La Casa.

I. Die Herzogin - II. Der Kindergärtner - III. Die ideale Stadt - IV. Reise nach Urbino.


I. Die Herzogin.


Ein Haus haben als zutiefst verwurzelter Wunsch. Doch es geht auch um das Umfeld. Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn - und Mitbewohner - nicht gefällt.

Geld ist nichts, real ist nur das Haus. Durch das Haus gehen und wissen, jeder Kubikmillimeter ist Eigentum - Urvertrauen, Sicherheit der Höhle gegen die aggressive Welt, die nur dein Schweiß und Blut - dein Geld - saugen will.

Lust und Liebe sind die Fittiche zu großen Taten - Goethe. Das Lustbedürfnis ist die Schwachstelle, die das Haus anbohren kann. Wenn du nicht auf deine Person achtest - atmen, essen, schlafen, Liebe - wenn du dich nicht spürst, dir Talmi statt wahres Leben reinziehst - und für Talmi Geld gibst, Steine deines Hauses belehnst, herausreißt.

Liebe stärkt das Haus. Die Versorgungskeller entschlossen installieren, die Trakte des Hauses mit einer funktionierenden, kommunizierenden Röhre verbinden, statt daß die symbiotische Bedürftigkeit Ziegel für Ziegel aus den Mauern löst, sie auf der anderen Seite anhäufend, in den anderen Bau tragend - und wenn du erkennst, daß nach dem Hausbau in der aggressiven Welt deine voll funktionstüchtige Körper- und Geistperson errichtet werden muß, was das Haus noch mehr stärkt - denn nur von draußen kannst du die Mittel zum Wachstum des Hauses erwerben - und das das aus ihm Ziegel zu ziehen immer schwieriger macht, abwehrt, dann geht es darum, ob die Liebe stärkt, der Partner die Selbstzerstörung endigt, den Ausstieg aus der Sucht entschädigt, mit dir für dich und ihn das neue Leben aufbaut, oder ob er ungeliebt und also wieder aus Frust zur Zigarette treibt, damit sein eigennütziges Spiel treibend. Wenn das der Fall ist, trenne dich von der Zigarette und vom süchtigen Kind. Du brauchst eine Herzogin fürs Haus.

Das Haus muss eines der in der Tiefe der emotionalen Versorgungskeller vereinigten Partner sein. Wer es nur für seine Freunde betreibt, der wird allein sein, wenn die Quellen des Hauses versiegen, das Haus aufgebraucht ist. Kraft zur Erweiterung wird er aus den Freunden nicht schöpfen.

Es geht nur vordergründig um Nikotinsucht - in Wahrheit geht es um das Loch, das die Zigarette stopft, gegen den unstillbaren Hunger, Durst, Angst. So also dafür einen stützenden, nicht herabziehenden, Partner mit Menschen rund herum, psychische Einbettung, Umgebung, Gruppe, um es nicht zwanghaft erfolgsprozend egohaft zu tun, heranziehen.

Es gibt ungeheuer viel Geld und hoffnungslose Armut. Zwischen der schuldgefühlbeladenen seelen-, ethik- und kulturzerstörenden Schicki-Micki-Medien-Protzerei - und das noch als Sinn-Botschaft verkündet, mit dem Haß der Reichheitsgauner auf alles Autonome, Geistige - und der mörderischen Vernichtungswut der Armen, ohne selbstgerechtes, hartherziges Spießbürgertum sein, euer, unser Haus des Humanismus neu aufbauen, betreiben und erhalten, das ist die Aufgabe. Das braucht einen Kreis von Gleichgesinnten, Humanisten, und einen Partner. Dazu gehört, daß von beiden, ja von allen am Haus Beteiligten, die Aufgabe des Betriebs und der Erhaltung des Hauses als eine genau so wichtige angesehen wird, wie die Arbeit draußen, und daß die humane, umweltschonende Kulturarbeit, Schreiben, dem mörderisch-umweltvernichtenden Treiben draußen gleichberechtigt als Tätigkeit, tatsächliche Arbeit, nicht als zeittodschlagende Beschäftigung, angesehen wird.

Dabei besteht bei der haus-internen Human- und Kulturarbeit das Problem der fehlenden Sozialenergie, die bei der Tätigkeit draußen immer zur Genüge, oft aber auch in schadend-aggressiver Form, automatisch mitgeliefert wird. Ein Mensch braucht Tätigkeit, Arbeit, das heißt Menschen, sonst ist er dem Partner ein Mühlstein am Hals.

Die eigentliche Problematik liegt darin, daß der draußen schaffende Partner die Kultur- und Human-Arbeit des Innen-Häusigen nicht als gleichwertig betrachtet. Er schätzt sie erst, wenn sie, möglichst erfolgreich, nach draußen sozialstatusmäßig, wie man es nennt sozialkompetent, vermarktbar ist. So zerstört in einer Gesell- und Partnerschaft, in der Geld alles mißt, der herzeigbare Reichtum die Seelen. Klar machen, jede Stunde Arbeit am häusigen Projekt ist soviel wert, wie die Außen-Arbeit des Partners.

Der Neid des Geldverdienenden will das Humane der häusigen Arbeit fressen. Aber die Berechtigung dazu ist dem Häusigen in dreißig Jahren Außenarbeit, in der er die Mittel zum Hausbau im Produktions-System, im Söldnerdienst wie einst Montefeltro, hart erkämpfte und, nachdem er den Clan-Verrat immer und immer wieder abgewehrt, so klar erworben hat. Es ist fies, erst dann als arbeitender Mensch akzeptiert zu werden, wenn einer im Supermarkt jobbt.

Oh nein, dieser Mensch hat nach dreißig Jahren draußen bereits seine Meriten verdient, auch wenn er sich nun davon keine Scheibe abschneiden kann, denn das neidische Umfeld hat alles über und über bekackt, der Lack zur Angeberei für die Abzocker ist einfach ab, auch infolge des knapperen Geldes natürlich. Sich da nichts vormachen, den Weg der Selbst-Erkenntnis gehen, ohne Wanken. Kein Zocken darf die Einsamkeit bestechen. Der echte Partner wird diesen Widerstand immer danken.

Keiner sein, von dem der Partner leben kann, aber einer, der genug Geld und Kraft hat, daß er mit ihm noch ein wirkliches Haus errichtet. Es aber auf jeden Fall mit und ohne Partner tun, der Partner kann entscheiden, ob er mitmacht. Wenn das Haus dann steht, wird er nicht mehr zurückkommen können, denn das Hausherrentum brennt sich ein, ist nicht anheiratbar. Einer kann nicht erst, gleichsam als Altenresidenz, Familie mit einem sein wollen, wenn dieser allein den Hausbau und die Erziehung bereits erfolgreich geschafft hat. Eine Familie ist das innere Haus zweier Menschen für sich und die seinen, ein Haus wird von all seinen Bewohnern gebaut und kein Fremder weiß, welche Grundmauern unerbittlich als die tragenden zu verteidigen sind.

Seit der Entscheidung für das Haus gegen die Zwei-Zimmer-Pension den Partner fürs erneuerte Haus gewinnen, fürs gemeinsame neue Haus. Dabei nicht dessen Fluchtwohnung, die Sucht, finanzieren aus schlechtem Gewissen, gemeinsames Hauszuhalten nicht wert zu sein. Der Partner muß stehen zum gemeinsamen Haus, darf nicht fliehen in Sucht und Geliebtenwohnung, wenn es schwer wird.

Die Herzogin kann das Haus des Herzogs so nicht betreiben, daß sie es, wenn sie da ist, alles kontrollierend, zum Flat macht – und damit den Herzog zum Hans Wurst – und wenn der Herzog sich rührt, flieht sie in das Damen-Gewölbe. Das ist nicht Montefeltros Herzogtum, schafft kein Urbino. Das macht das Haus zur puren Geldquelle für die Herzogin und ihre Hoflieferanten, denn sie schafft und rafft sich ihr wahres Haus im Außerhaus, völlig den Schicki-Mickis ergeben.

Oder umgekehrt, daß der Herzogin und ihrem Kreis das Haus nur gehörte, solange der Herzog draußen auf Erwerb war, im Krieg, und wenn er mit seinem Troß einritt, hatte die Herzogin ins Häuschen zu verschwinden. So waren unter den Fürsten Italiens nicht die Montefeltros. Die Herzogin verweigerte nicht die Partnerschaft bei Besuch und Audienzen. Sie machte sich nicht zu seinem Kind unter den Kind spielenden Besuchern, damit sie vom guten Vater etwas abbekommen. Darum geht es ja im neuen Haus, daß die Besucher dem Herren auch geben, nicht nur nehmen.

Die Herzogin hat sich die herzoglichen Rechte immer gewünscht, aber sie verweigert die zugehörige Gemeinschaft in Haus, Tisch und Bett, will ewig umworbenen Favoritenstatus und nicht Partner sein, was ihr eine irre Ideologie als Hurenstatus, den sie real zur Genüge kennt, völlig vertrackt ins Gehirn blies. So also gibt es für sie keine größere Lust, als den Herzog zu quälen und ihm auf der Nase herumzutanzen. Sie wird sehen, was passiert, wenn es anderswo hingeht.

[Das Haus, in dem jeder Kubikmillimeter Eigentum ist, leuchtet wie das weiße Haus in Griechenland. Das gemietete Haus stinkt düster in jedem Kubikmillimeter, es ist voll der generationenlang panik-ängstlichen Qual, morgen wieder die Miete erschuften zu müssen oder aber auf der Straße zu sitzen. Das gemietete Haus ist das Gegenteil von Eigentum.

Der Gast, der in das Haus kommt, in dem jeder Kubikmillimeter Eigentum ist, ist frei und glücklich darin, kann offen atmen im Licht des gastgeberlichen Besitzes, den mit dem Gast zu teilen, seine Freude ist - ja der Gast nimmt die Gastfreundschaft des Eigentümers ohne Schuldgefühle und gibt ihm sich mit Freude, da er nicht in eine Abzocke gelockt wird.

Der Gast hingegen, der in ein gemietetes Haus kommt, ist dem Mieter zumindest den Mietanteil seines Aufenthalts in diesem schuldig, aber auch die Aufwendungen, die der Mieter zur Gestaltung des Hauses tätigte, denn ohne diese wäre das Haus eine nackte Bauruine. Der Gastgeber rechnet dem Gast die Aufwendungen für die Gestaltung des gemieteten Hauses auch mit Recht auf, denn diese sind sinnlos gewesen, wenn er morgen auf der Straße sitzt.

Der Beitrag, den der Gast dem Gastgeber eines gemieteten Hauses vergüten muss, ist mindestens der eines Hotelaufenthalts, denn im Hotelgewerbe ist der Pacht-, Ausstattungs- und Betriebsaufwand je Zimmer durch die Masse der Zimmer infolge Rationalisierung sogar kostengünstiger, als im privatgemieteten Haus. Der Gast, der in das gemietete Haus kommt, ist bedrückt und in den Sumpf gezogen, kann kaum atmen und ist ausgelaugt vom Schuldgefühl, dem Gastgeber seinen Mietanteil zu schulden und er ist voll Symbiosewut, weil ihn der Mieter durch seine Einladung zum Dankbarkeit schuldenden, versorgten Kind macht.

Wenn der Gast dem Gastgeber das gemietete Haus nicht finanziert, dann wird der Gastgeber den Gast dadurch mit der Nase auf seine Schulden stoßen, indem er das nächste Treffen mit ihm, wenn dem Gast an einem solchen gelegen ist, in die Hotellerie verlegt, um ihn zum Kostenbewusstsein hinsichtlich seiner Gastrolle zu erziehen. Und selbstverständlich hat der Gast, wenn ihm am Kontakt mit dem Gastgeber gelegen ist, auch die Rechnung des Gastgebers in der Hotellerie zu zahlen - denn schließlich würden ja auch die Freuden des Gastes mit dem Gastgeber im gemieteten Haus nicht existieren, wenn es der Gastgeber nicht finanzieren würde.

Also hat der Gast dem Gastgeber für die Zeit seines Aufenthaltes bei ihm die vollen Aufwendungen seines Miethauses zu zahlen - und ggf mehr, denn der Gastgeber nimmt ja für das Treffen auch noch die Organisation der Meetingrooms und Logistk auf sich. Private Gastfreundschaft auf Mietbasis ist überhaupt nur so auszugleichen, indem zwei sich wechselseitig in ihre gemieteten Häuser einladen.

Das System des Umgangs zwischen zwei sich wechselseitig einladenden Gastgebern bricht dann in unkontrollierbare Emotionen gegenseitiger Ungerechtigkeit aus, wenn soziales Ungleichgewicht besteht, also ein Partner ein gemietetes Haus, der andere ein Eigentum hat. Dann nämlich muss der Eigentümer nicht nur das Haus des mietenden Partners bezahlen, während er bei diesem weilt, sondern auch das Haus des mietenden Partners, während dieser beim Eigentümer weilt - da ja der Eigentümer, scheinbar, in dieser Zeit keine Kosten hat, die er dem mietenden Partner als Gegenleistung während dessen Anwesenheit beim Eigentümer zurückgibt, der Gast aber weiter Mietausgaben für sein Mietobjekt hat, während er beim Eigentümer weilt.

Scheinbar, denn in Wirklichkeit hat der Eigentümer auch Mietkosten, nämlich die, die ihm dadurch entgehen, dass er sein Eigentum selbst nutzt und nicht vermietet.

