Zwei Weise suchten nach dem Sein,
der eine groß, der andre klein.
Sie fanden nichts und gingen fort —
das Nichts blieb da und nahm den Ort.


© TIMO ERTEL


0 Lesern gefällt dieser Text.


Beschreibung des Autors zu "Die Suche nach dem Sein"

Die Klapphornstrophe spielt mit einer klassischen Frage der Philosophie:
dem Verhältnis von Sein und Nichts.
Die beiden Weisen behandeln das Sein zunächst wie einen Gegenstand, den man suchen und finden könnte. Die Pointe kehrt diese Vorstellung absurd um: Gerade nachdem die Suchenden nichts gefunden haben, wird das Nichts selbst zum anwesenden Akteur und besetzt den verlassenen Ort.
Der Unsinn trägt damit einen ernsthaften Gedanken:
Selbst das Nichts lässt sich kaum denken, ohne ihm sprachlich bereits eine Form des Seins zu verleihen.

Diesen Text als PDF downloaden




Kommentare zu "Die Suche nach dem Sein"

Es sind noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar schreiben zu "Die Suche nach dem Sein"

Möchten Sie dem Autor einen Kommentar hinterlassen? Dann Loggen Sie sich ein oder Registrieren Sie sich in unserem Netzwerk.