstandene Druck hinter meinen Augäpfeln lässt sie brennen. „Ich möchte nur vor dir liegen.“ Die Sehnsucht dabei scheint auf fast selbsterniedrigende Art hervor.
„Du liegst schon.“, meint sie ungerührt. „Und außerdem, was habe Ich davon?!“
Vielleicht, war ich schon immer ein Verlierer, und ein Versager. Habe immer weiter verloren. Da „passt“ es zu so jemandem, schließlich das Wertvollste zu verlieren. Der Gedanke kommt dabei raus. Und trotzdem,
„Bitte darf ich weiter dein Hund sein, meine Herrin? Ich kann besser werden. Bitte, schenke mir diese Chance.“, stütze ich mich vom Boden hoch, um ordentlich vor ihr zu knien. „Ich bin anders.“
Das ist es wenn man nicht aufgeben kann. Egal wie kraftlos man ist, und egal wie armselig es aussieht. Mir ist bewusst, das es die gleichen Worte schon gab, dennoch sage ich jedes Wort zum ersten Mal. Der Ton wäre niemals gleich.
„Anders als wer?“, fragt sie amüsiert. „Du hast bereits viele Fehler gemacht! Und ich hab dir schon viele Chancen gegeben.“, stellt sie fest, „Ich denke nicht, das du das schaffst. Wo du dir selbst nicht mal helfen kannst. Denkst du etwa die Kraft käme von mir?! Für Mich muss man Kraft haben! Muss ich mich etwa noch um einen dummen Hund kümmern? Hast du dich zudem mal gefragt, ob Ich das will?!“
Ihre Macht in den Worten lässt mich verstummen. Dann richten sich sämtliche Pfeile im Innern gegen mich.

„Ich hab mich gebessert, meine Herrin.“, erwidere ich schließlich leise. Es ist nichts gegen all das, was sie vorbrachte.
„Davon habe ich heute nichts gemerkt.“, entgegnet sie.
„Ja meine Herrin. Dennoch war es so. Ich kann nicht gut erklären, und kann mir nicht anmaßen zu wissen was du denkst.“
„Lass mich jetzt alleine.“
„ja meine Herrin.“
Ich bin. Zu schlecht folglich.
„Dein Gewinsel klingt wirklich armselig.“ Sie geht sich umsehend ein paar Schritte weg. „In Zukunft kannst du dich ja selbst bestrafen.“, schlägt sie vor und dreht mir den Rücken zu.
„Das würde ich nie, meine Herrin -“ ich will noch mehr sagen, denn das trifft es nicht ausreichend, aber sie hört nicht länger zu.

Wieder hab ich den Eindruck nicht vermitteln zu können was ich meine. Es reicht alles nicht und es erreicht sie nicht. Ich kann kein Deutsch. Mein grandioses Talent ist, ausschweifend zu schreiben und meine Herrin zu vergraulen.
Später wird mir bewusst, das sie auf die eine wesentliche Frage nicht geantwortet hat. Ob ihr nicht danach war, ob es ihr egal ist… ob sie anderes im Kopf hat, oder ob sie mich quälen will, weiß ich wahrhaft nicht. Auf mich wirkt alles gleich schmerzhaft, wenn es um diese geht. Ich möchte zurück zu ihr, tief in die Vergangenheit.
In meiner Realität ist kein Platz für mich. Aber ich möchte dich erreichen, in deiner
Sie lässt mich auf keinen grünen Zweig kommen. - Als ob eine so normale Symbolik passt. - Und der Boden hat keine Zweige.

Schwarzer Schmerz


© D.M.


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