Wie ergeht es Dir, wenn Du Lyrik liest?

Lyrik, klassisch verfasst, lässt den Wunsch nach Geborgenheit aufkommen, führt mich zu den Klassikern, Erinnerungen an unbeschwerte Kindheitsstunden, intakter Natur und blühende Wiesen.
Sonntags trug man „Sonntagskleidung“ und aß einen guten Braten, wenn man ihn sich leisten konnte. Aber auch historische Ereignisse, die immer wieder lyrisch umgesetzt worden sind: Sieg und Niederlage gleichermaßen.

Lyrik, philosophisch verfasst, macht mich nachdenklich, gleicht philosophische Kenntnisse ab. Es wird etwas bewegt, schaue aus dem Fenster und bin gerade nicht „erreichbar“. Sie setzt Emotionen frei,
kramt in den Schubläden meines Hirns und manchmal verirre ich mich auch in mir selbst.

Lyrik, neuzeitlich, des ausgehenden 19. Jahrhunderts betrachtet; lese ich wie die Gemälde des Impressionismus; Farbnuancen, Feinheiten. Licht – und Farbspiele zwischen Klarheit und Verschwommenes, Erahnendes und Erhellendes.

Lyrik, auf der Schwelle des 20. Jahrhunderts, verlässt das Figurative und geht ins Abstrakte über. Sie fordert heraus wie der Expressionismus bis hin, für viele unlesbar, dem Surrealismus. Der Intellekt wird gefordert. Bin auf der Suche nach dem Lesbaren, verweile in Irrgärten, nehme die Logik zum Werkzeug und versuche metaphysisch ans Werk zu gehen. Was will „Sie“, „Er“ uns mitteilen? Eine herrliche Herausforderung – Erkenntnis muss erarbeitet werden.

Lyrik, junge Lyrik, hat sich befreit vom Stil aber nicht von Einflüssen, sei es das Weltgeschehen, seien es Emotionen, verborgene Empfindungen, teils in der Anonymität. Ist klare Sprache, direkte oder auch bewusste Herausforderung, versteckte Sprache. Sie ist von einer ganz besonderen Frische. Ich spüre beim Lesen diesen erfrischenden Hauch, der wie eine Welle durch meinen Körper geht. Man kann sie sofort an ihrer Sprache erkennen, an Begriffe und die Art sich zu artikulieren.

Und.......? Wie ergeht es Dir, wenn Du Lyrik liest?


© Jürgen Skupniewski-Fernandez


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Kommentare zu "Wie ergeht es Dir, wenn Du Lyrik liest?"

Re: Wie ergeht es Dir, wenn Du Lyrik liest?

Autor: possum   Datum: 05.09.2019 3:25 Uhr

Kommentar: Lieber Jürgen,
ich empfinde es so wie du auch ...

lieben Gruß!

Re: Wie ergeht es Dir, wenn Du Lyrik liest?

Autor: Nea   Datum: 05.09.2019 6:10 Uhr

Kommentar: Dein Text ist reflektiert und gefühlvoll, gefällt mir sehr.
Dann versuche ich mal, zu antworten:
Der Reiz an der Lyrik ist für mich, dass ich nicht vorhersehen kann, was mich berührt und auf welche Weise. Das ist das Schöne daran und eine große Inspirationsquelle. Wenn ich mich frage, warum diese Worte etwas in mir auslösen, bin in Kontakt mit meinen Gefühlen.
Dann wiederum geben mir manche "Klassiker" Halt. Sie haben etwas Verlässliches an sich, sind für mich ein Weg, Empfindungen und Gedanken in gewissem Maße zu konservieren - Wenn ich manche Gedichte wieder lese oder im Geiste durchgehe, fühle ich wieder ähnlich wie beim ersten Lesen.
Zuletzt ist es für mich ein schöner Gedanke, dass so unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Zeiten auf ähnliche Weise versucht haben, ihre Welt in Worte zu fassen und ihr Leben besser zu verstehen. Dein Text umfasst das sehr treffend.
Liebe Grüße,
Nea

Re: Wie ergeht es Dir, wenn Du Lyrik liest?

Autor: Jürgen Skupniewski-Fernandez   Datum: 07.09.2019 8:54 Uhr

Kommentar: Liebe Nea, so ist es: Emotionen, Empfindungen bewegen uns beim Lesen von Lyrik. Und genauso wie du es schilderst, bin ich erstaunt bewegt von der Vielfalt und Ausdrucksweise über die Jahrhunderte durch und es scheint niemals enden zu wollen. Die Begriffe ändern sich im Kontext der Entwicklung, aber die "lyrische Wurzel", scheint eweglich.

Viele Grüße

Jürgen

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