9. Schulferien
„Hast Du auch nichts vergessen?“
In Gedanken ging Benny noch einmal alles durch. Taschenlampe, Schlafsäcke, Zelte, Batterien, Speisen, Getränke, Literatur, Badebekleidung, Handtücher, Waschutensilien,...
„Das werden wir spätestens am nächsten Morgen auf dem Campingplatz Neustadt bei Timmendorfer Strand bemerken“, scherzte er und half André weiter beim Verstauen der vielen Taschen. Jana und Maria waren in der Küche noch damit beschäftigt, entsprechenden Reiseproviant zusammenzustellen.
Nach einer kurzen Diskussion hatten sie sich in den letzten Tagen geeinigt, an einem Tag zur Küste zu fahren. Das Wetter war schon vielversprechend und der Transporter hatte keine Klimaanlage. So freuten sich alle auf den ersten Sprung ins kühle Ostseewasser. Aber so weit war es noch lange nicht.
Die Sonne hatte sich gerade entschieden, aufzustehen. Eigentlich wollten sie beim ersten Hahnenschrei schon unterwegs sein, aber sie mussten feststellen, dass ihre gemeinsame Organisationsfähigkeit einige Reserven hatte. Dann war es endlich so weit. Die Kühltasche war gefüllt und verstaut. Ein letzter Blick von André und Benny in den hinteren Teil des „Ferienmobils“ und gut gelaunt nahmen alle ihre Plätze ein.
„Wir wünschen Euch eine schöne Zeit. Fahrt vorsichtig und meldet Euch, wenn Ihr angekommen seid!“, sind die besorgten Worte von Anne. Sie macht sich natürlich Sorgen und muss an die Tour in den Allgäu denken.
„Aber ja doch. Wir sind doch vorsichtig.“ rufen die Vier zurück und Beifahrer Benny wurde ruhig auf seinem Sitz. Die erste halbe Stunde bewegten ihn die Erinnerungen. Dann wurde die Stimmung langsam besser, Jana und Maria entpuppten sich teilweise als talentierte Stimmungsmacher und so wurde es das, was es auch sein sollte. Eine schöne Fahrt bei guter Stimmung in die Ferien. Nach einer ausgiebigen Pause in Sichtnähe des Harz´ging die Fahrt zielstrebig in Richtung Ostsee weiter. Die Sonne war schon längst in Höchstform und die Urlauber konnten es kaum noch erwarten, ihre klebrigen Körper in der Ostsee abzukühlen. Nur noch wenige Kilometer bis Timmendorfer Strand war den Verkehrsschildern zu entnehmen. Benny blickte ständig auf die Uhr, in Sorge, dass sie den Campingplatz nicht mehr vor der Mittagspause erreichen, denn dann war der Platz bis 15:00 Uhr geschlossen. Ein großes Schild mit vielen Strandszenen luden die Urlauber ein, den Campingplatz „Neustadt“ zu besuchen.
Da war er dann. Der Parkplatz vor der Einfahrt in den Campingplatz hatte für ihr altes Gefährt noch genügend Platz. Während sich André und Benny schnell in die Anmeldung begaben, um sich für die nächsten Tage anzumelden, hatten die beiden Frauen schon ihre Füße im Wasser. Aber nur kurz, denn dann riefen die Männer schon nach ihnen und es ging weiter in Richtung Stellplatz. Der zugewiesene Zeltplatz für zwei Zelte und einen Stellplatz für den Transporter in unmittelbarer Nähe befand sich nur etwa 100 m vom Strand entfernt. Das Auto war gerade abgestellt, da liefen sie auch schon zum Meer.
Schnell hatten sie sich ihrer durchgeschwitzten Sachen entledigt und stürmten lärmend in die Fluten.
Der Badespaß war nur kurz.
Erst gestikulierend und dann mit klaren Worten wurden Sie von einem Camper darauf hingewiesen, dass sich der FKK-Strand 300 m weiter westlich befindet und auch gut ausgeschildert ist. Er hatte sich wohl um die gute Erziehung seiner Kinder Sorgen gemacht. Die Nacktbader nahmen die Kritik lächelnd an und zogen sich, bewusst ihre schönen nackten Körper präsentierend, langsam die wenigen Meter zu ihren Kleidungsstücken zurück. Für die erste Abkühlung hatte es ja auch gereicht.
In der Mittagspause nutzten sie die Zeit, die weiteren Vorhaben zu planen. Die gemeinsamen Entscheidungen zwischen Kultur- und Badeurlaub zu treffen war nicht immer einfach.
