Meine Mutter legte immer großen Wert auf gutes Deutsch bei ihren Kindern. Sie wollte nicht, dass ihre Töchter ihre kroatische Sprache lernten. Aber einen Satz, den die Eltern untereinander sprachen, behielten wir trotzdem bei unserer sparsamen Mutter im Gedächtnis: "Iskotschiti svetlo!", das bedeutet: Schalte das Licht aus!
Jahre vergingen und ich war bereits im Berufsleben angekommen. Es war gerade eine Weihnachtsfeier am Arbeitsplatz und wir hatten eine jugoslawischstämmige Sekretärin. Die Tischreihen waren mit brennenden Teelichtern geschmückt und die Lasagne duftete vom Catering-Service. Da rief ich: "Iskotschiti svetlo!" und meine Kollegin verstand mich. Sie knipste das elektrische Licht aus und wir saßen im Schein der Flämmchen einträchtig und stimmungsvoll beisammen.
An dem folgenden Weihnachtsfest war es die Erinnerung von meiner Schwester und mir, als wir die Weihnachtslieder anfingen zu hören, an der aufgebauten Krippe standen und gleichzeitig riefen: "Iskotschiti svetlo!", damit wir im Lichterschein der brennenden Kerzen Weihnachten besser feiern konnten.
Und auch ein drittes Mal wird es in diesem Jahr an Silvester in meinem Zuhause heißen: "Iskotschiti svetlo!" und wir werden schon beim Mitternachtseintopf das Feuerwerk draußen in unseren Fenstern genießen, bis wir mit den gefüllten Sektgläsern in die erleuchtete Nacht hinaustreten und das neue Jahr unter farbenprächtigen Feuerwerksschnuppen willkommen heißen.


© Karin Schaffer


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