Manchmal fühle ich mich, als wäre ich eingesperrt in meinem Körper. Ich fühle mich als wäre nicht ich sondern mein Unterbewusstsein dasjenige, dass die Entscheidungen trifft. Immer wieder kommt es zu Kampf mit diesem Dämon und immer wieder gewinnt er, wenn ich nur kurz schwach bin. Er gewinnt immer wieder, wenn ich zögere etwas zu machen. Er gewinnt immer wieder, wenn ich nicht wirklich Lust auf etwas habe. Er gewinnt immer wieder wenn ich Angst davor habe etwas falsch zu machen. Wenn er gewinnt dann mache ich gar nichts oder verkrieche mich geschlagen vor den PC oder schlafe einfach den ganzen Tag. Wenn ich den Kampf verliere, dauert es, bis ich mich erneut aufraffen kann, um diesen Kampf in meinem Kopf zuführen. Er gewinnt oft, wenn ich gerade etwas mache was mir Spaß macht, wenn ich spiele oder Serien schauen. Er gewinnt häufig, wenn ich etwas machen muss, wenn ich verabredet bin und meine Höhle verlassen muss, um andere zusehen oder etwas für mich selbst zu machen. Es ist dann nicht so als würde ich niemanden sehen wollen, aber immer wieder habe ich Angst davor das Konflikte entstehen mit Freunden und Familie, wenn ich sie wirklich sehe, weil ich weiß, dass wenn ich mit Freunden und Familie im Konflikt bin, der Dämon ein leichteres Spiel gegen mich hat. Es ist ein inneres Paradox, weil ich auch am Ärgern und Provozieren Spaß habe, weil ich gerne Diskutiere. Aber aktuell habe ich Angst davor, dass jemand missversteht oder verletzt wird, weil er mich nicht versteht. Das ich diesen jemand dann verliere, weil ich einen Fehler gemacht habe. Das ich niemanden mehr habe, wenn ich aus meiner Höhle gekrochen komme.
Ich vernachlässige mich selbst, weil der Dämon es so will. Ich verliere den Kampf fürs Aufräumen und die Selbsthygiene, damit ich den Kampf gewinnen kann, um mal rauszukommen. Damit niemand merkt, dass ich gerade eigentlich nur Freigang habe, weil der Dämon schläft. Ich freue mich immer, wenn ich den Kampf gewinne und rauskomme, aber sobald ich zweifel daran habe, dass es sich lohnt rauszukommen, habe ich keine Chance mehr den Dämon zu bezwingen. Schon gar nicht, wenn ich selbst keine Lust für den Grund des verlassens meiner Höhle habe.

Das Problem an dem Dämon ist, er weiß was mir Spaß macht, er weiß, dass wenn er mich dazu verleitet die Nacht wach zu bleiben, nicht aufzuräumen und mich nicht zu waschen, mein Kampfgeist und mein Drang ihn zu besiegen schwindet. Er weiß das wenn ich müde bin, er ein leichtes Spiel hat. Zu oft hat er den Kampf gegen mich gewonnen, als ich müde war. Zu oft wusste er genau, morgen will er früh aufstehen, also lasse ich ihn nicht schlafen, dann wird der Kampf am Morgen ein leichter sein.

Ich möchte meinen, ich müsste stark genug sein, einen solchen Widersacher zu besiegen. Ich weiß nicht, wann ich so schwach geworden bin. Wahrscheinlich wurde ich immer schwächer nachdem mein Herz gebrochen wurde. Wobei der Bruch nicht mit böswilliger Absicht kam, sondern weil der Dämon mich schon da in schwachen Momenten unter Kontrolle hatte. Ich habe von der Person die ich so liebte und immer noch liebe, schier unmögliches verlangt. Ich habe alles auf Spiel gesetzt, weil der Dämon raus wollte, weil er mich gelenkt hat und in Versuchung geführt hat. Mit jedem Tag wo ich sie zu einer Art der Beziehung nötigen wollte, die einseitig war, die nicht fair war, in dem Versuch die Lust des Dämons zu stillen, welche er selbst in dieser Art nie zulassen würde. Ich habe sie dazu gebracht, dass sie von mir weg wollte, weil sie das Gefühl hatte, dass sie mir nicht das geben könne, was ich, was mein Dämon wollte. In dem Moment wo sie Schluss gemacht hat und meine Oma gestorben ist, ist mein Herz und mein Glück zerbrochen. Danach verlor ich immer öfter gegen den Dämon und habe seinen Siegeszug akzeptiert, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Seitdem habe ich mein Lachen verloren. Ich erinnere mich noch genau, dass es eine Zeit gab, wo ich immer lachen konnte, wo mein Herz immer gelacht hat. Diese Zeit scheint in weiter ferne. Ich habe mich ein Stück Weit selbst verloren, ich habe akzeptiert, wie ich einen Fehler nach dem anderen in meinem Leben gemacht habe. Wie ich ohne guten Grund mein Studium weggeworfen habe. Wie ich mich selbst nicht mehr zur Arbeit aufraffen kann, da der Dämon darauf keine Lust mehr hat. Wie ich meinen Kopf nur noch in den Boden stecke, in der Hoffnung die Welt habe vergessen, dass es mich gibt. In der Hoffnung, dass andere es meinem Dämon recht machen, damit ich nicht Schlachten gegen ihn führe muss, die ich nicht gewinnen kann.

