Wunder der Teigvermehrung

© Michael Dierl

Der 18 Geburtstag, das Jahr der Volljährigkeit, musste natürlich gefeiert werden. So überlegte ich Pizza für all unsere eingeladenen Gäste zu machen. Alle, waren ungefähr 20 Leute, die gerade so in unsere gute Stube passten. Meine Eltern waren damals in Urlaub in Österreich und ließen es sich gut gehen. Ab und zu kam ein Anruf, was sie gerade gemacht haben und was sie so noch vor hatten zu tun. Ich erzählte, was ich hier bei uns so vorhatte mit einer Party zum 18 Geburtstag und ich fragte noch am Telefon nach dem Rezept für den Hefeteig, da ich es nicht mehr ganz genau wusste. Bei so vielen Gästen, die auch ordentlich Hunger mitbrachten, überlegte ich kurz wieviel jeder so an Pizza verdrücken konnte. Außerdem wollte ich verschiedene backen, weil die Geschmäcker auch verschieden waren. So hatte ich vor eine Hawaii-Pizza mit Anna-nass zu machen oder eine mit Pilzen, sowie vegetarisch und mit Räucherspeck, Jagdwurst und Kochschinken usw. Davon jeweils zwei große Bleche müssten eigentlich reichen, dachte ich. Also in etwa 10 Bleche Pizza. Ich kalkulierte die Menge und die ergab zwei Bottiche Hefeteig der erst mal 2 Std. auf dem Küchenschrank gehen musste, denn dort oben war es hübsch warm so, dass die Hefe auch gehen konnte. Abgedeckt wurde sie mit einem feuchten Geschirrhandtuch. Warum feucht, weil man auf diese Weise den Teig besser vom Tuch trennen konnte. Aber an diesem Abend lief einfach alles schief. Mit dem Teig fing es schon an. Ich tat zwei volle Würfel frische Hefe in 4kg Teig und dachte doch nicht, dass nun die wundersame Brotvermehrung genau auf diese Weise funktionierte. Denn der Teig kam in breiten Strömen den Küchenschrank nach einiger Zeit des Gehens hinunter und ich konnte ihn gar nicht bremsen, so viel kam auf diese großen Schüssel raus. Es war ein Riesen Batzen, den ich auf ein Blech tat aber dort wuchs er einfach weiter und ich bemühte mich jetzt wirklich der Sache Herr zu werden. Aber rede mal mit solch einem Teig, dass er damit aufhört! Und als ich die ganze Schüssel vom Schrank holen wollte, sah ich Ohhhhh Schreck, dass ein großer Teil schon länger hinter dem Küchenschrank auf der Flucht nach unten sich befand. Ich war total fix und fertig. Das hätte ich niemals gedacht. Aber wie nun an diesen Teig kommen der schon den Boden zwischen Rückwand und Mauer war. Es gab keinen anderen Aúsweg als den ganzen Schrank abzubauen und dann den Teig zusammenzufummeln und ihn dann zu entsorgen. Ich hatte mir die Party anders vorgestellt. Als die 1. Gäste eintrafen, war noch gar nix passiert. Wir hatten gerade den Schrank ausgeräumt und waren dabei das obere Stück des Schrankes abzunehmen. Zum Glück mussten wir nicht noch den unteren Teil demontieren, denn man kam ganz gut mit der Hand bis ganz runter und konnte so den Teig entfernen. Aber das war noch nicht alles was danach passierte war noch weit aus schlimmer. Nun fehlte noch ein gutes Stück Teig und ich musste diesen ergänzen. Als die ersten Pizzen fertig waren dachte ich warum der Teig auf dem Blech bis zu 4 cm hoch wurde. Aus der so tollen Pizza wurde nun ein Kuchen. Es reichte schon ein Stück zu essen und man war pappsatt. Also hatte ich viel zu viel gemacht. Außerdem schmeckte ich nicht die Pepperoni ab wie stark diese waren, weil der ganze Stress mit dem Teig mich ablenkte. Thomas, ein Freund von uns, erwischte ein Stück mit Peperoni und fing plötzlich an zu schwitzen. Bekam kaum noch Luft und seine Stirn war schweißnass. Ich habe natürlich was zu trinken hingestellt aber mit Bier kann man solch einen Brand nicht löschen. Man nimmt Milch dazu aber das wusste ich damals nicht. So wurde der Brand immer schlimmer und er trank immer mehr bis er zur Seite umkippte und nur noch dummes Zeug laberte. Seine Freundin machte sich schon Sorgen und schaute mich schon strafend an. Ich war fix und fertig meinte noch, dass man die Peperoni wegschmeißen sollte aber das half scheinbar auch nicht. Wo sie auf der Pizza lag schmeckte man die Schärfe trotzdem. Also alles weg in die Tonne. Andere fingen nämlich auch an, dass sie plötzlich Schweißperlen auf der Stirn hatten und wie wild mit den Händen in der Luft herumfuchtelten. Es war einfach zu scharf. Einige markierten den starken Mann, wollte sich keine Blöße geben und andere machten daraus auch noch eine Wette. Ok, dachte ich, macht nur weiter damit, zum Krankenhaus ist es ein Katzensprung und man bräuchte ja nur die 112 wählen und schon wäre jemand da. Kurzum war es schon eine gelungene Feier aber dieses wird jeden wohl niemals aus dem Kopfe gehen und immer bewusst bleiben was sie bei meinem 18 Geburtstag erlebt haben. Jedenfalls wurde viel getrunken und von der besseren Pizza nahm sich jeder noch einen Batzen mit nach Hause. Ob der nicht noch auch im Müll gelandet ist weiß ich allerdings nicht. Die andere Pizza war so übelst scharf, dass man selbst Ratten hätte damit töten können. Manche waren leichenblass im Gesicht und ich hatte schon echt Angst den Notarzt holen zu müssen. Am nächsten Tag war Aufräumen angesagt. Die Küche sah einfach grauenhaft, versaut aus. Überall Reste, angefressen und nicht aufgegessen. Der Teig, den ich dann gar nicht mehr verarbeitet hatte, starrte mich immer noch an und fragte ob ich nicht Lust hätte eine Pizza aus ihm zu machen. Ich hatte einfach kein Bock mehr und nahm eine Tüte und schmiss all die Überreste in die Tonne. Das ganze Geschirr war noch einzuräumen und bis ich alles wieder an Ort und Stelle hatte verging der ganze lange Tag. Ich war froh, dass man nur einmal 18 Jahre wird im Leben! Ende!


