11. Bennys Geburtstag
Benny und Jana haben zu ihrer Party anlässlich ihrer 18. Geburtstage geladen.
Alle Verwandte und viele Freunde sind auf dem Weg zur Gaststätte „Am Stadtpark“. Die Gaststätte ist bei Jung und Alt beliebt, kann man sich hier doch im Biergarten mit Freunden treffen, im Saal der Gaststätte beim Tanz vergnügen oder junge Bands erleben. Heute haben die beiden Geburtstagskinder die Gaststätte als geschlossene Gesellschaft gemietet. Fein herausgeputzt stehen sie am Eingang, um ihre Gäste zu empfangen.
Alle Gäste werden auf bestimmte Plätze geleitet, so sitzen Maria und André auf der einen Seite der Tafel neben ihnen und ihre beiden „Eltern“ auf der anderen. Nachdem alle Gäste ihre Plätze eingenommen haben klopft Jana vorsichtig an ihr Sektglas und sofort hat sie die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Freunde und Familienmitglieder.
„Liebe Eltern, liebe Freunde. Wir freuen uns, dass ihr alle unserer Einladung gefolgt seid und begrüßen Euch recht herzlich.
Heute vor achtzehn Jahren habe ich und eine kurze Zeit vorher Benny das Licht der Welt erblickt. Lasst uns auf unser aller Wohl anstoßen und viele schöne gemeinsame Stunden bei bester Stimmung erleben.“
Nach diesem Toast wird das Büfett vom Gastwirt eröffnet und bei gediegener Musik aus der Konserve stürzen die hungrigen Gäste ans Büfett. Auch Jana und Benny sind unter den ersten, die sich anstellen. So können sie gleich noch ein paar Worte mit ihren Freunden wechseln. Wenige Zeit später wird es leiser im Saal. Jana, Benny und ihre Gäste genießen die vielfältigen Speisen des reichlich gedeckten Büfetts. Die Kellner sorgen ständig für gewünschte Getränke und schon bald kann man eine gute Stimmung unter den Gastgebern und Gästen spüren.
Nachdem die Reste des Mahls von den Tischen geräumt wurden, fanden die eigentlichen Gratulationen statt. Jana und Benny hatten sich, wenn überhaupt, nur kleine Geschenke, die mit viel persönlichem Engagement hergestellt werden sollten und nicht mehr als Zehn Euro kosten durften. So erhielt Jana u.a. ein mit viel Liebe hergestelltes Blumenherz und Benny durfte sich über einen eigens auf ihn abgestimmten Kalender (seine Termintreue hatte wohl noch einige Reserven) erfreuen.
„Liebe Eltern und liebe Freunde“, begann dann Benny seine kurze Dankesrede, „wir freuen uns sehr über euren Ideenreichtum bei den Geschenken und vor allem, dass ihr heute alle hier bei uns seid. Nun wollen wir uns an einigen Gesellschaftsspielen erfreuen und besonders viel Tanzen. Ein besonderer Dank geht an unsere Band, die sich kostenfrei bereit erklärt hat, uns so richtig einzuheizen. Und uns allen wünschen wir einen schönen Abend.“
Nach einem lauten Applaus übernahm die junge Band das Geschehen und schnell fanden sich die ersten Gäste auf dem Tanzboden ein. Natürlichen waren Jana und Benny bei diesem ersten Tanz mit dabei.
Nachdem sich die Gäste genügend beim Tanz aus getobt hatten rief Benny zum ersten Gesellschaftsspiel auf. Es war ein Spaßquiz, bei dem die vorher bestimmten Kandidaten nicht die geringste Chance hatten, die richtige Antwort zu sagen. Die Gäste schütteten sich aus vor Lachen und auch die Kandidaten hatten ihren Spaß daran. Als Preise für die Teilnahme durften die vier Kandidaten sich einen Partner aussuchen und die nächste Tanzrunde eröffnen.
Die Stimmung im Saal nahm die gewünschte Fahrt auf.
Nach einigen Tanzrunden und einem weiteren lustigen Gesellschaftsspiel kam es zu einem kleinen Zwischenfall am Eingang.
