Verlockung in der Dunkelheit
In einer regennassen Gasse trifft Helmut auf eine geheimnisvolle Frau, die seine verborgenen Wünsche zu kennen scheint. Als eine Polizeisirene die Stimmung unterbricht, wird die Spannung unerträglich. Wer ist diese Frau, und was will sie von ihm?
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Die Nacht ist nass. Nicht der sanfte Regen, der die Stadt in einen glänzenden Schleier hüllt, sondern das schmutzige Nass, das sich in den Ritzen der Kopfsteinpflaster festfrisst und bei jedem Schritt hochspritzt. Helmut atmet durch den leicht geöffneten Mund, sieht, wie sein Atem in kleinen, flüchtigen Wolken vor seinem Gesicht hängt, als würde er Rauch ausstoßen, ohne je eine Zigarette angerührt zu haben. Die Gasse ist eng, die Wände links und rechts von ihm scheinen sich zu neigen, als wollten sie ihn verschlucken. Irgendwo tropft Wasser von einem rostigen Abflussrohr, ein langsames, unregelmäßiges plink-plonk, das sich mit dem Knistern unter seiner Jeans vermischt.
Seine Hände sind tief in den Taschen seiner abgewetzten Lederjacke vergraben, die Schultern hochgezogen, als könnte er sich so vor der Kälte schützen – oder vor Blicken. Die Jeans sitzt locker, absichtlich, damit der dicke, weiche Stoff der Windel darunter nicht zu übersehen ist. Er spürt, wie der Bund an seinen Oberschenkeln reibt, wenn er geht, ein ständiges, intimes Erinnerungsstück an das, was er ist. Was er will. Sein Schwanz zuckt leicht bei dem Gedanken, drückt sich gegen den saugfähigen Stoff, der ihn schon den ganzen Abend umhüllt, warm und einladend wie ein zweites Ich. Scheiße, warum bin ich hier? Der Gedanke blitzt auf, wird aber sofort von einem anderen verdrängt: Weil du es brauchst.
Plötzlich – ein Geräusch. Kein Tropfen, kein feres Auto, kein Windstoß. Eine Stimme.
„Verirrt, Kleiner?“ Sie kommt aus der Seitengasse zu seiner Rechten, rauchig und tief, mit einem Unterton, der zwischen Spott und etwas Gefährlicherem schwankt. „Oder suchst du was Bestimmtes?“
Helmuts Körper reagiert, bevor sein Verstand es kann. Er erstarrt, die Muskeln spannen sich an, als hätte ihn ein Stromschlag getroffen. Seine Finger krallen sich in den Stoff seiner Jackentaschen, die Nägel graben sich in die Handflächen. Atme. Nicht umdrehen. Noch nicht. Die Stimme ist näher jetzt, begleitet vom langsamen, präzisen Klack-klack-klack von Absätzen auf nassem Stein. Jeder Schritt ein Versprechen. Eine Drohung. Eine Einladung.
„Oder bist du vielleicht genau da, wo du hinwolltest?“ Diesmal hört er das leise Zischen, als sie an ihrer Zigarette zieht, sieht den glimmenden Punkt im Dunkel aufleuchten wie ein einziges, waches Auge. Der Rauch kriecht zwischen den Backsteinmauern hervor, mischt sich mit dem Nebel, der über dem Pflaster hängt.
Helmut kann nicht länger widerstehen. Langsam, als fürchte er, den Moment zu brechen, dreht er den Kopf. Nicht den ganzen Körper – nur den Hals, die Schultern bleiben angespannt, die Hüften leicht nach vorne geschoben, als wolle er sich ihr entgegenlehnen, ohne es zuzugeben. Sein Herz hämmert so laut, dass er sicher ist, sie muss es hören. Sie weiß es. Sie hat es schon die ganze Zeit gewusst.
Dann tritt sie ins Licht.
Die Laterne über ihnen flackert, wirft ein grelles, gelbes Rechteck auf das Pflaster, und für einen Augenblick ist sie nur eine Silhouette – lange Beine, die in hochhackigen Stiefeln stecken, die ihre Waden umschließen wie eine zweite Haut. Das Kleid ist eng, glänzend, schimmert in einem dunklen Rot, das fast schwarz wirkt, bis sie sich bewegt und das Licht darüber gleitet wie über frisch vergossenes Blut. Ihr Haar ist dunkel, zu einem lockeren Knoten gebunden, aus dem sich einzelne Strähnen lösen und ihr über die Schultern fallen. Aber es sind ihre Lippen, die ihn gefangen halten – voll, leicht geöffnet, als hätte sie gerade einen Bissen von etwas Verbotenem genommen und würde jetzt überlegen, ob sie ihm davon anbietet.
Ihr Blick wandert an ihm herab. Nicht hastig, nicht schamhaft. Nein, sie nimmt sich Zeit. Die Jacke. Die schmale Taille. Die Jeans, die so lässig hängt, dass man den dicken, weißen Bund darunter nicht übersehen kann. Helmut spürt, wie sein Gesicht heiß wird, wie sich sein Schwanz in der Windel aufrichtet, als wolle er sich ihr entgegenstrecken. Sie starrt dich an. Sie starrt deine Windel an. Der Gedanke lässt ihn erschaudern, ein Zittern, das sich von seinem Rückenmark ausbreitet und in seinen Fingerspitzen endet.
Die Frau lässt die Zigarette fallen. Sie zerdrückt sie mit einer einzigen, präzisen Bewegung ihres Absatzes, dreht den Fuß leicht, als wolle sie sicherstellen, dass auch die letzte Glut erstickt. Dann hebt sie die Hand. Nicht, um ihn zu berühren – noch nicht. Ihre Finger sind lang, die Nägel lackiert in einem tiefen Bordeaux, das zu ihrem Kleid passt. Sie hält die Hand zwischen ihnen, die Handfläche nach oben, als warte sie darauf, dass er etwas hineinlegt. Oder dass er sie nimmt.
