Das was Liebe hinterlässt

Vielleicht haben wir uns gegenseitig gebraucht.
Vielleicht auch nicht.
Ich weiß nur:
Ich habe dich nicht gebraucht.
Ich wollte dich.

Ich wollte dich in dem Moment,
als du genervt von einer Bushaltestelle zur nächsten gelaufen bist,
weil der Bus nicht kam.
Ich wollte dich, als ich meinen Mut zusammengenommen habe.
Und ich wollte dich,
als ich dir geschrieben und nach einem ersten Treffen gefragt habe.

Das war eine bewusste Entscheidung.
Keine Lücke.
Kein Mangel.
Ein Gefühl.

Als ich erfahren habe, dass du frisch getrennt warst,
war ich da.
Still.
Ohne Hintergedanken.
Nicht, um etwas zu reparieren.
Sondern, weil ich wusste, wie sich dieser Schmerz anfühlt.
Weil ich mir selbst einmal gewünscht hätte,
dass jemand da gewesen wäre in dieser Zeit.

Während ich blieb,
habe ich mich verliebt.
Unbemerkt.
Leise.

In deine Augen.
In dein Lachen.
In die Art, wie du warst, wenn du nicht stark sein musstest.
In einen Menschen,
den ich wirklich gesehen habe.
Mit allem, was dazugehört.

Diese Zeit war ruhig.
Mein Leben, das sonst oft chaotisch war,
wurde langsamer.
Fast still.
Fast friedlich.

Dann kam mein eigenes Chaos zurück.
Nicht neu.
Aber laut.

Alte Themen.
Alte Muster.
Und die Erkenntnis,
dass ich nicht mehr so viel geben konnte wie am Anfang.
Nicht, weil ich nicht wollte.
Sondern, weil ich müde war.

Ich habe trotzdem mein Bestes gegeben.

Manchmal haben wir uns nicht erreicht.
Nicht aus Absicht.
Nicht aus Gleichgültigkeit.
Sondern, weil Nähe alte Wunden berührt
und jeder aus seiner eigenen Geschichte fühlt.

Ich begann, mich zu hinterfragen.
Nicht, weil ich musste.
Sondern, weil mir etwas wichtig war.

Manchmal hatte ich das Gefühl,
dass du vor allem dich gesehen hast
und mir das gespiegelt hast,
was du selbst nicht geben konntest,
bis ich irgendwann glaubte,
ich allein sei das Problem.

Und trotzdem vermisse ich dich so sehr.
Nicht aus Gewohnheit.
Sondern wegen der Zeiten, egal ob gut oder schlecht.

Zeiten, in denen wir lachten, liebten, küssten
und uns fallen lassen konnten.

Zeiten, in denen ich auf der Couch einschlafen durfte,
ohne Druck,
ohne Erklärungen.
Zeiten, in denen du mich zugedeckt hast
und ich einfach gespürt habe:
Du bist da.

Zeiten, in denen du mir in die Augen geschaut
und gesagt hast, wie sehr du mich liebst.
Zeiten, in denen du mich vor anderen in Schutz genommen hast,
auch wenn mein Leben gerade kompliziert war.
Zeiten, in denen du für mich gekocht hast.
Aus Liebe.
Nicht aus Pflicht.

Die Erinnerungen:
Die Märkische Schweiz
Malta
Hurghada
Budapest
Und so viele kleine Dinge dazwischen.

Wie du über einen Stein gestolpert bist
und ich gesagt habe wie tollpatschig du bist.
Und ich im nächsten Moment selbst gestolpert bin.
Ich glaube, da haben sich zwei Chaoten gefunden.

Wie ich Karten für Satire oder Theater gebucht habe,
obwohl es eigentlich nicht meine Welt war.
Aber dich neben mir glücklich zu sehen,
hat mich glücklich gemacht.

Das Neon Light Malen,
bei dem dein Bild aussah wie von Picasso
und meins wie von einem Grundschüler.

Der Moment,
als mein unechter Zahn herausgefallen ist
und wir ihn nur gefunden haben,
weil er im Dunkeln geleuchtet hat.

