In meiner Kindheit wurde ich immer wie ein Püppchen angezogen. Das ging noch lange so, sogar bis ins Erwachsenenalter. Wehe, ich zog etwas an, das nicht zusammenpasste. Das Seltsame daran war: Ich mochte immer eher Jungensachen, wie meine Mutter es nannte.
Das ist heute noch so. Wenn ich absichtlich zwei verschiedene Socken anhabe, weil es für mich einfach nur Socken sind, werde ich direkt zurechtgewiesen und bekomme neue geschenkt. Irgendwie schon praktisch.
Denn wenn man sagt, dass man etwas braucht, wird es direkt kritisiert: „Du wärst doch alt genug.“ Oder es wird bestimmt, in welcher Hand die Gabel zu sein hat, damit ich später einmal einen Mann mit meinen Tischmanieren beeindrucken könnte. Auch durfte ich nur Hochdeutsch sprechen.
Als ich auf dem Internat einen anderen Dialekt sprach, kann ich mich noch genau an ihren Satz erinnern: „Ich habe dir nicht 16 Jahre Hochdeutsch beigebracht, damit du jetzt so mit mir sprichst.“
Ich durfte nicht „net“ sagen. Alles, was ich eigenständig entschied, war falsch.
Schon früh wusste ich, was ich beruflich machen wollte: programmieren und Menschen oder Tieren helfen.
Sie sagte: „Damit kannst du kein Geld verdienen. Mach doch lieber etwas, womit du Menschen helfen kannst, das wolltest du doch immer.“
Ich überlegte also. Viele Menschen wollte ich dann aber auch nicht um mich haben, also schlug ich Leichenbestatter vor. Die können sich wenigstens nicht beschweren, und ich könnte den Familien gut beistehen.
Daraufhin sagte sie: „Warum musst du immer so negativ sein? Mach doch lieber etwas Positives. Ach Van, immer das Gleiche mit dir. Du weißt immer nur, was du nicht willst. Man muss Dinge einfach versuchen. Ich wusste auch lange nicht, was ich wollte. Selbst mit 25 noch nicht. Also beschloss ich, Mutter zu werden.“
Grausig. Ich wollte nie Mutter sein oder Kinder bekommen. Ich hatte große Angst davor, dass sie so werden wie ich. Wenn ich so böse bin, dann sollte es besser nur mich geben.
Auch als ihre Beziehung kaputtging, gab sie mir die Schuld dafür. Ich wäre der Zerstörer.
„Immer wenn ich glücklich bin, musst du die Harmonie zerstören.“ „Du machst immer alles kaputt!“
Immer wenn ich mich widersetzte, hatte das extreme Konsequenzen für mich. Sie wollte mich immer als gestört oder krank, als das Problemkind abstempeln.
Lange war mir nicht bewusst, dass sie das Problem in dieser Dynamik war und ist. Denn was Mama sagt, stimmt.
Ich habe verstanden, dass meine Eltern sowie meine Geschwister sehr traumatische Erlebnisse hatten und vieles aus Überforderung heraus geschehen ist.
Auch ich habe meinen eigenen Anteil dazu beigetragen. Doch wir waren noch Kinder, und es war niemals unsere Aufgabe, das für alle Beteiligten zu tragen.
Vieles begleitet mich noch heute. Und ich habe lange Zeit nicht darüber gesprochen, denn warum etwas erzählen, das schon passiert ist?
Es macht meist nichts wirklich besser, sondern nur etwas anders.
(Butterfly-Effekt)
Ich irre Tage durch das taumelnde Gelände
des unrunden Pulses,
durch ein Auf und Nieder ohne Takt,
wo Unrast wie dürres Laub
an meinen inneren Wänden schabt
und Glaubenssätze, [ ... ]
Es ist das Rundumuns, das oftmals uns bestimmt.
Egal dabei warum und auch zu welcher Zeit.
Einzig als Kind erscheint selbst Kleines uns so weit.
So vieles was für uns dabei doch [ ... ]
Wo er sich durch die Schichten fraß, entstand ein Riss – aber kein zerstörerischer. Es war ein feiner, seidener Spalt, eine Lücke zwischen dem, was gewesen war, [ ... ]
Dopamin-Schmetterling
Bunte Tragflächen fliegen über Tränen und Träumen.
Erinnerungen in Licht getaucht verlieren in der Traumwelt ihre Lebensfarbe.
Fliegen, bloß fliegen, bloß nicht das [ ... ]
Der erste Mensch mit einem Lächeln.
Er hat sich gesagt:
"Ich bin Pleite! Habe keine
Arbeit! Bin ohne Macht! Ohne
Freunde. Ohne Ansehen. Ohne
Denken. Und ohne Ehrgeiz. Und
ohne jeden [ ... ]