Schließlich hatten sie aber doch einen guten Plan für die nächsten Tage beschlossen und auch, wohin die Reise anschließend gehen wird. Sie gingen davon aus, dass sie schon einen Platz auf dem ausgewählten Campingplatz erhalten werden. Nun konnten sie sich aber bei bestem Wetter erst einmal ein paar Minuten auf den Campingstühlen rekeln, bevor es daran ging, die Zelte aufzustellen.
Einen Profi, der schon mehrere Zelte ohne Schaden aufgebaut hat, hatten sie ja mit André dabei, ohne zu ahnen, dass er aber immer nur Helfer seines Vaters war.
Seine Helfer waren jedenfalls der Meinung, dass das ja nicht so schwer sein kann und sie sehr lernfähig seien. Ihre Vorstellungen waren aber nicht ganz so einfach zu realisieren. Die Zeltstangen im richtigen Moment zusammen zustecken und dann in den Zeltösen richtig zu platzieren war nicht ganz so einfach und so mussten die heute festgestellten Campingamateure mehrmals einen Teil ihrer stolzen Arbeit wieder abbauen und neue Ideen entwickeln.
Die Zeit verging und sie hatten noch nicht einmal ein Zelt aufgebaut. Das musste ein Nachbar mit interessierten Blicken schon länger verfolgt haben. Er sprach die „Profis“ an , ob er behilflich sein konnte. Es war der Camper, der sie heute Mittag am Strand auf den FKK aufmerksam gemacht hatte.
„Aber gern, ich spendiere auch gleich einen kühlen Trunk“, nahm André das Angebot an und reichte dem wirklichen Helfer ein Bier.
„Danke, das lasse ich mir für nachher“, erwiderte er und packte auch schon bei den Zeltstangen an. Von nun an waren schnell Teilerfolge zu sehen. Eine halbe Stunde später stand das erste Zelt und auch das Zweite war recht bald aufgestellt. Während die Frauen beim Einräumen der notwendigen Schlafsäcke, Kissen und Decken waren, wurden sie alle durch den freundlichen Helfer zum abendlichen Grillen eingeladen. Die vier Camper hatten ihre Kenntnisse beim Zeltaufbau erweitert und waren nun baff.
Gern nahmen sie die Einladung an und sicherten noch zu, ein paar Bier mitzubringen.
Eine knappe Stunde später machten sie sich mit dem versprochenen süddeutschem Bier auf den kurzen Weg zum Nachbarn. Sie wurden freundlich von der Hausherrin begrüßt und vom Grill her waren auch schon angenehme Gerüche zu vernehmen.
Nicht schlecht haben sie gestaunt, als sie erfuhren, dass ihre Gastgeber, entgegen der Vermutung vom Strand, keine Kinder haben. So entschuldigten sie sich noch einmal für die Aktion am Strand und dann nahmen sie an einem großen Campingtisch platz und stellten sich erst einmal richtig vor. Ihre Gastgeber kamen aus Hessen und genießen hier jedes Jahr ihren Urlaub.
„Warum wechselt ihr die Campingplätze nicht? So kann man doch viel mehr kennenlernen.“; möchte Jana wissen.
„Nun, wir sind beruflich viel unterwegs als Berater für Technologien in der Energiewirtschaft und deshalb sind wir im Urlaub lieber an einem Ort und ohne Fernsehen und Handy.“
„Ok, dann kann ich das gut verstehen“, antwortet Jana und so kommt die Grillrunde auch schnell wieder zur Gemütlichkeit zurück. Dann wurden Grillwürste, Steaks und Getränke genossen und es wurde ein unterhaltsamer Abend. Erst spät abends brechen die Vier in ihr neues Zuhause auf.
„Vielen Dank, es war ein schöner Abend“, bedankt sich Benny im Namen der Schwaben.
„Aber gern doch, hat uns auch viel Spaß gemacht. Schöne Urlaubstage in Neustadt und auch in euren nächsten Urlaubsorten.“
„Wir danken euch und wünschen auch noch schöne Urlaubstage.“
Kurz danach sitzen sie im Transporter, besprechen kurz den ersten und den nächsten Tag. Alle sind über den Verlauf des Tages sehr zufrieden und vor allem; müde. Und so suchen sie sich ihre in den Taschen noch schnell die versteckten Waschutensilien und gehen gemeinsam zum Waschhaus. Dreißig Minuten später stecken sie schon in ihren Schlafsäcken und die Zeltleuchten gehen fast gemeinsam aus.
Aus beiden Zelten sind nur noch müde „Gute Nacht“-Rufe zu hören und dann wird es auch schon ganz still.
Der nächste Morgen beginnt für die Urlauber recht zeitig. Viele Camper mit Zelten sind notorische Frühaufsteher, ob dies eine Folge des Berufs- oder Schulalltags ist oder einfach nur mit dem unbequemen Schlafvergnügen zu tun hat, ist dahin gestellt. Beide Paare sind beizeiten wach und beginnen ihren normalen Tagesablauf.
