Abschiedsgedicht

Vor seinem Häuschen sitzt der Alte wieder.
Fast neunzig schon, der Arbeit müde.
Genug im Leben hat er sich geplagt;
der Arbeit hat er längst „Ade“ gesagt.

In seinem Lehnstuhl sitzt er in der Sonne.
Der Feierabend, er wird ihm zur Wonne.
Die Kinder hat er gut versorgt, sind groß;
ein Enkelkind sitzt jetzt auf seinem Schoß.

Er sinnt zurück, gedenkt der schönen Zeiten
Da bei den Eltern er, den lieben beiden,
selbst noch ein Kind und selbst genau so klein
und beinah wünscht er, wieder Kind zu sein.

Zu Hause, bei den Eltern, wohl geborgen,
ein frohes Kinderleben ohne Sorgen,
noch einmal bei der Mutter Kind zu sein,
er tauschte gern dafür sein Leben ein.

Doch dann betrachtet er sein reiches Leben;
er konnte vielen etwas sein und geben.
Sein Schaffen war für andre Freude, Licht.
Dass er nun alt, nein, das bereut er nicht.

Das Enkelkind spielt nun vor ihm im Grase,
es läuft dann weiter, folgt der Spur der Nase,
vergisst den Opa, der im Stuhle ruht,
läuft weiter weg; es ist halt junges Blut.

Nach Stunden kommt´s zurück mit seiner Mutter.
Es bringt Kuchen, Brot und Butter.
Doch schlummert der in seinem Stuhl so fest,
dass nie er wieder sich erwecken lässt.

Sein Lebenstag, er neigte sich zu Ende.
Nun ruhn die nimmermüden Hände,
die Kinder sehn noch einmal sein Gesicht
und eines leis dann jene Worte spricht:

Gönnt ihm die Ruhe nach des Tages Lasten.
Es ist für ihn vorbei nun alles Hasten.
Der Wille Gottes ist an ihm geschehn.
Dir aber, Vater, ein „Auf Wiedersehn“!

Das letzte Gedicht

© Letzter Eintrag 2011


© Johannes Tobisch


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Kommentare zu "Das letzte Gedicht"

Re: Das letzte Gedicht

Autor: Kathleen   Datum: 27.11.2023 9:46 Uhr

Kommentar: Schön, wenn man so auf sein erfülltes Leben zurück blicken kann. Gern gelesen.

Liebe Grüße Kathleen

Re: Das letzte Gedicht

Autor: Michael Dierl   Datum: 27.11.2023 14:35 Uhr

Kommentar: Da halte ich an Kathleen Kommentar fest. Jeder kann leider nicht aus solch einem hohem Alter auf sein Leben zurückblicken und das ist schlimm!

Sehr gut geschrieben und gern gelesen!

lg Michael

Re: Das letzte Gedicht

Autor: Jens Lucka   Datum: 27.11.2023 20:40 Uhr

Kommentar: Ich lese hier sehr berührende Zeilen, die mich still werden lassen, in glücklichen Erinnerungen und meiner Dankbarkeit .

Herzliche Grüße von Jens

Re: Das letzte Gedicht

Autor: Alf Glocker   Datum: 28.11.2023 8:03 Uhr

Kommentar: ich kann mich nur Jens anschließen!

LG Alf

Re: Das letzte Gedicht

Autor: Tobisch   Datum: 28.11.2023 10:51 Uhr

Kommentar: Liebe Freunde

Johannes Tobisch hat sich als Schreiber von seinen geliebten Schreiber-Freunden verabschiedet. In seinem Namen moechte ich mich bei denen ganz herzlich bedanken. Bedanken fuer die Anerkennung seiner Arbeiten und fuer die Moeglichkeit, hier veroeffentlichen zu duerfen. Es wuerde ihn mit Stolz und Freude erfuellen.

Vielen Dank und alles Gute allen Schreibern

Re: Das letzte Gedicht

Autor: Jens Lucka   Datum: 30.11.2023 20:07 Uhr

Kommentar: Oh, das tut mir von Herzen Leid, lieber Martin.
Ich wünschte, ich könne irgendwann auch einmal von so weit her zurückblicken und sogar noch schreiben.
Ich finde, es war eine gute Idee, noch einmal ein Gedicht reinsetzen zu lassen.
Seine Worte bleiben. Und nicht nur allein.

So grüße ich noch einmal von ganzem Herzen und sage Danke.

Jens Lucka

Re: Das letzte Gedicht

Autor: Tobisch   Datum: 01.12.2023 9:55 Uhr

Kommentar: Ja lieber Jens
Freut mich, dass du auch so denkst und es genau so machen wuerdest.

Seine Worte bleiben

Re: Das letzte Gedicht

Autor: Varia Antares   Datum: 03.12.2023 2:08 Uhr

Kommentar: Lieber Martin,

das Gedicht ist richtig berührend und geht ins Herz.

Du hast Deinem Vater die letzte Ehre erwiesen. Ich glaube, das hat ihm viel bedeutet.

Alles Liebe an euch
Varia

Re: Das letzte Gedicht

Autor: Tobisch   Datum: 03.12.2023 19:22 Uhr

Kommentar: Danke fuer die Bestaetigung Liebe Varia

Re: Das letzte Gedicht

Autor: Tobisch   Datum: 13.12.2023 18:09 Uhr

Kommentar: Vielen Dank Uebelwind

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