Wo der Weg beginnt, ist das Ziel noch stumm,
und die Welt scheint offen, in Werden und Raum.
Doch Parmenides spricht aus gedankenernstem Mund:
Nur das, was ist, bleibt – Wandel ist Traum.

Zenon stellt Pfeile in bewegte Luft.
Sein Lauf bleibt stehen, sein Denken geht.
„Was eilt, betrügt; was scheint, verrinnt –
nur wer nicht folgt, versteht.“

Melissos weitet das Eine weit –
kein Anfang mehr, kein letzter Ort.
„Was grenzenlos in sich besteht,
ist jenseits von Geburt und Wort.“

Dann tritt Epiktet mit ruhigem Blick
und Ketten am Fuß, doch freiem Geist:
„Nicht was dir widerfährt, entscheidet dich,
sondern was du daraus weißt.“

Seneca lächelt dem Ende ins Licht,
inmitten der Zeit, im Rückzug aus Hast:
„Nutze den Tag, doch nicht um zu rennen,
sondern damit er dich nicht verpasst.“

Und Mark Aurel – der Kaiser still –
blickt in das Weltgefüge rund:
„Was dir geschieht, gehört zum Ganzen –
sei du der denkende Grund.“

So geht der Weg, und keiner geht allein.
Der Wandel fließt im bleibenden Sein.
Und wer sich fragt, woher, wohin –
beginnt zu ruh’n – inmitten des Sinns.


© TIMO ERTEL


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Beschreibung des Autors zu "Der Weg im Ganzen."

Ein philosophisches Gedicht über Leben und Lebensweg – von Timo Ertel

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