Erst ins Waschhaus und dann wird der erste Kaffee angesetzt, während einer die Brötchen vom Kiosk holt. Heute darf Benny die Backwaren holen, während dessen die anderen Ordnung in den Zelten machen bzw. den Tisch decken. Dann endlich sitzen die vier müden Neucamper am Tisch und genießen neben dem Kaffee und den frischen Backwaren auch die wärmenden Sonnenstrahlen. Langsam erhellt sich auch die Stimmung und man scherzt über den gestrigen Tag und die geplanten Aktivitäten am gerade angebrochenen zweiten Ferientag.
Nach dem gemütlichen Frühstück wird der Tisch geräumt, das Geschirr an der extra eingerichteten Waschanlage des Platzes gereinigt und dann geht es auch schon los. Alle packen ihre Badesachen und dann gehen sie zur Fahrradausleihstation. Heute wollen sie eine größere Radtour entlang der Seebäder an der Ostsee bestreiten. Besonders die jungen Männer freuen sich darauf, die Damen sehen die Länge der Tour eher skeptisch. Der Reifenluftdruck wird durch den Monteur noch einmal geprüft und dann geht die Reise los.
André fährt vorn und Benny bildet das Rücklicht. So kann keiner verloren gehen. Die Radwege sind eng. Leider kann man so nicht oft nebeneinander fahren, was die Unterhaltung während der Fahrt erschwert.
Schon bald werden die jungen Frauen langsamer und drängen auf eine Pause. Schließlich kennen sie sich ja kaum und wollten die Tour zum persönlichen Schwatzen nutzen. Das führt zu den ersten Unstimmigkeiten. Schon nach ca. zehn Kilometern halten die beiden an einer günstigen Stelle an und bitten um eine Pause. Benny und André sehen das locker, stellen ihre Räder bei den Mädchen ab und nutzen deshalb den ersten Pfad zur Ostsee, um sich im Wasser die Beine zu vertreten.
Nach einer halben Stunde werden Jana und Maria unruhig. „Warum kommen sie denn nicht wieder? Glauben die denn, dass wir den ganzen Tag hier bleiben wollen?“, fragt Jana unsicher. „Wir sollten die Räder anschließen und die Herren suchen!“
Von Maria kommt ein bestätigendes: „Ok.“
So begeben sich die Beiden mit suchendem Blick in Richtung des Pfades, den ihre Männer aufgesucht hatten. Schnell sind sie am Strand. Ein Blick nach links und einer nach rechts. Niemand ist zu sehen.
Voller Schreck versuchen sie nun ihre Situation zu erfassen. Die Jungs sind einfach weg. Da sie keine Telefone dabei haben versuchen sie als Erstes, einen Rettungsturm oder eine andere offizielle Stelle zu finden, wo sie sich vielleicht eine Auskunft holen könnten.
Am linken Horizont erkennen sie einen Turm. Mit unruhigen schnellen Schritten gehen sie auf ihn zu und erreichen ihn nach ca. zehn Minuten. Die Besatzung des Turms ist nicht anzutreffen. Ratlos schauen sie in die Runde.
„Wir sollten mal wieder zum Radweg hochgehen. Vielleicht ist von dort etwas zu erkennen.“, schlägt Maria vor und schon sind sie wieder unterwegs. Hinter den Dünen erkennen sie auf der rechten Seite eine größere Menschenmenge und in einer Seitenstraße stehende Autos. „Hoffentlich sind unsere Jungs dabei!“
„Ganz bestimmt, so wie ich Benny kenne.“ beruhigt Jana ihre neue Freundin.
Nach wenigen Schritten sind Benny und André auch schon zu erkennen. Benny steht an einer Krankentrage und beruhigt einen darauf liegenden jungen Mann. Bennys Kleidung ist total durchnässt.
„Ihr habt uns aber einen Schrecken eingejagt. Konntet ihr nicht Bescheid geben?“
„Leider nicht, wir mussten uns entscheiden. Helfen oder Bescheid sagen und ihr seht ja, wofür wir uns entschieden haben.“, antwortet Benny locker.
„Was ist denn passiert?“
Auf diese Frage von Jana hat Benny gewartet, er beschreibt kurz, wie sie den Jungen Mann im Meer badend gesehen haben, der heftig gewunken hat . Dann stürmten sie ins Wasser, um ihn zu retten. Er hatte sich im tiefen Wasser an den Fetzen eines alten Fischernetzes verfangen und drohte nun weit hinausgetrieben zu werden bzw. unterzugehen. Nachdem André die Schlingen an seinem Bein mit einem Messer abgeschnitten hatte konnte er dann zu zweit ans Ufer gezogen werden. Hier wartete auch schon Hilfe, da auch andere Passanten den Vorfall bemerkt hatten.
