Weihnacht '20 / /

Dass ein Virus uns jederzeit eine tödliche Pandemie bescheren würde war eines der wissenschaftlich fundiertesten Szenarien. (s. Risikoanalyse Bundesregierung 2012) Es ist überaus menschlich, auch unvermeidbare Katastrophen zu verdrängen, so lange sie nicht eintreten. Das gilt übrigens auch für die lächerliche Verdrängung von Tod und Sterblichkeit.
Klüger ist es, sich auf Ereignisse, die sich nicht vermeiden lassen, vorzubereiten. Man kann dann besser mit ihnen umgehen. Was sich aus dieser Haltung entwickeln kann, bezeichnet man mit einer modernen Vokabel als Resilienz. Individuen können resilient werden, aber auch ganze Gesellschaften.
Das kommende, durch den Lockdown erzwungene stille Weihnachtsfest gibt hinreichend Gelegenheit, über die Prioritäten des Lebens neu nachzudenken. Die Unterbrechung der Routinen, der Alltagszwänge, die erhebliche Einschränkung von Konsum und damit verbundener oft sinnloser Ressourcenverschwendung, sollte man als eine realistische Chance in der Krise verstehen.
Gemeinsam könnten wir neu beleben, was die meisten Menschen schon in sich spüren :
unnötiger Konsum, grenzenloser globaler Tourismus , das Motto immer 'höher, weiter , schneller ' , sie führen nicht zu einem sinnvollen Leben, zu Gelassenheit und einer zuverlässigen Ruhe des Geistes. Es entsteht vielmehr das Empfinden innerer Leere, der Gier nach dem nächsten Event, Thrill, Highlight.
Im Kern sind es die Deformationen, welche unsere Welt an den Abgrund geführt haben. Sie werden unserem Wesen nicht gerecht. Es wird Zeit, zu verstehen : Covid-19 ist die letzte Mahnung, der ultimative Denkanstoss.
Die Pandemie können wir letztlich überwinden. Die Bewältigung der Klima- und Ökokatastrophe, die Rettung unserer Welt sind eine bei weitem größere Herausforderung. Es geht um alles.

Umkehr ist nötig, nicht im religiösen Sinne, sondern ganz weltlich. Wir müssen uns endlich gemeinsam auf das besinnen, was wir als Homo Sapiens auch vermögen ( wir wären sonst längst ausgestorben). Wir sind fähig, solidarisch zu sein, Empathie zu empfinden, Verzicht zu üben, sind fähig zu Demut und wir können eigenes Fehlverhalten überdenken, mittels Vernunft daraus Schlüsse ziehen und unser Verhalten ändern.
Alle, die derzeit in Krankenhäusern, Seniorenheimen, in der Betreuung von Behinderten, Alten, Schwachen und Einsamen aufopfernd ihre ganze Kraft einsetzten, sie sollten uns Vorbild sein. Der Mensch ist ausgestattet mit dem guten Willen. Wir sollten ihn endlich entfalten, ihn wahr werden lassen. Er besitzt ein schier gigantisches Potenzial. Mit seiner Hilfe können wir fast alles schaffen.
Das ist eine wirklich frohe Botschaft in dieser schweren Zeit, ein Licht am Ende des Tunnels, ein Vakzin mit dem wir alle schon versorgt sind.
Wir dürfen begründet hoffen.
Frohe Weihnacht


© ulli nass


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Beschreibung des Autors zu "Weihnacht '20 / /"

Aus Gründen der Logik ist der 'Gute Wille' exklusiv nur gut.
Das schafft, ebenfalls zur Vermeidung logischer Widersprüche, nicht einmal Gott.

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Kommentare zu "Weihnacht '20 / /"

Re: Weihnacht '20 / /

Autor: Verdichter   Datum: 19.12.2020 23:50 Uhr

Kommentar: Lieber Ulli, kluge Gedanken hast du uns hier präsentiert. Der gute Wille hat aber leider zwei feste Begleiter: Schwäche und Einsamkeit. Aber Hoffen geht immer.
In diesem Sinne: schöne Weihnachten!

Gruß, Verdichter

Re: Weihnacht '20 / /

Autor: ulli nass   Datum: 20.12.2020 9:46 Uhr

Kommentar: Danke Verdichter. Irgendwie war das mit 'Guten Willen' in meinen Hirnwindungen. Mit etwas Mühe fiel mir ein, wer den Gedanken schonmal vor mir hatte. Ich wünsche Dir und allen die Dein Leben begleoziten alles Gute für die Feiertage, den Jahreswechsel und für 2021.
Life is Life
ulli

Im ersten Satz seiner "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" (im Folgenden kurz "Grundlegung" genannt) stellt Immanuel Kant (1724 - 1804) die These auf: "Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille" (S.18). Im weiteren Verlauf kommt Kant dann zu der These, dass der gute Wille das höchste Gut sei (S.22).

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