Wie jede Nacht fuhren sie durch das riesige Tor des Schlachthofs. 3 Männer, 1 Frau auf dem Weg zur Ausbildung / Arbeit die von Berufswegen notwendig war. Rundherum alles gesichert, damit ja niemand unangemeldet das Gebäude betreten konnte. Wie immer schlug ihnen schon im Vorhof ein bestialischer Gestank entgegen, an den sie sich nicht gewöhnen konnten. Es roch nach Blut und Tod.
Die Frau stand am Fliesband und hatte heute die Aufgabe Därme auf Veränderungen, Krankheiten zu untersuchen.Hinten an der Blutverschmierten gekachelten Wand stand der Kopfschlächter, der die vorab durch eine Zange betäubten Schweine mit einem Messer in den Hals stach damit sie ausbluten. Heute hing wieder ein Schwein dazwischen, das wohl so durchgelaufen war, weil der Schlächter ganz fix im Akkord arbeiten mußte. Also fiel es lebend in die Haarrolle mit kochendem Wasser wo tausend scharfe Messer die Haut abscharbten.Unvorstellbar welche Qualen das Tier erlitt bevor es starb. Da scherte sich hier niemand drum. Das Geschrei und der Krach überdeckten alles. Die Frau war geschockt, durfte es sich aber nicht anmerken lassen. Hier war eine reine Männerdomäne, Frauen waren die Ausnahme. Entweder wollten sie Tierärztin werden, oder waren beim Veterinäramt angestellt um Proben zu untersuchen oder ähnliches.Weiter zog sie die toten Ferkel aus der Gebärmutter, wischte nebenbei die Schweineaugen vom Band, die ihr der Kopfschlächter grinsend hingeworfen hatte. Gegen Mittag sollte sie entscheiden, ob die Kuh oder das Kälbchen gerettet werden sollte. Die hochträchtige Kuh stöhnte laut vor Schmerzen. Die Frau wollte das man sie von ihren Qualen erlöst. Das Kälbchen in ihrem Bauch lebte eh nicht mehr wie man ihr später sagte. Rechts davon stand ein Pferd, oder was davon übrig war. Nur Haut und Knochen auf wakeligen Beinen an einem Seil festgebunden ohne Wasser und Futter seit drei Tagen..Auch dieses Tier mußte erlöst werden. Meist wurde die Schweine zur Schlachtung Freitags gebracht und standen in Eisenboxen mit Metallstäben ohne jegliche Nahrung. Ihr Geschrei dröhnte in den Ohren. Danach folgte die Untersuchung der Bullenköpfe. Alle Lymphknoten wurden genau inspiziert. Das die Köpfe bei der Untersuchung noch zuckten war normal . Jeder der einmal Polizeilymphknoten untersucht hat, dem wird vorerst der Appetit auf Kirschjoghurt vergehen von Fleisch essen ganz zu schweigen. Man lernt die Stresshormone zu riechen und zu schmecken. Besonders arg ist der Geschmack von Fleisch das im Supermarkt gekauft wurde. Anschließend lernte man Proben im Labor zu untersuchen. Sämtliches Wissen über Tierkrankheiten musste später oder zu Hause gelernt werden. Bis zu den Prüfungen mußte alles sitzen. Die Frau bereute diese Zeit. Hätte sie gewusst was da in vier Monaten auf sie zukommt, diesen Beruf hätte sie nie ausgeführt. Nach einem Jahr hat die Frau alles hingeschmissen und eine andere Laufbahn angestrebt


© Erika Reinecke


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Kommentare zu "Da ißt man nichts was Augen hat"

Re: Da ißt man nichts was Augen hat

Autor: Callme-ismael   Datum: 08.07.2019 19:18 Uhr

Kommentar: ... ja, es ist eine - Signorina Reinecke möge mir bitte meine Wortspielerei nachsehen - "Schweinerei", was denn in so manchen Schlachthöfen vor sich geht: die Industrialisierung & Globalisierung hat viel Schlechtes gebracht...

Doch muss ich auch gestehen, daß ich Fleisch(fr)esser bin... Hätte ich die Möglichkeit, würde ich mir auch einen Hühnerstall halten & dann tun, was man eben tun muss, um zu dem gewünschten Ziel zu kommen...

Jedoch denke ich auch, daß alles, was denn lebt, einen "gnadenvollen" Tod verdient hat...

Grüße & Ahoi

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