„Und wie geht es Euch?“, fragten die beiden Freundinnen fast gleichzeitig.
„Uns geht es gut, nur ein wenig nass“, scherzte André. „Wir müssen bei jeder nächsten Tour auf jeden Fall unsere Handys mitnehmen“, legte nun Jana fest.
„Oh ja, ganz bestimmt. Für einen Notfall sind sie im Urlaub sehr gut zu gebrauchen.“
Nachdem der Notfall vom Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurde und die Polizei ein paar Informationen der Retter erfasst hatte konnten sich die vier Urlauber wieder auf den Fußweg zu ihren abgestellten Rädern machen. Schon von weitem waren die Räder zu erkennen, und die Vier waren froh, dass ihre Räder keine neuen Besitzer gefunden hatten.
Nun mussten sie sich aber erst einmal eine Gastwirtschaft suchen. Ihre Körper verlangten schon lange ihr Recht und es gab ja noch einiges zu besprechen.
Die Serviererin im Biergarten hatte die Bestellung zügig aufgenommen und natürlich die bestellten Getränke für die durstigen Kehlen wie erwartet sofort gebracht. Dann nahm sie die Bestellung für die Speisen auf, wobei sie schon längst bei der Auswertung des Vormittags und der Planung der nächsten Urlaubstage waren.
So ein Chaos durfte nicht noch einmal geschehen. Da waren sie sich einig, aber eine gemeinsame Festlegung, wie sie sicherstellen können, dass es eine erholsame Ferientour wird, war nicht ganz so einfach.
Über kurz oder lang hatten sie sich, die Speisen waren schon lange verzehrt, dann doch darauf geeinigt, sich bei den Unternehmungen nicht unbedingt zu trennen. Benny fand das sehr gut, so war seine Jana schließlich immer in seiner Nähe. An dieser Festlegung wollten die Beiden als Grundlage ihrer Beziehung für ihr ganzes Leben festhalten.
Für heute hatten sie jedenfalls genug Aktion und beschlossen den Tag mit Baden, Eis essen und viel Lachen ausklingen zu lassen.
Die Rückfahrt zum Campingplatz verlief dann dem entsprechend locker und bald hatten alle den seltsamen Tagesverlauf verdrängt.
Wieder am Campingplatz angekommen brachten Benny und André die geliehenen Räder zurück und sicherten für Abends einen Tisch im Biergarten am Kiosk.
Nun luden sie die Gastgeber vom Vorabend wie mit den Frauen besprochen zu einem gemütlichen Abend ein.
Der Abend war dann endlich wieder eine Zeit der Unbeschwertheit. Es wurde viel gelacht, was für eine weitere schöne Ferienzeit auch dringend notwendig war.
Nach nicht ganz so langem gemeinsamen Abend, wobei sie von Ihren Gastgebern des ersten Abends wertvolle Tipps für die ausgeglichene Auswahl der Campingplätze sowie der geplanten Aktivitäten bekamen, begaben sie sich alle zu ihren Zelten. Morgen sollte es ja schließlich weiter gehen und die Route und den Zielort durften Benny und André festlegen. Da die Jungs sich aber noch nicht abschließend festlegen konnten, saßen sie noch etwas länger über den weit ausgebreiteten Karten. Dann hatten sie endlich eine gute Idee. Mit einem strahlenden Lächeln begaben sie sich zu ihren Frauen, wobei natürlich absolute Verschwiegenheit angesagt war.
Jana und Maria erwarteten sie bereits und waren sehr gespannt, wo es denn am nächsten Tag hingehen würde. Zu ihrer Enttäuschung erhielten sie auf ihre Fragen nur ein liebevolles Lächeln.
Am nächsten Morgen waren alle sehr zeitig wach. Auch bei der Vorbereitung des Frühstücks waren den Jungs keine Details der Routenplanung zu entlocken. So gaben sich Jana und Maria vorerst damit zufrieden, dass sie mit den Worten getröstet wurden:
“Es wird euch bestimmt gefallen und es ist sehr gut durchdacht und vorbereitet. Wir werden viel Spaß haben und man kann ja immer etwas dazu lernen.“
Nun war die Anspannung erneut gestiegen, die Antworten bleiben ansonsten die Gleichen. Wortkarg saßen sie bei Kaffee und Brötchen und harrten der Dinge, die heute geschehen sollten. Dann wurde der Tisch, schneller als sonst, abgeräumt, das Geschirr gewaschen und verstaut, der Zeltplatz abgemeldet und die Fahrt in Richtung Osten begann.
