153. Schritt


Halt! Du gehst aus der Sonne, ab, aber nicht auf, in diesem Zwiespalt einer Gesetzlosigkeit, die kein Mensch mehr deuten kann. Halt! Den Mund, du Abschaum des Wissens, dich fern von mir, denn du bist die Erkenntnis ohne Fesselung an die Faszination der Kleinheit des Überalls. Fasse dich lang! Stöhne dir die Übermacht des Fleisches aus dem Gesicht, geh mir nicht unter den Geist. Halt! Vorwärts in die Ausweglosigkeit einer Strecke, deren Endpunkt von Anfang an klar umrissen, in keiner Landschaft steht.

„Dies ist das Zwischenspiel der Stimmen!“
„Was sollte es sonst sein? Denkst du es soll was dabei herauskommen?“
„Heraus kommt doch viel – du musst nur vorher was reinstecken!“
„Und dann?“
„Und dann wirst du beispielsweise ein Elefant!“
„Einer im Porzellanladen?“
„Das sowieso!“
„In Hannibals Porzellanladen womöglich, es gab genug davon!“
„Und der hieß wirklich `Gottessohn`?“
„Alle heißen `Gottessohn`, oder `Held`, oder `Julia`, das kommt aber auch auf den Film an, der grade läuft“.
„Ich will keinen Film bespielen!“
„Warum bist du dann hier?“
„Ich dachte es gibt Schönes.“
„Na und?! Gibt es doch auch!“
„Aber es ist doch nicht unbedingt wahr!“
„Warum? Nicht?!
„Tu nicht so, das weißt du doch ganz genau!“
„Du darfst dir eben nichts draus machen – dafür kannst du Überraschungen erleben“.
„Ich hätte lieber einen Dolmetscher!“

Halt! Vergehe dich nicht an dir selbst. Du bist nichts weiter als eine Schwingung. Eine Schwingung aus Nichtsweiter, höchstens der Unlust. Keiner möchte dort bleiben wo nichts ist. Darf‘s etwas mehr sein? gehe in dich, über Los und bleibe geboren für etwas das du nicht sein willst. Mach dir nichts vor, lass dir was vormachen! Die Gegebenheiten der Existenz sind erfahrbar. Erfahrungen sind wie angehäuftes Geld, das man nicht ausgeben will, weil sich keiner dafür interessiert. Jeder steckt im eigenen Heuhaufen – und der bedeutet Glück! Halt! Das sind Sparstrümpfe! Spar dir einen Strumpf, dann hast du ein Gebot! Was soll das heißen? Na, wenn Erfahrungen z.B. aus Küssen bestehen, dann ist das doch was geboten! Ist das alles? Natürlich nicht, sie müssen schon wertvoll gemacht werden! Wie? Durch ihr Ausbleiben selbstverständlich. Halt!

„Spinnst du? Was willst du denn damit sagen?“
„Ein Übervater soll mir die Welt erklären!“
„Damit man dich nicht mehr umbringen kann?“
„Na und?! Was denn sonst?! Ich möchte mich selbst als Kind bekommen!“
„Aber dafür ist das Leben doch da – dafür und für sämtliche Tricks, die du dir vorstellen kannst…auch für solche übrigens, die du dir nicht vorstellen kannst!“
„War das eine Beleidigung?“
„Ja!“

Halt! Ich bin mir selbst genug, wenn ich dafür etwas bekomme. Du bekommst die Angst und den Schweiß, den Tag zum Kämpfen und die Nacht, um dich vor Mördern in Sicherheit zu bringen. Dazwischen ist die Verschmelzung mit der Unendlichkeit der kleinen Schritte. Einer davon heißt „Das große Vergessen“. Dafür werden Erfahrungen doch schließlich gemacht – damit wir uns vor ihnen in Acht nehmen können! Reicht das noch nicht? Die Sonne und den Mond zu überspringen kann dir gelingen, in der 13. Generation! Und jetzt? Jetzt kommt erst mal der Krieg! Dann warten wir auf einen Neubeginn, weil der wie Zukunft aussieht – und Zukunft ist Leben! Halt!