Drei junge Männer bestanden darauf, eingelassen zu werden, trotzdem der Wirt vor der Tür ein großes Schild mit dem Vermerk darauf, dass hier eine geschlossene Gesellschaft stattfindet, platziert hatte. Der Wirt und die beiden männlichen Elternteile versuchten beruhigend auf die jugendlichen Burschen einzuwirken und baten um Verständnis für die geschlossene Gesellschaft. Nach einigen Minuten des Dialogs drehten die leicht angetrunken wirkenden Störenfriede murrend ab. Der Wirt und die Gäste gingen wieder zur Tagesordnung über und die Party ging unbemerkt dieses Zwischenfalls munter weiter.
„Bringst du mich nach Hause?“, bat Maria ihren André.
„Mir geht es nicht so gut und ich möchte die gute Stimmung nicht verderben. Du kannst ja dann gern wieder weiter feiern.“
„Was ist mit dir? Bist du krank? Soll ich einen Krankenwagen rufen?“
André war völlig überrascht, hatte er doch nicht bemerkt, dass Maria neben ihm immer ruhiger wurde.
„Nein, keinen Krankenwagen, nur ein Taxi, dass ich nach Hause komme.“
André holte ihre Jacken und sie kleideten sich an. Er hatte ein Taxi gerufen und die hatten ihm auch zugesagt, dass es gleich vor der Tür stehen würden. Während Maria schon an die frische Luft ging, wollte André den Gastgebern noch schnell Bescheid geben.
Sekunden später waren von draußen plötzlich laute Motorengeräusche zu hören. Bremsen quietschten und ein dunkelblauer Wagen schleuderte auf Maria zu und sie konnte sich nur noch durch einen Sprung in die Blumenrabatte in Sicherheit bringen. Der Unfallverursacher gab Gas und fuhr davon.
André und einige Gäste, die vom Lärm aufgeschreckt waren, liefen auf die Straße und sahen Maria in den Blumen liegen.
Eine junge Frau rief erschrocken:
„Schnell, jemand muss den Notdienst rufen.“ Inzwischen kam Maria wieder zu sich und während der herbei geeilte André ihre Hand nahm, flüsterte sie leise: „Was ist denn passiert? Wo kam denn das Auto so schnell her?“ André streichelte sie sanft und fragte beruhigend: „Fehlt Dir etwas? Bist Du verletzt?“
„Ich habe mich nur erschrocken und bin in die Blumen gesprungen.
Es geht mir gut“, antwortet Maria noch, bevor der Notarztwagen hält und der Notarzt sich zu Maria hinab beugt. Mit gewohnten Handlungen klärt er Marias Zustand und legt sie dann gemeinsam mit dem Rettungssanitäter auf die Trage. Nach dem Anlegen eines Zugangs wird sie in den Rettungswagen geschoben. André steigt mit ein und mit Blaulicht und Sirene machen sie sich auf dem Weg zum Krankenhaus. Während dieser Fahrt macht sich André Vorwürfe, dass er nicht ständig bei Maria gewesen war.
Zur gleichen Zeit versucht die eingetroffene Polizei die Situation zu klären und eventuelle Zeugen für den Vorfall zu finden. Die Gäste und die Belegschaft der Gaststätte werden als Zeugen befragt und schon bald haben die Ermittler die ersten Anhaltspunkte, wo sie die Flüchtigen suchen müssten. Der verantwortliche Beamte gibt nach der Aussage des Gastwirtes eine Suchmeldung nach den 3 Personen, die am frühen Abend die Gesellschaft zu stören versuchten, heraus.
Im Krankenhaus angekommen wird Maria schnell in die Notaufnahme gebracht und verschwindet auch recht bald hinter einer Tür , die auch für André verschlossen bleibt. Total beunruhigt und mit vielen Selbstvorwürfen bleibt er im Warteraum zurück.
Nach einer gefühlten Unendlichkeit öffnet sich die Tür zum Behandlungsraum. Der behandelnde Arzt kommt auf ihn zu.
„Wie geht es ihr? Darf ich zu ihr?“, waren seine ersten Fragen an den Mediziner.
