An einem kalten Januartag
als der Schnee zum Knöchel lag
spaziert Tom Dee die Ruhr entlang,
im Herzen trug er dunkle Bang.
Die Arbeit weg, die Frau lief fort
und er allein an diesem Ort.
Der Wind zerzaust sein krauses Haar,
die Bäume kahl, das Ufer nah,
mit trübem Sinn stapft er durch´s Weiß
die Nase kalt, das Herz so heiß.
Oh Not, oh Pein bleibt fort von mir
entschwindet rasch ihr Wellen Gier!
So finster war Tom Dee´s Gemüt
dass die Natur nie mehr erblüht,
dass auf dem Grau das Schwarze lag
und niemand ihn vermissen mag.
„Was soll noch folgen für ein Licht,
wenn nun sehr bald das Bündnis bricht?“
So klagte er und schritt voran,
bis ihm die Flut am Fuße rann,
ein Seufzer tief, ein letzter Blick
gibt er zu Gott nun sein Geschick.
Er geht voran und fühlt die Not,
die dieser Augenblick ihm bot.
Da sieht von fern er ein Geschwanke
direkt dort an der Brombeerranke.
Ein Boot im Strudel, ein Hilfeschrei
und eines Mannes Konterfei,
wie krampfhaft er das Boot umklammert
und hilflos nach der Rettung jammert.
„Hört mich, ihr Staden Ungebill,
dass ich heut´ nicht sterben will!
Ist denn die Rettung gar zu fern?
Ich gebe all mein Gut nur gern!“
Nun zieht´s ihn in die kalte Flut
und fahren lässt er allen Mut.
Tom Dee horcht auf, steht still im Tritt,
die Woge um den Knöchel glitt.
Die Not, die Pein, die er gefühlt
ist ganz plötzlich fortgespült.
Nun gilt es Rettung, steht dafür ein,
stürzt er sich in die Flut hinein!
So kalt das Wasser, schwer das Kleid
bleibt unbemerkt, er sieht das Leid
und wie die Hand des Mannes winkt,
derweil der Leib zu Grunde sinkt.
Nur Mut, nur Kraft mit kühnem Schlag
dass ich ihn doch noch retten mag!
So pflügt Tom Dee durch die Flut,
zu retten Gottes höchstes Gut,
die Hand zu reichen in der Not,
zu überwinden Leid und Tod.
Noch drei Züge, fast schon da
ist die Rettung allzu nah.
In des feuchten Teufelsschlund
sinkt das Leid mit Aug´ und Mund
Tom Dee greift in den Flut hinein
zieht den Mensch zurück ins Sein.
Umfasst die Brust mit Eisenhand
und zieht sie fest zum Uferrand.
Da spürt ein Ziehen er am Fuß,
Poseidons letzten Höllengruss,
eiseskalt des Strudels packen,
gefriert das Haar in Tom Dees Nacken,
stößt er den Mann zum Ufers Glück
und sinkt ins nasse Grab zurück.
Und als es wieder Frühling ward,
ein Mann zum stillen Flusse trat,
schaut auf die Wellen lang versonnen,
denen er so knapp entronnen,
wirft in die Fluten ohne Scheu
einen Strauß von Männertreu.
Kommentar:Hallo Mark!
Tom Dee - ein Held wie John Maynard.
Ja Mark, das hast du echt drauf! Richtig zum Mitfühlen und Mitfiebern.
Mir gefällt deine Ballade sehr!
Klitzekleine Anmerkung: Es gibt einige wenige Stellen, an denen - für gleichmäßigeren Rhythmus - ein einsilbiges Wort gut passen
würde.
Du konntest dich auch noch nicht so ganz entscheiden, ob du in der Vergangenheitsform oder in der Gegenwart schreiben sollst.
Kommentar:Hallo Cori, vielen Dank. Ist mir nicht aufgefallen :-) Ich werde Tom Dee noch einmal überarbeiten:-) Danke für die Hinweise. Wünsche Dir frohe Weihnachten. Viele Grüße Mark
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Besinnungslos produzieren wir drauf los,
als gäb's die Ersatzwelt in der Konserve,
ist fünf nach zwölf, das Gejammere groß,
dieser Satz lockt uns aus der Reserve:
Als Gäste wir die Erde [ ... ]
Schwerer schlägt mein kleines Herz, schließ ich die Kellertüre auf.
Längst schon stritten meine Geister, hier endlich zu sortieren.
Kaffee schlürfend nehme ich ein Tropfgeräusch in [ ... ]
Es liegen weiße Nebelschwaden
im Dämmerlicht über dem Feld.
Wie Finger einer Geisterhand
winken sie mich einzuladen,
in ihre stumme Geisterwelt,
in ihr Reich am Wegesrand.
Beim Dämmerlicht im Mondenschein,
am Himmel Sternenlichter glänzen,
entfesselt von Kümmernis und Sorgen,
leichtfüßig über weiches Moos ich lief,
nächtlich süßer Klang in meinen [ ... ]
Abendsonne wärmt mich,
es singen Amseln ihre Lieder;
am Haselstrauch hängen noch die Tropfen
vom letzten Frühlingsregen,
die Abendsonne durchdringt sie,
lässt sie wie Diamanten [ ... ]