Der Sonnenuntergang auf dem Steg in Schwerin.
Dein nächtliches Ankuscheln.
Deine Berührungen.
Deine Nähe.

Meine vielen Zettel,
die deinen Schrank gefüllt haben.
Die unzähligen Ausflüge zum Holländer,
bis du fast einen kleinen Dschungel zuhause hattest.

Du warst der Mensch,
der mir eine Geburtstagstorte gebacken hat.
Mit Kerzen.
Mit einem gesungenen Happy Birthday.
Für viele vielleicht selbstverständlich.
Für mich ein Moment,
der mein inneres Kind tief berührt hat.

Selbst wenn wir gestritten haben,
fand ich dich schön.
Selbst wenn ich wütend gegangen bin,
bin ich zurückgekommen.
Weil ich geglaubt habe.

An uns.

Und dieses eine Gefühl,
das alles überstrahlt.
Nach einem harten Arbeitstag nach Hause zu kommen
und von dir in den Arm genommen zu werden.
Du hast gesagt,
dass du mich vermisst hast.
Und etwas in mir
hat in diesem Moment begonnen zu heilen.

Ich könnte noch tausend Erinnerungen aufschreiben.
Und während ich das tue,
lache und weine ich gleichzeitig.

Vielleicht war es kein falsches Gefühl.
Vielleicht nur ein schwieriger Zeitpunkt.

Vielleicht war ich der Mensch,
den du gebraucht hast,
um zu vergessen,
was vor mir passiert war.

Ich weiß nicht,
ob deine Beziehung davor dich so verunsichert hat,
dass du an dem Menschen gezweifelt hast,
der einfach nur das Beste für dich wollte.

Im Kopf bin ich wieder bei mir.
Im Herzen noch im Wir.

Und vielleicht bedeutet genau das Liebe.
Nicht gedacht.
Sondern gefühlt.


© Paul Decker


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Beschreibung des Autors zu "Das was Liebe hinterlässt"

Ein persönlicher Blick auf Momente des Glücks und die leisen Verletzungen dazwischen.
Über Liebe, Erinnerungen und das, was bleibt, wenn Wege sich trennen.

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Kommentare zu "Das was Liebe hinterlässt"

Re: Das was Liebe hinterlässt

Autor: Jens Lucka   Datum: 19.01.2026 8:11 Uhr

Kommentar: Das lieber Paul, klingt in der Tat nach Liebe.

Herzliche Grüße von Jens

Re: Das was Liebe hinterlässt

Autor: Paul Decker   Datum: 19.01.2026 11:35 Uhr

Kommentar: Lieber Jens,
Liebe ist kompliziert, zumindest für mich.

Schwer, sie zuzulassen. Schwer, sie wirklich zu fühlen.
Und am schwersten ist es, sie gehen zu lassen, wenn man sie einmal gespürt hat.

Jetzt heißt es, den eigenen Weg weiterzugehen.

Herzliche Grüße

Paul

Re: Das was Liebe hinterlässt

Autor: akilegna   Datum: 19.01.2026 16:39 Uhr

Kommentar: Lieber Paul, das hast du so wunderbar geschrieben. Oft lese ich die langen und sehr intimen Texte hier gar nicht so gern. Aber deiner berührt mich zutiefst. All das kenne ich auch aus der Vergangenheit. Es tut weh, aber indem du es so gut formulieren kannst, verarbeitest du es schon ein wenig. Ich wünsche dir von ganzem Herzen dass dir eine ganz wundervolle glückliche Zeit entgegenkommt. Lass dir Zeit und hab Geduld.
Alles Liebe und Gute
Angelika

Re: Das was Liebe hinterlässt

Autor: Paul Decker   Datum: 20.01.2026 20:30 Uhr

Kommentar: Liebe Angelika,

danke dir für deine Worte.

Schreiben ist für mich im Moment ein stiller Weg, Dinge einzuordnen. Nicht alles versteht man sofort .
Manches erst, wenn man ihm Zeit lässt und wirklich hinschaut.

Alles Liebe
Paul

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