So reduziert sich die Problematik auf eine soziale. Der Mieter repräsentiert den Klassenkampf gegen die soziale Ungleichheit der Menschen an seinen Eigentum habenden Partner, indem er durch Mietung eine klassenlose Gleichheit zwischen ihm und dem Eigentümer fantasiert und gleichwertigen Intimkontakt mit ihm vortäuscht, um ihn danach für den Klassenunterschied mit dem Ersatz für seine Mietkosten bluten zu lassen. Das geschieht dadurch, daß er sich durch den Eigentümer ohne Gegenleistung unter Ausnutzung von dessen Schuldgefühlen aushalten lässt, oder, wenn der Eigentümer das abwehrt, ihn durch Zerstörung auf das brüderliche Tiefniveau des mietenden Partners herabschädigt. Das geschieht dadurch, indem der Mieter während seines Gastseins im Haus des Eigentümers dessen Eigentum zerstört, vergeudet und dabei auf des Eigentümers Kleinlichkeitsscham und Großmannssucht abstellt, oder indem er ihm Ziegelstein für Ziegelstein in seine Mietwohnung entwendet oder, wenn das nicht geht, dieses als Anschaffer der Hotellerie und des Schicki-Micki-Gewerbes verprasst.

Der Eigentümer aber braucht Menschen, nicht nur, weil Eigentum verpflichtet, sondern auch, weil er sich schuldig fühlt gegenüber dem eigentumslosen Mitmenschen. Im humanistischen Sinn braucht der Eigentümer Menschen, um sein Haus zum weißen Haus in Griechenland zu machen - und diese Menschen können die Kreativität seines Hauses auch erst realisieren. Dazu muss der Eigentümer seine entgangenen Mieteinnahmen vordergründig unersetzt zur Verfügung stellen und darf den Gästen nicht durch Gegeneinladungen Kostenersatzdruck machen.

Der Beitrag des Eigentümers ist nur ein scheinbarer, denn die durch die Kostenlosigkeit ihres Gast sein dürfens enthemmte Kreativität seiner Gäste wird ihm reichlich als Ausschmückung des Hauses zurückgegeben. Nur neidische Gäste, die sich von der Gesellschaft selbst ungerecht behandelt fühlen, kein eigenes solches Haus zu haben, werden das Licht der Einladung nicht sehen und als größenwahnsinnigen Gegeneinladungsdruck verspüren und die soziale Ungerechtigkeit gegen den Gastgeber individualisieren.

Der Eigentümer also braucht Gäste, die seinen Beitrag zur Gastlichkeit gleichsam als seine Kinder annehmen und sich nicht mit ihm rivalisierend im Neid zerfressen. Kinder ist insofern der richtige Ausdruck, als er deren Kreativität meint, verbitterter Neid macht dem gegenüber aus Kindern Greise, Tote, früh versteinerte, altkluge Babies. So holt sich der Eigentümer Künstler und Kinder ins Haus. Er usurpiert damit aber nicht ihre Kreativität, sondern gibt ihnen dafür erst das fascilitating environment und eine Plattform zur klassenüberwindenden Sklavensprache.

Die kreativen Gäste des Eigentümers - und es kann keine anderen Gäste geben - sind die einzig mögliche menschliche Geselligkeit, sie ohne ökonomische Anforderung, wie einst als Kind, zu genießen. Damit die Gäste seine zwischenzeitlichen Kinder sind, muss der Gastgeber einen Partner haben, um die Kinder nicht als alleinerziehenden Beziehungsersatz für einen fehlenden Partner zu missbrauchen. Der aber mit dem Eigentümer lebende Mieter ist voll Neid auf die kostenlos eingeladenen Gäste, er missgönnt als Partner des Eigentümers seinen Kindern die Gastfreundschaft und letztlich ihre Wachstums- und Kreativitätsmöglichkeit. So wird er sich entweder als eifersüchtiges Kind selbst unter die Gäste mischen und die Kindergruppe stören - oder er bleibt den Einladungen fern, dem Eigentümer die Partnerrolle verweigernd und die Kinder dessen inzestiösem Symbiosedruck ausliefernd.

Was dem Eigentümer aber damit klar wird, ist, dass ein solcher Mieter ihm auch in den Zeiten ohne Gäste kein wahrer Partner ist für Haus, Tisch und Bett, sondern dass er an ihm als Racheengel der sozialen Ungerechtigkeit in jeder Sekunde den Klassenkampf individualisiert. Und so wird dem Eigentümer nach einer einsamen Gästeeinladung bei sich über den sich als Mitgastgeber verweigenden Partner klar, warum er nach dem Beisammensein mit dem Partner so ausgelaugt ist. Es ist die Erschöpfung des als Einzelner auf seine Schultern genommenen Klassenkampfes gegen den mit der Mehrheit der Erde verbündeten Partner als Klassenfeind, der ihm im vollen Bewusstsein seines Rechthabens die Haut abzieht und Faser für Faser das nackte Fleisch zerquält.

Es ist sein Kampf, das nicht zu sehen und ohne den Mieter einsam zu sein. Der Eigentümer wird durch den Mieter vor den Kindern und Gästen als einer dargestellt, der draußen die Kinder ausbeutet und ihnen ihre Wohnungen nicht umsonst überläßt.

Wenn der Eigentümer nach einer kreativen Gästeeinladung erkennt, dass sein Zusammensein mit dem Mieter in keiner Millisekunde von wachstumsfördernder Kreativität, sondern nur voll störerischer Behinderung seiner und seines Eigentums Entfaltung ist - dann muss er schmerzlich seine bisherige Verblendung einsehen und er darf ihr ab da keine einzige Sekunde mehr geben. Die Vergangenheit ist nicht zu ändern, ändern kann man nur die Zukunft, zumindest so weit, wie es die Verhältnisse zulassen – und sie lassen es real viel weitgehender zu, als es in den schuldgefühlbeladenen Übertragungen denkbar ist.

Es geht also wirklich nur darum, dass der Eigentümer den richtigen Partner findet, den er in sein Eigentum nimmt. Der Partner darf kein Mieter - und das noch ausgehalten auf Kosten des Eigentümers - eines hintervotzigen Fluchtlochs, einer Protest-Versammlungs-Kaschemme der klassenkämpferischen Verschwörung gegen ihn, sein. Der Partner muss sich jeder süchtigen Anschafferei für das Hotellerie- und Schicki-Micki-Gewerbe enthalten und auch jede unreine Subversion gegen den Eigentümer aufgeben. Das heißt, er muss aufgeben, des Eigentümers Kind und eifersüchtiger Gästefeind zu sein, wobei ja auch seine Kinder für den Eigentümer nur Gäste sind.

Die zentrale Frage ist, ob Beziehung über Klassengrenzen hinweg möglich ist. Den Partner sich erst durch soziale Gleichstellung zu richten, sei es, dass der Unterprivilegierte den Eigentümer auf sein Niveau herab ruiniert, sei es, daß der Eigentümer seinen Unterprivilegierten zuerst auf sein Niveau heraufbefördert, ist unsinnig. Es gibt dabei keine Dankbarkeit, sagt Macchiavelli. Wer darin schon sinnlos investiert hat, darf seinen Schaden nicht dadurch vergrößern, noch mehr zu investieren. Er muss sofort daran gehen, den Bestand des ihm Verbliebenen zu sichern.

Den Kampf zwischen der Vernichtung des Eigentümers durch den individualisiert klassenkämpfenden Partner und dem Versuch, den Partner aus seiner Klasse zum Eigentümer hoch zu heben, kann der Eigentümer nicht gewinnen. Der Partner wird ihn weiterhin gnadenlos den Abzockern ausliefern, sich dafür anschaffend prostituieren und den Hurenlohn in sein Loch raffen.

Als die Gäste des Eigentümers angekündigt waren und dem Partner nicht die Vergatterung des Eigentümers auf die Hotellerie und das Schicki-Micki-Gewerbe gelungen war, verließ der das Haus in seine Miete, solcherart den Eigentümer vor den Gästen beschämend. Nun wartet der Eigentümer voll Angst auf die Rückkunft des Mieters. Das ist die Todesdrohung aller Symbiotiker, die seit eh alles ihnen zustehend betrachten. Hier aber sei der Eigentümer durch die ihn mit dem Mieter verbindende Humanorganisation geschützt.

Wie das alles so niedergelegt ist – ist es paranoid - ist es im Wesentlichen auch völlig anders. Bzw es ist anders aber, von einer Sekunde zur anderen, auch genau so. Und dieses genau so muß bis zur Absurdität konsequent und schlüssig erkannt werden.

Es ist Unsinn, daß sich der Mieter lustvoll in den Untergang hineinmanövriert, um den Eigentümer mit hinabzuziehen. Das ist Tragödien-Größenwahn. Eine Realitätskonferenz ist erforderlich.

Der Eigentümer muß sich am Realen halten, an die Gruppe, an den kunstrupp, wenn der Mieter auch noch so abhebt.

Der Mieter ist dem Eigentümer weder in Haus, Tisch und Bett ein Partner, noch ist er es draußen, zum Beispiel eingeladen bei M und R. Der Mieter ist im Haus des Eigentümers wie in das Elternhaus gesperrt, um seine Versorgung zu erhalten und draußen will er vor M nicht als des Eigentümers gesehen werden – der Mieter verweigert in und außer Haus die Partnerschaft, zeigt nur den Angehörigen dessen fantasierte Väterchenschaft, um sie bei der Verdammung des Eigentümers auf seiner Seite zu haben. Das wird sich ändern.

Diesen Text als gekotzte Haß-Seite zur Änderung der Situation perlustrieren, das heißt mit dem Wissen, daß es auch anders ist. Daß es auch ganz anders ist, verwendet der Mieter dazu, den Eigentümer ins Unrecht zu setzen. Doch es ist nicht so.

Das wichtigste für die Herzogin ist, einen Herzog zu haben, der sie liebt, sagt Mann-Rasch, alles andere ist Humbug – aber dieser Herzogin ist Liebe nur, wenn der Herzog für sie stirbt. Da der Herzog nur an so gestrickte Herzoginnen kommt, frägt er sich, ob es für ihm überhaupt eine Verbindung geben kann. Er muß sich entscheiden zwischen Liebe und Tod. Doch das ist ein Irrtum. Im Gegenteil, die Herzogin entscheidet, ob sie es annimmt.

Der Herzog glaubte, es gäbe noch Liebe. Das ist jetzt vorbei – er hätte den Irrtum fast mit dem Leben bezahlt.

Die Herzogin quält, weil ihr dieses Kleid nicht gekauft wird und so wird sie immer weiter quälen, weil in Zukunft immer weniger gekauft werden kann, höchstens vorübergehend noch solange, bis zum Ruin. Die Herzogin sammelt große Lieben als Beweisstücke von ruinierten Honoratioren. Zwar kommt sie dadurch zu nichts, der Löwenanteil des Vermögens bleibt den Hältern. Zu mehr käme sie, wenn sie sich mit dem Herzog zu beider Vorteil verbindet, doch sie ist eine süchtige Wertvernichtungsmaschine. Das einzige Ziel ist, ihren Leib bis zum nächsten Dummen hinüber zu retten.

Wenn ein Mieter mit dem Eigentümer eine Partnerschaft eingeht, dann kann er das nach Außen nur damit rechtfertigen, daß er ihn für seine Klasse ausimmt. Daß er es nur tut, um das Geld des Eigentümers seiner Klasse, den Zuhältern, Hoteliers und Schicki-Micki-Boutiquen, zukommen zu lassen. Den Freunden begründet er die Beziehung, daß der Alte ja so lieb ist und den Mieter vergöttert. Die Freunde sollen neidisch werden. Der Mieter ist beim Eigentümer, denn, wenn er nicht dauernd neu gekleidet erscheint, müsste er den jungen Gespielinnen gestehen, daß der ihm nur ein Vater ist.

Der Eigentümer selbst kommt in diesem Film nicht vor – ihm wird nur kurz die Illusion gegeben, zu leben – und da das nicht eintritt, spielt er aus Angst vor Lächerlichkeit bei seiner Abzocke mit, verheimlicht, daß der Mieter nur das Geld liebt.

Der Eigentümer weiß, daß der Mieter nur bei ihm ist, weil der sich mit anderen nicht verträgt. Die anderen wissen, der Eigentümer hat zu zahlen, sonst ist es aus, oder er muß Millionen berappen, wenn er den goldenen Leib des Mieters berührt, ja auch nur die Wertstücke seines Auswurfs. Es heißt, sich mit dieser Tatsache auseinanderzusetzen, sich in den Spiegel zu sehen und zu fragen, wer denn mit diesem Eigentum leben will? Die Jungend glaubt ja nur den Tod abwarten zu müssen, doch der Alte lebt immer noch.

Es geht doch nur darum, daß der Mieter den Eigentümer als Person erkennt und ob das den Einsatz lohnt.]


II. Der Kindergärtner.

Der Kindergarten, erstes Außerhaus, von der Hausdisziplin ungezügeltes auf- und abwallendes Ichsein, ohne daß das Außerhaus sich deshalb abwendet. Schließlich Tobsuchtsanfälle gegen die Ohnmacht, die Hausdisziplin auf den Plan zu rufen. Das Außerhaus quälen, um dort als Haus-Stellvertreter Disziplin gegen sich durchzusetzen. Damit das Haus endlich auch das Außerhaus in Besitz nehme. Das Außerhaus soll mich Kind strafen, ich will mir freiwillig das Leid im Außerhaus zuziehen, damit ich selbst mir in Treue zum Haus das Außerhaus zum Hause mache, oder ich widerlege durch meinen Untergang im Außerhaus meinem Haus seine Allmacht und Moralität.

Wenn das Ichsein im Kindergarten weiter auf und ab wallt, das Außerhaus erschüttert das nicht. Es ist immer da, nährt, kleidet und schützt. Das Gesetz des Hauses, ergebene Treue gegen Versorgung, gilt für das Kind im Außerhaus nicht. So widerlegt das Kind dem Haus durch sein Überleben im Außerhaus dessen Allmacht.

