Sie band sich das Kopftuch und die Schürze, nur die Schuhe konnte sie sich nicht binden wegen ihres dicken Bauches. Bald würde das zweite Kind kommen, und sie und Peter waren schon erwartungsvoll.
Das Essen war karg und sie war froh, dass sie als Frau in den Ende 40er Jahren eine Arbeit gefunden hatte. Nach der Abholzung des Waldes für Reparationszahlungen an die Franzosen galt es wieder aufzuforsten im Gaistal.
Sie nannte sich Kulturfrau, war aber schlecht bezahlt. Zunächst hatte sie Baumsamen in Beete gesät und ließ sie zwei Jahre wachsen. Dann pickierte sie die kleinen Bäumchen. Und nach zwei weiteren Jahren wurden die Bäumchen in die kahlgeschlagenen Waldflächen eingepflanzt.
Sie waren etwa 60 Kulturfrauen, die im Bus eingesammelt und zu den Pflanzgärten gefahren wurden.
An diesem Morgen fuhr Luise nicht mit. Peter rief die Hebamme, kochte heißes Wasser und wartete. Dann kam eine Tochter zur Welt und Luise würde in einigen Wochen wieder mit dem Bus zu den Pflanzgärten fahren.
Stille, Blätter flüstern einen letzten Gruß
bevor sie sanft zur Erde gleiten.
Es trägt sie ein zärtlicher Wind,
er bittet sie zum Tanz, ihrem letzten Tanz.
Der Mond zerbricht im Teich zu Silberstücken,
Ich schau hinaus mit eingetrübten Blicken.
Wo ist die Liebe? Werd ich einsam sterben?
Mein wundes Herz, es blutet aus den [ ... ]
Ich bin noch am Leben. Heute Morgen liege ich nur im Bett. Denke an Alles und Nichts. Trinke Tee. Warte bis der Tag lebt. Auf den Morgen. Und ich die Bäume sehe. Und den Himmel. Und die Sonne. Und [ ... ]