„Keine Sorge, ihrer Freundin geht es recht gut und die Schwester wird Sie auch gleich zu Ihr hineinbitten. Alles wird gut.“, versucht der Arzt Andrés Sorgen zu besänftigen und hat dabei ein leichtes Lächeln auf den Lippen.
Kurze Zeit später erscheint die Schwester und bittet André hinein: „Aber nicht zu lange. Ihre Freundin braucht jetzt erst einmal viel Ruhe.“
Dann verschwindet sie hinter der Tür. André geht langsam auf das Bett zu. Maria lächelt ihn an und reicht ihm bittend ihre Hand.
„Schön, dass Du da bist. Außer einem gehörigen Schreck, den ich erhalten habe, geht es mir gut. Die Untersuchung hat aber auch etwas Neues ergeben.“
Nun macht sie eine kleine Pause. André schaut Maria fragend an.
„Wir werden Eltern. Die Ärzte sagen, dass es dem kleinen Wurm gut geht.“ Nun ist der zukünftige Vater doch überrascht.
Er nimmt den Kopf seiner Maria in die Hände und mit Tränen in den Augen flüstert er ihr zu: „Ich liebe Dich.“
Währenddessen ist es im Wirtshaus ruhig geworden. Die Ereignisse auf dem Vorplatz haben alle erschüttert. Nachdem die Polizei die Befragung beendet hat sitzen alle an den Tischen und debattieren die Vorgänge. Benny hat mit Jana und den Eltern besprochen, dass es wohl besser wäre, die Party zu beenden, die Gäste für ihr Erscheinen zu danken und um Verständnis zu bitten.
Da klingelt bei Jana das Telefon. Aufmerksam lauscht sie dem Gesprächspartner. Fragend sieht Benny sie an. Dann geht sie auf ihn zu und tuschelt ihm etwas ins Ohr. Gemeinsam gehen sie zur Bühne und bitten die Band um ein Mikrofon. Gespannt verfolgen die Gäste das Geschehen. Dann übernimmt Jana das Wort:
„Liebe Freunde, wir haben soeben einen Anruf von André aus der Klinik erhalten. Maria geht es gut und sie wird über Nacht noch zur Überwachung dort bleiben müssen. André wird in Kürze wieder hier sein.“ Von allen erhält sie nun verwunderte Blicke.
„Maria lässt schöne Grüße ausrichten. Sie ist schwanger, dem Kind geht es gut und...“
Weiter kommt sie bei ihrer Ansage nicht. Die Gäste klatschen und johlen ihr zu. Zur Band richtet sie noch schnell ein paar Worte und dann ertönen auch schon die ersten Takte von „All you need is love“.
Eine halbe Stunde später findet sich auch André wieder bei der Party ein. Er hat viele Fragen zu beantworten und dabei geht ihm immer wieder ein zufriedenes Lächeln über das Gesicht. So feierten die Gäste bis weit nach Mitternacht den Doppelgeburtstag und den kleinen zukünftigen Schwaben.
Die turbulente Party blieb bei allen Gästen noch sehr gut in Erinnerung. Maria war am nächsten Tag wieder zu Hause und am Nachmittag saßen die vier jungen Leute zusammen und werteten die Geschehnisse des Vortags in Ruhe aus. Alle waren froh, dass nichts Schlimmeres passiert war und besonders Maria und André freuten sich auf die Ereignisse im nächsten Frühsommer.
Bis dahin war aber noch einiges zu erledigen. Die Schulzeit mit den Klausur- und Prüfungsvorbereitungen ging weiter und auch Maria konnte die Prüfungen bis zum Schluss besuchen. Das Leben der Vier war wie bei allen anderen Abiturienten vom Lernen geprägt und nach jeder Klausur oder Prüfung war die Wartezeit bis zur Ergebnisbekanntgabe schier unerträglich. Dann aber war es endlich so weit. Die Prüfungen waren abgeschlossen.
Die Ergebnisse waren einigermaßen zufriedenstellend und so blieb den Abiturienten als Abschluss der Schulzeit nur noch die mehr oder weniger geteilte Freude auf die Übergabe der Zeugnisse und die eigentliche Feier auf dem Abschlussball. Vom diesjährigen Jahrgang hatte nur ein Schüler der Parallelklasse das Abitur knapp verfehlt.
