Ich wurde mit weiblichem Geschlecht geboren, war aber seit meinem dritten Lebensjahr davon überzeugt, eine Junge zu sein. Zeitlebends hatte ich Angst wegen meiner bizarren Gefühle eines Tages für den Rest meines Lebens in der Psychiatrie weggesperrt zu werden. Ich versuchte mich zu heilen: wurde Ehefrau und Mutter.
Als mein Mann und mein Sohn beide erkrankten, konnte ich mich erstmals einer Psyhotherapeutin anvertrauen. Sie gab meiner Geschlechtsidentitätsstörung einen Namen:
Ich bin Frau zu Mann transsexuell, wobei es besser heißen muss transidentisch. Mit Sexualität hat das Gefühl, mit dem falschen Geschlecht geboren worden zu sein nichts zu tun.
Mein Mann wollte sich von mir trennen. Ich wurde zuhause zur unerwünschten Person. Dabei wollte ich nur reden. Irgendwann beschloss ich mir das Leben zu nehmen. Meine Therapeutin bemerkte es, meinte, sie würde zu ihren suicidgefährdeten Patienten immer sagen: "Lassen Sie uns doch erstmal reden, umbringen können Sie sich ja später immer noch." Ich lachte und weinte und redete. Dann zog ich zuhause aus. Mein Mann und mein dreizehnjähriger Sohn sowie meine
Eltern weinten. Ich weinte auch. Der erste Versuch ohne Familie zu leben ging schief. Beim zweiten Versuch ließ ich mich versetzen und zog in die Landeshauptstadt.
Ich verlor erstmal meinen Krankenversicherungsschutz, brauchte anwaltliche Hilfe. Die höchstrichterlichen Urteile wurden während meiner Geschlechtsangleichung gefällt- trotzdem versuchte die private Versicherung sich vor der Zahlung zu drücken.
Nach der Operation, die zehn Stunden gedauert hatte, war bei mir endlich zusammen gewachsen, was zusammen gehörte. Aber mein Mann ließ sich scheiden, unser Sohn wurde straffällig und vom Jugendamt betreut, meine Eltern starben nacheinander an Krebs. Ein paar Jahre später folgte ihnen mein geschiedener Mann. Unser Sohn flog aus allen Lehrstellen und lebt seitdem außerhalb der Gesellschaft.
Ich versuchte als Gasthörer BWL zu studieren, denn ich war als Beamter gegen meinen Wunsch vorzeitig pensioniert worden. Es ergaben sich erhebliche finanzielle Einschnitte. Irgendwie schaffte ich es mir einen neuen Freundeskreis aufzubauen, von denen niemand etwas von meiner Vergangenheit wusste.
An einem kalten Novembertag änderte sich mein Leben.
Ich ging in einen Drogeriemarkt zum Einkaufen. Ein Vierteljahr später war ich wieder dort. Ein paar Tage danach, ich wollte mit meiner Freundin ein Reitturnier besuchen, klingelte die Polizei an meiner Tür. Sie hatten einen Hausdurchsuchungsbeschluss dabei, nahmen mich zur Wache mit, nahmen Fingerabdrücke und DNA.
Eine der Verkäuferinnen hatte in mir den Räuber erkannt, der sie an besagtem Tag im November ausgeraubt hatte. Nach dem ersten Schock packte ich zuhause meine Tasche. Ich war darauf gefasst, jeden Moment abgeholt und unschuldig ins Gefängnis gebracht zu werden. Nach einigem Überlegen und Erinnern wurde mir klar, das ich den Täter gesehen hatte und just in dem Laden meine Ware zusammenesammelte, als dieser die Verkäuferin mit einer Waffe bedrohte. Mir lief es eiskalt den Rücken herunter und ich war der armen Frau nicht böse, das sie mich in der Aufregung verwechselte.
Die Polizei meldete sich auf meine Anfrage, sie hätten sich nunmehr für einen anderen Täter entschieden. Gottseidank hatten sie eine männliche DNA sicherstellen können. Ich sehe zwar ohne Haare und mit starkem Bartwuchs nach der Penisop nicht mehr wie eine Frau aus, dennoch bleibt meine DNA XX. Das überzeugte auch die Kriminalkommissare.
Ich musste das Geschehen verarbeiten und schrieb meinen ersten Roman, in den ich meine Transgeschichte einbaute. Das Buch mit dem Titel Jugendgefängnis ließ ich in einem Druckkostenzuschussverlag herausbringen.
Es folgten noch zwei Kinderbücher übers Reiten und etliche Geschichten in Internetschreibforen. Langsam erlernte ich das schriftstellerische Handwerk und erhielt sogar kleine Preise.
Als sich ein Verlag meldete nahm ich das Angebot an. Eine website konnte ich mir günstig einrichten. Ein e-book sowie zwei Romane- Transromanzen- wurden bereits veröffentlicht. In " Zwei Leben und ein kleiner Unterschied", geht es um eine transidentische Lehrerin, die als Mann ihren Mann heiratet und zusammen mit ihm und seinen SM Leidenschaften ins Millieu hineinrutscht. Dort hilft er der Polizei aufgrund seines jugendlichen Aussehens einen Kinderschänderring aufzudecken.
In " Geteilte Seele" versucht ein Rechtsanwalt aus gutem Hause nach dem Tod des strengen Vaters seiner weiblichen Seele einen Raum zu geben. Die Familie muss sich umstellen, auch der sechsjährige Julian, der statt eines Onkels nun eine Tante bekommt. Annette, wie sich Jürgen nennt, muss einen furchtbaren Verlust verarbeiten: Ihre beste Freundin Lisa wird wegen deren Transidentität von der eigenen Familie umgebracht. Annette will unter Lisas Namen eine Stiftung gründen.
Zwei meiner neuen Romane, die im Jugend-und Kindesalter spielen liegen bereits im Lektorat. In "Hausgesetz" wird aus einer waschechten Prinzessin ein Prinz. Die Adelsfamilie schlägt dem Adelsregister ein Schnippchen und Max spielt einen Streich nach dem anderen.
"Eis unter dem Regenbogen" handelt von zwei transidentischen Jugendlichen, ihrem Comingout, Mobbing und dem transidentischen Behandlungsweg. Für Toni eröffnet sich die Möglichkeit als Paarläufer im Eiskunstlauf in männlicher Rolle wieder in den Leistungssport zurückkehren zu können. Bei den Juniorenweltmeisterschaften versuchen zwei ausländische Eisverbände dafür zu sorgen, das Transmenschen der Zugang zum Leistungssport generell verwehrt wird.
Das Thema ist brandaktuell. Die beiden neuen unlektorierten Romane können auf meiner website kostenlos gelesen werden.