Gerne wird von Eigenverantwortung, Bringschuld und einer Art von funktionsfokusiertem Sein gesprochen, welches zum Vorbild erhoben wird.

Doch wessen Bezugssystem liegt hier zugrunde?
Wie kann ein statistisch basierter Blick auf die Außenfläche von Leben und Erleben zum Maßstab für einen Umgang mit Menschen erhoben werden?
Wie kann ernsthaft davon ausgegangen werden, dass ein Einzelner Eigenverantwortung leben könne, wenn ihm zugleich das Selbst und Eigene durch Strukturvorgaben nahezu ausgetrieben wird?
Wie soll ein Mensch als Mensch für sich selber einstehen und handeln können, wenn ihm Spielräume kontinuierlich und sukzessive entzogen werden?
Wie soll ein Leben sich als Leben wieder finden und erleben können, wenn es sich Machtstrukturen gegenüber sieht, welche sich hinter einem Gesetz verbergen und in ihrer ethisch-moralischen Ausrichtung den Schutz des Lebens scheinbar für nicht mehr erstrebenswert halten?

Wer Leben achtet, droht nicht!
Wer Menschen wertschätzt und ihnen auf Augenhöhe begegnet, bedarf keines
Rückgriffes auf ein Handlungsrepertoire, welches der Existenzschädigung dient!
Wer die Zusammenhänge von Arbeitsmarkt und Erwerbs- bzw. Bildungsbiografie in das Auge fasst, wird viel eher jede Eigeninititative von Menschen aufrichtig
begrüßen und fördern.
Den Menschen ihren Erfahrungshorizont abzusprechen, heißt ihnen die Mittel
der Eigenverantwortung zu entziehen!
Fremdbestimmung in Gestalt einer Bürokratie, welche jedes Handeln und Lebensmoment der Rechtssphäre des Privaten entreisst, ist als Übergriffigkeit zu erleben.

Jeder Einzelne mag sich seine eigenen Gedanken machen, was ein solcher Kontext als Dauerzustand im Erleben, aus den hiervon Betroffenen macht.
Wer sich begraben sieht unter einer Entrechtungs- und Entwertungsbürokratie,
Stichwort Fremd- und Kollektivzuschreibung der angeblich homogenen Gruppe
der Ohne-Arbeits-Vertrag-Seienden, ist nur noch in der Dynamik der Abwehr von weiterer Lebensverengung.

In die Welt, neue Arbeitsbereiche, das Leben hinein zu treten, bedarf aber einer Haltung, die dem Außen in Offenheit und Neugierde begegnet.
Beides wird zerschlagen im Zusammenhang mit der Schadkommunikation wie es den Jobcentern als ideelle Grundlage im Umgang mit den Kunden, zugrunde liegt.

Wer Eigenverantwortung leben soll, muss erst einmal er selbst sein dürfen, ohne
mit Sanktionierung bedroht oder gar existentiell geschädigt zu werden!
Jeder Mensch ist von Wert und das Bevormunden und Schadbetreuen von Menschen
im Status der Arbeitslosigkeit, wird die Anzahl der tatsächlich offenen Stellen nicht erhöhen.
Was also soll sinngebend und zielführend sein im diffamierenden Umgang
mit Menschen in Not?

Das einzige was uns als Menschen innerhalb eines Gemeinwesens hier widergespiegelt wird, ist eine neue Form von Gewalt gegen Menschen.
Mitten unter uns vollziehen sich die Zuspitzung von Elend und tief zu empfindender Not.

Die Antwort darauf, sind Sätze von Menschen, denen eine Verharmlosung
dessen, was tatsächlich stattfindet, einen ruhigen Feierabend beschert.


© Monja Ben Messaoud


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