WAS TUE ICH?
Mein WEITERES LEBEN planen
Ich hatte jetzt Medikamente verschrieben bekommen und es ging mir bedeutend besser. Aber ich konnte unmöglich mehr weiter zur Arbeit gehen. Als ich dies meinem ehemaligen Chef mitteilte, war sein einziges Problem, sich möglichst um die Ansprüche, die ich noch hatte, zu drücken. (Kündigungsfrist, 5 Wochen noch austehender Urlaub, Abfertigung).somit hatte ich einige Probleme mein Arbeitsverhältnis so zu lösen, dass ich nach so vielen Jahren im Geschäft, wenigstens meinen Anspruch auf Abfertigung nicht verlor. Ausserdem musste ich in dieser Zeit wegen des Überfalls (ein Täter wurde gefasst) 2x bei Gerichtsverhandlungen aussagen. Dies alles war nicht leicht für mich.
Mit meiner Diagnose blieb ich im Krankenstand und reichte sofort um Invalidenpension ein, welche ich erstaunlicherweise und zu meinem Glück sofort bekam. Ich hatte also allerhand zu tun, zu erledigen und wir fingen an zu planen, wie es in der Zukunft weitergehen soll. Wir beschlossen, dies alles so schnell wie möglich hinter uns zu lassen und in unser Haus nach Serbien zu ziehen. Mein Mann hatte all´die Jahre in Wien immer Sehnsucht nach seiner Heimat und ich wusste, mit der Rückkehr dorthin, würde sein Herzenswunsch in Erfüllung gehen. Er hatte inzwischen auch schon das Pensionsalter erreicht und somit stand diesem Ansinnen eigentlich nichts mehr im Wege.

WIE GEHT MEIN LEBEN WEITER?
Eine WICHTIGE FRAGE, die sich immer wieder stellt.
Die Entscheidung, alles hinter mir zu lassen, die Ungewissheit, ob ich dort glücklich sein werde, kreisten in meinem Kopf herum. - Meine Kinder und Enkel nicht mehr so oft zu sehen - in ein anderes Land zu ziehen, wo ich kaum jemand kannte, dessen Sprache ich zwar einigermassen gut beherrschte, aber doch nicht meine Muttersprache ist - mit dem 87jährigen, nicht ganz einfachen Schwiegervater unter einem Dach leben, etwas abseits der Zivilisation ( 2,5 km vom Ort entfernt ), ob das wohl gutgehen würde? Wenn nicht, was dann? Meine bis dahin gute Ehe könnte daran zerbrechen. Ich lebte in meiner Jugend schon einmal 3 Jahre in Serbien und meine Erinnerungen an diese Zeit sind alles andere als gut, was damals auch der Grund war, warum wir nach Wien zurückkehrten. Doch in der Zwischenzeit war viel Zeit vergangen, und unser Haus, wartete darauf, dass wir einziehen. Auch der alte, inzwischen verwitwete Schwiegervater sollte nicht mehr so alleine sein. Auch wollte ich all´das Negative der vergangenen Zeit hinter mir lassen und einfach ein neues Leben beginnen. Dies und das Wisssen, um den Herzenswunsch meines Mannes, waren letzendlich das Motiv, Wien zu verlassen.
Heute kann ich sagen: Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens!