„Du zitterst“, sagt sie, und ihre Stimme ist jetzt näher, ein Flüstern, das sich um seine Wirbelsäule windet. „Aber nicht vor Kälte, oder?“
Helmut öffnet den Mund. Kein Ton kommt heraus. Seine Zunge fühlt sich an, als wäre sie zu groß für seinen Gaumen, schwer und ungeschickt. Er will etwas sagen – etwas Kluges, etwas Cooles, etwas, das sie nicht sofort als das entlarvt, was er ist: ein verdammter, geiler kleinen Junge, der sich nichts sehnlicher wünscht, als dass sie ihn an der Hand nimmt und ihm sagt, was er tun soll – aber stattdessen presst er nur die Lippen zusammen und schüttelt leicht den Kopf. Ein kaum merkliches Nein. Oder ein Ja. Er weiß es selbst nicht.
Dann – ein schrilles Heulen.
Das Polizeisiren kommt aus dem Nichts, reißt durch die Stille der Gasse wie ein Messer durch Seide. Die Frau zuckt zusammen, nur ein kleines, fast unmerkliches Anspannen der Schultern, aber Helmut sieht es. Ihr Lächeln, das bisher zwischen Neugier und Herausforderung geschwebt hat, wird für einen Sekundenbruchteil kalt. Berechnend. Als würde sie blitzschnell Optionen durchspielen, Wege, Ausgänge, Möglichkeiten.
„Scheiße“, murmelt sie, doch ihr Blick lässt ihn nicht los. Er bohrt sich in ihn hinein, als wolle sie ihn durchleuchten, als könnte sie in seinem Inneren lesen, was er will, bevor er es selbst weiß.
Helmut spürt, wie sich etwas in ihm regt – nicht nur sein Schwanz, der jetzt hart gegen den Stoff der Windel drückt, sondern etwas Tieferes, Heißeres. Die Sirene kommt näher, das Blaulicht wirft bereits flackernde Schatten an die Wand der gegenüberliegenden Gasse. Er könnte weglaufen. Er sollte weglaufen. Aber stattdessen bleibt er stehen, die Füße wie angewurzelt, während sein Atem schneller geht, flacher.
Die Frau beugt sich vor. Nur ein wenig. Genug, dass er den Duft ihres Parfüms riecht – etwas Dunkles, Würziges, das sich mit dem Geruch von nassem Stein und Zigarettenrauch vermischt. „Was jetzt, Kleiner?“, flüstert sie, und ihre Stimme ist so nah, dass er spürt, wie ihr Atem über seine Wange streicht. „Laufst du? Oder…“ Ihre Augen gleiten wieder nach unten, bleiben an dem weißen Bund hängen, der über seiner Jeans quillt. „…lässt du dich fangen?“
Hinter ihnen knallt eine Tür. Irgendwo lacht jemand, betrunken und zu laut. Die Sirene heult immer noch, aber sie ist nicht mehr näher gekommen. Vielleicht ist sie sogar schon weitergezogen. Helmut weiß es nicht. Er weiß nur, dass die Frau jetzt so nah ist, dass er die Hitze ihres Körpers spüren kann, dass ihre Hand immer noch zwischen ihnen schwebt, offen, fordernd.
Sein Mund ist trocken. Seine Windel ist feucht – nicht nur vom Schweiß, nicht nur von der Erregung, sondern weil er weiß, dass er gleich kommen wird, wenn sie ihn nur noch ein bisschen länger so ansieht. Wenn sie ihn berührt. Wenn sie–
„Entscheid dich“, sagt sie, und diesmal ist es kein Flüstern mehr. Es ist ein Befehl.
Helmuts Finger zucken. Er spürt, wie sich sein Körper nach vorne neigt, als würde er von unsichtbaren Fäden gezogen. Die Gasse ist leer. Die Nacht ist ihr Zeuge. Die Sirene ist nur noch ein fernes Echo.
Er öffnet den Mund.
Doch was auch immer er sagen will – es wird nie ausgesprochen. Denn in diesem Moment, in diesem einen, zitternden Augenblick zwischen Flucht und Hingabe, passiert etwas Seltsames.
Die Laterne über ihnen erloscht.
Nicht flackernd. Nicht langsam. Sondern mit einem leisen, elektrischen Zischen, als würde jemand einen Schalter umlegen. Die Gasse stürzt in Dunkelheit, und für einen Herzschlag ist da nur Stille – und dann ein Lachen. Tief. Weiblich. Unmöglich nah.
„Gute Wahl“, haucht die Stimme direkt an seinem Ohr.
Und dann spürt Helmut, wie sich eine Hand um sein Handgelenk schließt. Nicht grob. Nicht sanft. Besitzergreifend. Seine Haut brennt unter ihren Fingern, als würde sie ihn markieren, und als er den Kopf dreht, sieht er nur noch zwei Dinge im Dunkeln: das schwache Glühen ihrer Augen – rot, wie die Glut einer Zigarette – und den Umriss einer Tür, die sich gerade öffnet, wo vorher keine war.
Die Sirene ist verschwunden.
Die Gasse ist verschwunden.
Und Helmut? Der atmet jetzt schneller, weil er spürt, wie die Windel unter seiner Jeans noch feuchter wird – nicht aus Angst, sondern weil er weiß, dass er gleich genau das bekommen wird, wonach er sich die ganze Zeit gesehnt hat.
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