Wenn die Verzweiflung siegt.
Wenn du voller Hass in den Tag hinein lebst.
Wenn du am liebsten von der nächsten Klippe stürzen möchtest.
Dann sagen deine Mitmenschen meist nur eines.
Dass dich viele Leute vermissen würden.
Dass sie nicht ohne dich leben könnten.
Alles Lügen.
Eiskalt ins Gesicht.
Sie haben keine Hemmungen davor.
Es gibt keine Hoffnung mehr.
So wie dein Leben jetzt ist,
wird es immer sein.
Es sei denn du kannst dich losreißen.
Weg von den Menschen,
Die dir nur wehtun.
Immer und immer wieder.
Die dich ihren Hass spüren lassen.
Tag für Tag.
Und alles nur, weil du geboren wurdest.
Weil du so bist, wie du bist.
Anders, als sie es alle wollten.
Ein chaotisches Mädchen.
Tollpatschig.
Frech.
Stur.
Das sich von niemandem etwas sagen lässt.
Ihre eigenen Vorstellungen vom Leben hat.
Dabei könnte alles so schön sein.
Du müsstest dich verbiegen.
Ein normales Mädchen sein.
Brav.
Das immer auf seine Eltern hört.
Still sitzt.
Und den Mund hält.
Ist das das Leben, das du leben möchtest?
Willst du so enden?
Dann verstell dich.
Werde glücklich.
Lebe ein falsches Leben.
Doch deine Vergangenheit wird dich trotz allem immer wieder einholen.
Du wirst irgendwann wieder weinend am Boden sitzen.
Wegen Erinnerungen.
Die dich am Ende kaputt machen werden.
Du bekommst die Bilder nicht aus deinem Kopf.
Sie sind darin gefangen.
Du siehst es vor dir.
Als würde alles gerade im Moment passieren.
Wie er dich schlägt.
Immer und immer wieder.
Dich am Hals packt.
Fast umbringt.
Dich am liebsten wegwerfen würde.
Wie du weinend in deinem Zimmer sitzt.
Weinend, weil dir niemand helfen kann.
Deine Mutter steht nur da.
Sagt nichts.
Hilft dir nicht.
Du siehst sie an.
Flehend und bittend.
Sie dreht sich um.
Dein Herz sticht wieder.
Obwohl es nur schwache Erinnerungen sind.
Doch sie holen dich ein.
Du siehst genau vor dir,
wie du aus Verzweiflung angefangen hast dich zu ritzen.
Tiefe Wunden.
Du betrachtest deine Arme.
Ja.
Man sieht die Narben noch.
Sie werden ein Zeichen dafür sein,
was du durchlitten hast.
Niemand wollte dir helfen.
Keiner hat dir geglaubt.
Du warst alleine.
Hast dich in deinem Zimmer verkrochen.
Willst du dieses Spiel weiter spielen?
Bis du irgendwann stirbst?
Wenn du alt bist?
Doch ich sage dir eins.
Du wirst nicht alt werden.
Verbieg dich niemals.
Leb dein Leben so,
wie du es für richtig hältst.
Bleib so wie du bist.
Auch wenn sie dich dafür hassen werden.
Aber so bist du wenigstens ehrlich zu dir selbst.
Doch wenn du es nicht versuchst.
Und vorher aufgibst.
Siegt am Ende die Verzweiflung.
Und sie wird dich begleiten.
Bis in den Tod.


© Delilah


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Kommentare zu "Wenn die Verzweiflung siegt"

Re: Wenn die Verzweiflung siegt

Autor: noé   Datum: 24.10.2014 2:27 Uhr

Kommentar: Das ist ein sehr beeindruckender Text. Und vieles davon ist mir nicht unbekannt. Dennoch hatte ich das innere Glück, dass mir der Tod nie so nah war, wie er aus Deinem Text herausscheint. ("Dennoch-Mensch")
Aber Dir traue ich ebenfalls eine solche innere Kraft zu.
Sonst wärest Du nicht fähig gewesen, solche Zeilen wie oben zu schreiben.
Die, die diese Kraft nicht haben, schreiben nicht.
noé

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