WAS IST GUT FÜR MICH?
Das ERKENNEN wo meine Grenzen liegen.
Es hat einige Zeit gebraucht bis ich es wusste. Alles war neu, aufregend, man musste sich eingewöhnen, manches lernen, zb. Sprache auffrischen, Traditionen und Bräuche verstehen und mitmachen. Letzteres fiel mir nicht schwer, da ich es unbedingt wollte. Einer meiner grössten Wünsche war, als Fremde akzeptiert zu werden und dazu zu gehören. Es ist mir gelungen und das ist sehr gut und wichtig für mich. Nicht gut war, dass ich in meinem Eifer - ich wollte sofort alles wunderschön und geregelt haben - oft und ohne es sofort zu merken über meine Kräfte hinausging, was zur Folge hatte, dass ich mich am nächsten Tag krank und erschöpft fühlte. Mein Mann machte mich öfter darauf aufmerksam, doch immer wieder packte mich der Eifer. Heute teile ich mir mein geringes Leistungsvermögen (es schwindet leider immer mehr), schon sehr viel besser ein, lasse auch mal "die Fünfe g´rade sein" und habe gelernt nein zu sagen, wenn mir etwas nicht möglich ist. Bis dato hatte ich oft mit grossen Schmerzen, weinend und achtend, das möglichst keiner was merkt, getan, was ich dachte, dass es meine Pflicht ist. Kein anderer sollte das für mich machen müssen. Ich wär´ mir schäbig und nutzlos vorgekommen. Ich tat mir schwer von anderen Hilfe anzunehmen, wo ich sie brauche. Sofort war da wieder das schreckliche Gefühl der Nutz - und Wertlosigkeit im Vordergrund meines Denkens. Zum Glück habe ich mich überwunden und habe keine Hemmungen mehr zu bitten, wenn ich Hilfe benötige. Ausschlaggebend war, dass mir viele Menschen auf herzliche Art und Weise zu verstehen gaben, dass es ihnen nichts ausmacht und sie es gerne tun. Inzwischen habe ich auch einmal wöchentlich, für die schwersten Putzarbeiten eine Hilfe. Eine Nachbarin kommt ab und zu bügeln hilft mir mit den Vorhängen, beim Betten überziehen und dgl. Eine Kusine meines Mannes macht mir Näharbeiten.
Meine Kräfte richtig einteilen, etwas nicht tun, wenn´s mir nicht möglich ist, es auch zu sagen, Mitmenschen um Hilfe zu bitten und Dinge anzunehmen, welche den Alltag leichter machen - das ist gut für mich. Keine zwingenden Verpflichtungen, die Ruhe, die Natur vor der Haustüre, meine Haustiere – das ist gut für mich. Ganz speziell gut ist für mich mein verständnisvoller Mann, der mir immer zur Seite steht. Sehr gut und ganz wichtig ist meinComputer für mich. Einer meiner Söhne (Informatikkaufmann) hat mir eigenhändig einen ganz tollen PC zusammengebaut. Dieser PC ist mein Tor zur Welt. Dadurch habe ich immer Kontakt mit allen Menschen, die mir etwas bedeuten, kann mich immer über alles was mich interessiert, informieren. Aber was ganz besonders gut ist: ICH KANN DARAUF SCHREIBEN! Gedanken festhalten und ordnen!

WAS HAT MIR DAS LEBEN NOCH ZU BIETEN?
Sehr, sehr viel! Das Höchste ist die LIEBE!
Da ist mein einmaliger Mann, er sorgt sich um mich, ist mir mit vielen alltäglichen Handreichungen stets behilflich, rücksichtsvoll, muss mir zuliebe auf manches verzichten und auch wenn ihm etwas gar nicht freut, er tut´s, und verliert kein Wort darüber. Mir gehört die Liebe meiner Kinder und Enkel und die meiner "alllerbesten Mama auf der Welt", von Verwandten und Freunden. Auch weiss ich, welche Menschen mich gerne mögen. Ich bekomme Lob und Anerkennung für meine Gedichte. Ich erfahre Interesse und Anteilnahme. Viele, viele gute Wünsche und ganz liebe Grüsse erreichen mich. Ich freue mich täglich darüber.

Die tägliche FREUDE!
Ich kann und darf mich freuen!
Über alle Menschen, die im guten meinen Lebensweg mit mir gehen, mir begegnen oder kreuzen. Ich freue mich für alle, die gesund sind. ich freue mich, dass ich noch schreiben kann und kleine Handarbeiten machen kann für einen guten Zweck. Wenn ich Sonne, Mond und Sterne sehe, blühende Blumen, Früchte, schöne Natur, Vögel, Schmetterlinge, Fische und weiss sonst noch alles, wenn ich Kinder lachen höre, oder schöne Musik erklingt darf ich mich daran freuen. Ich höre bewusst auf die Geräusche und Stimmen in der Natur und freu´ mich, dass es mir gelingt. Meine Katze, unsere beiden Hunde, und die Strausse meines Mannes erfreuen mich oft sehr. ich freue mich über ..... einfach so vieles.

DANKBARKEIT!
Das Wissen, dass nicht alles selbstverständlich ist!
Für alles, was für mich gut ist und was das Leben mir noch bietet und schenkt bin ich sehr dankbar. Für meine Familie, dass sie gesund sind, bin ich besonders dankbar.Ich bin dankbar, wenn es mir einigermassen gut geht. Dankbar für mein Zuhause.Ich bin dankbar, dass ich erleben durfte, wie viele Menschen noch Anteil und Interesse für andere haben, Von Herzen dankbar bin auch jenen die mich unterstützen und aufbauen, allen voran meinem Mann. Sehr dankbar bin ich für die Gabe - schreiben zu können. Ich bin dankbar, für alles Schöne um mich herum, für jeden neuen Tag. Dankbar bin ich für alles, was ich in meinem Leben tun konnte, aber auch für das, was ich noch schaffen werde. Ich bin dankbar, dass ich Liebe geben und nehmen kann!