Nachdem alle mit Stolz das Abschlusszeugnis in den Händen hielten, durften sie sich am Büfett stärken, bevor es in eine lange Ballnacht ging.
Maria und André waren nur kurz zur Übergabe gekommen und hatten sich dann auch gleich wieder verabschiedet. Maria war hochschwanger und die Geburt des Kleinen stand unmittelbar bevor. Noch vor dem Abschlussball hatten die Vier die Planungen für die Zeit nach dem Abitur beendet. Maria, ja mittlerweile mit einem stattlichen Bauch ausgestattet, hatte ihr Zimmer bei ihren Eltern in ein junge Mutter-Kind-Zimmer umgestaltet. Ihre geplante Lehrzeit wurde um ein Jahr verschoben und André freute sich auf die vor ihm stehende Lehre nach den Sommerferien in der Nähe von Marias Zuhause. Kurz nach dem Abschlussball war es dann auch bei Maria endlich so weit.
Der kleine „Paul“ kam zur Welt und das junge Familienglück war perfekt.
Benny war erfolgreich bei der Studienplatzsuche zum Arzt und sein ehrgeiziges Lernen hatte auch dazu geführt, dass er das angestrebte Stipendium erhielt. Jana konnte, in einer, der Universität angegliederten Bildungseinrichtung, ihr Examen zur Krankenschwester planen. Nur bezüglich einer gemeinsamen Wohnung waren sie noch nicht weiter gekommen. Alle Wohnungsangebote waren schon vergeben, bevor sie auch nur einen Besichtigungstermin hatten.
Sie hatten sich schon fast damit abgefunden, dass sie die Ausbildung bzw. das Studium bei ihren Eltern wohnend beginnen würden, als bei Bennys Eltern das Telefon klingelte. Matthias nahm das Gespräch entgegen und reichte den Hörer auch gleich an Benny weiter: „Für Dich.“
„Kastner“, meldete er sich neugierig.
„Guten Tag, Herr Kastner“, meldete sich eine ihm unbekannte Stimme, „mein Name ist Trautmann, ich bin der Vater von Kai, den Sie vielleicht noch von Ihrem Laufunfall her kennen könnten.“
Jetzt dämmerte es Benny. Schließlich war er ja monatelang mit dem operierten Bein lahmgelegt gewesen:
„Aber ja Herr Trautmann, was kann ich denn für Sie tun?“
„Sie nichts, aber vielleicht kann ich ja etwas für Sie tun?“ Benny war für kurze Zeit sprachlos, als sein Gesprächspartner auch schon weiter fortfuhr: „Meine Frau und ich hatten unserem Sohn eine Wohnung in der Nähe der Uni besorgt, aber er benötigt sie nun leider nicht mehr.“
„Wieso denn nicht?“
„Er hat die Zusage für eine Uni in London erhalten und ist zurzeit in Spanien im Urlaub. Am Telefon erzählte er uns, dass er von Schulfreunden wusste, dass Sie noch auf der Suche sind. Falls Sie Interesse haben, können wir uns die Wohnung ja gern mal ansehen.“
„Aber ja, wann können wir uns treffen?“ Benny war voll durch den Wind und seine Eltern verstanden gar nichts mehr, als sie ihn so agierend am Telefon sahen.
„Wie wäre es denn am Samstagnachmittag, vorher habe ich leider keine Zeit?“
„Aber ja, wo treffen wir uns dann?“ Benny war völlig aus dem Häuschen. Schnell notierte er sich die Adresse, verabschiedete sich von Herrn Trautmann und wendete sich seinen Eltern zu.
Mit strahlenden Augen erzählte er ihnen die Neuigkeiten und brach dann auch schon kurz ab: „Ich muss schnell Jana anrufen.“

12. Im Gericht
Vor dem Gerichtssaal 09 im Amtsgericht von Pforzheim hatten sich viele Neugierige eingefunden. Maria, André, Matthias, Torsten und der Wirt der Gastwirtschaft „Am Stadtpark“ wurden neben einigen weiteren Schülern der Abiturklasse als Zeugen geladen.