Der Kindergarten ist endgültig Außerhaus, die Kindheit bleibt noch lange Haus. Da beweist dann das eifersüchtige Haus dem Kind durch seinen Untergang im Haus seine kleinliche Macht. Doch das Außerhaus kann auch im Haus das Kind schützen, Frieden schließen mit dem Haus, die Kindheit retten.

Das Kind stört das Glück der Kindergruppe und erwartet dagegen die Intervention des Kindergärtners. Der Kindergärtner soll das Kind bestrafen, wenn es sich gegenüber der Kindergruppe ebenso terroristisch benimmt, wie seine Eltern im Haus das Kind terrorisieren.

Das Kind will den Kindergärtner in die Rolle seiner Eltern zwingen und die Kindergruppe gegen den Kindergärtner auf seine Seite bringen. Das Kind ist gleichzeitig die Kindergruppe und seine Eltern und es will, daß ihm vom Kindergärtner sein Elternteil genommen wird, damit dieser dann von der Kindergruppe ausgestoßen wird. Das Kind will zwischen der Kindergruppe und dem Kindergärtner Unsolidarität stiften, will Revolte. Revolte, die es im Haus nicht realisieren kann, da es von den Eltern versorgungsmäßig völlig abhängig ist.

Wenn der Kindergärtner nicht interveniert, die Kindergruppe vor der Aggression des störenden Kindes nicht schützt, dann isoliert die Kindergruppe selbst das störende Kind, und dieses sitzt nun in einer doppelten Falle. Das Kind wird in seiner Elternfunktion von der Kindergruppe isoliert und isoliert damit seine eigene Kinderexistenz von der Kindergruppe. So wird das Kind gezwungen, sich zu entscheiden zwischen der Realisierung seines kindergruppengeschützten Ichs, Kind zu sein, oder der Kindergruppe gegenüber seine Eltern zu sein. Das störende Kind wird gezwungen, zu realisieren, daß das Außerhaus vom Haus unterschieden ist. Es muß Drinnen und Draußen scheiden.

Das Kind erlebt im Kindergarten sein erstes Draußen, erstes Nicht-zu-Hause und das Glück erlaubter Spontaneität – es erlebt seine Aggressionen gegen dieses Glück, die es im Haus als böse gelernt hat. Das Kind stört das Glück der Kindergruppe und erwartet gegen diese Störung, mit der es seine repressiven Eltern stellvertritt, so wie die Kindergrupppe das Kind stellvertritt, den Kontaktabbruch des Kindergärtners.

Der Kindergärtner soll den Kontakt mit dem Kind abbrechen, wenn es sich im Kindergarten der Kindergruppe gegenüber so terroristisch verhält, wie sich seine Eltern ihm gegenüber verhalten. Das Kind reproduziert den häuslichen Terror seiner Eltern im Kindergarten - es ist dabei gleichzeitig die Kindergruppe und seine Eltern - und erwartet, daß seine Eltern, also des Kind selbst in seiner Elternimitation, endlich, durch den Kindergärtner, dafür durch Kontaktabbruch bestraft wird, etwas das sich das Kind im Haus seinen Eltern gegenüber nicht leisten kann, wenn es nicht verhungern will. Außerdem hat es dort keine autonome Kindergruppe zur Verbündung, nur ebenfalls elternunterworfene Geschwister, denen es durch Eifersüchtelei entfremdet wird.

Da der Kindergärtner aber nicht das Eltern ist, die Rolle des Eltern nicht übernimmt, sondern ein Promotor des dem Kind bislang unbekannten Außerhaus und letztlich Schutzherr der Kindergruppe ist, wird das störende Kind durch die Kindergruppe selbst isoliert und das Kind gelangt so in die doppelte Falle der Einsamkeit - verlasse den sicheren Boden deiner Einsamkeit, Goethe, Iphigenie - das Kind will durch seinen elterlichen Terror gegen die Kindergruppe, daß die Kindergruppe seine Eltern bestraft, aber dabei wird es isoliert, weil es in dem Moment seiner Ausstoßung als Eltern durch die Kindergruppe als Kind nicht Kind, also Teil der Kindergruppe ist, sondern nur auf dem anderen Ufer seine Eltern - es kann beide Positionen nicht vereinen, das Wasser ist viel zu tief. Daß das Kind aber nur die Bestrafung seiner Eltern durch die Kindergruppe will, ist daran erkennbar, daß es nach dem Stören den Protest der Kindergruppe listig lächelnd entgegennimmt. Ernst wird es erst, wenn das Kind danach sich nicht zum Kind in die Kindergrupe integriert, sondern weiter stört.

Aber Kinder haben noch die Flexibilität der Natur und nicht die Rigidität der Alten. Wenn das Kind total aggressiv ist und sich dafür die Abwendung der Kindergruppe einhandelt, zieht es sich danach zufrieden zurück - als seine Eltern - bestraft worden zu sein. Das Kind ist zufrieden darüber, daß seine Eltern, wenn auch nur in ihm als ihr Stellvertreter, endlich bestraft wurden, um fünf Minuten später wieder zufrieden in der Kindergruppe zu spielen, als wäre nichts gewesen.

Da ist ein dauerndes Freundschaften schließen und zerbrechen im Verlaufe eines Kindergartentags. Nach einem Streit spielt jeder Freund mit anderen der Kindergruppe, nur damit die Kindergruppe in Kürze die Zerstrittenen wieder zusammen bringt. Einen partnergemeinschaftlichen wohlwollenden Stock von Freunden und Bekannten braucht der Mensch.

Was aber, wenn ein Kind dieses Kippen vom rigiden Elternverhalten, dafür Verachtung und Isolation von der Kindergruppe, die in diesem Moment das Kind gegenüber seinen Eltern vertritt, erntend zum darauffolgenden wieder Kind sein Dürfen als Spielkamerad der Kindergrupppe nicht realisieren kann? Wenn das Kind über die ablehnende Reaktion der Kindergruppe und damit über seinen eigenen Protest gegen seine Eltern - überdurchschnittlich verletzt ist und außerhalb der Kinderggruppe bleibt, also sich isoliert in sein Haus zurückzieht, sei es dadurch, daß es weiterhin ununterbrochen stört oder einzelgängerisch versponnen abseits sitzt - das geschieht dann, wenn das Haus des Kindes nicht Verdienst der Eltern ist, sondern eigentlich das Kind für die Eltern und sich das Haus konstituiert, wenn also das Kind durch die Bestrafung der Eltern durch die Kindergruppe gleichsam sein Haus verliert, Angst haben muß, dass die Eltern durch diese Bestrafung sterben.

Dann muß der Kindergärtner sich anstelle der Kindergruppe zum Angriffspunkt der Aggressionen des störenden Kindes machen. Das Kind wird dann den Kindergärtner in blinder Wut treten und beschimpfen und ununterbrochen schreien - geh weg, ich will dich nicht mehr sehen. Wer sagt das zu dir im Haus, armes, wütendes Kind? Wenn der Kindergärtner darauf nicht mit der Isolation des störenden Kindes reagiert, also das Kind nicht in seiner Elternrolle fixiert, indem er weggeht, wie zuvor die Kindergruppe, oder die Elternrolle übernimmt und das Kind strafend ins Kinderzimmer sperrt, dann beginnt im Inneren des Kindes selbst das Ringen zwischen sich und seinen Eltern und das Kind wird sich schließlich schluchzend, umgeben von der übrigen Kindergruppe, für seine Kinderseite entscheiden und sich in die Arme des Kindergärtners werfen und sich darüber beklagen, daß seine Eltern es fünfzig Mal am Tag in das Kinderzimmer sperren.

Also wenn das seine Eltern widerspiegelnde Kind den Kindergärtner anstatt die Kindergruppe angreift und der Kindergärtner das störende Kindes deshalb nicht isoliert, dann findet innerhalb des Kindes ein durch den Kindergärtner und die Kindergruppe geschützter Kampf zwischen ihm und seinen Eltern statt, in dem das Kind Mut findet, seine Situation zu erkennen und Hilfe vom Außerhaus zu holen.

Als dieses Kind A abends von den Eltern abgeholt wird, will es zuerst nicht ins Haus gehen - anstatt daß es akzeptiert, daß es als Kind noch vom Haus abhängt und daß das Außerhaus nur von sieben Uhr dreißig bis siebzehn Uhr Montag bis Freitag existiert. Wenn das Haus aber zu destruktiv wird, lebt das Kind nur im Außerhaus Montag bis Freitag sieben Uhr dreißig bis siebzehn Uhr und den Rest auf der Straße. Voll Sehnsucht läuft es vom Haus weg - J - und wartet vor der verschlossenen Kindergartentür. Die Eltern müssen das Kind, das in Wahrheit das Eltern der Eltern ist, die Eltern als Kind müssen das Kind als ihr Eltern durch Bravsein gewinnen - erst durch Süßigkeiten zur Rückkehr bestechen und außerdem die Kindergruppe, die den Eltern der abgespaltene Teil ihres Kindes sein soll, damit das Kind im Haus auch weiterhin nur die Elternrolle den Eltern gegenüber sein kann, mit verteilten Leckerbissen gewinnen - so hilflos sind die Eltern, voll Angst, ohne Süßigkeiten das Kind ans Außerhaus zu verlieren, alleine im Haus zurückgelassen zu werden.

Aber es geht darum, daß das Kind das Haus und das Außerhaus trennen lernt und daß das Haus, das seine Eltern betreiben, auch das seine ist, nicht nur das der Eltern – aber das Kind darf nicht das Element sein, das für sich und die Eltern das Haus überhaupt erst konstituiert. Das Kind wird jeden Abend wieder auf die Verehrung der Eltern zurückgestoßen - das heißt, es muß sie durch Opfergaben elterlich ernähen. Die alten und toten Eltern werden zu den zu ernährenden Kindern der überlebenden Kinder. Deshalb muss das alte Eltern selbst sich in der Tiefe der emotionalen Versorgungskeller mit dem mit ihm vereinigten Partner ernähren, damit das Kind sich trennen und sein autonomes Leben finden kann - umgepolt, auch dadurch, daß die Kindergruppe seine süßigkeitsspendenden Eltern ja als ausgesprochen gut heißt.

Aber müssen wir nicht alle lernen, aus dem Außerhaus ins Haus zurückzukehren, daß es mehr werde, als eine notwendige Schlafstatt für das nächsttägige Außerhaus, daß es eine allnächtliche Erquickung wird und das insbesondere von Freitag abend bis zum montäglichen tüchtigen Außerhaus? Wer aus der Firma heimkehrt, muß das Haus gestalten, daß es nicht nur die Versorgungsstelle für das wahre Leben draußen ist und wer das Haus besorgt, muß sich frei machen vom Versorgungsdespotismus des geldverdienenden Angehörigen, darf umgekehrt nicht das Haus zum arbeitsplatzigen Außerhaus machen und das Außerhaus zu seiner hausigen Zuflucht, damit den außerhausigen Partner betrügend und mißbrauchend.

Wie aber geht das, das Haus zu mehr als zur Schlafstatt zwischen den Außerhäusen zu machen? Wie soll Hans und Grete können, was Hänsel und Gretel nicht lernten? Da scheint es noch einfacher zu sein, alleinerziehend das Haus allabendlich neu zu schaffen durch die Rückkehr des Eltern und des Kindes aus dem Außerhaus, die Schaffung der Häusigkeit im Grunde dem Kinde zu übertragen, ihm aufzubürden, denn es scheint ja die einzige Notwendigkeit des Hausbetriebs zu sein, den es für das Eltern erfüllen muß als Gegenwert für seine Versorgung durch dieses.

So wird schlußendlich überall das Außerhaus zum Angelpunkt des heutigen Lebens und das Haus zur Bühne des Neids und der Eifersucht über des jeweils anderen Außerhaus – so wie einst die Eltern dem Kind sein Außerhaus mißgönnten, da an dieser Stelle ihre absolute elterliche Macht endet. Ein erbitterter Krieg bricht zwischen Hans und Grete aus über das gemeinsame Hausen. Sie wollen dem Partner das Haus errichten, das sie einst als Hänsel und Gretel ihrem Eltern errichteten. So wird einer der beiden siegen bei der Errichtung des Hauses in Analogie seines Hauses der Kindheit und der andere wird es fliehen, wie er einst sein Elternhaus floh. Die Partner werden sich wechselseitig in beiden Fällen zum repressierenden Eltern, damit sich der andere mit ihnen sein altes Haus erfüllt. Hänsel und Gretel kannten kein anderes Hausgefühl. Auch wenn der eine dem anderen als Liebesbeweis die Macht im Haus überläßt, tut er das nur für sein eigenes Glück – nämlich sein wahres Haus verborgen vor dem Partner im Außerhaus zu finden.

Partner müssen sich über das Haus einig sein, wie man denn lebe, wie man denn hause, nicht nur, daß sie ihre jeweiligen Außerhause akzeptieren und sich dafür das Haus lediglich in Erinnerung an das Haus ihrer alleinerzogenen Kindheit als gemeinsamen Schlafplatz und Wochenend-Brückenkopf organisieren, sie müssen dem Kind, für das bewusst oder unbewusst ihre Partnerschaft immer steht, ein Nest bieten und dürfen das - reale - Kind oder den Partner nicht dazu mißbrauchen, daß es aus ihrer Absteige ein Haus mache. Sie müssen sich über das, wie der Mensch denn lebe, einig sein, sonst entmenschen sie das Kind, den Partner zum Hauserhatungsgrund oder zum Alleinerziehen - welch ein unsinniges Wort, Erziehen, was denn erzieht denn so ein Eltern an seinem Kind, an seinem Partner, an seinem Partner Kind schon, es soll sich erst selbst erziehen.