ALLES NEGATIVE HAT AUCH SEIN POSITIVES!

ALLES NEGATIVE HAT AUCH SEIN POSITIVES! - DER FEIND IN MEINEM KOPF - ZWEITER TEIL

© ©.


© Maline


2 Lesern gefällt dieser Text.




Beschreibung des Autors zu "ALLES NEGATIVE HAT AUCH SEIN POSITIVES! - DER FEIND IN MEINEM KOPF - ZWEITER TEIL"

aus: GESCHICHTEN AUS DEM LEBEN (wahre Begebenheiten)




Kommentare zu "ALLES NEGATIVE HAT AUCH SEIN POSITIVES! - DER FEIND IN MEINEM KOPF - ZWEITER TEIL"

Re: ALLES NEGATIVE HAT AUCH SEIN POSITIVES! - DER FEIND IN MEINEM KOPF - ZWEITER TEIL

Autor: Wolfgang Sonntag   Datum: 10.05.2019 17:06 Uhr

Kommentar: Liebe Maline,
ich bewundere deinen Mut und Antrieb, dass du alle Kraft zusammenkratzt und dem Leben sagst: Bisher hatte ich viel Pech, aber hier bin ich und ich mache weiter. Und unsere Schreiber Netzwerk Großfamilie steht dir ja auch zur Seite ...
Liebe Grüße
Wolfgang

Re: ALLES NEGATIVE HAT AUCH SEIN POSITIVES! - DER FEIND IN MEINEM KOPF - ZWEITER TEIL

Autor: Maline   Datum: 10.05.2019 18:15 Uhr

Kommentar: Das mich so viele anspornen gibt mir immerhin,
den Glauben zurück, dass ich nicht nutz - und wertlos bin.
Denn dies war mein grösstes Problem von allen
war dadurch in ein tiefes Loch gefallen.
Nicht Parkinson und was sonst noch mag passieren,
der Gedanke ich werde nicht mehr funktionieren.
Wer würde mich noch lieben könnnen, weil ich ja immmerhin,
für alle und jeden nur mehr eine Belastung bin.
Das dem nicht so ist, das ist mir nun sonnenklar,
bei so viel Anteilnahme, guten Wünschen und Grüssen,wunderbar!
Zudem hab´ich die Erfahrung gemacht,es sind mir Menschen geblieben,
die ohne falsches Mitleid gerne helfen und mich trotz allem lieben
und welche , ganz egal wie es mir mag ergehen,
sicher für immer an meiner Seite stehen.

Danke, ich freu´mich! Maline

Re: ALLES NEGATIVE HAT AUCH SEIN POSITIVES! - DER FEIND IN MEINEM KOPF - ZWEITER TEIL

Autor: possum   Datum: 11.05.2019 1:16 Uhr

Kommentar: Liebe Maline ... denke du nie, dass du wertlos bist o nein ... jedes Leben ist etwas ganz Besonderes, die Krankheiten würden wir natürlich lieber zum Mond senden ohne Rückfahrkarte und dein Mann sieht dich bestimmt nicht als Belastung ... er hilft dir gerne mit Leib und Seele.
Liebe Grüße!

Re: ALLES NEGATIVE HAT AUCH SEIN POSITIVES! - DER FEIND IN MEINEM KOPF - ZWEITER TEIL

Autor: Maline   Datum: 11.05.2019 18:10 Uhr

Kommentar: Liebe possum!

ich hab´ den besten aller Männer!

Re: ALLES NEGATIVE HAT AUCH SEIN POSITIVES! - DER FEIND IN MEINEM KOPF - ZWEITER TEIL

Autor: Maline   Datum: 04.06.2019 10:57 Uhr

Kommentar: Vielen Dank an alle, welche meine Geschichte gelesen haben.

LG. Maline

Kommentar schreiben zu "ALLES NEGATIVE HAT AUCH SEIN POSITIVES! - DER FEIND IN MEINEM KOPF - ZWEITER TEIL"

Möchten Sie dem Autor einen Kommentar hinterlassen? Dann Loggen Sie sich ein oder Registrieren Sie sich in unserem Netzwerk.