Ab und an haben sich Gedanken aufgeschwungen um Frei zu sein. Um zu Träumen, nicht mehr in der Höhle mit dem Dämon eingesperrt zu sein. Etwas zu bewegen, etwas zu schaffen, die Welt besser zu machen. Davon geträumt, reich zu werden oder das leiden der Menschen zu beenden. Aber egal welcher Traum es auch war, welche verrückte Idee mich verzückte, sobald der Traum drohte die Höhle zu verlassen, wurde mein Geist wieder von Versuchungen des Dämons umhüllt, um die Funken die einen Kampf entfachen könnten, direkt zu ersticken. Es ist fast so als hätte er die Taktik der Ablenkung gemeistert, solange ich nur vergesse was ich machen will, muss er nicht fürchten, dass ich mich aufraffe für einen Kampf, ihn herauszufordern und selbst mal wieder etwas zu schaffen. Er schafft Verlockungen, denen ich zu selten widerstehen kann. Versuchungen die mich zurück auf den Boden werfen, Verleitungen die mich vergessen lassen, dass nicht ich sondern der Dämon mich kontrollieren.

In diesem Moment in dem ich schreibe, dieser Moment der Klarheit, versucht er wieder alles um mich von diesen Gedanken abzubringen. Er versucht mir zu sagen ich sei müde. Es ist spürbar wie er die Sehnsucht nach dem Bett vergrößert. Wie er mir sagen will, dass dieser Text nicht gut genug sei, dass ich spielen könnte, dass ich Serie schauen kann. Ich merke immer wieder wie er es schafft, meinen Fokus dieser Gedanken zu stören, wie er es geschickt anstellt, such doch mal nach Synonyme, ach du hast ja gar keine Musik an, erinnerst du dich noch an den Anime den du unbedingt weiterschauen wolltest? Es ist dieser Zermürbende Kampf, fokussiert zu bleiben und es endlich mal in Worte zufassen, was ich fühle. Was ich glaube zu fühlen. Was ich hoffe zu fühlen. Ich merke wie in meinem Kopf Trauer ist, wie er aufgewühlt ist, aber mein Herz bleibt still. Seit Jahren kommt es kaum zum Kopf durch. Keine Trauer, keine Freude, es ist fast so als hätte ich einen Teil von mir verloren, einen Freund. Anstatt das mein Herz meinem Freies ich unterstützt, ruht es dort in meiner Brust, und meldet sich nur zu Wort, wenn etwas Erotisches naht. Auch dann nur für kurze Zeit, als wäre es gerade so mal kurz wieder Ganz, aber dann zerbricht es auch wieder und schweigt. Und lässt mich mit dem Dämon wieder alleine.

Ich weiß nicht wie es soweit kommen konnte. Wann ich den Kampf so aufgeben habe, dass der Dämon nun seit fast anderthalb Jahren fast immer seinen Willen bekommt. Es drängt sich auch immer mehr die Frage auf, ist dieser Dämon mein Wahres ich. Nicht diese Projektion, die Hoffnung und Erwartung meines schreibenden Ich’s, sondern einfach nur mein Wahres ich. Wenn das so wäre, wer wäre ich dann, wenn ich mein wahres ich schon als Dämon beschreiben würde. Wo würde mich das stehen lassen? Ist das ich was ich hoffe zu sein, in Wahrheit nur der Traum, selbst kein Dämon zu sein. Selbst besser zu sein als der Dämon, der es gerade mal für nötig hält zu essen und zu schlafen. In der Aussicht, dass irgendwer den Dämon, mich, weiter versorgt und er auf ewig so weitermachen kann? Ist das hier gerade nur ein Moment des Selbstmitleids von jemanden der es nicht schafft sein eigener Herr zu sein? Bin ich gerade der Traum, doch etwas besonderes zu sein. Mein eigener Held, ein Retter der Welt? Ich weiß es nicht, ich merke wie der Dämon mir immer weiter die Kraft raubt, wie ich Kopfschmerzen bekomme, wie er immer weiter versucht mich zu schlafen zu verlocken, auf dass ich Morgen vergessen habe, dass ich nicht der Dämon, sondern ich sein will. Er will die Kontrolle zurück. Er will dieses Freie Ich wieder loswerden, um sich wieder der eigenen Völlerei und Faulheit hinzugeben.
Ich hoffe, dass ich Ich bin. Dass ich endlich die Kraft finde diesen Kampf zu führen. Das der Dämon mit mir und nicht ich mit ihm eingesperrt bin.


© Wolfskind


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Beschreibung des Autors zu "Mein Dämon"

Mein erster Text über mich und meinen inneren Dämon

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