Wie aber diese Verwirrung von Außerhaus und Haus lösen? Beim Haus oder beim Außerhaus beginnen? In einer zusammengebrochenen Lebenssituation immer zuerst das Außerhaus wieder funktionalisieren, es nie völlig versinken lassen mit allen Mitteln der ökonomischen und mitmenschlichen Unterstützung – denn ohne das Außerhaus ist jeder Mensch, nicht nur das Kind, hilflos dem Terror der - lebenden oder toten - Eltern ausgeliefert. Daß das Außerhaus auf jeden Fall zu erhalten ist, zeigt sich daran, dass im Konfliktfall das Kind lieber im Kindergarten, als zu Hause übernachten will.

Dann die lebensfähigen Reste von Haus sanieren bzw mitmenschlich substituieren. Beziehungen behutsam zu einem rudimentären Haus-Keim menschen-gärtnerisch schützend gegen die partnerschaftlichen destruktiven Lebensverbote, wo immer solche Samen sich regen, kultivieren. Widerstand dagegen ist die alte Dynamik, daß sich jemand nur im Außerhaus gesehen, verstanden, wohl fühlt, es als Haus nimmt - in der Firma nicht in erster Linie arbeitet, sondern sich workoholisch verwirklicht, die Kollegen als Beziehungssurrogate mißbraucht mit aller Haß- und Liebesübertragung, die Kollegen zur Hausmachung seiner Schlafstatt Firma missbraucht, wie das Eltern einst das Kind zur Hausung missbrauchte.

Das vom Kind getragene Haus ist naturgemäß auf seine Kindheit begrenzt und es erfüllt das Kind mit Schuldgefühlen, das Eltern hauslos zu verlassen. Schon im Kindergarten verwirklicht sich ja manches Kind nur mit dem Schuldgefühl, dass die Eltern sterben, wenn es im Außerhaus Kind ist. So versucht des Kind in der Pubertät und erwachsen, dem Partner als seinem Eltern das Haus wieder zu errichten. Dieses Projekt kann aber nicht wirklich gelingen, solange das verlassene Primäreltern noch unbehaust lebt, dieses wird deshalb in einer Art feudalen Adels-Clan aufgehoben phantasiert, und zwar in dem Gespensterclan - Gott, den sich das Kind phantasierte, als es selbst der wahre Verwirklicher des Hauses war, denn als Kind wäre es ihm ohne diese, meist vom alleinerziehenden Eltern vergoldete, Abstammungs-Phantasie unmöglich gewesen, auf sich selbst gestellt das Haus gegen die böse Welt zu verteidigen.

Und groß war die Vergangenheit des Kindes wirklich, das Kind ging als Eltern der Eltern und damit der eigentliche Hausherr durch das von im konstituierte, also sein Haus, das dem damaligen Dreikäsehoch ja wirklich dreimal so hoch war, wie ihm das heute erwachsene. Daß das anscheinend so fest begründete Clan-Gespenster-Haus nur gemietet war und der Rauswurf aus diesem das Haus des Kindes wie von einer Atombombe zerschmettern wird, ahnte das Kind noch nicht.

Groß ist dem Kinde ja alle Vergangenheit, das Warmblütermäuschen ist den Eltern als wahren Sauriern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und in seinen kindlichen Schuldgefühlen dem verlassenen Eltern gegenüber bleibt es dieses Kind und die Eltern sind riesengroß - Kinder bleiben Kinder bis zum Tod der Eltern. Aber nein. Das Kind muss dir ein erwachsen fremder Mensch werden, wie jeder in seinem außerhäusigen Anteil. Es geht darum, dass, wenn das Kind ins Haus kommt, es als Erwachsener diesen außerhäusigen Anteil mitbringen darf, ohne dass das Eltern ihn - durch Verteilung von Süßigkeiten - das Außerhäusige usurpiert oder dem Kind umgekehrt seinen Hausanteil für sich als Eltern wegfrisst.

Aus der öden Doppelschlafstatt ein Haus zu machen war immer die Aufgabe des Kindes, trotz der Niederlagen in den wochenendlichen Abstürzen. So geht es nur darum, das Haus der öden Doppelschlafstattschaft zu entheben. Und zwar als Aufgabe der Eltern. Was aber, wenn der Partner des Eltern sich dafür verweigert?

Fleischmanns Lebensaufgabe. Das Haus als Paradiesinsel realisieren, auf die der Mensch sich immer wieder und ohne paranoid-schlechtes Gewissen zurückziehen kann. Aber immer wieder die Frage – wie denn der Mensch hause im Umfeld des Außerhaus? Wenn er das nicht löst, dringt das Außerhaus ins Haus und nimmt ihm dort jede Intimität.

Auf Seiten des verlassenen Eltern geht es umgekehrt darum, nach dem Leben außerhaus genügend Kraft zu behalten, das nach Verlassen des Kindes nun inhaltsleere und verwüstete Haus für den verbleibenden, oder wenn nicht vorhanden, neuen Partner zu restaurieren, anstatt es als Schrein des Geisterclans - Gottes - dem ausgezogenen Kind anzuheften. Für diese Partnerschaft muß das Haus aber auch neu zum Außerhaus der zurückbleibenden bzw neuen Partner positioniert werden.

Das ehemalige Kind darf für das Haus nicht der einzige Exponent des Außerhaus gewesen sein, soll das nun leere Haus nicht zur Gruft werden. Nur durch eine nach dem Auszug des Kindes verbleibende Partnerschaft kann das Haus letztenendes noch nachträglich dem Kind zum weiter verfügbaren Primärhaus und dem Kind seiner, des ausgezogenen Kindes, Partnerschaft zum Großeltern - die großen Eltern - werden. Das ist der Weg des verlassenen Eltern, anstatt daß das nach Auszug des Kindes nun hauslose Eltern sich in einem beschäftigungstherapeutischen Außerhaus und schließlich im Altenheim inhaltslos ablegt.

Der Kintergartentag bringt viele Situationen der hausigen Not des Kindes. Des störenden Kindes Aggression gegen die Kindergruppe und schließlich gegen den Kindergärtner liegt offen zu Tage und kann im Hier und Jetzt zur Sinnfindung im Kinde selbst ausagiert werden. Was aber mit dem Kind, das offen verkündet, sein Haus zu hassen, mit dem Kind, das völlig verändert ist, wenn es von den Eltern abgeholt wird und lammbrav mit nach Hause geht, mit dem Kind, das sich selbst im Kindergarten einen anderen Namen gibt, als zu Hause? Ist da nicht das störende, sein Haus im Außerhaus ausagierende Kind das gesündere? Denn genau an dieser Schnittstelle kann der Kindergarten Haus und Außerhaus zusammenbringen.

Tragödien altgriechischen Ausmaßes in kleinen Kinderkörpern und –seelen. Aber dennoch ist alles hier in der Kindergruppe noch voll natürlicher Flexibilität gegenüber dem rigiden Kummer des Erwachsenen.

Die unzweifelhafte Tatsache ist, daß kein einziges Eltern sein Kind erfährt, wie es der Kindergarten erfährt. Eltern haben dazu einfach keine Chance. Das heißt aber auch, daß das Kind zur Entwicklung der entspechenden Komponenten seiner Persönlichkeit das Außerhaus braucht und daß das kein Defizit des Hauses bedeutet. Ein Eltern, das als Kindergärtner die Kinder erlebt, weiß und akzeptiert auch, daß es den außerhäusigen Teil seines Angehörigen nie kennen kann, daß der auch noch so intime Partner, und sei dieser das Kind, die Würde dieses grundsätzlichen Fremdseins, seines Außerhauses hat, die ihm vom Eltern, dem in seiner eigenen herkünftlichen Gefangenschaft sein Außerhaus verboten war, aber auch nicht usurpiert werden darf.

Nur wenn das Haus den ihm zugehörigen häusigen Teil der in ihm Wohnenden hinreichend beiträgt, ist dieses Fremde im anderen ein integraler Teil seiner Person und kein Vorwurf, den anderen nie verstanden zu haben, sich um den anderen nie gekümmert zu haben, ihn ins Außerhaus abgeschoben zu haben, allein gelassen zu haben. Wenn das Haus den ihm zugehörigen Teil der menschlichen Entwicklung seiner Bewohner nicht leistet, wird das Ende sein, mit einem Menschen im selben Haus zusammengelebt zu haben, der in ihm keine Sekunde so war, wie er wirklich ist. Mit einem Fremden, der sich nur im Außerhaus gezeigt hat, innerhäusig immer mit einer Maske lebte. Und dieser Fremde wird sein vergeudetes Leben in diesem Haus als Kampf um die Liebe des anderen verkaufen und den im Hause zurückbleibenden für dieses entfremdete Leben tödlich strafen. In Wahrheit hat er aber in all den Jahren innerhalb des Hauses am Partner vorbei das eigene Geisterhaus seiner Kindheit errichtet und er straft im Partner sein eigenes Eltern.

Der Kindergarten realisiert zum ersten Mal die Außerhaus-Seite des Kindes und diese Realisierung muß in Abstimmung mit dem Haus gelingen. Der Kindergarten öffnet dem Haus die andere Seite des Kindes wie nie mehr später ein anderes Außerhaus des Menschen. Im Kindergarten ist das Elterngesicht sofort sichtbar, die Kinder offenbaren es stolz oder verschämt rückhaltlos der Kindergruppe und dem Kindergärtner. Wenn das Haus seine Rückspiegelung durch das Außerhaus nicht positiv integriert, wird das Kind bald seine öffentliche Offenbarungslust schuldbeladen vor dem Haus verbergen. Da dadurch das Kind sich im Haus grundlegend verändert, wird ein sektiererisches Haus den Kindergarten als das Kind schädigend identifizieren, da es das Eltern im Haus belastet, statt es durch sogenannte Reifung des Kindes zu entlasten, und das Kind daraus entfernend wieder ins geschlossene Haus sperren.

Das Kind braucht das Haus genau so wie das Außerhaus. Nur daran kann seine Außerhaus-Seite überhaupt erst anwachsen. Die Notwendigkeit des Hauses erkennt man daran, dass ohne Haus das Kind der Kindergruppe ein fantastisches Haus erfindet und damit wird seine Außerhaus-Seite als Erweiterung seiner fantasierten Hausseite ebenfalls eine unstabile Attrappe.

Alle Beschäftigung des Kindergärtners mit den Problemen eines Kindes im Kindergarten dreht sich schließlich ums Haus. Alleinerziehendes Eltern, das seinen für den Hausbau unbrauchbaren Partner verjagt, die Kindererziehung alleine besser zu schaffen vorgibt - meist will es sich jedoch der Anstrengung, ein partnerschaftliches Haus zu begründen, entziehen, es will nur sein alleinerzogenes Elternhaus wieder errichten, sei es symbiotisch mit dem Partner als Kind oder mit dem Kind allein - als zu zweit – aber nur, weil aus Schuldgefühlen sein wahrer Partner eigentlich das Fernsehen ist - die Glotze ist das Auge des vom alleinerziehenden Eltern verlassenen alleinerziehenden Elterns - dem es das Kind zur Ruhigstellung rund um die Uhr anvertraut - das alleinerziehende Eltern gebiert sein Kind seinem von ihm verlassenen alleinerziehenden Eltern.

Das alleinerziehende Eltern, da es eigentlich im Außerhaus lebt, ist es gestylt in Designerklamotten, das Kind sitzt zuhause mit Süßigkeiten am Fernseher oder ab in den Kindergarten. Das erste Außerhaus des Kindes wird im alleinerziehenden Haus im Grunde zur Abschiebung. Finanzielle Probleme gibt es kaum, das Jugendamt trägt die Kosten und dem Eltern ist schon die privat zu zahlende Kinderversichung zu viel.

So wird der Kindergarten vom das Haus ergänzenden Außerhaus zur Nothilfestation des als Fernsehhäftling in die alleinerziehende Ahnengruft ins Haus eingeschlossenen Kindes. Der Kindergarten ist der Sammelplatz des in die Fernsehzelle eingesperrten Kindes eines riesigen, atomisierten Kinderknasts. Nur die ökonomische Zwangssituation des alleinerziehenden Eltern erschließt dem Kind diesen Sammelplatz. Andernfalls wird es bis zum Schulalter durchgehend im Haus kaserniert.

Die Schulzeit wird das erste allen verordnete Außerhaus sein, gegebenenfalls verlängert durch den Militärdienst. Alle übrige Zeit des Menschen bis zum Tode kann nichts als eine Fortsetzung des kindlichen Fernsehknasts sein. Der Kindergarten ist in dieser Landschaft der einzig mögliche Scheideweg. Wenn der nicht gelingt, werden alle nachfolgend verordneten Außerhause - Schule, Militär, Produktions-System - dem alleinerziehenden Haus zum Untergang.

Das Außerhaus muß das Haus erreichen zum Wohle des Kindes. Doch zu den Treffen zwischen Kindergärtner und Eltern kommt oft nur, der das Außerhaus im Sinne seines Hauses kontrollieren will. Der Kontaktversuch des Außerhauses zum Haus aber wird durch Abwesenheit des Eltern abgeblockt. Das Kind muß als Briefträger fungieren für Briefe, die dem Haus des Kindes Ungenügen vorwerfen, das Kind im Haus zum schandebringenden Missetäter stempelt.

So bleibt dem Kindergärtner nur der Philosoph als Mitkämpfer, dem Kind als eigenständigem Wesen im Außerhaus ein humanes Menschenbild zu vermitteln.

