Bahnhofshalle-eine Bank auf der ein Mann liegt und vermutlich schläft dieser. Reisende gehen vorbei. Er wird nicht weiter beachtet.
Ebenso ein schick gekleideter Herr mit Gepäck sieht kurz hin, ist schon fast vorbei und überlegt es sich anders und spricht den vermeintlich Schlafenden an:

Tom: Hallo, ich würde mich gern hinsetzen

Ben: (reagiert missmutig, schlaftrunken): Hm, was, warum, hier, wieso ?

Tom: Sie brauchen doch nicht die ganze Bank und warum schlafen sie überhaupt zu der Tageszeit . Ich rieche es, Rausch ausschlafen.


Eine Bahnhofsaufsicht kommt an die Bank

Aufsicht an Ben: Bitte verlassen sie die Bahnhofshalle. Sie wissen doch, dass sie sich hier drin nicht ablegen und ausnüchtern dürfen. Immer dasselbe mit Ihnen . Jetzt werde ich Hausverbot veranlassen.

Ben: Ja, ja ist gut (er greift nach seinem Plastebeutel steht auf und will gehen)

Tom an Aufsicht: Entschuldigen Sie , lassen sie den Mann noch kurz hier. Ich möchte mich mit ihm unterhalten.

Aufsicht: Meinetwegen, aber schicken sie ihn dann nach draußen.

Aufsicht geht ab.

Tom: Ich bin Tom und wer sind Sie oder darf ich du sagen, was ist passiert ?

Ben (leicht lallend): Passiert ist, dass mich das Leben hierher gespült hat ohne dass ich das wollte.
Bin sozusagen gekommen um offenbar auch zu bleiben, wo soll ich auch
hin, selbst wenn ich das wollte. Für mich ist hier Endstation, da nutzt mir auch kein Pass mehr was, der mir geblieben ist. Und glaube mir Tom, ach so ich bin Ben, ich habe bessere Zeiten erlebt. Guter Job, Haus, Familie , Auto und so. Alles verloren, weil ich einfach zu blauäugig war. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Jammern hilft nicht, Alkohol betäubt. Hätte nie gedacht, dass gerade mich das mal trifft, passiert doch immer den anderen.

Tom: Aber hast du denn keine Hilfe gesucht. Es gibt doch Hilfe, Ämter, Menschen etc. . Keiner muss auf der Bahnhofsbank landen.

In diesem Moment wird Tom sehr nachdenklich und sagt zu sich selber „oder doch“

Ben: Ich wollte eben allein wieder auf die Beine kommen. Die Menschen sind so unfreundlich geworden. Zu schnell wird man als Penner abgestempelt. Dabei kennt keiner meine Vorgeschichte. Und du Tom, wo reist du eigentlich hin ?

Tom; Ich mache Urlaub, Fahre mit dem Zug zum Flughafen und dann fliege ich zuerst nach New York , anschließend auf Hawaii und auf dem Rückweg mache ich Station in San Francisco.


Ben: Wow, jetzt bin ich geflasht. Dir muss es ja richtig gut gehen. Ich denke sofort an das Lied (singt)„ Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii...“ oder „Es gibt kein Bier auf Hawaii“
Du mußt mir unbedingt erzählen,ob es auf Hawaii wirklich kein Bier gibt. (Ben lacht)


Tom: Mache ich, du hast ja richtig Humor.

Tom springt auf

Tom: Warte hier, ich muss nur noch was regeln. Tom nimmt Handy und geht ab

Ben (verdutzt) (Monolog): Feiner Pinkel, aber kein Schnösel, eigentlich richtig nett. Ich glaube der versteht mich und stempelt mich nicht gleich ab. Dem würde ich auch genau erzählen, wie es dazu kam, dass ich so abgestürzt bin. Vielleicht kommt er nach dem Amerikatrip wieder hier vorbei, wir treffen uns und ich erzähl`s ihm.


Tom tritt nach vorn (Monolog):
Wenn Ben wüßte , dass ich mich gerade in ihm wiedergefunden habe. Ich, der seinerzeit sitzend auf einer Parkbank vor sich hin gestarrt hat.Leer verzweifelt, der sich von 100 auf Null im freien Fall befand . Und dann kam Ella, diese vornehme ältere Dame, hat sich neben mich gesetzt, hat mich angesprochen und hat mir zugehört. Sie hat mir und an mich geglaubt. Sie bot mir in ihrem renomierten Bauunternehmen einen Job an und heute gehört dieses Unternehmen mir. Tom mit Handkuss zum Himmel „Danke liebste Ella“

Tom tritt wieder zu Ben

Tom: Ben sage und frage nichts. Wir haben jetzt noch einige Dinge zu erledigen. Alles Nötige wird gerade organisiert. Ich hoffe dein Pass ist noch gültig.(lacht)
Dann fliegen wir dorthin , wo du noch niemals warst, nach New York.
Später geht es dann auf Hawaii, wo wir erkunden werden, ob es dort wirklich kein Bier gibt. Und wenn es welches gibt, ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.(lacht wieder) Anschließend laufen wir noch tagelang in zerrissnen Jeans durch San Francisco. Und wenn wir wieder hier sind, sehen wir weiter . Lets Go.


© Oliver Delasterè


0 Lesern gefällt dieser Text.


Beschreibung des Autors zu "Der Gestrandete"

Szenische Sequenz für vorgesehene Theaterinszenierung




Kommentare zu "Der Gestrandete"

Es sind noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar schreiben zu "Der Gestrandete"

Möchten Sie dem Autor einen Kommentar hinterlassen? Dann Loggen Sie sich ein oder Registrieren Sie sich in unserem Netzwerk.