Für 14:00 Uhr war der Beginn der Verhandlung anberaumt worden. Den Vorsitz hatte der Richter Hermann des Amtsgerichts Pforzheim.
Die Staatsanwaltschaft hatte mehrere Monate ermittelt und während dieser Zeit wurde die Anklage noch erweitert.
Endlich öffnete sich der Gerichtssaal und die Besucher drängten sich hinein. Zum Beginn der Verhandlung wurden die Zeugen belehrt und nahmen dann bis zu ihrem Aufruf wieder draußen Platz.
Dann wurden die drei Angeklagten durch eine kleine Seitentür in den Saal geführt. Mit gesenkten Köpfen steuerten sie ihre Plätze neben ihren Anwälten an. Beim Sitzen hielten sie ihre Blicke auf den Boden gesenkt.
Das Gericht stellte die Personalien der beteiligten Parteien fest und der Staatsanwalt verlas die Anklage. Im Rahmen der darauf folgenden Beweisaufnahme wurden die Zeugen einzeln aufgefordert, die Geschehnisse des bewussten Abends zu schildern und Fragen des Staatsanwalts zu beantworten. So auch die Gruppe um Maria, André, Jana, Benny und dem Wirt. Hierbei ergab es keine neuen Erkenntnisse.
Interessante Neuigkeiten kamen erst bei der Vernehmung der Angeklagten zutage.
Überraschend war die Erklärung des jungen Mannes, der sich beim abendlichen Tumult vor der Gaststättentür am lautesten aufgeführt hatte. Er bedaure, dass er in angetrunkenem Zustand vor dem Lokal mit dem Pkw gefahren sei. So wollte er nur den Wirt erschrecken und habe die junge Frau leider sehr spät wahrgenommen. Um sie nicht umzufahren, riss er das Steuer herum und fuhr dann erschrocken weiter.
Die Frage, warum er nicht angehalten hat und nach der Frau sah, die ja infolge des Unfalls am Boden lag, konnte er nicht beantworten.
Auf die nächste Frage des Staatsanwalts, warum sie denn unbedingt ins Lokal wollten, wo doch eindeutig darauf hingewiesen wurde, dass es eine geschlossene Veranstaltung sei, meinte er nur: „ Wir wollten doch nur kurz zum Wirt.“
Der Staatsanwalt fragte jetzt energischer nach.
„Hätte das nicht Zeit bis zum nächsten Tag gehabt?“
„Wir waren doch mit ihm verabredet.“
„Verabredet wofür?“
Der Wirt, der mittlerweile, wie viele andere Zeugen auch, auf den Besucherplätzen Platz genommen hatte, wurde blass im Gesicht. Mit dieser Aussage hatte er wohl nicht gerechnet, denn mit den Angeklagten hatte er gegen ein kleines Handgeld abgesprochen, dass sie nichts sagen würden.
„Er wollte uns, wie jeden Samstag die vereinbarte Menge an Gras übergeben.“
Da war die Bombe explodiert. Der Wirt versuchte kurz entschlossen, den Verhandlungssaal zu verlassen, aber er wurde von aufmerksamen Polizeibeamten sofort daran gehindert. Im Saal wurde nun laut getuschelt und der Richter musste alle zur Ruhe rufen.
Der nun vom Richter angesprochene Wirt bestätigte dem Gericht, dass die Aussage des Angeklagten der Wahrheit entspricht. Darauf hin wurde er festgenommen und mit dem Verweis auf eine eigene Verhandlung aus dem Saal geführt.
Da sich in diesem Fall eine große Wendung ereignete, wurde auch nicht sofort das Urteil für die drei Übeltäter gesprochen, sondern ein Termin für die Verkündung des Urteils benannt.
Die Zeugen und Besucher verließen stark diskutierend den Gerichtssaal. Auf dem Weg nach Hause hatten die vier Freunde noch lange über die überraschende Wende zu sprechen.
Maria stellte zufrieden fest: „Gut, dass sie das Gras nicht vorher schon hatten.“
Die Runde lachte und André bedauerte nur noch die vielen Gäste, die für die nächste Zeit dort ja vor verschlossenen Türen stünden.

