158. Schritt


„Hast du eigentlich jemanden, der an dich glaubt?“ frage ich mein Spiegelbild. Und mein Spiegelbild antwortet mit einer Gegenfrage: „Bin ich etwa ein Gott?“ Ich aber lasse nicht locker. „Braucht das nicht jeder Mensch? Kommt er sonst nicht in Bedrängnis?“ Diesmal antwortet mein Spiegelbild ehrlich: „Was ein Mensch braucht oder nicht braucht, bestimmen Angebot und Nachfrage!“

Wessen Angebote sind ausschlaggebend und wer fragt nach mir? grüble ich. Ich verstehe nicht. Noch weiß ich nicht daß es sich dabei um abstrakte Gleichnisse handelt. Meinem Spiegelbild gegenüber fühle ich mich jedoch hoffnungslos unterlegen, denn meistens hat es recht. Und so lasse ich es dozieren…

„Wenn ein Mensch ehrlich ist, dann benötigt er vor allem die Angst! Er benötigt den Schmerz und die Not. Denn das macht erfinderisch. Dann geht er aus sich heraus, in die Verzweiflung hinein, er sucht Sinn und Inhalt im Leben. Und wenn ihm das Leben nur die Möglichkeit gibt kreativ zu sein, dann hat der ehrliche Mensch bereits alles erfüllt wofür er hier ist! So lautet das Angebot, das zugleich auch eine Nachfrage ist!“

„Toll“ sage ich und versuche mich aus Affäre zu ziehen, aber mein Spiegelbild verfolgt mich! Was ich auch tue, es ist immer direkt hinter mir und es flüstert mir unangenehme Dinge ins Ohr – Informationen, die ich auf keinen Fall hören will, weil sie so logisch sind wie eine Epidemie oder ein Wirbelsturm, der irgendwo auf der Welt von einem Schmetterling entfacht worden ist. „Hilfe“ schreie ich, aber das Spiegelbild redet und redet…

„Wenn du unehrlich bist und betrügerisch, eingenommen von dir selbst, du dich für unfehlbar (göttlich) hältst und eine Unzahl von Menschen bedingungslos an dich glauben, dann bist du uninteressant. Nichts, aber auch gar nichts wird dich dann dazu bringen können, kreativ zu sein. Der ganze Fortschritt der Menschheit kommt dir zugute, indem er einfach an dir vorbei fließt. Du wirst an seiner Entstehung kein bisschen teilhaben dürfen“.

Nun werde ich doch wieder neugierig! „Das bedeutet?“ erkundige ich mich vorsichtig. Du wirst fruchtbar sein und dich mehren, du wirst Erfolg haben und bewundert werden und das Geld geht dir nicht aus, solange du es im entscheidenden Augenblick für dich behältst, es sozusagen nur für Dinge ausgibst, die niemanden weiter bringen. Wohne in einem Schloss, kauf dir ein großes Auto und den Schofför gleich dazu, aber beachte niemanden der dir von Welten erzählt, die du nicht kennst.

Wahre deinen Horizont und man wird dir vertrauen! Nütze aus und man wird dich bitten dir dienen zu dürfen, versprich was man gerne hört und man wird dich er-wählen. Aber habe kein Spiegelbild das dir schädliche und schändliche Wahrheiten vorträgt um dir Angst zu machen. Sonst wirst du ein Verfolgter sein, solange du lebst!


© Alf Glocker


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Kommentare zu "Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten / 158"

Re: Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten / 158

Autor: axel c. englert   Datum: 02.06.2015 10:22 Uhr

Kommentar: Das Siegelbild gehört ins Kittchen!
(Kennt man ja schon - von "Schneewittchen"...)

LG Axel

Re: Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten / 158

Autor: Alf Glocker   Datum: 02.06.2015 18:14 Uhr

Kommentar: haha, ja genau!

Danke Dir

LG Alf

Re: Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten / 158

Autor: possum   Datum: 03.06.2015 8:20 Uhr

Kommentar: Liebe Grüße zu deinen Zeilen lieber Alf!

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