Datenschutz wird in Deutschland ganz groß geschrieben, aber ist dieser denn wirklich immer so sinnvoll?
Natürlich möchte Niemand seine persönlichen Daten oder Bilder öffentlich im Internet vorfinden!
Und in diesem Bereich ist es auch sehr gut das dort ein großes Augenmerk darauf gelegt wird! Das steht außer frage und daran sollten wir alle als Gesellschaft auch dringend festhalten.

Aber der Datenschutz erstreckt sich auch auf vieles was sich in der Öffentlichkeit abspielt in unserem Leben und dort profitieren nun einmal nicht nur wir als Gesellschaft davon, sondern auch Kriminelle.
Für Jeden von uns ist es normal das wenn wir ein Kaufhaus oder einen Laden betreten dort Überwachungskameras angebracht sind. Die meisten stört das auch überhaupt nicht bzw. werden von vielen die Kameras nicht mehr bewußt wahrgenommen. Sie beeinflußen uns ja auch nicht und kaum einer macht sich Gedanken darum das sein Weg durch das Geschäft aufgezeichnet wird. Warum auch? Wir haben ja nichts zu verbergen.
Dennoch gibt es immer wieder Menschen die sich durch Kameras in Läden oder auf öffentlichen Plätzen gestört fühlen. Aber warum ist das so? Und ist dieses Gefühl des Überwacht werden gerechtfertigt?
Doch bevor wir uns diese beiden Fragen genauer anschauen, schauen wir uns doch erst einmal an warum diese Kameras überhaupt angebracht sind, vielleicht bekommen wir ja dadurch schon einen Teil dieser Fragen beantwortet.
Geschäfte und Kaufhäuser versuchen sich zum einen dadurch vor Diebstahl zu schützen bzw. im Nachgang auch Beweise für einen begangen Diebstahl zu haben. Was ja auch wirklich sinnvoll ist wenn man bedenkt das jedes Jahr in Deutschland durch Ladendiebstahl ein Schaden in Höhe von 4 Milliarden Euro (laut einer Schätzung der EHI Retail für 2023) entsteht. Diese Verluste muss der Handel natürlich Kompensieren und dies erfolgt zu lasten der Kunden, in dem diese Verluste bei der Kalkulation von Preisen bereits mit einbezogen werden. Also haben wir als Kunden durchaus ein Interesse daran das möglichst viele Diebstähle verhindert bzw. aufgeklärt werden.
Aber nicht nur in dieser Hinschicht haben wir etwas von den Kameras in den Geschäften. Immer mehr Taschendiebstähle werden in Deutschland registriert, so nennt die Deutsche Bundespolizei 107.720 angezeigte Taschendiebstähle für das Jahr 2024. Wie hoch die Dunkelziffer dabei ist, ist schwer zu schätzen.
Und auch bei diesen Taschendiebstählen profitieren wir von den Überwachungskameras, diese geben den Tätern für die Polizei plötzlich ein Gesicht und somit zumindest einen Ansatz um den Täter zu ermitteln.
Jetzt kommt natürlich wieder die Frage auf, wie lange Speichern denn aber die Geschäfte diese Überwachungsvideos und somit meine Daten? Laut der DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) dürfen Geschäfte keine Personen bezogenen Daten länger als 72 Stunden speichern, außer es besteht ein berechtigtes Interesse. Dies liegt zum Beispiel bei einem Diebstahl vor.
Wenn man sich nun also die Vorteile die wir als Kunden von dieser Kameraüberwachung in Läden haben ansieht, ist diese doch recht positiv für uns!?

Kommen wir aber nun zu der Überwachung auf öffentlichen Plätzen.
Pauschal kann man hier schon einmal vorweg nehmen, dass dort keine Privatpersonen oder Firmen einfach Filmen dürfen. Im öffentlichen Bereich dürfen nur Behörden eine Videoüberwachung anbringen. Und auch dies geschieht nicht einfach willkürlich, sondern nur in Bereichen mit einem erhöhten aufkommen von Straftaten und in Bereichen in denen eine erhöhte Sicherheit benötigt wird.
Auch hier kommt uns als Gesellschaft dies Wiederrum zugute. Es ist viel Kostengünstiger einen größeren Platz mit Kameras zu überwachen als dort eine dauerhafte Pressens von zahlreichen Polizeibeamten zu Gewehrleisten. Ebenfalls haben wir durch die Aufzeichnungen wieder den Vorteil der Beweiskraft.
Jetzt kann man natürlich sagen dann ist doch alles gut und wir haben ein relativ hohes Maß an Sicherheit dadurch. Oder etwa nicht?
Leider gibt es auch hier wieder Einschränkungen die nicht gerade unerheblich sind. So dürfen von diesen Kameras im öffentlichen Bereich etwa keine Außenbestuhlung von Cafés oder Restaurant erfaßt werden. Das selbe gilt wenn diese zum Beispiel durch eine Fensterfront in ein Ladengeschäft Filmen könnten. Diese Bereiche müssen ausgeschnitten oder verschleiert werden. Somit entstehen eine große Anzahl von Punkten die einfach nicht erfasst werden können. Dies stellt sich oft als Problem für Strafverfolgungsbehörden heraus. Und genau diese Art von Datenschutz gibt es nahezu nur in Deutschland so. Erzählt man dies einem Amerikaner, Engländer oder Spanier können diese nur mit Unverständnis den Kopfschütteln. Dort wird die Sicherheit der Gesellschaft über das Interesse des Datenschutzes des Einzelnen gestellt. Aber brauchen wir solche Verhältnisse hier in Deutschland?
Dies kann man nur mit einem klaren Jaein beantworten. Unsere Privatsphäre muss geschützt werden! Das steht außer Frage!
Aber wie Privat ist es denn, wenn ich auf einem öffentlichen Platz in einem Café sitze und mich dabei Hunderte von Menschen sehen können die an diesem vorbei laufen?
Interessiert es den Beamten der die Monitore der Kameras im Auge hat den wirklich ob ich Himbeer- oder Apfelkuchen zu meinem Kaffe esse?
Und genau mit dieser Frage und Ihrer Antwort kommen wir wieder zu unseren beiden am Anfang gestellten Fragen zurück.
Fakt ist doch ganz einfach, dass es niemanden der diese Monitore betrachtet interessiert welchen Kuchen wir essen, was wir anhaben, ob wir mit unserem besten Freund/in oder unserem Partner/in dort sind. Auch wenn das jetzt vielleicht den Ein oder Anderen treffen mag, so lange wir keine Straften begehen, sind wir in der Masse der Gesellschaft einfach komplett uninteressant aus der Sicht von Polizei und Sicherheitsbehörden.


© Daniel Sämisch


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Gedanken zum Thema Datenschutz und den Folgen von übertriebener Auslegung

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