Dieses Bild, das du mir neulich geschickt hast,
du erinnerst dich? Du stehst im Vordergrund, leicht gebückt,
im Hintergrund ein paar unscharfe, dunkle Büsche.
Das Bild geht und geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf.
Du schaust mich an, etwas hochmütig, ziemlich reserviert,
deine Arme signalisieren eine unterschwellige Ablehnung.
Aber das rote Kleid, deine vollen Brüste, dein praller Hintern,
sie sind deutliche Zeichen einer aufkeimenden Hoffnung.
Die Hoffnung, eines Tages nicht nur dein Bild zu betrachten,
sondern vor dir zu stehen, dich anzufassen, dich zu riechen,
dich zu küssen, dir liebevolle Worte in die Ohren zu flüstern,
dich langsam aber sicher heiß und liebesbereit zu machen.
Um jedoch ehrlich zu sein, am liebsten würde ich dir dann gleich
das rote Kleid mit dem tiefen Ausschnitt vom Leibe reißen
und sofort mit dir hinter den Büschen verschwinden, um das zu tun,
was mir meine ausufernde Phantasie schon seit langem vorgaukelt.
Geboren und Gestorben
Leben und Tod
Wachsen und Schrumpfen
Klein und Groß
Weiss und Schwarz
Dick und Dünn
Schmal und Breit
Hungrig und Satt
Nah und Fern
Innen und [ ... ]
Wann ist es an der Zeit für uns zu gehen,
selbst wenn noch völlig ungewiss wohin.
So wertbefreit manchmal auch jeglich Sinn,
was bringt uns der Versuch es zu verstehen.
Es kam mal vor, da kam mir zu Ohr,
ich solle andere Leben achten,
so wie sie es mit meinem machten.
Doch ich war naiv und dachte nicht daran,
dass andere unterscheiden,
wer dazu gehört und [ ... ]