Diese Zeit im Jahr. In der es Schokolade in Menschenform gibt, alles plötzlich sozial und günstig wird. Plötzlich ist die Familie im Vorderpunkt. Ist das überhaupt ein Wort? Vorderpunkt? Ne. Eigentlich Vordergrund. Aber Vorderpunkt passt besser. Und wer kann mir das verbieten? Zur Not ist es mein Geschenk an irgendwen, der dieses Wort im Bewusstsein, dass es eigentlich falsch ist, benutzt. Wohlwissend, dass es noch eine Deppin gibt, die es vermutlich auch macht. Aber es ist Weihnachten. Da gibt es doch wichtigeres, als ein falsches Wort. Zum Beispiel, welchen Tee man heute trinkt. Und wieso der Lieblingstee immer noch leer ist. Nach zwei Wochen. Nach diesem Zeitraum gibt es keine logische Entschuldigung mehr. Nur Verplantheit. Aber wenigsten stehen 10 Schokoweihnachtsmänner zur Verfügung, falls ich sie brauche. Es gibt diese anarchische Gewohnheit die Schokoweihnachtsmänner zu essen: von unten anfangen. Dabei der Gedanke, dass er dadurch vielleicht mehr leidet. Aber eigentlich nur, weil der Kopf das Leckerste ist. Die meiste Schokolade. Dazu noch einen Tee trinken (nicht den Lieblingstee, da es ja scheinbar nicht möglich ist, ihn innerhalb von drei Wochen zu kaufen) und Weihnachtslieder… Es gibt schöne und weniger schöne Dinge an der Jahreszeit. Und das weniger Schöne sind die klassischen Weihnachtslieder. Das Lied, in dem es darum geht, scheinbar irgendwem (den die Person scheinbar noch nicht mal kennt) das Herz zu schenken, da irgendwer anderes es letztes Jahr gebrochen hat. Alter… Nur weil es weihnachtet, musst du nicht auf Krampf irgendwen zum abschlecken haben. Alleine muss man nicht gut beim Essen aussehen (gut, zu zweit vielleicht auch nicht, aber das ist hier gerade vollkommen irrelevant. Immerhin muss ich den Single-Buddies den Rücken freihalten und loyal zu ihnen bleiben. Leute: wir packen diese Zeit. Freunde tuen es auch und zur Not jemanden aus Pappe. Ich verurteile keinen). Also: Single sein ist gerade jetzt anstrengend. Immer geht es um Liebe, um Partnerschaft. Und die Frage bleibt: wieso? Nach christlichem Glauben (sorry, kenne nur den und eigentlich ist mir Religion nicht wichtig, verurteile aber keinen der religiös ist, solange keinem Schaden zugefügt wird), geht es an Weihnachten doch nur darum, dass die angebliche Jungfrau Maria einen Football namens Jesus aus sich rausgepresst hat. Und ganz ehrlich: das ist doch Folter. Ich meine, normalerweise bevor was rauskommt, kommt doch erst was rein. So als Vordehnung oder so. Aber das war bei ihr ja scheinbar nicht. Die hat quasi ohne Dehnung oder Aufwärmtraining einen Marathon absolviert, oder sich alles aufgerissen. Und was dieser Akt jetzt mit Liebe zu tun hat, verstehe ich nicht. Ja, Jesus Geburt und so. Aber eine Geburt ist doch alles andere als romantisch. Rein biologisch gesehen. Es ist nun mal nicht schön. Aber gut. Heutzutage geht es ja meist weniger um die Auspressung von Jesus, und mehr um…Konsum? Liebe? Weihnachtsmann? Für mich um die Gemütlichkeit der Kerzen, des Strahlens des Plastikweihnachtsbaumes mit den gar nicht so plastikartigen Kugeln wie mein Vater dachte (und weswegen mein Zimmer vermutlich bis zur Apokalypse glitzern wird), und Essen. Weihnachten finde ich dieses Jahr zum ersten Mal seit langem wieder gut. Freue mich darauf. Nur warum weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber vielleicht schaffe ich es ja noch, neuen Tee zu kaufen, und während des Kaufens meinen alten, wohlbekannten Hass auf die Menschen wiederzufinden. Nur um trotz der beknackten Weihnachtslieder wieder in Weihnachtsstimmung zu kommen. Und vielleicht kotze ich ja bald vor Besinnlichkeit (Zitat aus einem guten Weihnachtslied von Knasterbart). Denn es gibt auch gute Lieder. Wenige, aber immerhin. Und während ich die anderen Lieder über mich ergehen lasse, setze ich mir eine Weihnachtsmannmütze auf, trinke einen Tee und singe laut und falsch mit. Eventuell. Vielleicht. Aber: An alle die sich das bis hierher angetan haben: frohe Weihnachten, genießt Schokolade, Leckereien und Tee und lasst euch von den Schnulzen nicht in die Knie zwingen. Bleibt standhaft und genießt trotz der Widrigkeiten die Weihnachtszeit. Davon gibt es nur noch wenige. Und an alle Lehrer: schreibt bescheuerte Weihnachtsgrüße auf die Klausuren. Das hilft bestimmt….oder auch nicht. Und auch wenn es kein typische Weihnachtsgeschichte ist, geht es doch um Weihnachten und daher sortiere ich sie hier ein.


© Emilia H.


2 Lesern gefällt dieser Text.





Kommentare zu "Trotz Widrigkeiten Weihnachten genießen - auch ohne Lieblingstee"

Es sind noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar schreiben zu "Trotz Widrigkeiten Weihnachten genießen - auch ohne Lieblingstee"

Möchten Sie dem Autor einen Kommentar hinterlassen? Dann Loggen Sie sich ein oder Registrieren Sie sich in unserem Netzwerk.