Die Dauerklagen des Kindergärtners über die frustrierende Situation an der Scheidewand zwischen Haus und Außerhaus gehen dem humanen Philosophen an die Substanz. Das Haus und das Außerhaus zur Kommunikation zu bringen zum Nutzen des Kindes, ja jedes Menschen, muß die Verweigerungsmacht des Hauses brechen.

Im alleinerziehenden Haus zwingt die Ökonomie das Kind in den Kindergarten. Im anders sich ökonomisch erhaltenden Haus bleibt dem Kind dafür oft nur die Krankheit, um ins Krankenhaus zu entfliehen. Es geht in allen Aspekten des Lebens ums Haus. Um die Frage, bis zu welchem Grad des Kindesmissbrauchs das Haus noch immer besser ist als das Fürsorgeheim. An dieser Grenzlinie liegt die Arbeit des Kindergärtners und Philosophen, mit allen psychologischen und gesetzlich-behördlichen Mitteln helfend einzugreifen. Der Kindergarten hat hier die größte Chance. Kommen die armen Würmer in die Schule, ist es meist endgültig hoffnungslos. Das zu wissen ist das tägliche Fegefeuer des Kindergärtners.

Die elementare Erotik der Kindergarten-Mädchen sind das mächtigste Manifest des Lebens in der Kinderhölle. Der Kindergärtner muß lebensmäßig genug geerdet sein, um die in der Regel vorübergehend schwallweisen erotischen Eruptionen seiner weiblichen Schützlinge abzuleiten. Er darf diese Erotik keinesfalls fixieren. Da sind aber immer wieder einige Mädchen, die andauernd in dieser Erotisierung hängen, gegen alle anderen eifersüchtelnd, die gleichsam am Spieß in einem inneren Feuer ununterbrochen geröstet werden. Diese Fixierungen aufzulösen ist eine psychologische Aufgabe. Der Kindergärtner darf sie keinesfalls durch Annahme befriedigen oder durch Ablehnung verletzen. Er muß ganz real das arme symbiotische Kind im Dreieck mit seinem eigenen häusigen Partner positionieren, es gleichsam in seine eigene, gesunde Partnerschaft hinein adoptieren. So stellt sich ganz klar die Frage nach des Kindergärtners und jedes Psychologen eigenen häusigen Lebenskontext. Wenn dieser nicht trägt, wird ihn das Kind unweigerlich lolita-haft in eine symbiotische Venus-Falle ziehen.

Es geht um das Haus – der Kindergarten darf es nicht sein, er muß das Draußen bleiben, insbesondere auch hinsichtlich der Beziehung des Kindes zum Kindergärtner. Der Kindergärtner ist notwendig, im Kind aus seinem Haus heraus das Außerhaus positiv zu instrumentieren, dem Kind die Angst vor dem Außerhaus nehmend, Kontakte im Außerhaus aufzunehmen, sich nicht zu verkriechen - weder im Haus vor dem Außerhaus, noch im Außerhaus vor dem Haus, das heißt, er muß die psychotische Sich-Veräußerung des Kindes verhindern.

Das Haus hemmt und deformiert - Fernsehen, Süßigkeiten, Terror und erotische Verführung, doch das Kind erträgt viel, um nicht ohne Haus in der eisigen Eingruftung des Heims und Internats zu sterben. Durch Ausbildung einer Doppelpersönlichkeit für Kindergarten und Haus überlebt es wenigstens die ersten Jahre. Seine Probleme werden es zwar in der Schule oder noch später im Beruf einholen, wenn es hoffentlich mehr Kompetenz zu ihrer Lösung hat.

Die Partnerschaften dieses Menschen brauchen viel psychologische Führung, denn er macht seinen Partner sofort zum Hausgenossen seiner Kindheit, und enthält ihm sein wahres Ich im Außerhaus vor. Lebendig leben hat er ja nur im Außerhaus gelernt, das Haus bleibt ihm von einer gefährlichen Angst der Unwirklichkeit durchweht.

Diese Spaltung kann in einem human orientierten Kindergarten vielleicht samenkornhaft integriert werden, denn Kindergartenkinder halten ungeheuer viel aus, um sich und ihr Eltern zu retten – die einzige Hilfe, die das Eltern dabei seinem Kind geben kann, ist, selbst nachzulernen, was denn für es selbst – und damit auch zusammen mit seinem Kind – das Hausen sei. Woher aber soll das alleingelassene Eltern das lernen, es gibt für es nur das Produktions-System und das Fernsehen.

Neben dem Auszug der Kindergruppe ins Freie ist innerhalb des Kindergartentages der Moment des täglichen Essenstisches das emotional wachste Geschehen. Alle Kinder werden von einer erotisch-vegetativen Unruhe erfasst. Die Aktivsten treibt es geardezu zum Tischdienst, sie wissen instinktiv, daß durch die narzisstische Aufmerksamkeitsmache der Mittagstisch-Trödler der sehnsüchtig erwartete Moment des Essensbeginns gestört wird. Kaum können sie erwarten, daß sie im Kreise der Kindergruppe und Kindergärtner das Tischsprüchlein sprechen und sich danach über das Essen hermachen können. Dabei sprießen alle Spielarten erotischer und freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Kindern. Wer neben wem sitzt, wer vor wem den umlaufenden Suppentopf bekommt usw.

Wenn auch das Kindergartenessen in der Regel schlecht und lieblos zubereitet ist, die Kinder essen mit Begeisterung, worüber sie im Haus murren würden. Im Außerhaus ist ihnen alles Häusliche vergoldet – beim Nachbarn schmeckt es ja bekanntlich immer besser.

Der allgemeine Versorgungs-Zustand des heutigen Außerhaus reproduziert sich am Mittagstisch des Kindergartens. Zwei mal wöchentlich Putenfleisch. Kein Kind würde das essen, wenn man ihm einen Film über die Putenfarmen vorführen würde. Warum füttert man es damit? Damit ihm noch nachträglich, wenn es den Skandal dieser Farmen erfahren wird, bulimisch das kotzende Grauen über seine Kindheit packt? Wo denn, als an den Kindern, soll die Gesellschaft mit ihren ökologischen Sonntagsreden in die Realität kommen? Kartoffeln prinzipiell pommesartig gefrittet oder Industriekartoffelbrei mit reihenweise Durchfall nach dessen Verzehr. Fertigsuppe mit hineingeschnittenen Dosenwienern – alles völlig denaturierte Nahrung als außerhäusige Ergänzung der häusigen Mitbringsel werbeträchtiger Pausen-Snacks. Wenn ein Kind selbstgestrichene Vollkornstullen mitbringt – verzehrt es sie trotzig schamhaft wie ein Exot.

Als Salat gibt es rohe Mohrrüben- und Gurkenstücke. Die Kinder essen sie wie in einem Rest von Naturtrieb ausgesprochen gern. Das mitgelieferte industrielle Dressing bleibt unbeachtet stehen. Wahrscheinlich ist es aber der Hauptkostenfaktor im Versorgungsbujet.

Die wöchentliche Anlieferung der tiefgekühlten gummiartigen industriellen Pfannkuchen wird zum Fest. Das beigestellte mampfige Apfelmus reicht nie.

Den humanen Philosophen würgt die Kehle, schmerzt das Herz. Das Kind wird in den Kindergarten abgeschoben und die natürliche Zeit der Essenszubereitung wird ihm vorenthalten durch billige massenindustrielle Abspeisung, die so das Kind noch zu einem gewinnbringenden Fressautomaten vermarktet. Humanität, Ökologie und die Frage, was denn das Hausen sei, stehen nun als unaufschiebbare Themen an der Tafel.

Das gemeinsame Essen in der Kinder- und Kindergärtnergruppe ist wie die Erotik der Kindergarten-Mädchen das deutlichste Manifest des Lebens im Außerhaus. Das Essen in der Gemeinschaft erreicht das Kind vollkommen und deshalb ist die Aufgabe des Kindergartens, es durch die eigene Anstrengung der natürlichen, ökologischen, und vernünftigen, ökonomischen, Essenszubereitung mit dem Haus zu verbinden. Das Kind soll für ein natürliches und vernünftiges Essen und dessen Zubereitung beim häuslichen Eltern mehr Werbung machen, als als Verbraucher-Unterschleif der Werbeindustrie. Der Mittagstisch im Kindergarten kann als Lebensmodell für ein humanes Hausen im durch das denaturierte Fastfood-Essen trostlosen Haus wirken.

Unverständlich, daß der Anker einer gesunden umweltverträglichen Ernährung im Kindergarten nicht zur Anbindung von Haus und Außerhaus verwendet wird. Eine Kostenfrage kann es kaum sein, die Kinder essen ja so wenig. Die Qualität des verkochten Materials würde gegenüber der Arbeitszeit einer häusigen Essenszubereitung im Kindergarten nicht ins Gewicht fallen – warum Putenfleisch, Wiener, Pommes? Der Kindergarten als Vertriebsstelle der Nahrungsmittelindustrie. Zum Kotzen.

Aber wozu dieses Engagement? Viele Kinder essen fast nichts im Kindergarten, höchstens die Pommes und den Nachtisch – der Mittagstisch ist ihnen nur emotionales Gelände – sie warten doch sowieso nur den ganzen Tag auf den verführerischen häusigen Süßigkeitendreck ihres arbeitsüberlasteten Elterns.

Wenn die Scheidewand zwischen Haus und Außerhaus undurchlässig ist, dann bleibt eben nur, im Kindergarten ein Modell humanen Lebens zu zeigen und gegen alle Marktinteressen zu verteidigen – hier auf jeden Fall den guten Mittagstisch von Kindergartenkindern und Erwachsenen zu realisieren.

Aber alles am Kindergarten ist besser als gar nichts. Schon allein, daß der Kindergarten den Kindern und dem Kindergärtner - in Erinnerung seiner eigenen Kinderzeit und in Konfrontation mit seinem eigenen, aktuellen Haus - Emotionen macht, reißt alle zusammen heraus aus dem geisterhaften Fernsehknast gespielter Spiegeldramatik. Wie schrecklich aber muß das Haus eines Menschen sein, wenn ihm die Emotionen des Außerhaus im Haus so mörderisch vorgeworfen werden, daß er im Haus nur im Fernsehknast überleben kann.

Die Kinderzeit als Manifest des Lebens macht das Kind zum Modell des - unversteckten - Erwachsenen - es enthüllt ihn ja der Öffentlichkeit wirklich in der Gestalt seines Elterns - und den Kindergarten zum vollerblühten, nicht abgespaltenen Modell des Erwachsenen-Außerhaus.

Einmal mit der Kindergruppe gegen das Verbot des Kontroll-Amtes in der Kindergartenküche Pfannkuchen backen. Keines der Kinder hat Ahnung von Küche, hat noch nie, außer beim jugoslawischen Großvater, einen Teig machen gesehen. Fünfjährigen Mädchen ist Eier-Aufschlagen eine Sensation, die sie immer und immer wiederholen wollen. Buben, von ihrem irren Eltern als Karate-Joe konditioniert, werken mit dem Mixer noch begeisterter als die von dem unbekannten Gerät geängstigten Mädchen. Das Kochen ist eine pure Lust, das Essen danach ein animalisches Fest. Leckere Hausmacher-Marmeladen statt industrieller Apfelmuskacke. Das Leben vibriert in fünfzehn Kinderkörpern.

Was ist denn nun das Haus? Mitgestaltendes Kochen und Essen im Kreis der Bewohner, nicht kantinöse Ausspeisung, nicht genervte Abspeisung. Kochen wie ein partnerschaftliches Liebesspiel, eine häusige Meditation des sonst nur zahlenden Außerhausdespoten mit dem Höhepunkt des gemeinsamen Verzehrs. Nach dem Außerhaus essen und schlafen im Haus, durch und durch erotische Versorgung von Kindheit an über alle Stufen der Partnerschaft. Und wenn das Haus das nicht erfüllt, wird es konsumentenhaft-defizitär unerfüllbar sehnsüchtig lebenslang gesucht.

Diese Suche soll wenigstens erfolgreich sein in einem Später, im untilgbar ersehnten eigenen Haus.

Das gemeinsame häusige Kochen, die gemeinsam hergestellte Nahrung erlöst das Kind und den Partner vom flirtend ödipalen Erotisieren des Ausgehens ins verborgene, ins wahrhaft nährende Haus draußen, erlöst von der obszönen Papa-Kind-Verführung im McDonalds, erlöst das Haus vom Bordell des endlos außerhäusigen Rammelns und Fressens, von der unbefriedigten Oralität.

Das Haus ist der Ort der kindlichen, modellhaft menschlichen Versorgung mit Essen, Kleidung, Liebe und Schlaf. Das Haus kann dem Kind als Modell des Menschen dieser Ort nur sein, wenn es dem Eltern dieser Ort, ohne Missbrauch am Kinde, ist.

Wenn die partnerschaftlich betriebene Küche nicht des Hauses Herzstück ist, wird das Haus unterminiert, sei es durch einen versorgenden herrschaftlich fantasierten Bedienstetentrakt, sei es durch den McDonalds und später die Kneipe oder das Restaurant nebenan. Fremde gehen auf diese Art gleichsam durchs Haus, im Hause aus und ein mit dem Selbstbewusstsein, daß die Hausbewohner ohne sie nicht lebensfähig sind, sie an ihren Brüsten hängende unselbstständig sabbernde Säuglinge sind. Und schließlich kannst du essen nur noch unter Fremden – mit den Hausbewohnern zu essen macht Panik.

Die Wäsche- und Bügelkammer des Hauses wird zuerst vom Wegwerfdreck der kindgerechten Shops enthaust und schließlich von der saisonalen Designerboutique unterminiert. Die Liebe wird der aggressiven Straßenzeit des Kindes bis zur abendlichen Ankunft des Elterns mehr oder weniger im stillen Einvernehmen mit diesem überlassen und sie werden später in den Erotik-Bars und in der Pornographie das Haus unterminieren. So wird das Haus heruntergewirtschaftet zur Schlafstelle außerhäusigen Lebens und zum rein finanziellen Versorgungsinstitut der außerhäusigen Konsum- und Animierbedürfnisse.