13. Die eigene Wohnung
Der Flur und alle freien Ecken in Schröders Wohnung sind mit Umzugskartons und demontierten Möbeln voll gestellt. Einige Freunde der Beiden sind schon da, aber die Umzugsspedition mit dem Transporter fehlt noch.
Langsam wird Benny nervös. Hatte er nun 7 oder 8 Uhr verabredet?
Jana versucht ihn zu beruhigen: „Du hast doch 8:00 Uhr verabredet. Also bleib ruhig. Sicher werden sie gleich da sein. Der Parkplatz vor dem Haus ist gesichert und es wird schon alles gut gehen.“
Nachdem sie vor Wochen die Wohnung besichtigt und sofort zugesagt hatten, bereiteten sie sich gut auf den heutigen Tag vor, kauften verschiedene Möbel neu und ließen sie gleich in der neuen Wohnung anliefern. Das hatte alles gut geklappt. Warum sollte es heute anders sein?
Endlich klingelte es.
Jana blickte auf ihre Uhr und nickte Benny lächelnd zu: „7:50 Uhr. Na also, sagte ich doch. Sie werden schon kommen.“
Die Tür geht auf und André tritt herein: „Guten Morgen, wollen wir erst einen Tee trinken oder fangen wir an? Die Spediteure sind da und machen alles bereit, wir können ja schon die ersten Kisten runter tragen.“
Nun mussten doch alle lachen und machten sich an die Arbeit.
Mit Hilfe der vielen Freunde, die sich wie versprochen eingefunden hatten, waren die Sachen schnell zum Fahrzeug getragen. Nachdem alles verstaut war, ging es weiter zur Wohnung von Sandra und Torsten. Auch hier ging es relativ schnell, die gepackten Sachen zu verstauen. Dann noch das Fahrrad aus dem Keller geholt, auf dem Transporter seitlich angebunden und dann konnte es los gehen.
Die neue Wohnung war bereit zum Einzug. Eine kleine Küche hatte inzwischen die benötigten Möbel erhalten und ein gemeinsames Bett wurde durch die Schröders gesponsert. Zwei neue Schreibtische, die im großen Wohnzimmer an den Fenstern ihren Platz gefunden haben, erhielten sie von Sandra und Torsten. Den großen Kleiderschrank für das Schlafzimmer hatten sie im 2. Hand-Shop erstanden.
So war die Wohnung im Laufe der Zeit mit wichtigen Möbeln schon gefüllt worden. Heute kamen dann noch verschiedene Kleinmöbel, die komplette Kleidung, Schulsachen, viele Geschirrteile und Sachen, die man ganz selten benötigt, aber bei jedem Umzug mit schleppt, dazu. Nicht zu vergessen die beiden Notebooks mit Drucker und einem Router.
Benny und Jana waren als erste im 3. Obergeschoss. Einen Fahrstuhl gab es nicht und so lagen anstrengende Gänge vor den Helfern. Jana schloss die Wohnungstür auf, an der ein großes „Herzlich willkommen“- Schild einlud, die Wohnung zu betreten. Sie verschwand sofort in der Küche. Benny achtete darauf, dass die Kartons in den richtigen Räumen abgestellt wurden. Oft hatten sie diese Abläufe besprochen und immer wieder korrigiert. Nun schien alles reibungslos zu klappen.
Nur noch wenige Kartons waren die Treppe hinauf zu tragen. Benny wollte gerade die Wohnung verlassen, um den Mitarbeitern der Spedition mitzuteilen, dass sie doch bitte noch zu einem kleinen Essen nach oben kommen möchten, als er beim hinausstürmen auf André stieß.
Der in seinen Händen ruhende Drucker war darauf nicht vorbereitet und fiel mit lautem Getöse zu Boden. Viele kleine Kunststoffteile verteilten sich scheppernd auf das Treppenpodest.
Benny findet als erster die Fassung zurück: „Nicht so schlimm, es war nicht Deine Schuld. Wir wollten uns ja sowieso einen Neuen anschaffen.“
Dabei lächelte er verschmitzt und nickte André ermutigend zu.
