Der Trinker

Das Glas in seiner Hand das zittert
Mit Wein gefüllt bis an den Rand
Die Trinkernase den Genuss schon wittert
Der Alkohol umnebelt den Verstand.

Die Einsamkeit macht ihn zum Trinker
Ein lieblich Wort bleibt ihm versagt
Die Nachbarn meiden diesen Stinker
Den manche Wahnvorstellung plagt.

Von Jahr zu Jahr wird es noch schlimmer
Hat Hab und Gut versoffen mit der Sucht
Zurück ins Leben findet er wohl nimmer
Die Parkbank für die Nacht ist fest gebucht .

Der Morgen schwitzt ihn aus, den alten Penner
Der erste Schluck, dann ist er besser drauf
Nur die Promille bringt er auf den Nenner
Vom Rinnsal hebt er Zigarettenstummel auf.


© Herbert Kaiser


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Kommentare zu "Der Trinker"

Re: Der Trinker

Autor: Verdichter   Datum: 26.10.2020 17:37 Uhr

Kommentar: Lieber Herbert,
wie immer hast du alles gut formuliert und in Reime gefasst, aber diesmal kann ich dir dennoch meine Zustimmung nicht geben. Im Rahmen meiner Tätigkeit für die Stadtmission habe ich schon viele dieser Leute kennengelernt. Es sind alles arme Schweine, denen das Leben übel mitgespielt hat. Oft schwache Charaktere, die dafür nicht stark genug waren. Ich empfinde eher Mitgefühl als Verachtung. Das lese ich aus deinen Zeilen nicht heraus.
Nix für Ungut,
LG Verdichter

Re: Der Trinker

Autor: Michael Dierl   Datum: 26.10.2020 18:25 Uhr

Kommentar: Ja, stimmt was Verdichter dazu schreibt. Mein Onkel, ein super, toller herzensguter Mensch, hat mir damals das Autofahren beigebracht. Leider hatte er nicht genug Rückrad, um sich durchzusetzen und so verfiel er dem Alkohol. Dazu noch die falsche Frau - Bingo - was habe ich alles gegeben als ich erwachsen war und ein Auto hatte, um ihn zu besuchen und ihn aus dem Sumpf zu holen. Seine beiden Schwestern hatten es über Jahre versucht und ich dachte ich kenne einen Trick um ihn zu ködern mit meinem Auto aber er konnte vom Alkohol nicht lassen. Scheiße. Erbärmlich und fast verarmt ist er im Krankenhaus gestorben.

Re: Der Trinker

Autor: Herbert Kaiser   Datum: 26.10.2020 18:44 Uhr

Kommentar: Herzlichen Dank euch beiden für die aufschlussreichen Kommentare. Zustimmung ist nicht immer vonnöten, man kann ruhig anderer Meinung sein - dafür muss man sich nicht entschuldigen.
Mein Großvater mütterlicher Seite war starker Alkoholiker und starb mit 57 an Leberzirrose. Er war nüchtern ein erträglicher Mensch, aber wann war der schon nüchtern. Im Suff war er aggressiv, launisch und streitsüchtig. Oma hatte da nichts zu lachen. Mein Mitleid hatte er nicht und seine Kinder waren froh, dass sie ein unabhängiges Leben hatten... Für mich ein Penner, streitsüchtiger Pascha, der sich nicht unter Kontrolle hatte.

LG Herbert

Re: Der Trinker

Autor: Jens Lucka   Datum: 26.10.2020 19:39 Uhr

Kommentar: Ja ihr Guten. Leider ist es so, daß oft der Kummer weggespült wird und manch Einer nicht mehr von dieser Seelenmedizin lassen kann. Ich kenne auch das ,,Mut antrinken" ,um einer Aggressivität einen Schub zu geben, was genauso Traurig ist.
Beides habe ich kennen gelernt und es ist schwer, Dieses in jenem Inneren zu Deuten.
Ein sehr ansprechendes Tema lieber Herbert.

Gruß Jens

Re: Der Trinker

Autor: Bluepen   Datum: 27.10.2020 9:11 Uhr

Kommentar: Lieber Herbert,

mir gefällt dein Gedicht, denn du beschreibst nur den Zustand des Trinkers und nicht nach dem "Warum trinkt er"

LG - Bluepen

Re: Der Trinker

Autor: Herbert Kaiser   Datum: 27.10.2020 10:12 Uhr

Kommentar: Ganz genau, liebe Bluepen. Der Alkoholiker wird in seiner Sucht bei mir zum Sandler.
Danke fürs Reinschauen.

LG Herbert

Re: Der Trinker

Autor: Varia Antares   Datum: 27.10.2020 18:45 Uhr

Kommentar: Ein Bekannter von mir arbeitet in der Suchthilfe. Er sagte, dass kein einziger seiner Klienten sich sein Schicksal bewusst ausgesucht habe, und dass viele seiner Klienten sehr darum kämpfen, von ihrer Sucht (sei es Alkohol oder seien es Drogen) loszukommen.

LG und einen schönen Abend
Varia

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