© Michael Dierl


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Eine wahre Geschichte!

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Kommentare zu "Wunder der Teigvermehrung"

Re: Wunder der Teigvermehrung

Autor: Harald (Tom) Gressel   Datum: 10.12.2025 8:32 Uhr

Kommentar: ...diese Geschichte hast Du wohl, bei jeder Fahrt vorbei an einer Pizzeria oder bei der Entgegennahme des Lieferprospektes des Pizzalieferservice aus dem Briefkasten erneut vor Augen...? Wahrscheinlich Unvergesslich - in der Nachbetrachtung?
Eine tolle Geschichte...

herzlichst Harald (Tom)

Re: Wunder der Teigvermehrung

Autor: Michael Dierl   Datum: 10.12.2025 12:38 Uhr

Kommentar: Hallo Harald, ja, das werde ich auch nie vergessen. Heute bin ich nach etwa 200 Pizzen die ich garantiert schon gebacken habe zwar nicht ein Meister aber nahe dran. Danke für Deinen Kommentar! Wünsche Dir eine nette Vorweihnachtszeit mit allem Drum-und-dran!

lg Michael

Re: Wunder der Teigvermehrung

Autor: Gunnar Buchheister   Datum: 23.12.2025 22:37 Uhr

Kommentar: Wunderbar. Ich war so mittendrin, ich hätte dir helfen können, den Teig vom Schrank zu kratzen und vielleicht noch schnell einen Ventilator zu organisieren für die Peperonigeschädigten. Freut mich aber, dass dieses Erlebnis dich nicht so weit abgeschreckt hat, dass du keine Pizza mehr machst.

lg Gunnar

Re: Wunder der Teigvermehrung

Autor: Michael Dierl   Datum: 23.12.2025 23:46 Uhr

Kommentar: Hallo, Gunnar ja ich hätte wahrlich Hilfe gebrauchen können damals. Schade, dass von uns niemand Sanitäter gewesen ist und weiß wie man mit solch "Verbrennungen" umgeht. Das man mit Milch besser noch mit Sahne das etwas milder kann wußte ich damals nicht. Auch habe ich diese Dinger gar nicht probiert. Ich dachte doch nicht dass man solch Gift käuflich erwerben könnte und Pepperoni hört sich doch auch gar nicht nach Hölle an. Es ist doch ein nieeeeedliches iiiiiiiiiiiii am Ende, dagegen hört sich ja HARIBO schon schrecklicher an finde ich. :-)

lg Michael Dir auch eine schöne Weihnachten!

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