Viele Kilometer später, die vier Camper waren an Rostock schon vorbei, gaben Benny und André den ungeduldigen Partnerinnen endlich die ersten Hinweise, wohin es heute geht. Die Gesichter erhellten sich zusehends.
„Wir haben gestern beschlossen, uns mal nicht am Strand niederzulassen. Der Wetterbericht sagte, wie ihr es ja schon bemerkt haben dürftet, nichts Sonniges für heute voraus. Somit haben wir uns entschieden, einen Stopp in Stralsund durchzuführen.“
„Und warum habt ihr uns davon nichts erzählt?“, fragt Jana dazwischen.
„Weil es eine Überraschung sein sollte und wir uns gern mal in einer Pension mit euch verwöhnen lassen wollten.“
Die Pension liegt im Zentrum von Stralsund und so können wir uns Zeit nehmen, das Meeresmuseum zu besuchen und mit euch gut Essen zu gehen. Unser Fahrzeug stellen wir auf einem gesicherten Wohnmobilstellplatz ab. Wir haben das alles im Büro der Campingverwaltung telefonisch vorbereitet. Noch Fragen?“
Jana und Maria waren überrascht aber nicht unzufrieden. So viel Organisationstalent hatten sie ihren „Männern“ nicht zugetraut.
Nach der Ankunft auf dem Stellplatz sortierten sie kurz ihr Gepäck für die Pension und fuhren mit dem ÖPNV, was ein Bus war, zur Pension. Nach dem kurzen einchecken nahmen sie ihre Zimmer in Beschlag, machten sich frisch und gingen in die Innenstadt um ein wohl gepflegtes Mahl einzunehmen.
Anschließend suchten sie das Museum auf und es wurde ein schöner und interessanter Nachmittag. Nach einem erfüllten Tag saßen sie erschöpft im Restaurant der Pension und diesmal durften Jana und Maria den weiteren Urlaubsverlauf bestimmen. Ohne viele Geheimnisse legten die Beiden fest, dass es in diesem Urlaub nur noch Sommerurlaub im Zelt gibt.
Als sie die Pension am nächsten Morgen verließen, lies die Sonne erkennen, dass sie sich wieder entschlossen hatte, den vielen Badegästen an der Ostseeküste das entsprechende Wetter zu zaubern.
So zogen die Camper über die Ostküste der Insel Rügen mit ihren vielen schönen Stränden und Sehenswürdigkeiten. Dann ging es weiter zur Insel Usedom, wo sie feststellen konnten, dass die Ostsee viel mehr schöne Flecken zur Erholung bietet, als sie in dieser kurzen Zeit genießen konnten.
Knapp zwei Wochen später hieß es, Abschied zu nehmen. Der Transporter wurde gepackt und mit viel Wehmut rollten sie langsam im Schritttempo der Ferienkarawane in Richtung Süden. Während der Fahrt scherzten sie immer wieder über die ihnen geschehenen Abenteuer der vergangenen Tage und fühlten zum ersten Mal so etwas wie gemeinsames Glück.
Der Ferienausflug hatte die Vier fest zusammengeschweißt und ihrer Freundschaft eine besondere Stärke verliehen, worüber sich besonders Benny und André freuten, waren sie sich doch in den vergangenen Monaten schon sehr fremd geworden.
Jana und Maria hatten sich kennengelernt und waren sich einig, dass sie in Zukunft besonders auf die beiden jungen Helden aufpassen würden, was als zwei besonders gute Freundinnen auch viel einfacher sein sollte.
Am späten Nachmittag näherten sie sich ihrer Heimatstadt. André musste aufpassen, dass er nicht immer schneller fuhr. Schließlich wollten sie ja gut erholt und unversehrt zu Hause ankommen.
Dann war es endlich so weit. Noch zwei Querstraßen und sie standen vor dem Haus von Maria. Schnell waren ihre Sachen ins Haus getragen, ein Kuss von André und Umarmungen von Jana und Benny und schon ging es weiter.
Ein paar Minuten später nahmen sie auf gleicher Art und Weise Abschied von Jana und fuhren den Transporter, nun komplett geleert, zum vereinbarten Treffpunkt.
Bevor sich Benny dann nach Hause in Bewegung setzte, kam noch ein überzeugendes:
„Danke, es war ein schöner Urlaub und sehr schön mit Euch.“
„Danke, das sehe ich auch so. Bis bald.“
„Bis bald.“
10. Das Abitur
„Herzlich willkommen zum letzten Abschnitt ihrer schulischen Ausbildung. Ich hoffe, Sie hatten einen schönen Sommer und haben sich alle auf dieses abschließende Schuljahr und die vor ihnen liegenden großen Aufgaben gut vorbereitet.“
Da war er also wieder, der schulische Alltag, mit den unverwechselbaren Worten des Klassenlehrers, auf den Punkt gebracht und so wie gesagt auch gemeint, dachte sich Benny und schaute genauso fragend in die Richtung von Jana. Sie hatten doch eine so schöne Zeit und nun stand der Ernst schon wieder in der Tür. Der Start ins neue Schuljahr war wie immer gewöhnungsbedürftig.
