»Jetzt, da alles vorüber ist und ich diese Chronik schreibe, wissen wir bereits, wie alles zusammenhing; damals aber wußten wir noch nichts, und es ist nur natürlich, daß manche Dinge uns sonderbar erschienen.« Dostojewski, Die Dämonen

Oder wie ich einmal in der Kneipe Raumfahrer in Berlin gelandet war. Am Tresen saßen Ronny und Ulf aus Sachsen. Ich setzte mich dazu und wir kommen ins Gespräch. Wir redeten über Utopie und Visionen, das Gespräch war völlig abstrus. Aber für uns drei machte es Sinn weil ich bin schon gut betankt war und Ronny und Ulf abwechselnd auf Toilette gingen. Es war klar, was hier passierte. Beide waren Kameramänner und einigermaßen erfolgreich im Geschäft.

Nach einer Weile ging ich zusammen mit Ronny auf Toilette. Mit einem Sachsen zu koksen fand ich spektakulär. Sonst hört man aus dem Bundesland immer nur dumpfe Nazi-Töne, von der NPD im Landtag und sich ausbreitenden Freie Kameradschaften. Zwei koksende Sachsen war in meiner kleinbürgerlichen Welt ein so schiefes Bild, ich war ihnen sofort erlegen. Er legte zwei Lines und ich zog unverblümt beide hintereinander weg. Er schaute komisch und sagte ganz ruhig: Nu, die eene wor eischendlisch for misch gedocht. Ich bot ihm ein bisschen Gras als Wiedergutmachung an. Er akzeptierte. Wir gingen wieder zu Ulf.

Wir laberten noch eine Weile, auf einmal wollte Ronny meine Telefonnummer, ich gab sie ihm, er dampfte kurze Zeit später ab und ließ mich mit Ulf allein. Mit Ulf war nicht mehr viel los. Nach kurzer Zeit bekam ich eine SMS von Ronny: “Lieber Richard, das Gespräch mit dir über Freiheit und Visionen hat mir gut gefallen. Wie wäre es, wenn wir zwei gemeinsam unsere eigene Vision verwirklichen? Nur du und ich? Du hast ja meine Nummer.”

Nach zwei Minuten kam die nächste SMS: “Und kein Wort zu Ulf!!!”. Aber Ulf schlief schon auf dem Tresen. Ich schnappte mir ein Fahrrad und fuhr weiter in die Berliner Nacht.


© Rüdiger Friedhelm


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Ausschitt aus einer Partynacht

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