„Wer sich in Illusionen verstrickt, der bekommt Trostpreise – meist von sich selbst verliehen“.
„Macht nichts, dann gibst du wenigstens zu, daß alles nur Schmu ist!“
„Nein! Niemals!“
„Warum nicht?“
„Weil‘s nicht stimmt! Man muss halt nur schlau sein“.
„Und was machen?“
„Schmu, wenn du so willst, oder aus dem Schmu anderer eben Gewinne“.
„Wie geht ’n dasss?“
„Ich sage nur `Liebe`! Den Rest darfst du nicht überprüfen“.
„Und dann bin ich an wasss interessiert?“
„Entscheide selbst, ob das Schmu ist!“

Halt! Ich möchte dir im Dunkeln begegnen und das Licht anknipsen, ich möchte spüren was um mich ist wenn es sich um lebendiges, warmes Fleisch handelt, anders gestrickt! Heimat bietend, einem der sich fürchtet ausgezogen zu werden. Wer denkt, der hängt! Wieder ist nichts weiter als kein Ende der Täuschungen in Sicht. Darauf kommt es an, das soll, muss und will geliebt werden. Jeden Tag neu und jede Nacht natürlich auch, denn im Wald da sind die Räuber der Unschuld, aber du darfst ihn vor lauter Bäumen nicht sehen, sonst klappt’s nicht! Bilde dir nur nicht ein, es könnte eine Welt geben, die frei ist…von allem was unnütz dominiert. Was hätten wir dann noch zu tun, zu träumen, zu erstreben. Wir wären am Ziel! Ziele sind einfach unmöglich – Zwischenziele vielleicht. Halt!

„Wenn du also jemanden…“
„Halt!“
„Wasss??“
„Das kann jeder sein!“
„Wer?“
„Der Kern, ein Konstrukt das ich liebe“.
„Das willst du entscheiden?“
„Klar! Ich `verliebe` mich praktisch andauernd. Bei den meisten blitze ich auf und ab. Wer mich erhört, wird getäuscht, aber nur wenn mir das Geschöpf auch gefällt, versteht sich!“
„Und wo bleibt der Schmu?“
„Der kommt gleich. Immerhin muss ich das Blaue erzählen, und immerhin muss mich das Geschöpf ausgewählt haben. Die Absichten dahinter sind der Schmu!“
„Jetzt übersetzt du mir doch?!“
„Ich übersetze dir einmal `Lotto`!“
„Bitte“.
„Glücksspiel mit ziemlich sicherem Ausgang ins Negative, Katastrophe ausbleibend, so man sich nicht dafür verschuldet hat, Beteiligung freiwillig“.
„Jetzt bitte `Arbeitsstelle`!“.
„Gut gemeinter Versuch, im Angesicht des Todes am Leben zu bleiben“.
„Mit ungewissem Ausgang?“
„Mit ungewissem Ausgang!“

Halt! Das sind ablehnbare Verfahrensweisen, deren Unwiderstehlichkeit schicksalhaft ist. Gottes Mühlen mahlen grausam aber sehr hoffnungsvoll – und sie gehen immer in eine Richtung: nach hinten los! Gehe nicht über Nach-hinten-los, bleibe dir treu im Verlassen deiner selbst, vor der Kulisse eines Himmels aus dunklen Gedanken. Auch Verbrecher fischen im Trüben nach ihrem Lebensrecht. Das darf ihnen niemand absprechen, denn alles wird abgewogen, im Schein einer Bühne, die wiederum nichts weiter ist als eine große Gottes-Tretmühle. Nimm dich in Acht! Des Wahnsinns fette Beute verliert sich als Ausgeburt in einer Art Monopoly des Blutes – aber sagen darf man das nicht. Das verstößt gegen die Gewohnheit des Schlechten, in nicht als der Täuschung höchste Anerkennung zu erfahren. Erfahren? Erfahren! Wen oder was? Das Nichts! Halt!

Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten / 153

© Alf Glocker


© Alf Glocker


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Kommentare zu "Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten / 153"

Re: Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten / 153

Autor: axel c. englert   Datum: 31.05.2015 19:35 Uhr

Kommentar: Der HALT hat sich gelohnt -
Text gut wie gewohnt!
Auch das Bild lohnte den HALT:
Wieder mal sehr gut gemalt!

LG Axel

Re: Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten / 153

Autor: possum   Datum: 01.06.2015 1:43 Uhr

Kommentar: Habs in meiner kurzen Zeit
schnell ünerflogen auch das Bild trägt einen auf Wogen, später les ich nochmal hier inzwischen liebe Grüße dir!

Re: Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten / 153

Autor: possum   Datum: 01.06.2015 1:43 Uhr

Kommentar: sorry überflogen meinte ich doch!

Re: Der beginnende Wahnsinn in 365 Schritten / 153

Autor: Alf Glocker   Datum: 01.06.2015 17:17 Uhr

Kommentar: Hihi, danke Possum,
danke Axel!

LG Alf

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