Dieses Haus ist keine Hülle, die umschließt, es ist lediglich ein depressives, vorsorgungsansprüchlich auf Heil, auf Rettung durch einen Gott wartendes Lungerbett, die Küche des Hauses ist offen zum Fastfood – die Kleiderkammer offen zum Klamottenshop – die Liebeslaube für jedewede körperliche Befriedigung ist offen zur Straße. Durch die Fenster und Türen des Fernsehens dringt außer mit ihrem Abschalten ohne eigene Abgrenzungsmöglichkeit die ganze Welt ins völlig durchlöcherte Haus.


III. Die ideale Stadt.

Innen und außen sind völlig vertauscht. Die Versorgung wird außen hergestellt und im Kühlschrank gelagert wie im Schlaraffenland. Man holt sich nicht mehr unter Anstrengung jagend die Hühner und richtet sie mühsam im kollektiven Kochrithus zu, um die Geister der Geschlachteten zu versöhnen, und sie dann am zwölfköpfigen Abendmahltisch so heilig und ehrfürchtig zu verspeisen, sondern sie fliegen einem, konsumgerecht zerteilt, gebraten ins Maul, ein wahres Tischlein-deck-dich. Im Keller lagern keine Grundnahrungsmittel mehr, sondern nur noch das während der Garantiezeit aufzubewahrende Verpackungsmaterial elektronischer Geräte.

Der Mensch wird Konsument – von der Feldküche der Industrie versorgt wie einst die Knechte und Mägde vom Hof – das Hausinnen, die Küche, wurde dem feinen Besucher verborgen, die Gerüche, schmutzigen Bediensteten, gar auch die nicht respektabel erscheinende Hausfrau, die mitarbeitenden Kinder, eben die Wirtschaftsräume und die in ihnen Schaffenden. Es ist die Geschichte des Adels, das öffentlich feine Getue vor einer frugalen Wirklichkeit.

Die Peinlichkeit des häuslichen Wirtschaftens wird, wenn man es sich leisten kann, vor den Gästen zum Außen, an den Service, delegiert. In den anderen Zeiten gibt es einsam, im sogenannten Zuhause, trocken Brot und Wasser. Besonders schlimm ist das, wenn man nach dem außerhäusigen Feinheitsgetue die magere Kost vor den Kindern essen muß. Weil die Gesellschaft so böse ist und den Vater ungerecht behandelt, heißt es.

Das Innen wird zur Straße, zum TV- und Medien-Marktplatz mit Parteiengezänk und kulturverbrämtem Amusement. Panem et circensem mit Schlafstellenarmut.

Die Wohnung ist nur noch ein Schlafplatz – eine Ausbuchtung des Arbeitsplatzes, des Draußen. Das Kind wird in der Schlafkoje der Fabrikhalle des Gastarbeiters - aus dem Nichts sind sie zugereist, ohne Grund und Boden leben sie hier in der Fremde - untergebracht, ungeborgen, vom ersten Tag an im Exil, mitten in Europa. Das Außerhaus, die Arbeit, der Kampf der armen Frau gegen den lieblosen Mann, der TV-Marktplatz wird zum Innen, das Innen, die Versorgung, wird von Außen gestellt und das wird auch so erwartet, erzogen zur Unmündigkeit. Münd-ig heißt, sich selber die Nahrung richten, denn man ist kein Flaschenkind mehr.

Das Kind lernt nicht mehr die Herstellung von Essen und Kleidung aus den ökonomisch erzeugten, im Vorrats-Keller gelagerten, Rohstoffen. So ehrt es nicht mehr den Schaffenden, die Natur und den, der ihr die Stoffe entringt. Nur noch dem schmierigen Veredler gilt die Bewunderung, dem, der im kreativen Food-Design am konsumenten-schhlüpfrigsten alles gewinnbringend denaturiert.

Umkehr von Innen und Außen voll Abhängigkeits-Angst, süchtiger Resignation, Versorgungshingabe, lebenslanger Elternfurcht und Kinderliebe.

Im Innen, im Haus, herrscht ein mörderischer Krieg mit ehelicher Prostitution und zuhälterischer Erpressung um den häuslichen Anteil. Zum Erhalt des Hauses baucht es eine wehrhafte Außenkonstitution, Verstellung, unbarmherzigen Egoismus und Verrat.

Das Außen wird dem Haus idealisiert. Der das Geld herein Bringende muß ja dort mit Verstellung, Brutalität und Verrat agieren – und genau das wird ihm im Haus als Unmoral vorgeworfen und ist Begründung für das selbe Verhalten des Innerhäusigen. Dem Innerhäusigen ist das Außerhaus ja jetzt wirklich die service-industrielle Nährmutter und es macht den Außerhäusigen zum Gauner, wenn er der Pflicht, dem Innerhäusigen sein Geld zur Nutzung der Nährmutter zu geben, nicht im vollen Umfang entspricht.

Der Außerhäusige wird vom Innerhäusigen beneidet, darf er doch im gloriosen Außerhaus wirken und er ist ein Lump, wenn er dem innerhäusigen Konsumenten das Konto sperrt. Dafür wird dem Außerhäusigen das Haus großzügig als Schlafplatz überlassen, als Ausbuchtung seines lebenswichtigen Außerhaus.

Das gab es noch nie in der Geschichte. Federico Montefeltro wurde für den tüchtig-grausamen Gelderwerb im Außerhaus bewundert, um damit das geliebte Urbino innerhäusig zu errichten, zu betreiben und zu erhalten. Nie hätten die Bewohner Urbinos ihr Haus ausgeschlachtet, um es sich im italienischen Außerhaus gut gehen zu lassen.

Aber Federico ist nur die lichte Seite der Geschichte. Im Dunkel lebte das Gesinde. Wo sind in den Gesindehäusern die außerhäusig Schaffenden? Sie sind im Krieg, beim feudalen Schlösser-, Tempel- und Pyramiedenbau, bei der Apollo-Weltraummission. Das Haus der gesindigen Alleinerzieherin war schon immer nur die Kammer im Außerhaus. Das partnerschaftlich begründete Eltern-Haus ist adeliger Sonderfall.

Welch anderes Hausen gibt es?

Der Bauernhof bot dem freien Flur-Bauern sein Haus. Der Versorgungsaspekt ist dabei der wichtigste. Er liegt in den Händen der nicht erbberechtigten Familienmitglieder und des Gesindes. Das Außerhaus des Bauernhofs ist die landwirtschaftliche Natur und das bäuerliche Brauchtum.

Der zivilisatorische Fortschritt bot den nicht Erbberechtigten und dem Gesinde ein Leben in der Stadt, wo sie Häuser nach dem Vorbild des Bauernhofes errichteten. Das Außerhaus dieser Häuser konstituierte sich aus den von den Bauern in die Stadt gelieferten landwirtschaftlichen Produkten und zunehmend aus Handwerk und Bergbau.

Vor dem freien Bauerntum lebten die Menschen in feudaler Frohn, ein allgegenwärtiges Außerhaus mit Schlafnieschen für das Gesinde. Als die Feudalherrschaft mit ihrer aufwendigen Hofhaltung die Massen nicht mehr ernähren konnte, folgte aus ökonomischen Gründen das Flur-Bauerntum. Eine häusige Organisation der menschlichen Versorgung ist immer ökonomischer, als eine kollektive.

Dem gegenwärtigen Außerhaus der Konsum-Gesellschaft folgt die Auflösung des städtischen Hauses, da dieses nicht mehr zur Verwertung der landwirtschaftlichen Produkte sowie von Handwerk und Bergbau dient. Außerdem führt die Konsum-Gesellschaft zur Konzentration von Reichtum und Macht und zeitigt deshalb dieselbe Tendenz zum Zusammenbruch wie seinerzeit das Feudal-System. Das verlangt eine Revitalisierung des Hauses zur ökonomischsten Organisation der menschlichen Versorgung. Der Bauernhof und das gotische Haus können allerdings nicht als Modell für dieses Erfordernis dienen.

Reisen ist die natürliche Umkehr von Haus und Außerhaus. Die Versorgung des Reisenden ist in Hotel und Restaurant unvermeidlich außen und das außerhäusige Erleben der Sehenswürdigkeiten und menschlichen Kontakte bildet den Innenraum, den der Reisende in sein Haus, von dem er zur Reise aufgebrochen ist, integriert. Ohne dieses Haus bliebe er immer unterwegs und sein Innen wäre ein kontinuierlich hindurchfließender Film fliehender Erscheinungen.

Der Feudalherr hat sich einst sein Haus im familiären Kampf aus dem Clanhaus geschaffen. Er hat die Clanmitglieder hauslos gemacht und in die Außenversorgung getrieben.

Die Konsumindustrie enthebt das städtische Haus im Namen der Emanzipation und errichtet unter der Fürsorge der großen Service-Mutter ein neues Clanhaus. Es rekonstituiert sich eine allgegenwärtig globale Macht antik-barbarischen Zuschnitts mit den Hyperreichen als Adel. Die Versorgung kommt aus der gigantischen Feldküche und Kleiderkammer ihres cäsarischen Söldnerlagers. Das Haus entschwebt ins Fernsehen und Designerhirn.

Wie schon immer gilt Humanität nur für das machtbegründete Schönheitsideal. In der Überwindung der von Anfang an eingetrichterten klassischen Schönheit der über das Menschenleid ewig hinweg lächelnden Götter liegt deshalb auch die Chance zur Erneuerung des Hauses.

Die Verbindung der Klassik mit dem modernen Intellekt ist ganz und gar substanzlos. Die Tempelruinen und rudimentären Planquadrate verstärken nur den Gespensterfilm ihrer professoralen Ästhetik. Die Antike ist ein über Europa flächendeckend flimmernder Designerschmarrn. Ihre Literatur und Philosophie sind toter als die Zeitung von gestern. Klassische Bildung fantasmagoriert eine Clangemeinschaft des alleinerziehend beelternden Kindes. Das verteidigt ganz auf sich gestellt das Haus gegen seine Enteignung.

Die Renaissance erweckte die Antike zu neuem Leben und ihr Konzept der citta ideale kann in heute noch bestehenden Urbanitäten erfahren werden. Dort kann einer seine faschistoide Zurichtung am noch lebenden Leib und nicht nur in knochentrockenen Ruinen amalgamieren.

Die Stadt der Renaissanse ist Urbino.

Der Weg nach Urbino, auf dem der Strebende herauskommen will, ist vom Anfang an ein Pfad der Erleuchtung. Jeder Schritt macht froher und frei. Die Renaissance ist keine Restauration nach tausendfünfhundert düsteren Jahren, sondern sie kommt aus der Antike, aus dem Christentum, Byzanz, den Goteneinfällen, der Feudalherrschaft, der gotischen Stadt in jahrhundertelang blutigem Erleiden. Da ist der Faschismus schon lange versotten. Es weht nur noch sein Pesthauch aus dem papierenen Wust der Geschichte, aus den grauen Regalen zeitferner Schreibtischgeneräle, die ihre Studierenden erbarmungslos ausexerzieren. Die Klassik ist aus dem Müll eines längst vergangenen außerhäusigen Lebens zum Leitbild des neunzehnten Jahrhunderts gesalbert. Die Renaissance hingegen blickt unverzagt mit dem barmherzigen Antlitz eines tausendjährigen Kampfes um die Humanität im feudalen Draußen.

Urbino rekonstruiert nicht die antike Stadt, sondern es realisiert nach Feudalismus, Flur-Bauerntum und gotischer Stadt wahre Urbanität. Das Haus in Urbino ist kein Bauernhof im Ringen mit der unsicheren Natur, keine Verlagerung der Versorgung auf neue Ressourcen. Das Haus in Urbino ist das von den gotischen Produktionsmethoden unabhängige Haus zum Zwecke des humanen Lebens in einem dafür absolut förderlichen Außerhaus.

Die ideale Stadt humanisiert die knöcherne Klassik und zivilisiert das Flur-Bauerntum. Es geht ihr nicht um pure Versorgung - Bauerngerät, Keramik - sondern um die Humanisierung des Außerhaus.

Den Bauernhof zum Haus in dieser Stadt erweitern, die Versorgung mit dem partnerschaftlichen Leben verbinden.

Auf der Reise nach Süden begegnen zunächst die alpinen Bauern. In Ravenna ist vom freien Menschen noch gar nichts zu spüren. Das Grabmahl der Kaiserin Galla Placida, der Mosaikdom - Herrscherleben, von unten, von außen versorgt - das Grabmahl des Theoderich - Sippenleben, vasallentreu dem Heerführer - Byzanz. Padua protzt mit brutalem Reichtum im Geschlechterkrieg. Dante war hier. Dann der Adriastrand von Rimini bis Pesaro, verdreckt vom Massen-Konsum.

Und endlich Urbino.

Die Stadt empfängt mit lebensnaher Funktionalität, bietet selbstsicher unmittelbar menschliches Außerhaus mit Albergo und Gastlichkeit.

Seit zwanzig Jahren zieht es hier her, Angst vor Enttäuschung, Illusion. Aber die Realität belehrt das staunende Auge.

Alle Teile der Stadt durchzieht eine gelassen funktionelle und zugleich warmherzige Klarheit. Der Pallazzo Ducale ist das Herz, das Haus in der Straße der alten Geschichte.

Hier wirkt barmherziges Wissen, wo sonst nichts als Macht, Kirche, destruktiver Reichtum, mörderische Frohn und Bosheit walten.

