„Man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ — Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra (Vorrede)."

MEIN LIEBLINGSSPRUCH :)

Nietzsche packt in diesen einen Satz eine ganze Poetik des Werdens, und er macht das so typisch „Zarathustra“: nicht nett, nicht beruhigend, sondern wie ein Funken, der erst schön aussieht und dann merkt man, dass er etwas im Inneren anzündet.

Wenn er sagt: „Man muß noch Chaos in sich haben“, meint er nicht „ich muss mein Leben verwahrlosen lassen“ oder „Unordnung ist automatisch kreativ“. Sein Chaos ist eher ein innerer Zustand von Vielheit und Spannung: widersprüchliche Impulse, ungelöste Fragen, ungeklärte Sehnsüchte, Eigensinn gegen fertige Antworten, ein Rest Wildnis, der sich nicht vollständig erziehen lässt. Also: in dir drin ist noch nicht alles „abgeschlossen, etikettiert, vernünftig wegsortiert“. Und genau das ist der Punkt. Wer innen völlig glattgebügelt ist, hat zwar Ruhe, aber oft auch keine Geburt mehr.

Dann kommt der zweite Teil: „um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ Ein Stern ist bei Nietzsche häufig ein Bild für etwas Eigenes, Strahlendes, Neues – eine neue Perspektive, ein neues Werk, ein neues Selbst, eine neue Wertordnung. Und er sagt ausdrücklich tanzend, nicht „leuchtend“ oder „perfekt“. Tanz heißt: Form, Rhythmus, Bewegung, Lebendigkeit. Kein starrer Monument-Stern, sondern einer, der sich bewegt, der nicht erstarrt. Du merkst: Das Ziel ist nicht Chaos. Das Ziel ist der Stern. Das Chaos ist nur das Material, die Reibung, der Rohstoff, aus dem überhaupt etwas entstehen kann, das nicht nach Kopie riecht.

Und das Verb „gebären“ ist ebenfalls bewusst gewählt: Das Neue ist nicht einfach ein Produkt, das du „machst“, sondern etwas, das aus dir herauskommt, oft gegen Widerstand, oft schmerzhaft im geistigen Sinn, aber vor allem: unumkehrbar echt. Eine Geburt ist nicht „ich probier’s mal“; sie ist ein Übergang in einen Zustand, der vorher nicht existierte.

Was der Satz dir, ganz praktisch, sagen kann (ohne Kalenderweisheit):
Du darfst in dir Unfertiges, Ungeordnetes, Ambivalentes behalten, ohne es sofort zu therapieren, zu glätten, zu erklären oder in eine Schublade zu pressen. Dieses innere „Noch-nicht-aufgeräumt“ ist bei Nietzsche kein Makel, sondern die Bedingung dafür, dass du nicht nur reproduzierst, was bereits da ist. Aber – und das ist die scharfe Kante – der Stern tanzt nur, wenn du dem Chaos auch Form gibst. Tanz ist Disziplin in Bewegung. Nietzsches Satz ist damit kein Freibrief fürs Dauerchaos, sondern eine Begründung dafür, warum echte Schöpfung oft zuerst wie inneres Durcheinander wirkt, bevor sie ihre eigene Ordnung findet.


© Zitat Nietzsche , Text Ella Sommerhain


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Kommentare zu "Der wahre KERN von Kreativität"

