Das Konzert
Aus dem Chaos eines entgleisten Lebens dringen Klänge des Mozart-Konzertes zur Türe hinaus in den dichtgrünen Dschungel aus Flieder, Kraut und Brennnessel, verfange sich, um sich dann doch noch im Zaubernussbaum zu verlieren.
Da hebt ein seltsam feines Flöten an, lustiges Tirilieren,begeistertes Zwitschern und Singen, nie gehörtes Quietschen und leises Knarren. Und je länger das Zusammenspiel von Piano und Orchester durch den Nussbaum schwebt, desto mehr Musikanten finden sich ein. Junge Sperlinge, eine Traube putziger, kleiner Plüschbällchen hockt und hüpft zwischen den Blättern,die Köpfchen dem Piano zugeneigt, sich gegenseitig in Kunstfertigkeit der Begleitung immer noch übertreffend. Zarte Stimmchen und doch so kräftig,dass sie bis ins Zimmer dringen, volltönend das Konzert zu untermalen.
Erst als die letzten Töne verklingen, verstummt auch der Sperlingschor. Einer nach dem anderen fliegt davon bis auf wenige, die es sich nicht nehmen lassen,sich noch ein wenig zu unterhalten
dein Text hat eine wunderbare Ruhe und zugleich eine lebendige, fast märchenhafte Klarheit.
Ich mag besonders, wie du die Musik mit der Natur verweben lässt – als würden Mozart und die Sperlinge ein gemeinsames Geheimnis teilen. Die kleinen Bilder, die du zeichnest, sind so fein und liebevoll, dass man das Konzert fast selbst hört und sieht.
Ein sehr schönes Stück, das einen für einen Moment aus der Welt hebt.
Danke fürs Teilen.
Kommentar:Lieber Johann,
wenn es so bei dir ankommt, dann ist es genauso, wie ich es empfunden und versucht habe zu vermitteln. Danke für dein Feedback.
Es gibt noch ein paar Bilder, die ich gerne noch in meine neue Zeit hinüberretten möchte. Bilder deshalb, weil ich damals gesagt habe, ich möchte Bilder schreiben. Keine starren Bilder, sondern wie ein Clip, eine kurze Beobachtung, eine Impression, eine Fantasie, inspiriert von einem Moment.
Gedacht waren diese Bilder für einen Kalender mit zwölf geschriebenen Bildern. Es sollte ein Kalender werden, mit kleinen Texten in großer Schrift. Ein Kalender, an dem man nicht einfach vorübergeht, sondern einfach mal innehalten muss.
Wer weiß, vielleicht realisiere ich dieses Projekt auch doch noch. Die Idee finde ich immer noch gut.
du bist ein Wortmaler der wunderbare Gedankenbilder zu Papier zu bringen vermag. Sag mal, wäre es ein Kalenderblatt, welchem Monat würdest du diesen Text wohl zuordnen?
Hast du schonmal die Nachtigall belauscht, sie singt ganz wunderbar und auch dann noch, wenn sämtliche andere Vögel schon schlafen. Auch der Gesang am Morgen ist meist noch ganz leise und kaum vernehmbar, wenn die einzelnen Piepmätze dann so nach und nach aufwachen und in den Chor mit einstimmen.
In einem der vergangenen Winter habe ich einmal, nach starkem Schneeeinfall noch spät im Frühjahr, einem ganzen Schwarm an Bergfinken buchstäblich das Überleben gebracht. Sie fanden in den Höhenlagen einfach kein Futter mehr durch den Schnee und überlebten in einem alten Ahornbaum und den aufgestellten gut befüllten Futterstellen in meinem Garten über mehrere Tage lang bis der Schnee wieder weg war.
Solche Gedankenschnüre entstehen da bei mir.
Gerne eingetaucht, liebe Grüße!
Uschi
Kommentar:Liebe Uschi, soweit ich mich erinnern kann, war es im Mai, als ich es erlebt und aufgeschrieben habe. Selbst wenn es nicht so ganz stimmig ist, würde ich es Maikalenderblatt nehmen. Ich finde, es passt.
Liebe Grüße
Gunnar
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