„Wirklich?“, fragte dieser äußerst unsicher.
„Außerdem heißt es doch: Wenn bei einem Umzug nichts kaputtgeht, dann zieht man bald wieder um.“
Nun mussten beide doch lachen und Benny beeilte sich, die Spedition noch vor dem Abfahren zu erreichen. Währenddessen versuchte André die Reste des Druckers auf dem Flur zusammenzufegen.
Nach dem Essen, Jana hatte für die fleißigen Helfer Pizza bestellt, verabschiedeten sich die Freunde und die Spedition begleitet von einem Schwall an Danksagungen durch die neuen Mieter. Jana, Benny und André blieben vorerst allein zurück. Jana und Benny standen fest umschlungen vor dem Chaos in ihrem Wohnzimmer, blickten André an und sagten wie aus einem Mund:
„Und nun haben wir eine eigene Wohnung.“
Bevor das Räumen nun begann, öffnete Benny eine Flasche Sekt und goss drei Gläser ein. Sie wünschten sich eine schöne Zeit in der tollen Wohnung und prosteten sich mit André gegenseitig zu.
Nach einigen Stunden Räumens und Packens erschienen die Räume in einem neuen Flair. Nur noch in der Küche und im Bad waren freie Stellen in den Schränken bzw. Räumen. In diesen Fällen waren sie noch nicht mit den Planungen zu Ende gekommen bzw. die fehlenden Geräte noch nicht da. Zur Kaffeezeit klingelte es dann Sturm.
„Wir erwarten doch noch gar keinen Besuch“, scherzte Benny und sprang zur Tür.
„Wir sollen mal beide runterkommen.“, wiederholte er die Aufforderung in André s Richtung. Kopfschüttelnd begaben sich beide vors Haus.
Viele Minuten später hörte Jana schnaufende Töne aus dem Treppenhaus und dann öffnete sich auch schon die Wohnungstür. Völlig außer Atem standen Matthias, Torsten, André und Benny vor der Tür.
„Sieh mal, was wir mitgebracht haben“, schnaufte Benny zu Jana und wies mit einladendem Arm auf eine Waschmaschine. Nun waren auch Anne und Sandra vor der Tür. Sie hatten in beiden Händen Körbe mit tausend kleinen Dingen für die Küche und elektrische Kleingeräte.
„Das sind unsere Geschenke zum Einzug“, sagte Sandra und alle schauten in die feuchten Augen der neuen Mieter. Nach den Danksagungen machte Jana schnell Kaffee und Tee, genügend Tassen konnte sie ja jetzt anbieten. Kaum, dass er seinen Kaffee ausgetrunken hatte, erhob sich André mit den Worten: „Ich glaube, es ist Zeit für mich, zu gehen. Maria und Paul warten sicher schon.“
Jana erhob sich schnell und drückte André ganz kräftig, so dass dieser um Luft ringen musste, mit den Worten: „Vielen Dank für Deine große Hilfe und wenn Du uns das nächste Mal besuchen kommst, vergiss bitte nicht, Maria und Paul mitzubringen.“
„Aber ja, Maria möchte doch auch sehen, wie ihr wohnt.“ Dann verabschiedete er sich von den anderen. Benny begleitete seinen Freund noch zur Tür:
„Vielen Dank, wenn ich Dich nicht hätte.“
„Du kannst Dich ja revanchieren, wenn wir umziehen“, scherzte André noch und schon schloss sich die Tür. Mit den Gedanken, was er doch für einen tollen Freund hat, ging er langsam die wenigen Schritte zum Wohnzimmer zurück.
Nach der Kaffeepause halfen alle beim Einräumen der Schränke bzw. Anschließen der neuen Geräte.
Dann saßen sie im Wohnzimmer, wo in den Ecken immer noch verschiedene Kartons auf ihre Einsortierung warteten, und planten bei einem Glas Wein bzw. Bier die Zukunft der beiden Berufsstarter.
Die Dämmerung hatte schon längst eingesetzt als sich die helfenden Gäste verabschiedeten. Jana und Benny begleiteten sie noch hinunter zur Haustür.