Es geht um das mitmenschliche und nicht um das olympische Leben, es geht um das mit Rechtssicherheit und Barmherzigkeit frei sich in der Gemeinschaft entwickelte Geschöpf. In Urbino kennt man den verletzlichen und niemals wieder zu schaffenden Wert des Ganzen, den Wert der Beziehung zum Partner, zu den Bewohnern und Gästen. Federico Montefeltros Werk lebt seit fünfhundert Jahren. Jeder wirkt hier in jedem Augenblick um seinen Erhalt.

Man kann nicht einfach nach Urbino fahren, eine Tätigkeit aufnehmen und leben – aber man kann hier lernen, das eigene Haus zu bauen und es mit seiner Herzogin zu den Menschen zu tragen.

Das Haus zu verwirklichen und es zu erhalten, bedeutet Krieg und macchiavellistischer Fürst sein, wenn einem dabei nur früh genug Kultur infiziert.

Und daß die Herzogin das Haus erfüllt und mit ihm die Stadt.

Welch Schmerz über den verwüsteten Clan, über den Scherbenhaufen dieses alten Hauses. Seine Leben sind aufgezehrt, als bliebe nur eine einsame Zukunft. Vergeude nicht die verbleibende Kraft. Sonst wären Popanz und Spiegelfechterei das eigentliche Ziel gewesen.

Erneuere das Haus, den Herschlag der Stadt, zeige dich und betrüge dich nicht in Alters-Residenzen. Sichere deine selbstverantwortliche Versorgung, delegiere sie nicht an das Amt. Versauge dich nicht in Vollpensionen. Gestehe der Neigung ihren Gegenwert und verrate nicht den humanistischen Auftrag. Du mußt nicht zahlen für atmen, essen und schlafen. Baue neu, dann braucht keiner zu zahlen.

Ewig auf Reisen, aufs Draußen gewiesen, du armselige Existenz. Hast du kein Haus, keinen Partner? Du machst dich als Ahasver interessant, willst etwas Besseres sein, gehörtest eigentlich anders wo hin. Prinz und Prinzessin im Exil und du tust dir das nur an, mit mir zu verkehren. Zum Erbarmen. Verschwinde.

Dem Herzog brauchen die schmierigen Restaurantiers keine Schmalznudeln richten und erst recht nicht, igitt, den Salat. Er hat sein eigenes Haus und nennt es La Casa.

Weil das Schlüsselkind bis zu Elterns Ankunft nichts Richtiges zu essen bekommen hat, ins Speiselokal gehen oder vielleicht nur ins fast food. Das nichtet die Haushaltung, zeigt ihr verächtlich den Rücken. Haushalt ist nichts für die Prinzessin, sie braucht den nicht, der das Haus schuf. Die Straße ist ihre Welt und nicht dieses klamme Gemäuer.

Das Haus ist Sache des Herzogs. Die Prinzin aber schafft sich immer nur eine väterliche Burg, ein Haus als Boudoir. Dem gegenüber kümmert sich Montefeltro um jeden Nagel.

Die Kinder und Gäste verlangen nach einer Herzogin. Wenn diese auf die Burg zurückkehrt, muß ihr Platz umstandslos neu besetzt werden. Humanität und Lebensglück sind konfuzianische Themen. Das wußten die Menschen schon immer.

Das Haus wird mit der neuen Technik eigenhändig in drei Stunden täglicher Arbeit erhalten, oder es kostet eine Hilfe, die schlampig putzt, schlecht und teuer kocht. Für die schmutzigen Restaurants muß Geld aus dem Haus getrieben werden. Zusammen mit außerhäusigem Verkehr ist alles in kurzer Zeit dahin. Es braucht also immer die Herzogin.

Ein Haus ist tausnd Mal wertvoller, als jeder noch so attraktive Service. Es geht um des Herzogs Willen und Tatkraft zum Haus für sich, die Kinder und Gäste, mit einer Herzogin, die die Burg lässt und auf sein Schloß kommt.

Nie das Haus aus dem Sinn geben, sonst gleitet das Leben wie Sand in die Gewaltherrschaften rundum.

Den realen und ideellen Wert des Hauses immer erhalten. Nach seiner Versocksung erstünde Urbino nie mehr. Solange aber der herzögliche Wille besteht, geht es immer wieder weiter. Urbinos Studenten erhalten die Stadt gegen den zerstörerischen Tourismus.

Der Herzog nimmt die kreativen Menschen ins Haus und findet seinen Beruf darin. Dieses Haus ist keine Niesche im herrschsüchtigen Draußen.

Ein häusiger Arbeitsplatz ist ökologisch und wahrhaft produktiv. Schreiben bedarf der geringsten Investition. Es erhält den materiellen Wert, die geistige und Willenskraft.

Montefeltro errichtete Urbino aus örtlichen Ressourcen. Ein Vermögen ist schneller zerronnen als gewonnen. Der ökonomische Einsatz der Mittel ermöglichte ihm, die ganze Stadt zu gestalten.

Hier bieten der Supermarkt und das herrliche alpine Wasser höchste Versorgungsstruktur. Das weiß, der viel gereist.

Es geht um die Casa und um die Menschen, die sie als Freunde betreten. Sie erhalten das Haus und vergiften es nicht mit ihrem Neid. Die Gäste und der Herzog sind gleichgesinnt. Die Herzogin verwandelt das Haus nicht in die Finster-Burg, vergeudet die für Haus und Stadt erworbenen Mittel nicht im Konsumentendreck. Sie setzt das strahlende Haus nicht gegen generationenlang durchdünstete Schimmel-Gewölbe. Das Haus ist ihr für die Zukunft überantwortet.

Nie darf sich der Herzog gegen seine Einsamkeit das Haus abluchsen lassen. Er muß seine Verwüstung ertragen, seine Wunden mit der Erde verwachsen, mit den Mäusen, Amseln, Igeln und Eichhörnchen herum. Hirngespinnste werden den Platz nicht mehr besetzen.

Das Haus besteht aber auch aus der ganzen Stadt, es lebt nicht nur im Inneren mit gleichgesinnten Menschen. Die Stadt ist der Palast und die Häuser sind seine Trakte. In dieser Stadt soll keiner mehr vegetieren müssen.

Der Supermarkt ist die Versorgungsmaschine des urbinatischen Pallazzos. Hier werden die Reisenden fern von den Schickaria-Hotels freundschaftlich beherbergt. Kein Gast braucht außerhaus schlafen und essen. Wie lieblos wurde von der Humangesellschaft der alte Professor ins Hotel abgeschoben. In der humanen Stadt erwartet jeden Gast eine herzögliche Casa.

Am Haus ist allenthalben Gestaltung von Nöten. Wenn es im symbiotischen Anspruch alten Schreckens versinkt, ist der Herr bald selbst ein Fremder in ihm. Prinzliche Gespenster durchwehten es, kein Gast will in diesem Spukhaus wohnen. Einmal rettet noch eine barmherzige Freundin mit selbst gerichteten Nudeln vor außerhausigem Fraß, ein aderes Mal bewahrt ein Freund mit seinem Geburtstagsgericht vor dem schwummrigen Inder.

Das funktionstüchtige Haus ist eine perfekte Beziehungsmaschine mit der Herzogin eigenem Trakt. Ohne Unterschleif, ohne Teilung in Etablissements, ist es das zweikammerige Herz im gesunden Körper.

Das Haus ist auch keine Absteige zwischen zwei Draußen, wie einst, als der Baron im Sacher logierte, solange das die Güter noch hergaben.

Die herzogliche Verbindung durchpulst das Haus. Der Gast spürt die Betrübnis bei der Herzogin Ferne.

Der real ökonomische Betrieb multipliziert die Anziehungskraft des Hauses und spannt ein Netz über den Erdball. Die urbinatischen Trakte des Paares bieten mit geringeren Kosten mehr als zwei einzelne Burgen.

Der Herzog hat seinen Platz am Ufer desTraum-Mississippi, auf dem Boden des heimatlichen Ostens. Er überläßt die Zukunft nicht der gemieteten Willkür. Ohne Haus bist du fremd in der eigenen Stadt.

Um und auf ist die herzogliche Vereinigung. Das Haus heilt die Wunden und zeigt, wie der Mensch denn lebe.

Der Palazzo Ducale ruht über den Versorgungskellern. Die Liebe versorgt das Haus aus den Kellern. Da kann für die Ahnengeister nichts mehr escamottiert werden. Die architektonische Vereinigung durchzieht jeden Ziegelstein, ohne Abflüsse in Hotels, Restaurants und Amüsierbetriebe.

In den Kriegsbaronen und düsteren Condottieres, die sich nach wüster Vergangenheit auf ihr Gut setzten und mit der slowenischen Magd barbarische Nachkommen zeugten, erstrahlt jetzt humaneres Licht.


IV. Reise nach Urbino.

Urbino, die Stadt Federico Muntefeltros als Palazzo und der Palazzo Ducale als bescheidene, nur seiner Funktion dienende, Casa. Stadt und Palazzo sind von den humanistischen Ideen der citta ideale durchsträhnt, von freien, allen kentaurischen Ahnengeistern entledigten, Menschen.

Und so muß auch der Bauernhöfische endlich die Stadt integrieren. Er muß das Haus und das Außerhaus in sich schaffen. Er ist seiner kriegerisch-düsteren Herkunft humanistisch in der adriaitalienischen Lehrlandschaft entwachsen.

Welche Städte waren Athen, Rom, die gotischen Städte im Norden und Süden? Das schert nicht mehr. Urbino ist die Stadt der Humanität, errichtet aus dem wunderbaren Ziegelstein der Marken. Welch ein Baumaterial menschlichen Maßes.

Von der zeitgenössischen Konsum- und Sozialamtsstadt am Alpenrand über archaische Bauernhöfe, Kleinstorte, Handwerker- und Handelsstädte der Täler zu den Städten Venetiens in ihrer feudal agrarindustriellen Landgüterwelt, zur Poebene, der übervölkerten, zersiedelten Landschaft Industrieitaliens, schließlich nach Ravenna, römische Kaiserstadt von 404 bis 454.

Aus den Nieschen des millionenstädtischen Außerhaus zum Bergtaler Hof mit Dorfkirche und Gasthaus als Vernetzungsstelle zu den anderen Höfen mit dem Kreißler als materiedurchströmtes Draußen. Aber schon wird der aufgelassene Hof zur Landdisko und den Kreißler ersetzt ein ubiquitärer Liefer-Service.

Und vom Bergtaler Hof geht es zu den antithetischen Kaiserpalästen und Kirchen der dynastischen Adriametropole mit den Schlafkammern des Bedienstetentrosses.

Was war das für ein Leben in der Kaiserstadt, im urbanen Adriaitalien von den Etruskern an? Und dann kamen die Germanen und Byzantiner. Und nach dem Zusammenbruch der weltlichen Organisationen die Rückkehr der Häuser.

Da kämpften wieder die Geschlechter um die Macht, hausten die Menschen als Vasallen in dynastischen Burgen, eingezwängt in den Kampf zwischen den Herzogsstädten.

Doch die Massenbasis überwindet auf jeder Stufe ihre Polarisierung.

Wie lebten die Menschen in den städtischen Strukturen? Und wie schrecklich war es erst auf dem Lande, wenn diese Stadtluft frei machte?

Ein starker Kaiser und freie Bauern, das war die häusige Antwort auf den Zusammenbruch der antiken Gesellschaft. Ein starker Kaiser verpflichtete den Adel zur kriegerischen Beute weit draußen, anstatt seinen Hof vom eigenen Volk versorgen zu lassen. Ein schwacher Kaiser brachte hingegen Feudalwillkür und Leibeigenschaft direkt am Ort.

Ein starker Fürst und ein freier Bürger waren das häusige Ideal. Der humanistische Herr hielt nicht Hof in einer dynastischen Stadt, sondern baute seine Casa mitten unter den Häusern der Einwohner. Das Geld wurde condottierehaft draußen verdient, so wie heute im industriell weltweiten Export. Die Bürger der Stadt waren humanistische Personen, keine Schranzen und Favoriten. Da war nur innerhäusig-funktionelles, von allen getragenes Handeln und es wurde nicht an den kapitalen Außerhaus-Service delegiert. Die Casa war noch nicht zur Schlafstatt verkommen.

Die Reise nach Urbino führte von der funktionalistischen Metropole über menschennahes Bauerntum ins Antikstädtische und von da durch den Konsumschlund Norditaliens ins Idealstädtische.

In der Gegenrichtung kehrte in Siena aber wieder der Alptraum des erbarmungslosen Bankenmolochs, mit der Scheckkarte als einziger Kontaktstelle. Es folgten Bozens giftender Schicki-Micki-Graus im glitzernden Sog der bombastischen Papstmetropole und die brutale Sforza-Festung angesichts majestätischer Berge. Eine Glosse des Daseins.

Was auch immer die zwischen Papst und Kaiser, Kirche und Adel hin und her gerissenen Menschen zum macchiavellistischen Principe ihres Gemeinwesens führte, das Urbino des Federico Montefeltro ist eine wie aus dem Nichts auftauchende Realität in seiner Funktion und Schönheit, in Kultur und Humanismus, finanziert durch eine brutale Kriegsgeldbeschaffung, so wie auch heute noch jede Hausinsel ohne wenn und aber aus dem unerbittlichen Außerhaus geschnitten ist.

Wie konnte später die urbinatische Integration der geistigen und materiellen Belange zum Blendwerk des barocken Gottkönigtums verkommen, zur endgültigen Knechtung in Duce, Faschismus oder repräsentativer Demokratie und wie das Haus dieser Pallazzo-Stadt zur Schlafstelle der versorgungskranken Gestalten sumpfiger Megastädte?

