Was sind in der heutigen Zeit denn noch Briefe? Total altmodisch, Whatsapp boomt, warum also unnötig die Mühe machen und mit einem Stift auf ein Blatt Papier aufschreiben was man zu sagen hat.

Wikipedia sagt, der Brief (von lateinisch brevis libellus, bzw. vulgärlateinisch breve scriptum (epistula)‚ kurzes Schreiben, zu brevis ‚kurz‘) ist eine auf Papier festgehaltene Nachricht, die meist von einem Boten überbracht wird und eine für den Empfänger gedachte persönliche Botschaft enthält. Ein Brief wird gefaltet (Faltbrief) oder in einem Umschlag (Umschlagbrief) verschickt.

Eine andere Idee wäre es im Duden nachzuschlagen, eine „schriftliche, in einem evtl. verschlossenen Umschlag übersandte Mitteilung“.

Kennt die jüngere Generation überhaupt noch die Bedeutung eines Briefes oder schreibt sie überhaupt noch Briefe?

Sicher erinnert sich jeder noch an seinen ersten Liebesbrief, den er/ sie erhalten oder auch geschrieben hat, man weiß noch ganz genau wie der Angebetete/ die Angebetete hieß und wird mit Sicherheit auch nie das Gefühl vergessen wie sich die Aufregung breit gemacht hat als der Brief, sofern die Deutsche Post einen guten Tag hatte, beim Empfänger angekommen ist. Die Mutigen unter uns haben ihn direkt abgegeben, „Willst Du mit mir gehen? Kreuze an…“. Damit sind wir groß geworden.

Mittlerweile wird das digital per Abkürzung geregelt, wäre sonst auch unnötige Zeitverschwendung. Innerhalb von Sekunden sieht der andere welches Herz er erobert hat, leider sieht der Absender dadurch aber auch wann die Nachricht zugestellt wurde und ob der Empfänger bereits online war und trotzdem nicht antwortet. Dann bricht sie zusammen, die kleine romantische digitale Welt.

Natürlich nicht.

Zwei Wochen später hat man jemand neues kennen gelernt und dank der fantastischen „Copy&Paste“-Technik kann man das selbe erneut verschicken, man muss lediglich den Namen abändern, ein Hoch auf diese neuen Möglichkeiten, mit Briefen hätte das nie funktioniert.

Wie komme ich also dazu den Titel „Briefe“ zu nennen?

Briefe sind meine Welt mich auszudrücken, es gibt keine bessere und schönere Möglichkeit jemanden damit zu sagen wie dankbar man ist, man lernt, das was man fühlt, aufzuschreiben, beschäftigt sich mit dem tiefsten Inneren seiner Seele, hört auf die Stimme des Herzens und kann dadurch auch viele erlebte Dinge verarbeiten.

Natürlich kann man dadurch auch Frust ablassen, den Ex als miesen Verräter beschimpfen, abschicken muss man den Brief am Ende noch lange nicht, aber man hat es aus sich heraus geschrieben und dadurch fühlt man sich gleich viel ausgeglichener und zufriedener.

Mit einem Smartphone können solche Gefühle nicht entstehen, da man keinen direkten Bezug zu diesem elektrischen Gerät hat, das Tippen auf dem Bildschirm gibt einem keinen direkten Bezug, im Brief hingegen ist es die eigene Handschrift, die man seit der Grundschule mehr oder weniger, schön oder weniger schön, erlernt hat und die einen ein ganzes Leben lang begleitet, warum sollte man dann auch nicht der Handschrift die Möglichkeit geben unsere Geschichte zu schreiben, sie ist schließlich immer bei uns.

Briefe! Im Laufe meines doch noch jungen Lebens habe ich vermutlich mehr Briefe als alles andere geschrieben und bin dadurch vielleicht auch ein bisschen mehr daran schuld, dass die Regenwälder abgerodet werden, dies tut mir aufrichtig leid.

Viele meiner Briefe habe ich natürlich, denn das ist der eigentliche Sinn eines Briefes, verschickt und ich bin davon überzeugt dass die Empfänger mehr oder weniger immer viel Freude damit hatten, aber es gab auch viele Momente in denen Briefe entstanden sind, die nie zu ihrem Empfänger finden werden, weil sie mir zu wichtig sind und weil man gelegentlich nicht weiß ob der Brief dadurch eine neue Lawine auslösen könnte.

Das wirklich beeindruckende an Briefen ist meiner Meinung nach dass oft nur wenige Zeilen reichen um zu erkennen welche Emotionen in diesem Brief stecken und innerhalb von Minuten ist klar vermittelt was der Hintergrund oder die Absicht eines Briefes ist, man ist in kurzer Zeit in der Welt des anderen und kann sofort mitfühlen und nachvollziehen, faszinierend.

In Briefen und manchmal auch in Gedichten ist mein Herz voll und ganz dabei und es lebt, denn da bin ich in dieser einen Welt. Das meine Welt eine ganz ganz eigene ist wird vielleicht im Laufe der Zeit klarer, man hüpft von einem Empfinden in das nächste, vom Brief zum Gedicht, vom Gedicht zum Brief.

Briefe aus den unterschiedlichen Anlässen unsortiert, die erste große Liebe, der erste große Schmerz, Freundschaften, Wut, Enttäuschungen, Schwärmereien oder einfach weil etwas auf der Seele brannte.


© Pi-hoch-Pi


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