Nachdem die jährliche Unterlagen- und Antragsfülle durch den Herrn Bleichinger bzw. seinen fleißigen unfreiwilligen Helfern an den Mann bzw. an die Frau gebracht wurden, kam auch wieder die Normalität zurück.
Schließlich hatten sie sich ja viel vorgenommen und somit blickte Benny gelassen auf das, was da in diesem Jahr auf ihn zu kam. Er hatte hohe Ziele und die sollten ja auch seine Wege bestimmen. Benny hatte sich wie auch im vergangenen Jahr für die gleichen Arbeitsgruppen eingeschrieben, ohne die Leichtathletik versteht sich, und auch Jana verfolgte nun von Anfang an ihr berufliches Ziel. Hierbei kamen sie sich wie die absoluten Streber vor, was ihnen von den anderen Schulkameraden aber nicht vorgehalten wurde. Es lag wohl daran, dass sie alle irgendwie die Vorteile von besonders Bennys Können hatten.
Nach den vielen organisatorischen Dingen des ersten Schultages hatten sie, entgegen ihren Hoffnungen, doch noch vier Unterrichtsstunden zu überstehen und kamen erst sehr spät dazu, den Heimweg anzutreten. Langsam schlenderten die frisch gebackenen Schüler der ABI-Klasse nach Hause. In Gedanken versuchten sie, neben den schulischen die persönlichen Höhepunkte des Jahres festzulegen. Da waren neben ihren 18. Geburtstagen natürlich auch die Hoffnung, eine kleine gemeinsame Wohnung beziehen zu können. Und auch heute scheiterten sie wieder daran, wie sie dies dann letztendlich finanzieren sollten. Mit diesen Gedanken und natürlich einem dicken Abschiedskuss trennten sie sich dann und freuten sich auf das morgige frühe Treffen an gleicher Stelle.
„Benny, aufstehen! Du wolltest heute etwas früher geweckt werden.“
„Wollte ich das wirklich?“, fragt Benny noch total verschlafen, wobei er seinen Blick teilnahmslos in Richtung seiner Mutter wandte.
„Ja!“, lachte diese und verschwand in der Küche.
„Kaffee oder Tee?“, hörte er noch und er antwortete: „Natürlich Tee.“
Langsam dämmerte ihm, warum er heute rechtzeitig bei Jana und mit ihr in der Schule sein wollte. Auch im letzten Schuljahr hatten sie sich vorgenommen, ihren Sitzplatz in der letzten Reihe zu verteidigen. Herr Bleichinger wird sie schon unterstützen, wenn sie dort sitzen, hat er doch auch etwas davon, wenn Benny sein Wissen gern offenbart, wenn die ganze Klasse „hängt“. Schnell den Tee getrunken und dann geht es ab zu Jana.
So fing das Jahr weitgehend normal an und schon bald war wieder alles wie im letzten Jahr. Nur die Anforderungen waren etwas höher gesteckt.
Die ersten Wochen vergingen schnell und Bennys Geburtstag stand vor der Tür. Er hatte sich eine kleine Runde mit Pizza gewünscht, sollte die große Feier ja erst im November starten, wenn auch Jana den 18. Geburtstag feiern konnte. Also waren sie zu acht, taten sich schwer bei der Bestellung der vielen angebotenen Pizzen und planten während der Wartezeit die große Feier.
Endlich wurden sie von der Klingel unterbrochen und schon bald waren die Pizzen ausgepackt und es roch im Wohnzimmer wie in einer italienischen Pizzeria. Neben Tunfisch, Shrimps, überbackenen Käse und Salami füllten scharfe Gewürze wie Chili und Peperoni das Aroma im Raum. Zu den Pizzen hatte Benny trockenen Rotwein besorgt und alle waren rundherum zufrieden.
Die Eltern der beiden Geburtstagskinder erklärten dann gern, den Beiden bei der Vorbereitung und Durchführung der Party zu helfen, allerdings durften die schulischen Leistungen nicht nachlassen, stünden bis dahin doch schließlich noch drei Klausuren an.