Während die Frauen sich umarmend verabschiedeten beließen es die Männer bei dem gewöhnlichen Handschlag und Benny bedankte sich noch einmal bei allen für die Geschenke und die große Hilfe beim Einrichten.
Dann hakten sich die beiden Frauen bei ihren Männern ein und gemeinsam verschwanden sie im Dunkeln.
Jana und Benny sahen ihnen noch einen Augenblick nach und gingen dann langsam ins Haus und die drei Treppen hinauf.
Beim Blick auf das Namensschild an der Wohnungstür, ‚Jana Sommer, Benny Kastner‘, sagte Benny nur kurz:
„Das müssen wir auch noch abkürzen.“
Dann gingen sie hinein. Ein kurzer ein Blick ins Wohnzimmer, dann ging es ins Bad und wenige Minuten später lagen sie nach einem schönen aber auch anstrengendem Tag schon im Bett.
Die Sonne stand schon recht hoch, als die beiden durch lautes Hundegebell aus ihren Träumen gerissen wurden. So tief hatten sie lange nicht geschlafen und für die erste Nacht im neuen Zuhause wohl auch kein schlechtes Zeichen.
Nach kurzer Absprache, wer wohl als Erstes ins Bad geht, sprang Benny, natürlich, nachdem er Jana geküsst hatte, auf und verschwand im Bad. Kurze Zeit später rief er schon.
„Fertig.“, und verschwand in der Küche.
Nur langsam war Jana aus dem Bett zu kriegen. Erst als Benny rief, dass das Frühstück gleich fertig ist, huschte sie flink ins Bad.
Wenig später saßen sie beide zufrieden am Tisch, aßen die auf dem neuen Toaster gebräunten Brötchen und tranken den obligatorischen Tee. Nach diesem besinnlichen ersten Morgen in der gemeinsamen Wohnung gingen sie zu der Arbeit über, die gestern liegen gelassen wurde. Benny sortierte die Bücher und stellte sie in die dafür vorgesehenen Regale, während Jana versuchte alle noch verpackte Gewürze im Küchenschrank zu verstauen.
Gegen Mittag hatten sie restlichen Kartons entleert und auf die entsprechenden Plätze in der Wohnung verteilt.
Benny entsorgte die Kartons vorerst im Keller und die Wohnung wirkte nun auch schon viel wärmer.
Zufrieden betrachteten sie ihr Tageswerk und Jana sagte nur kurz: „Wollen wir?“
Benny nickte mit überzeugendem Lächeln und nun machten sich die Beiden schnell noch frisch und begaben sich auf einen gemütlichen Spaziergang, der beim Italiener um die Ecke enden würde.
Schon von weitem waren die Tische unter Schatten spendenden Laubbäumen zu erkennen. Nur wenige Plätze waren im Biergarten noch frei. Nachdem sie bei einem älteren Paar an einem 6-er Tisch Platz gefunden und die Bestellung bei einem freundlichen jungen Kellner aufgegeben hatten, lehnten sie sich gemütlich zurück und Benny erwähnte noch: „Ich könnte mir vorstellen, dass wir hier heute nicht zum letzten Mal sind.“
„Schon möglich.“
Dann tranken sie die inzwischen servierte Schorle und warteten, während sie sich mit dem älteren Paar, das schon viele Jahre hier wohnte, über Besonderheiten des Stadtviertels unterhielten, auf ihre bestellten Speisen.
Nach nicht allzu langer Zeit, nachdem sie sich gut gestärkt hatten, begaben sie sich auf den Weg zu ihrem neuen Zuhause. Hier wartete immer noch ein wenig Arbeit. Auch wenn alle Kartons entleert worden waren, so befand sich natürlich noch nicht alles am vorgesehenen Platz. Während Jana sich noch lange mit dem Verstauen der Wäsche befasste, hatte Benny mit dem Ordnen der nun gemeinsamen Unterlagen und der Schulutensilien zu tun.
Am frühen Abend konnten sie sich endlich in der Couchecke ihres noch ungewohnten Wohnzimmers bei einem leckeren Glas Rotwein und leiser Musik zur Ruhe setzen.


© Eberhard Schulz


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