Mädchen, oh Mädchen, was hast Du für Augen. Liegst da und schaust in den Sommer. Deine Aussicht ist die Wiese, deine Welt sind die Schmetterlinge, deine Freude ist der Wind. Dein Vater schneidet Gras, deine Mutter führt den Rechen. Du kannst den Himmel anschauen und Kind sein. Noch weisst Du nichts vom plötzlichen Unfalltod deines Vaters, noch von deinem Stiefvater, der dich genauso lieben wird. Noch weisst Du nichts vom Krebs, der dir deinen Stiefvater wieder nehmen wird. Du wirst bei deiner traurigen Mutter aufwachsen, bis du gross sein wirst. Dann wirst Du einen Bauern kennen lernen und wieder vom Sommer träumen. In diesem Traum werden wieder Schmetterlinge sein, die Wiesen werden voller Wind und die Aussicht wird grossartig sein. Und trotzdem werden deine Augen nicht mehr dieselben sein.


© René Oberholzer


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Kommentare zu "Mädchenaugen"

Re: Mädchenaugen

Autor: Wolfgang Sonntag   Datum: 15.09.2021 9:11 Uhr

Kommentar: Lieber René,
eine Geschichte wie ein Drehbuch, in der Autor und Regisseur mehr wissen als die Hauptdarstellerin. Gefühlvoll geschrieben; ja, so ist das Leben.
Liebe Grüße Wolfgang

Re: Mädchenaugen

Autor: Jens Lucka   Datum: 15.09.2021 20:38 Uhr

Kommentar: Es klingt, als würde eine höhere Macht ein Lebensplan für jemandem erstellen.
Aber das Leben läuft leider oft auf jener Art und Weise.

Liebe Grüße von Jens

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