Die unumstößliche Tatsache ist, daß das Geld für das Haus aus Krieg und Unterwerfung der untüchtigeren Nachbarn beschafft werden mußte, aus der Silberbergwerkssklaverei oder der Löhnung im globalen Imperium.

Federicos Stadt wurde zerstört, als seine Bürger der kaiserlichen Macht Zutritt gewährten. Der Duca hatte seine Stadt wohlweislich weit außerhalb der dynastischen Territorien in den unzugänglichen Marken und nicht in Florenz oder Wien errichtet, weil er dem die Natur und Versorgungsgrundlagen der Menschen zerstörenden baronessen Konsumwahn nicht den Bauernhof entgegensetzen konnte.

Und was findet der Suchende heute in Italiens Landen? Das Hotel in Vittorio Veneto ist Sankt Gunda, ein Bums für die Umländer. Wohin sollte der einfache Einwohner sonst gehen, wenn ihm danach ist. Der Patrone aber fährt dazu mit den Häschen aufs Gut.

Die Speisen sind schmuddelig und teuer, soll der touristische Gockel nur bluten. Denn wer hier eine Casa hat, ißt zuhause. Im Hotel essen der Stadt-Mafioso und die Bumser.

Die Magd im Sankt Gunda ist lieb, sie will den Herzog von der Nixe befreien, die ihn in diesen Hotel-Sumpf zog. Die Magd steht gegen die herzögliche Begleitung, zeigt sich tüchtig und haus-fähig, sie weiß, welch gute Speise und Liebe in ihrer leiblichen Casa den Herzog erwarten. Möge er mit ihr sein Haus begründen und in ihrem Keller die Trakte vereinen, durchflossen von menschlich lösender Kraft. Gib das Geld nicht dieser Schmiere, ich verwöhne dich mit göttlicher Speise und himmlischem Bett in la mia casa. Begründe mit mir das Haus, und laß dich nicht unwürdig zocken.

Beim Anbruch des Abends werden in den italienischen Wohnungen große Tische für das familiär-nachtbarschaftliche Essen aus den frischen Landes-Produkten gedeckt, Traum der Frau jedes italienischen Hauses, anstatt der Zweier-Speisung mit Aufwärmkost im Schmuddel des Vittorio Veneto.

Und dann endlich Urbino. San Goivanni. Die Dusche funktioniert, alles ist sauber - ein wahres Albergo.

Der alte Hausherr sitzt nadelgestreift im Foyer, sieht fern und begrüßt freundlich jeden ein- und ausgehenden Gast. Er lebt mit den Gästen. Die Herrin ist voll Liebe bei der Albergo-Arbeit. Die Casa dieser Stadt ist ihr Leben. Ravenna oder Siena hat sie noch nie gesehen. Ihr zählt nur, die Gäste Urbinos human zu beherbergen. Ein sinnvolles Leben von Anfang bis Ende. Freundlichkeit, Kultiviertheit, der Gang über die Piazza – eingebunden in die Nachbarschaft. Voll Respekt behandelt sie die Reisenden. Keiner zockt in dieser humanen Stadt.

Reisen zeigt, daß es ohne Haus keine Humanität gibt. Und das Haus braucht Menschen. Essen braucht Menschen.

Wessen Haus aber die Szene ist, der fantasiert Fremde als Mitspeisende, zeigt den Eltern, daß ihr Essen nichts wert ist, daß das Fremde mehr Bedeutung hat und er sich die Verachtung des Hauses auch leisten kann.

Wie hausen diese neidvoll das Haus verwüstenden Menschen?

Die Geliebte mietet eine Wohnung im Himmel, die Alte verbarrikadiert sich in der Ahnengruft, der Sohn schmuddelt in der Hundehütte neben des Herzogs Palast, aufdaß die Herzogin bei ihm wohne, die Tochter im Hurenloch, aufdaß der Herzog sie rette. Nichterwachsen wollen sie das Haus bezwingen, es in ihre Kinderzimmer-Nieschen schaffen, wollen dem Herzog das Recht bestreiten, die humane Basis zu sichern.

Das Versorgungs-Außen wird als Großmannswelt phantasiert, die einem zusteht, und wenn das der Alte nicht finanzieren will, ist es aus mit ihm. Die Prinzessin bekommt es ja auch so, erregt, entwendend, wie immer. Der Mieter rächt sich am Eigentümer, vergeudet alles fürs Außerhaus. Das muß vom Herzog energisch abgegrenzt werden. Der Mieter muß die Sucht lassen und das Haus mit ihm teilen.

Das Haus als Kinderzimmer in der Ahnen-Gruft. Dinge statt Menschen darin. Die Prinzessin hat den Herzog getötet. Ihre Burg ist keinesfalls ein ducaler Trakt. Die der Erzherzogin geborenen Kinder bekleben die Wand.

Solches Hausen ist Bau, Burg, Höhle, Löcher im Außerhaus, keine Casa und Gastlichkeit. Peinlich, dorthin geladen zu sein. Das gerät in die Intimssphäre, enthüllt das exhibistische Singeltum als Größenwahn. Und Wohngemeinschaft mit Versorgungsrationalismus in Corbusiers Kloster-Turm ist auch keine Lösung.

Die Kinderzimmer-Höhlen schaffen in der Szene nur ein trügerisches Zuhause. Auch die Hofgemeinschaft, jetzt nur noch schemenhaft, oder die Firma mit Mensa und Kollegenschaft, sind dahin.

Die Reise nach Urbino macht den Bauernhof zum inhaltslosen Theater. Die Erzherzogin hat ihn sowieso schon erledigt und den Ausgang aus der Kapuzinergruft verschlossen. Nun geht es an die Wiedererrichtung von Haus und Stadt. Der Herzog hat nach dem Ende des Bauernhofs das Casa-Konzept nicht verworfen. Keiner kann jetzt mehr die Hofburg unterschleifen. Das neue Haus ist ein im Versorgungsgang vereinter Doppel-Trakt. In den Kellern ist kein Platz mehr für subversive Unterkunft und zukünftiges Dichten, dem alles Nötige zu steht.

Alle Sorge des Humanen geht um Wohnen und Umfeld, Innen und Außen. So auswegslos, wie die Konsumsucht, hat sich auch die Enge der mittelalterlichen Gesellschaft existentiell problematisch gestellt. Ohne religiösen Halt, Gottvaters und der Marienmutter, und auch nach der vor-reformatorischen Bauern-, Handwerks-, Adels- und geistlichen Ständewelt. Im geschlechterlichen Italien ging es dann um die ideale Stadt. Während das Land vom Feudalherrn in Besitz genommenen war und die Bauernkriege blutig scheiterten, war die Stadt die einzige Zuflucht vor der leib-eigenen Knechtschaft. Auf dem Lande gab es dagegen keinen humanistischen Ansatz. Erst Jahrhunderte später träumte Rousseau vom schäferlichen Paradies. So wuchs das Ideale aus der Öde der Paläste und nicht aus proletarischer Bedrückung.

Es geht um das Wohnen des Menschen. Die Götter wohnen auf den Bergeshöhen und der Kaiser nimmt Quartier in der Pfalz.

Heute geht es um ein Lebensbild für die Megalopolis. Hoffnungslos ist das wie einstmals in Rom und später selbst in Mailand und Florenz. Es ist der Kampf der Carettis gegen die Limusinen der Macht.

Die unerreichbare Staatsutopia realisiert sich auf kommunaler Ebene in der idealen Stadt. Später verklärt das die hoffnungslose Romantik als mittelalterliche Geborgenheit, wie heute die Phantastasien im galaktisch Uterus. Der marxsche Sozialismus ist nur eine Bibliotheksphantasie im Vergleich zur Realität der Condottiere und Kriegs-Barone.

Armselig ist auch das jesuitische Geplänkel des spartanischen Kaiser Franz-Joseph. Voll Leben pulst dem gegenüber die Wirklichkeit des Montefeltro und selbst der Marx-Hof mit den Schrebergärten, Konsumläden und der Urania-Volksbildung, pulst tausend Mal mehr, als die dekadente Hysterie der Ringstraßen-Volee.

Abgeschottete Nobelviertel, Bauernhofurigkeit und Maler Kleksels Toskanahaus sind die angesagten Leitbilder des aktuell gespenstischen Wohnspuks.

Nach den antiken Diskursen, dem mittelalterlichen Ideenstreit und klösterlichem Systemekrieg realisierte Montefeltro mit einigen klaren Menschen das, was denn das Hausen des Menschen sei. Er tat es eigenhändig und überantwortete es nicht einer verschwommenen Autorität - vom Gottesstaat bis zum Proletariat. Du bist so klar, Herzog, sonst ist überall nur Schall und Rauch.

Abseits der Kaiserorte, Papstorte, abseits der mächtigen Familien und des Großmannstums liegt sein heimatlicher Osten. Er verdingte sich draußen als Krieger, um sein angestammtes Urbino vor der fürstlichen Habgier zu schützen. Gegen die eigene Familie erhält er das Haus, anstatt es von ihr in der Szene verdünnschissen zu lassen.

Aus den heimischen Ziegeln baut er die Casa, ohne höfischen Prunk und keinem zur Einschüchterung. Ohne Begleitung geht er ins Volk, verkleidet sich nicht wie arabische Potentaten. Er baut die Stadt als seine Hofstatt und keine Burg kriegerischen Rittertums, kein Schloß zur gottesgnadlichen Residenz.

Sein herzögliches Haus steht gleich unter denen der freien Bürger. Stolz schmückt er es mit seinen Namen, wie die Bürger ihre Häuser mit ihren und wie schon der Bauer den Hofnamen an die Mauern schrieb.

Der Grundstock seines Hauses ist die Ökonomie. Sein Geist und Herz sind der Herzogin gleich. Sie ist keine Mutter des Generaldirektors, Arps oder Federns. Um die Partnerschaft in den Trakten der Casa geht es.

[Der Erstgeborene wird von der Ahnin in den Tod getrieben, um dem Herzog das Haus zu nehmen. Dem Zweitgeborenen wurde dafür das Erz-Schloß versprochen, doch dem schaudert vor dieser Mitgift. Da reißt der Vater mit der neuen Herzogin das Haus und die Stadt ins Dasein zurück. Sein bastardischer Sohn nimmt dafür die Schuld auf sich und wird vom Pöbel verhöhnt.]

Die urbinatische Ikonographie von Piero della Francesca beendet das pinakothekale Zeitalter, das Paradigma jahrtausendelanger Generationenreihen und den alttestamentarischen Anspruch der kriegsbaronalen Herkunft.

Der Ertsgeborene ging, weil Federico geeigneter war, Haus und Stadt zu erneuern. Dafür errichtet der Herzog ihm das Ehren-Kloster am Pallazzo Ducale, aufdaß der Bruder das Werk beschütze.

Ohne jeden dynastischen Hauch erbaute der Herzog die Casa. Mit seinen bastardischen Initialen an den Mauern des Hauses bannt er die unerlösten Geister der Hekunft - denn er allein hat mit den draußen eroberten Mitteln das Haus und die Stadt aus den Ruinen geholt.

Drei Bergkuppen zieren sein Wappen, drei Köpfe, drei Sicheln, drei Frauen, drei Söhne.

Die zweite ist nun die dritte und kämpft gegen die Übergangsbeziehung, gegen den Ahnenspuk und für die Neuerrichtung. Della Robbia schreint das fatale Geschlecht ins Kloster. Der Herzog errichtet Isabella Sforzas geschlechterlichem Grauen das humane Haus in der humanen Stadt.

Keiner kann das herzogliche Paar entzweien. Der Herzog dringt ganz und gar in die Räume des Hauses und sie ist jeder Läpperei überdrüssig, weiß, daß es vorbei ist, wenn sie nicht gibt.

Das pulsierende Zentrum sind die kürzlich freigelegten Versorgungshallen. Sie waren der Stolz des Duca. Jeden anwesenden Tag zog er durch diese Gewölbe, zeigte den Gästen ihre leonardeske Hausmaschine, die Lagerräume für den Grundbedarf, die Küche in der gastlichen Halle - denn wer nicht in der Küche essen kann, der hat auch kein Haus. Der Wäschereibetrieb, die Zu- und Abwasseranlagen, die Stallungen für dreißig Pferde und der Sammelplatz für die kriegerische Erwerbesbrigade – alles unter dem Palast und dem Stadtplatz in den Grund geschlagen, mit Fenstern in der Felsenwand. Das ist pure Funktionalität wie das Gelände eines industriellen Konzerns. Der Duca betrieb diese Hallen für den Bestand seines Hauses und seiner Stadt, so wie der zeitgenössische Eigentümer dem industriellen Produktions-System Haus und Umfeld abverlangt.

Bau, Betrieb und Erhalt ist seit fünfhundert Jahren die eingeboren häusige Aufgabe. Im Supermarkt lagert der Grundbedarf, die von den Stadtwerken betriebenen Hausgeräte sind das Bedienstetenheer, ebenso die Müllabfuhr, die Zu- und Abwasseranlagen, der Postdienst und die Verkehrsbetriebe. Die Garage ist der Stall der motorisierten Pferdekraft. Die Firma die Erwerbsmaschine. Wo einer jetzt drei Stunden täglich für Haushalt und Kochen benötigt, da brauchte der Duca vor fünfhundert Jahren dieselbe Zeit zur Kontrolle des Bediensteten-Trosses – und wie er damals ausgenommen wurde, wenn er das Fremden überließ, so heute, wenn er dafür einen Außerhaus-Service nimmt.

Nur die Mitarbeit der dem Haus zugeneigten Bewohner erhält seine materielle und ideelle Substanz, denn keine Ökonomie ist rationeller, als die häusige.


© Karl Hausruck


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