Re: Der wahre KERN von Kreativität

Autor: Michael Dierl   Datum: 28.12.2025 10:13 Uhr

Kommentar: Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr..................STOOOOOOOOPPPPPP!!! Jaaaaaaaaa, im Grunde richtig aber NUR in der Theorie!!! Die Praxis ist oft GAAAAAANNNZ anders!!! Hinzu kommt, die Zeit die man nieeeee hat, oder besser noch gar nicht hat! Hinzu kommt, es gibt keine Einzigartigkeit. Alles ist schon mal dar gewesen und Copie und Paste sogar im 3D Bereich. Nur mal so ein Beispiel: Wir haben ca. 50 Jahre die Chinesen im Autobau (Design) belächelt, oder waren es noch mehr Jahre.....will mich da nicht so festlegen. Und was geschieht nach ca. 50 Jahren. Wir, die jahrelang führend im Fahrzeugbau waren, hinken nun hinterher mit der ganzen Branche. Es geht sogar so weit, dass sogar Markennamen Angst um ihre Existenz haben, nicht, weil die Chinesen das Rad neu erfunden haben, NEIN, weil die Chinesen fleißig waren und haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt, haben an unserer Weisheit partizipiert. Haben Ideen geklaut und das ist nachweislich. d.h. mit Augen gestohlen, was ja erlaubt ist. Hierzu haben sie Kameras genutzt. Ideen klauen, dran etwas besser gemacht und zwar vieeeeeeeeeeeeeel besser und vielleicht auch noch billiger, dabei einen Service angeboten, dass kein Deutscher Hersteller kann, und JA, sie wurden von der Regierung finanziert und das in erheblichem Maße und nicht nur Sparbrötchenhaft, wie es hierzulande immer noch ist. Das sollte schleunigst abgeschafft werden. Dazu muß man aber auch eingestehen, dass Deutschland etliche Male kleiner ist als China. Die haben einfach vieeeeeeeeeeeeeeeel mehr Ressourcen auch an Man-Power. Viele gute Chinesen sind Könner im Zeichnen, können Dinge sich vorstellen, die kann kaum jemand. Ein gutes Design oder eine gute Idee wird nicht von heute auf morgen durch hinsetzen und grübeln geboren. Das ist oftmals Glücksache und wenn dies keine ist, dann ist es ein Knochenjob einen Geschmack zu treffen, die viele wollen. Aber wer sind viele, wie denken viele, was wollen viele......das ist oftmals nicht gut einzuordnen. Da macht es sich Nietzsche aber verdammt einfach. Nix gegen Nietzsche aber der lebte glaube ich im vorletzten Jahrhundert. In einer Zeit in dem der Mensch dabei war große Erfindungen zu machen, aber noch lange nicht so vieles wie es heute geschieht, da man heute mit ganz anderen Material arbeitet das erst auch mal erfunden werden musste. Wo denkt der heutige, vom Kommerz über gesättigte Mensch hin? An Eroberung ferner Planeten oder wird erst einmal vernünftig und lernt endlich mal seinen Müll zu trennen? Warum muss es überhaupt Müll geben. In der DDR gab es kaum Müllberge - WIESO-WARUM- waren die klüger als wir??? Nietzsche würde heute an all die Probleme denken die wir derzeit haben. Und das nicht nur in ökologischer Hinsicht, sondern in Überlebenswichtiger. NUR wie sehen diese Lösungen aus??? Kann ich Dir sagen auch, ohne dass ich mich Nietzsches Gedanken bedienen müsste. Diese erst gar nicht produzieren! Ein Satz von ELON MUSK. Dinge die Unrat und Dreck machen, erst gar nicht produzieren, dann machen sie keinen Ärger! Logisch - NEIN - Genial einfach! Problem ist leider - JEDER - will "sich" reproduzieren. Es gab noch nie so viele 3D Drucker auf der Welt wie der Zeit und es werden immer mehr. Was kann die Welt noch aushalten oder sind wir alle schon im Arsch? Tja, der neue Nietzsche heißt Ki, vielleicht tritt er uns eines Tages mal in den Allerwertesten! Ich hoffe! Es muss aber auch nicht gleich ein ganzer Stern sein, ein "...CHEN" würde mir schon reichen! So long Ella!

Philosophen sind Visionäre,
die denken sehr spektakulär.
Pragmatiker sind sie leider nicht,
zum Glück bleibt ihnen aber der Stift!

lg Michael

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