Die Realität hatten Benny und Jana damit weiterhin fest im Griff und auch ohne diese Anspielung auf den Leistungsdruck wäre es ihnen sicher auch nicht entfallen. Hauptsache bei den bescheidenen Budgets war jedoch die Kostenübernahme durch das ältere Semester. Benny sah Jana verliebt an und flüsterte ihr leise zu: „Ich freue mich schon sehr auf die Party.“
„Und ich mich erst.“
Am nächsten Tag meldete sich endlich wieder einmal André. Nach dem tollen gemeinsamen Urlaub hatte sie sich vorgenommen, wenigstens einmal im Monat ein längeres Gespräch zu führen, um den gleichen Fehler, den Bruch der Freundschaft nicht noch einmal zu riskieren.
So erzählte Benny die neuesten Festlegungen zu der großen Party im November und die schon vorher gemachte Zusage wurde von André gleich noch einmal bestätigt.
Schulisch gab es bei André und Maria nichts Neues. Sie wollten ihr Abi abschließen und anschließend eine Lehre bzw. ein Studium beginnen. André als geborener Handwerker hatte für diese Entscheidung lange gebraucht, Marias Berufswahl ging leichter, hatte sie doch vor Jahren ihre Vorliebe für Sprachen entdeckt und war sich sicher, dass sie eine gute Dolmetscherin sein würde. Sie hatte sich an der Uni schon informiert, ob sie mit ihrem Berufswunsch ein entsprechendes Studium aufnehmen könnte und sich auch gleich für das erste Semester beworben. Aber bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit.
Benny und Jana hingegen waren mit der Gestaltung von Einladungskarten für den Mega-Event des Jahres beschäftigt. Die Einladungslisten waren fertig. Insgesamt würden sie ca. 50 Personen sein. Jetzt müssen noch für jeden individuell auf den Typ zugeschnittene Karten gedruckt werden.
„Hoffentlich können auch alle kommen?“, gibt Jana zu bedenken.
„Aber klar. Es sind doch noch fünf Wochen Zeit. Da können sich alle gut auf den Termin einrichten.“
„Herr Kastner. Könnten Sie uns bei der eben gestellten Frage weiterhelfen?“
Jana stößt Benny mit dem Fuß an und zischt leise: „Benny, aufwachen!“
Vollkommen neben sich antwortete Benny: „Ähm, ja, Herr Bleichinger. Wie war die Frage noch einmal?“
Die ganze Klasse begann ein schallendes Gelächter. Das Benny gedanklich so weit weg war hatten sie noch gar nicht erlebt.
„Vielen Dank für Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Könnten Sie uns bei den Grundregeln der Vererbungslehre von Kühen behilflich sein?“
Nun konnte sich auch Herr Bleichinger ein breites Lächeln nicht mehr verkneifen. Benny stand neben seinem Stuhl und sah nachdenklich nach unten. Dann holte er tief Luft und wollte gerade seine Erklärung beginnen, als er vom Klassenlehrer freundlich unterbrochen wurde:
„Schon gut Benny, ich wollte nur wissen, wie weit Sie mir geistig gefolgt sind. Wir hatten heute das Thema ‚Klassische und Molekulare Genetik‘ wiederholt.“ Mit ernster Miene der Klasse wieder zugewandt: „Genug für heute. Pause.“
Die Klasse packte lachend ihre Sachen und ging dann in den nächsten Unterrichtsraum.
Benny war in Gedanken immer noch bei der Party des Jahres und ärgerte sich, dass er so weit abwesend war. Er nahm sich vor, das dies nicht noch einmal geschehen darf. Es war ihm äußerst peinlich.
Von nun an konzentrierte sich Benny wieder voll auf den Unterricht und schon bald hatte er sich seine vordere Stellung in der Klasse wieder erobert. Sein Wort galt etwas und viele suchten bei ihm Rat, wenn sie mit ihrem „Latein“ am Ende waren. Benny half gern und das schätzte das gesamte Klassenkollektiv sehr.
Die Zeit verging schnell und schon bald lag nur noch eine Klausur vor ihnen, bis sie die, gemeinsam mit Jana geplante Geburtstagsparty, im Detail vorbereiten konnten.
Heute waren beide rechtzeitig auf dem Weg zur Schule. Sie schwiegen und jeder war auf seine Art mit der heutigen Klausur beschäftigt. Während Jana dem Ganzen gelassen entgegensah, die englische Sprache gehörte ja zu ihren Vorlieben, sah Benny diese Klausur mit gemischten Gefühlen. Er war in Englisch auch gut, konnte sich aber bei dem Merken von Vokabeln nicht immer auszeichnen. Dann waren sie in der Schule angelangt.
„Guten Morgen, die Herrschaften.“, begrüßte sie freundlich der Englischlehrer, der schon vor der Schule Ausschau nach sein Schäfchen hielt. Er wollte sicherstellen, dass sich niemand zu spät in den Klassenraum begab. Pünktlich schloss er die Klassentür hinter sich und begrüßte die Abiturklasse.
