Am Menschen ist nahezu ALLES kurios! Er geht aufrecht (außer er buckelt), er denkt (zumindest glaubt er das) und er kann sprechen (das vor allem). Dabei kommt so mancher Blödsinn zum Vorschein – in allen 3 Disziplinen! Daß er sehen, hören, fühlen und riechen/schmecken kann kommt natürlich noch dazu. Außerdem besitzt er aber noch eine ganz wichtige Fähigkeit, die wohl selten ein Tier (wenn überhaupt eines) vorweisen kann: er filtert!

Wenn eine Information auf ihn zukommt, wie z.B. ein Vulkanausbruch, dann kann er und NUR er sagen: „Das ist gar kein Vulkanausbruch!“ Meistens ist es ja nicht ganz so schlimm, oder sieht zumindest fürs Erste nicht so schlimm aus – und vor allem das bestärkt den Menschen, dieses ganz besonders einmalige Talent im ganzen Tierreich anzuwenden. Immer wenn ihm etwas absolut unangenehm erscheint, wie z.B. die Wahrheit, dann filtert er sie rücksichtslos, oder sagen wir besser „rücksichtsvoll“ gegen sich selbst, heraus!

Das ist wie eine Mattscheibe oder Milchglas. Durch sie betrachtet sieht ein feuerspeiender Drache wie ein Sonnenaufgang aus und ein Grizzly wie ein Teddybär, aber auch ein Unheil wie eine Geschichte, die man ohne Weiteres durchstehen kann. Der Mensch glaubt dann, es käme einfach nur auf den Filter an! Und weil er das glaubt, geht er auch fröhlich in einen Krieg, zu seiner Hinrichtung, eine fatale Ehe ein, oder er ordnet sich bestimmten Verhältnissen unter, die ihm garantiert kein Glück bringen – ach, wäre er nur in der Lage sie ohne Mattscheibe betrachten zu können.

Nachdem er sich aber außerstande sieht, etwas ohne die Hilfestellung einer Rat gebenden Institution einschätzen zu wollen, benutzt der „kluge“ Zeitgenosse lieber die Filterfunktion seiner bewusst angewandten Naivität, bevor ihn die Urängste seiner Seele wirksam belehren können. Das macht Dauerspaß, ist scheinhalber völlig ungefährlich und führt niemanden in die Versuchung, sich einmal selbst Qualen zu bereiten: die Qualen des Denkens!

Denn ohne diese Qualen lässt es leichter ein bisschen erfinderisch zu sein! Man kann einfach, neu interpretiert, von sich geben was man schon gehört hat und ist somit „kongenial“. Das tut gut, verleiht dem eigenen Standpunkt eine gewisse Unangreifbarkeit und trägt direkt oder indirekt zur Befriedigung bei...es könnte ja sein, daß man damit genug Eindruck schindet, um ein paar Schutzsuchende anzulocken, an denen man dann seine Macht ausprobieren kann.

Das ermöglicht einem schließlich die Perfektion der Filtertechnik...man kann nicht nur Sinn aus jeder Handlung herausfiltern, sondern auch bei den Schutzsuchenden die Spreu vom Weizen trennen, indem man jene in die Wüste schickt, die einen nicht so gut befriedigen können, wie beispielsweise noch schleimigere Kriechtiere, als man bisher schon zur Verfügung hatte. Das ist ein bewährtes Prinzip bei der Regierungsbildung, gilt aber auch in Betrieben als probat. Ein Hoch auf die Filtertechnik!

Komische Wirklichkeiten (Die Filtertechnik)

© Alf Glocker


© Alf Glocker


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Kommentare zu "Komische Wirklichkeiten (Die Filtertechnik)"

Re: Komische Wirklichkeiten (Die Filtertechnik)

Autor: ulli nass   Datum: 11.01.2017 10:45 Uhr

Kommentar: Ich glaube,wir würden endlos diskutieren . . .
wird aber (leider/zum Glück ?) nicht passieren.
lG
ulli

Re: Komische Wirklichkeiten (Die Filtertechnik)

Autor: Alf Glocker   Datum: 11.01.2017 10:47 Uhr

Kommentar: worüber würden wir denn dikutieren?

LG Alf

Re: Komische Wirklichkeiten (Die Filtertechnik)

Autor: ulli nass   Datum: 11.01.2017 12:12 Uhr

Kommentar: 'diskutieren' ist für mich ein ausschließlich positiver Begriff !!!
Es gibt (für mich)fast nichts Besseres als gute Diskussionen !
Über fast alles, eben. Oder es würde auch gar nicht funktionieren
mit uns ?
Das Experiment wird nicht stattfinden.
Meine Texte,Essays, könnten ein Hinweis auf die Vielfalt der Themen sein.
Alles wirklich gut,lieber Alf
Ich hätte die Portale längst verlassen, wärest Du, und einge wenige andere nicht ein Teil dieser mir viel zu oft facebookartigen Welt.
lG
ulli
lese gerade von Thomas Melle ' Die Welt im Rücken '.

Re: Komische Wirklichkeiten (Die Filtertechnik)

Autor: Alf Glocker   Datum: 11.01.2017 12:55 Uhr

Kommentar: Mhm, ich verstehe.
Ja, manchmal ist es nicht ganz leicht hier weiter bei der "Sache" zu bleiben.
Ich bedanke mich aber nochmal.

LG Alf

Re: Komische Wirklichkeiten (Die Filtertechnik)

Autor: Waldeck   Datum: 11.01.2017 19:59 Uhr

Kommentar: Die Filtertechnik ist ja vordefiniert und darum privilegiert.
Nicht nur in der Grafik sondern auch prädisponiert
durch die integrierte Automatik.


LG. Waldeck

Re: Komische Wirklichkeiten (Die Filtertechnik)

Autor: Waldeck   Datum: 12.01.2017 16:36 Uhr

Kommentar: Manchmal vergesse ich bei einem Kommentar zu favorisieren.,
Ich kam hier zurück, weil ich es seltsam finde, dass Yeah aus dem literatpro-Forum
ausgeschlossen bzw. zensiert wurde, nur aufgrund seiner zugegeben mehr als
dadaistischen Schreibweise. Dabei sind dort ganz andere mit weitaus schlechterem
Gebaren vertreten... und werden nicht ausgeschlossen.

Da stellt sich mir die Frage, inwieweit Moderatoren über Stil, Form, Sinn oder
Konzept, Unsinn oder Inhalt von Kunst zu entscheiden haben, auch wenn das
Forum ihnen gehört. Die geistigen Inhalte jedoch nicht.
Dieses Deutschland ist nicht mal mehr imstande, die freie Dichtkunst
zu ertragen.
Auch ich wurde aufmerksam gemacht, meine experimentelle Schreibweise,
eingesetzte Punkte zu entfernen, die notwendige Freiräume zur sinngerechten
Entfaltung der Maschinenträume schufen.

Ich wollte es nur einfach mitgeteilt haben. Denn wir sollten uns diesbezüglich
öfters austauschen. Auch weil dies zur Filtertechnik passt!

Und du weißt das ich mit Pantheismus etc... nichts am Hut habe.


LG. Waldeck

Re: Komische Wirklichkeiten (Die Filtertechnik)

Autor: Alf Glocker   Datum: 12.01.2017 18:10 Uhr

Kommentar: Ausgeschlossen? Erstaunlich...

Ja, Austausch ist nötig!

LG Alf

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