Bloodrain

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Ich sitze auf einer alten, maroden, kalten Bank. Ich spüre die Regentropfen auf meiner Haut. Wie sie über meine empfindliche, dünne Haut streifen. Ich sehe wie sich nach und nach meine Härchen aufstellen, wie Domino, nur rücktwärts. Der Regen wird stärker, mein Atem schneller, mein Herz schlägt immer intensiver. Meine Sicht wird undeutlich. Ich sehe alles doppelt, im nächsten Moment glasklar. Mein Blick wandert auf meine zitternden Oberschenkel. Ich sehe wie sich Blut und Regenwasser vermischen. Der Regen wäscht das Blut von meinem Körper. Mir strömen in diesem Moment tausende Gedanken durch den Kopf. Was ist gerade passiert? Ist es mein Blut? Warum sitze ich hier im Regen? Wo bin ich überhaupt? Mittlerweile fühlen sich die Regentropfen an, wie Messerstiche. Immer und immer wieder treffen sie meine zarte Haut. Tropf, Tropf, Tropf...
Ich atme tief durch und versuche mit meinen letzten Kräften aufzustehen. Ich sacke wieder auf der Bank zusammen, spüre wie jeder einzelne Knoche anfängt zu brennen. Ich sehe mich um. Sehe nichts, außer das Leuchten der Laterne. Ich lausche. Ich höre nichts, außer die Regentropfen, die im Sekundentakt auf meine Haut und den Boden prasseln. Ich versuche nach Hilfe zu rufen, es kommt nichts außer tonlose Laute über meine trockenen, zerbissenen Lippen. Ich nehme nochmal meine letzte Kraft zusammen und versuche es wieder, ich versuche es wieder endlich los zu laufen. Ich weiß nicht wohin, aber mein Körper sagt mir, dass ich hier weg muss. Ich habe das Gefühl, ich fliehe. Ich fliehe vor jemandem. Ich weiß nicht wer es ist. Ich kenne den Namen nicht. Ich kneife meine Augen zusammen, ein paar Tränen kullern über meine bereits eiskalten Wangen. Sie brennen auf meiner Haut. Ich springe auf und laufe los. Ich laufe und laufe, ohne ein bestimmtes Ziel zu haben. Nach dem ich gefühlt, einige Stunden gelaufen bin, sehe ich ein Haus.
Blaulicht. Sirenen. Polizei. Krankenwagen. Notärzte. Absperrband. Ich bleibe stehen. Für einige Minuten, bleibe ich wie angewurzelt stehen. Ich kann mich nicht bewegen. Bin so starr wie die Freiheitsstatue. Mir schießen tausende Gedanken durch den Kopf, dennoch ist er leer. Die Frage die mir durch den Kopf schießt.. Was ist hier passiert? Ich fühle mich verbunden zu diesem Ort. Ich war hier schon einmal. Nur wann? Weshalb? Und vor allem, warum bin ich mit Blut überströmt? Ich falle zu Boden. In dem Moment in dem meine Knie auf den Boden treffen, spielt sich alles, was die letzten Stunden passiert ist, vor meinen Augen ab. Für einen kurzen Augenblick, hab ich das Gefühl, ich träume. Für einen kurzen Augenblick, hab ich das Gefühl, ich würde gleich aufwachen und mir mein Frühstück vorbereiten. Für einen kurzen Augenblick..
Ich starre auf meine Hände hinab, sie sind mit Schrammen und Kratzer übersäht. Je mehr ich sie ansehe, umso mehr tun sie weh. Ich spüre jeden einzelnen Knochen. Sie fühlen sich so an, als hätte ich mich gewehrt, als hätte ich mich verteidigt.
Ich schließe meine Augen, während ich auf dem nassen, kalten, schmierigen Boden sitze. Mein Herz, es schlägt so schnell als würde es jeden Moment aus meinem Brustkorb springen. Mein Herz, es schmerzt, als ob jemand wahllos darauf einstechen würde. Ich höre die Beamten wegfahren. Ohne Blaulicht. Auf einmal ist es mucksmäuschenstill um mich rum. Ich öffne meine Augen. Sie sind schwer, sie tun weh, brennen als hätte man sie mit Salz geschmückt. Ich blicke auf das Haus. Es ist dekoriert mit Absperrband. Ich gehe langsam auf das Haus zu. Ich stehe einen Schritt von dem Absperrband entfernt. In mir zieht sich alles zusammen, ich halt meine Hand vor den Mund, damit ich nicht das Schreien anfange. Mein Blick wandert wie automatisch auf das Klingelschild. Mein Atem stockt. In diesem Moment, realisiere ich, dass ich gerade vor meinem Zuhause stehe. Ich realisiere, dass das alles kein Traum ist. Ich realisiere und merke, dass hier etwas Grausames von statten gegangen sein muss. Meine Finger bewegen sich zu dem Absperrband. Ich halte kurz inne. Ich ziehe meine Hand zurück. Von dem einen auf den anderen Moment, ziehe ich das Band zur Seite. Ich stehe vor der Haustüre. Ich sehe blutige, bereits getrocknete Handabdrücke. Ich halt meine zitternde Hand darüber, um zu testen, ob es mein Handabdruck ist. Er passt 1 zu 1. Ich muss heftig schlucken. Was passiert hier? Was ist mit mir passiert? Was ist hier verbrochen worden? Meine Erinnerungen kehren Stück für Stück zurück.
Ich starre auf den Türknauf. Ich drücke dagegen - die Tür ist abgesperrt. Meine Intuition sagt mir, ich solle in meine rechte Hosentasche greifen...
Fortsetzung folgt.


© Advair/Meli


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