Jetzt erfolgte die kurze Belehrung und dann ließ er die Aufgabenblätter verteilen. Nachdem jeder bedient war, stellte er den großen Wecker auf seinen Tisch und lud die Schüler mit einem freundlichem: „Bitte, meine Damen und Herren, Sie dürfen beginnen.“, zur Englisch-Klausur ein.
Unter der Überschrift „My life-family, friends, hobbies and career aspiration“ dürfen die Abiturienten sich nun im feinsten Englisch produzieren und beweisen, dass die vielen Jahre Englischunterricht nicht spurlos an ihnen vorübergegangen sind. Während Benny noch die erwarteten Startschwierigkeiten hat, ist Jana hier ein wenig lockerer und strukturiert ihre Arbeit.
Es ist ruhig geworden im Klassenzimmer. Jeder versucht in seinem Hinterstübchen, die gefestigten Vokabeln zu orten und recht bald haben sie alle ihren Start gefunden. So ist die Klasse tief konzentriert, unterbrochen nur von den üblichen Fragen nach dem dringend notwendigen Toilettengang. Dieser findet dann in Begleitung eines Lehrers der Unterstufen statt.
Jana ist wie erwartet unter den Ersten, die mit ihrer Arbeit fertig sind. Ihre Lernstunden mit Maria haben sich wohl ausgezahlt. Eine leichte Unruhe setzt ein, was der Englischlehrer als Zeichen dafür vernimmt, dass seine Schützlinge kurz vor dem Ende der Arbeit stehen und sich nur noch bei den Klassenkameraden vergewissern wollen, dass sie sich bei den einen oder anderen Übersetzungen auf dem richtigen Weg befinden.
In diesem Moment unterbricht ein lautes Rasseln die Ruhe im Raum. Der Wecker verkündet das Ende der Klausurzeit.
„So, das war es. Bitte die Arbeiten beenden und Ihren Namen auf dem Deckblatt nicht vergessen.“
Dann lässt er die Arbeiten einsammeln, bedankt sich für die Ruhe und konzentrierte Mitarbeit bei der Klausur und wünscht allen noch einen schönen Nachmittag. Jana und Benny schauen sich fragend an. Ihren Augen entnehmen sie, dass wohl alles ganz gut gelaufen ist. Sie packen ihre Sachen und begeben sich zügig auf den Schulhof.
Dann machen sie das, was viele ihrer Mitschüler nun auch machen. In schnellen Gedankensprüngen werden die eigenen Stilblüten der Arbeit besprochen, wissend, dass es für eine Änderung der Arbeit sowieso zu spät ist.
Es bleibt ihnen nun nichts anderes übrig, als die vier Wochen bis zur Ergebnisbekanntgabe zu warten. Jana und Benny kommen zu dem Entschluss, dass die Klausur relativ gut gelaufen ist und konzentrieren sich auf die nächste große Herausforderung; Ihre Geburtstagsparty. Mit ruhigen Schritten schlendern sie in Richtung ihrer Wohnungen.
„Hast Du eigentlich noch Bestellbestätigungen bei Dir zu Hause? Mir fehlen noch die schriftlichen Zusagen der Gaststätte und der Jungs von der Band.“
„Ja, habe ich beide erhalten und die Band wird wie zugesagt kostenfrei agieren, sieht den Abend als Probe vor Publikum und hat seit kurzem sogar eine Frontfrau als Sängerin. Sie soll sehr gut sein. Ich habe mich mit ihnen auch über die Musikrichtung beim Essen und auch beim Tanzen abgesprochen“, kann Benny stolz berichten.
„Dann kann es ja losgehen. Alle eingeladenen Gäste haben zugesagt. Ich kann es kaum noch erwarten.“
„Es sind doch nur noch zwei Tage, die schaffen wir auch noch.“, beruhigt Benny seine Jana mit leichtem Lächeln. „Heute Abend können wir uns nicht sehen. Meine Mutter möchte mit mir noch einmal die Garderobe für Samstag durchgehen.“
„Alles klar, dann gehe ich die Gesellschaftsspiele noch einmal durch.“, gibt Benny lächelnd zurück. Sie verabschieden sich mit kurzem Kuss und Benny trottet gut gelaunt weiter in Richtung der Wohnung seiner Eltern.
Niemals werde ich dich hassen,
oder dir an die Gurgel fassen,
du,Neger,Edeljude oder Ultrachrist,
weil du mein ewiger Bruder bist;
Sie wollen,dass wir uns bekriegen,
und das wir für sie mordend [ ... ]
Die Poesie des Summ! Summ!
Summ der Bienen. Das Tralalala
als die Wahrheit der Welt. Der
Urschrei der Wolken als Weckruf
für den Kaffee. Die Sonne, die „Alle
meine Entchen“ singt. Und [ ... ]