Auf einer Landstraße fahre ich der untergehenden Sonne entgegen. Ich bin alleine, soweit das Auge reicht. Und das ist auch gut so. So kann keiner meine Tränen sehen, die ich immer wieder wegzublinzeln versuche. Vergiss es. Lasse laufen, sieht doch eh niemand.

Ich bin so eine verdammte Heulsuse. Dreimal dürft ihr raten, wieso. Richtig – wegen nem Typen, mit dem ich seit mittlerweile einem halben Jahr nicht mehr zusammen bin. Wie erbärmlich ist das denn bitteschön?

Die Zeit heilt Wunden, rede ich mir ein. Ohne Erfolg. Stattdessen wird noch Salz in die Wunde gestreut. Und zwar von ihm selbst. So toll wie er nun mal ist, kann er ja von einem Bett ins andere springen. Außer in meins. Ich würde ihm am liebsten ins Gesicht springen. Das stelle ich mir zumindest vor. In die Realität setze ich es dann leider nicht um. Anstatt ihm ins Gesicht zu knallen – nur verbal, versteht sich – was für ein Arschloch er ist, grinse ich ihn nur an und lache über seine dämlichen Witze. Pah, die einzige, die dämlich ist, bin ja wohl ich.

Warum fühle ich mich so zu Arschlöchern hingezogen? Finde ich es geil, dass er seine Launen an mir rausgelassen hat und mich nie so akzeptiert hat, wie ich tatsächlich bin? Wenn ich darauf mit ja antworten kann, hab ich`s anscheinend nicht anders verdient.

Frustriert drehe ich das Autoradio noch lauter auf, um zum einen mein Geheule zu übertönen und zum anderen meiner Wut noch mehr Ausdruck zu verleihen. Wut, die sich vor allem gegen mich selbst richtet. Weil ich keine zumindest imaginären Eier in der Hose hab, wie ich beim letzten Treffen mit ihm mal wieder glorreich unter Beweis gestellt habe. Ich nehme mir vor, ihm gehörig die Meinung zu sagen. Dass er mittlerweile ein noch größeres Arschloch ist, als er ohnehin schon war. Eiskalt würde ich ihm das servieren. Ohne jegliche Gefühlregung. Genauso eiskalt, wie er mich abserviert hat. In der Hoffnung, dass seine „Männlichkeit“ dauerhaften Frostschaden davonträgt. Das einzige, was sich dann in seiner Hose noch ausbeult, wären Frostbeulen. Von wegen. So einem heißen Typen kann ein Kälteschock nichts anhaben. Und vor allem dann nicht, wenn der Frost ausbleibt. Wie bescheuert kann man sein?

Ich ärgere mich total, dass ich mich sogar gefreut habe, diesen selbsternannten „Hottie“ zu sehen. Was habe ich von ihm erwartet? Dass er vor mir auf die Knie fällt und schmachtet, ich sei der Grund für seine schlaflosen Nächte? Hah, dafür wären dann wohl andere verantwortlich, dieser geile F***.

Was habe ich dann erwartet. Am ehesten habe ich wohl gehofft, dass er sich dafür entschuldigt, wie er sich von mir getrennt hat. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Tja, dann kann ich wohl einen Grabstein aufstellen, der den Namen Hoffnung trägt. Und mich am besten gleich dazulegen. Wenigstens im Tode vereint. Huch, wie dramatisch. Obwohl ich eigentlich nicht auf Dramas stehe. (Sondern auf ihn, muhaha.)

Da könnt ihr mal sehen, was eine Trennung aus einem macht. Ein trauriges Häufchen Elend, das sich jetzt am besten auf die Suche nach dem größten Arschloch namens Hoffnung begibt. Bye.


© FreeHope


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Kommentare zu "Over and out?"

Re: Over and out?

Autor: Don Carlos   Datum: 25.06.2016 12:56 Uhr

Kommentar: Und wie ist die Geschichte Ausgegangen? Vielleicht schreibst Du noch einen zweiten Teil. Der Anfang ist interessant, aber es fehlt mir was.........

Re: Over and out?

Autor: Don Carlos   Datum: 25.06.2016 12:57 Uhr

Kommentar: Und wie ist die Geschichte Ausgegangen? Vielleicht schreibst Du noch einen zweiten Teil. Der Anfang ist interessant, aber es fehlt mir was.........

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