Zu meinem ungläubigen Erstaunen kam es tatsächlich eines Tages dazu, das die Eine, die Herrin, einem Treffen zustimmte. Ich war fasziniert von der Vorstellung sie zu sehen, und mich ihr hinzugeben. Und diese Sehnsucht brannte schon so lange in mir. Ich dankte ihr überschwänglich für ihre Güte, worauf sie sagte ich solle die Klappe halten. Ich wünschte noch mehr sie hätte gesagt: „Halts Maul, du Hund!“ Doch ich konnte nicht ahnen, was mich erwarten würde.

Den ganzen Morgen schon kämpfe ich mit einer unerträglichen Spannung. Mir ist schwindelig, mein Kreislauf ziemlich im Eimer. Ich habe kein Appetit, will nichts essen, so sehr setzt es mich unter Druck. Meine Gedanken laufen wirr. Aber kein Wunder, wenn man nachts nicht ausreichend schläft.

Ich stehe gegenüber der Eingangstür in einer etwas düsteren Bar, nahe der Wand. Die Wände hier sind mit dunklem Holz vertäfelt. Aber vornehm wirkt es kein bisschen.
Es ist nicht viel los um diese Tageszeit. Die Atmosphäre ist gedämpft. Wenige Gäste hocken vereinzelt an den Tischen. Ein paar Sonnenstrahlen dringen von außen in Bündeln durch die gewölbten Fenster. Man kann den Staub darin tanzen sehen. Auf den Fensterbänken stehen farnartige Pflanzen von blassem grün. Die Staubschicht auf ihnen lässt vermuten, das sich in letzter Zeit niemand die Mühe gemacht hat sie zu gießen.
Ich bin nervös. Die beiläufigen Blicke der anderen Gäste, die mir hin und wieder zugeworfen werden, machen es nicht besser. Meine Hände verkrampfen immer wieder. Ich stecke sie in die Hosentaschen.
Ein paar ältere Männer, welche an der Bar sitzen und trinken, haben mir schon als ich vorhin hereinkam, schwer deutbare Blicke zugeworfen. Es scheint ungewöhnlich zu sein, das sich jemand anderes außer den wenigen Stammgästen um diese Zeit hier aufhält. Was mögen sie wohl denken, was ich hier tue? Ein schmaler, nicht gerade durch seine Größe beeindruckender Junge, komplett in schwarz, kaum älter als zwanzig, der mit gesenktem Kopf wartend dort steht. Nun - sie beachten mich nicht weiter.
Sie sind in ein immer wieder stockendes Gespräch vertieft: reden, schweigen und trinken, dann wieder reden. Meine Aufmerksamkeit flattert ziellos durch die Gegend. Ich kann ihrem Gespräch nicht folgen.

Da geht unvermittelt die Tür auf. Urplötzlich ändert sich die gesamte Atmosphäre im Raum von schläfriger Trägheit zu neugieriger Aufmerksamkeit.
Da steht sie, meine Herrin. Ihr Anblick wirft mich vollkommen aus der Bahn. Was auch immer ich erwartet habe… meine Vorstellungen erscheinen blass dagegen. Ich kann sie nur anstarren.
Ihr Blick schweift suchend durch den Raum, und trifft mich. Es fühlt sich an, als würde mir jemand einen heftigen Schlag mit einer Keule versetzen. Meine Arme fallen nutzlos herunter. Ich kann nur bewegungslos dastehen, während sie auf mich zukommt. Ihre hohen Absätze klacken scharf über das abgenutzte Parkett. Alle Blicke im Raum sind auf sie gerichtet. Die alten Männer am Tresen haben sich umgedreht und starren sie an. Sie sind völlig eingeschüchtert von ihrem Auftreten.
Jetzt steht sie vor mir. Ich spüre wie meine Wangen vor Verlegenheit und Scham brennen und will im Boden versinken. Ich betrachte ihre Stiefel, traue mich nicht ihr in die Augen zu sehen. Meine Hände zittern.
Sie legt eine Hand unter mein Kinn und zwingt mich zu ihr aufzuschauen. Die Männer an der Bar, die bis dahin alles genau verfolgt haben, wenden sich leise lächelnd wieder ihren Gläsern zu.
Ihr Blick durchbohrt mich. Forschend schaut sie mir ins Gesicht, so als würde sie dort nach etwas suchen.
Ich gucke wahrscheinlich verschüchtert. Vor ihr fühle ich mich ziemlich klein und ehrfürchtig, aber irgendwie auch wohl. Ich verstehe nicht, wie sie eine solche Macht über mich haben kann, gerade weil es doch erst das erste Treffen ist. Widerwillen regt sich in mir. Ihr scheint nicht zu gefallen was sie da in meinen Augen aufblitzen sieht. Innerhalb des Bruchteils einer Sekunde packt sie mich fest an meiner Halskette und zieht mich zu sich heran. Ihr Blick bohrt sich gnadenlos in meinen. Eine Welle der Erregung versenkt mich von Kopf bis Fuß. Die Kette drückt sich in meinen Nacken. Mein Körper unter den schwarzen Klamotten bebt.
Dann schubst sie mich mit voller Wucht gegen die Wand. Zischend entweicht die Luft aus meinem Brustkorb. Ihre Hand reißt dabei an der Kette, zieht sie hoch bis zu meiner Kehle, sodass sie meinen Kopf in den Nacken drückt. Das Metall legt sich eng um meinen Hals. Mein Atem geht stoßweise. Ich schiele zu ihr hoch und hoffe inständig, nicht wie ein verschrecktes Kaninchen auszusehen. Ihr Blick ist messerscharf. Ich versuche ihm standzuhalten.
Und dann bereue ich es, mich ihr gegenüber vorher so frech und respektlos verhalten zu haben.

To be continued...


© D.M.


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