Als ich auf mein Handy sah, spürte ich, wie mich der Blitz streifte....
Wir saßen gerade in einem Fastfood Restaurant. Meine Einjährige griff gerade genüsslich zu und auch ich stopfte mir ein paar Pommes in den Mund, als plötzlich mein Telefon düdelte.
So nebenbei sah ich, dass ich eine Nachricht meiner Schwester bekommen hatte. Ich überflog ihre Nachricht und blieb bei einem Satz hängen: 4-cm-Tumor im Kopf....
Mir blieb fast das Essen im Hals stecken, ich schluckte hastig.In mir zog sich alles zusammen.
Angespannt gab ich meiner Kleinen zu Trinken und las noch einmal, wieder und immer wieder...was hatte das nur zu bedeuten???
Da wir 450 km entfernt wohnen, bekam ich vieles nur so am Rande mit. So wusste ich, dass meine Nichte bei ihrem Freund lebte. Dieser war sehr viel mit seinen Vereinen unterwegs, sodass Katharina sehr viel alleine war.
auch bei irer Mutter ließ sie sich nicht oft blicken. Sie war eine junge Frau, die unabhängig sein wollte. Unabhängig und bloß nicht lästig, es könnte ja jemand auf WAS draufkommen...
Dass sie sich seit Monaten übergab - fast täglich - das wusste ich nicht . Auch meine Schwester wusste nichts davon, bis sie Katharina doch eines Tages wieder zu Gesicht bekam. Sie war erschreckend abgemagert, wirkte müde und kraftlos. Ob sie denn nichts zu essen bekäme, fragte meine Schwester.
Nur zitzerlweise rückte sie mit der Wahrheit heraus. Ob sie denn schon zu einem Arzt gegangen war, auch das verneinte sie.
So kam es, dass beide am folgenden Montag das Krankenhaus aufsuchten. Aufgrund Katharina´s Beschwerden, ihrer Kotzerei und ihren Ausfällen beim Gehen - sie kippte plötzlich um - so wurde erst einmal der Magen angeschaut. Es gab unzählige Untersuchungen, mit dem Ergebnis, dass sie NICHTS fanden.
Aufgrund der Hartnäckigkeit meiner Schwester wurde weiter "gesucht", und sie landeten beim Kopf...und hier saß das Übel: ein Tumor von schon 4 cm Durchmesser saß im hinteren Teil des Kopfes. Das war auch der Grund, warum sie immer wieder erbrach, da der Tumor auf einen Teil des Gehirns drückte, der dann die Übelkeit hervorrief, und zur Folge die Kotzerei.
Der Witz an der Sache war aber, dass Katharina´s täglicher Ablauf von AUßEN sehr wohl beobachtet wurde! In ihrer Lehrstelle meinte die Vorgesetzte:" sie ist ein junges Mädchen, die wollen heute doch alle schlank sein...!" - diese Frau dachte an Bulelmie!!!! Auch der Mutter ihres Freundes fiel ihr täglicher Weg zur Toilette auf. Auch sie war der Meinung: Schlankheitswahn, Finger in den Mund stecken.....
NIEMAND unternahm was oder informierte zumindest die Mutter....!!!
So vergingen die Monate. Wertvolle Zeit, die ihr am Ende abging!

Denn jetzt wurden die Ärzte nervös, und dazu hatten sie allen Grund!
Sie beschlossen, ehestmöglich zu operieren.

Zu Hause erzählte ich alles meinem Mann. Wir alle waren entsetzt, hofften aber auf das Beste - es konnte einfach nichts SCHLIMMES sein!!!!

Wie es in einer Mutter ausschauen muss, die ihre kranke Tochter zur OP ins Krankenhaus fahren muss, das malte ich mir immer wieder aus - ich betete, um von einem solchen Unheil niemals getroffen zu werden...

Jetzt musste meine Schwester wirklich stark sein. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, was für eine Wende es in unser aller Leben bringen würde...
Mit Aufregung erwartete wir das Ergebnis, obwohl alles recht schnell ging - es war keine Zeit mehr zu verlieren, denn der Tumor war bösartig UND schnell wachsend!!!
Das war ein niederschmetterndes, grauenhaftes Ergebnis!

Eine weitere OP ergab, dass sie nicht den ganzen Tumor entfernen konnten. Er war bereits mit Teilen des Gehirns verwachsen.
Sie mussten SOFORT bestrahlen!
Jetzt rechneten wir mit dem Schlimmsten...
Dabei wollte ich sie noch einmal sehen....
DAS konnte es einfach nicht gewesen sein!!!
Sie war doch immer unsere Schönheit.....


© Traudi


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Beschreibung des Autors zu "Unsere Schönheit, Teil 1"

Andenken an meine liebe Nichte Katharina....

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Kommentare zu "Unsere Schönheit, Teil 1"

Re: Unsere Schönheit, Teil 1

Autor: Ella Sander   Datum: 27.02.2019 18:51 Uhr

Kommentar: Das Leben schreibt traurige Geschichten, liebe Traudi, deren Wucht einem den Boden unter den Füßen wegreißt.
Wie traurig und berührend, Deine Zeilen.

Liebe Grüße
Ella

Re: Unsere Schönheit, Teil 1

Autor: Wolfgang Sonntag   Datum: 27.02.2019 19:08 Uhr

Kommentar: Liebe Traudi,
meine tröstenden Worte sind in deiner Situation nicht genug.
Aber ich habe nichts anderes,
und meine Gefühle ...
und die sind bei dir ...
Liebe Grüße Wolfgang

Re: Unsere Schönheit, Teil 1

Autor: possum   Datum: 28.02.2019 1:47 Uhr

Kommentar: In solchen Erlebnissen da sind Worte zu gering liebe Traudi, Alles Liebe dir!

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